29.05.2014 Dr. Hossein Pur Khassalian

Die Situation der religiösen Minderheiten in Iran


Protest Reklame Schilder Demo Demonstration Moscheebau

Derartige Poster und Reklamen hat es in Iran hinsichtlich der christlichen Kirchen nie gegeben.

Mit Sorge stelle ich oft fest, dass man im Westen über den Islam und über das Verhalten der Muslime im Zusammenhang mit den religiösen Minderheiten teilweise verzerrt und sensationslustig berichtet.

Nach meiner Auffassung liegt dies daran, dass man einerseits den Islam einseitig aus der Sicht der radikalen Fanatiker interpretiert und andererseits möchte man im Westen die Islamische Republik in Iran nur als einen „Islamischen Staat“ definieren und damit die republikanische Hälfte dieses Staates ignorieren.  

Richtig gesehen gibt es eine Vielzahl von Lesarten des Islams und nur ein geringer Prozentsatz der Muslime neigt zum radikalen Fanatismus. Richtig ist auch, dass es in Iran einflussreiche Kräfte gibt, die den iranischen Staat nur als einen „Islamischen Staat“ verstehen wollen. Auch sie negieren die republikanischen Elemente der Verfassung der Islamischen Republik.

Demnach möchte ich im vorliegenden Text über den Zustand der religiösen Minderheiten in der Islamischen Republik Iran berichten. Da ich der Meinung bin, dass aus Falschmeldungen und aus unzureichenden Analysen Missverständnisse und Konflikte entstehen und infolgedessen den Weltfrieden gefährden können. Ich bereise Iran seit 34 Jahren, zweimal jährlich, um unter anderem die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Entwicklungen in der Islamischen Republik Iran aus nächster Nähe betrachten zu können. Das tue ich, um besser in der Lage zu sein, mit Vorträgen und Gesprächen, die ich in Bonn an mehreren interreligiösen Tagungen und Dialogveranstaltungen führe, eine Brücke zwischen Kulturen und Religionen zu bauen.

Iran, ein Gastland für monotheistische Gedanken

In kaum einem anderen Land haben in der Frühgeschichte so viele monotheistische Religionen Zuflucht gefunden wie in Iran. Lange bevor der Islam sich in Iran ausbreitete, waren schon die Zoroastrier, Juden und Christen hier integriert. Die Anhänger dieser Religionen konnten sich nach leidlichen Verfolgungen und Vertreibungen auf dem iranischen Boden niederlassen.

Von römischen Okkupanten und selbst von byzantinischen christlichen Machthabern verfolgt und abgedrängt, fanden die Juden und Christen in Iran Menschen mit ebenfalls monotheistisch-zoroastrischem Gedankengut. Hier wurden sie  aufgenommen, hier war die Verständigung besser als innerhalb der arabischen polytheistischen Gebiete. Sie sind bis heute unsere Landsleute - ja, die Juden und Christen sind feste Bestandteile Irans.

1604 kam es in Isfahan zu einem eigenartigen Ereignis. Eigenartig, weil Menschen mit einer anderen Kultur,  Religion und Sprache aus ihrer 1.000 km entfernten Heimat auswanderten und sich  innerhalb eines streng schiitischen Gebietes niederließen.Was war geschehen?

Unterdrückt von russischen Herrschern und angegriffen von türkischen Osmanen, suchten die Armenier Schutz beim iranischen König Schah-Abbas. Es bildete sich bald ein Bündnis mit Vorteilen für beide Parteien. Die Osmanen wurden abgedrängt, die Armenier wurden frei und es bahnte sich ein Dialog zwischen Christen und Muslimen an.

Während die armenischen Handwerker infolge wirtschaftlicher Flaute in ihrer Heimat ohne Beschäftigung waren, konnten sie ihre Kunst in Isfahan zeigen, in einer Stadt mit prosperierender Wirtschaft. In Isfahan waren die Armenier willkommene Gäste. Der König, Shah Abbas, gab ihnen Grundstück. Sie durften ihre Kirche errichten, ihren Glaube, ihre Kultur und Sprache beibehalten und pflegen.

Eine  dritte Welle der Einwanderung der Christen nach Iran geschah, als die Armenier von den Türken vor dem ersten Weltkrieg vertrieben wurden. Nach dem 1.Weltkrieg rollte die vierte Einwanderungswelle, als die Bolschewiken sich anschickten, ihre Macht über die armenischen Gebieten auszuweiten. Heute gilt die Islamische Republik Iran für Armenien als ein Verbündeter in der Region.

Gebetsstätten der Christen

„Nane Maryam“ in der Nähe der Stadt Urumieh im nordwesten Irans ist der Name einer sehr alten  assyrischen Kirche. Die Bezeichnung klingt liebevoll, auf Deutsch übersetzt heißt das: “Mütterchen Maria“

Eine noch ältere christliche Einrichtung ist  die “Schwarze Klosterkirche”. Sie soll die älteste  in der Welt sein. Sie wurde im Jahre 66 n. Chr. errichtet. Sie wurde mit finanziellen Hilfen der muslimischen Könige  mehrfach renoviert. Das brachte ihnen Anerkennung, aber auch Reichtum. Denn wo gepilgert wird, gibt es Wohlstand. Jedes Jahr am 15. bzw. 16. Juli wird hier dem Märtyrertod von Judas Thaddäus gedacht.

Einen Beweis für die engste Kooperation zwischen den relgiösen Minderheiten und muslimischen Herrschern findet man auch in Isfahan, an der Kathedrale Vank. Die armenischen Christen, die hier leben, sind überwiegend Handwerker. Ihre Kunst wurde gefragt. Gerade unter Shah Abbas expandierte die iranische Wirtschaft. Mitten auf der Seidenstraße gewann der Markt in Isfahan eine große regionale Bedeutung. Im armenischen Museum in Isfahan kann der Besucher die Früchte der erfolgreich abgeschlossenen Integration bewundern.

Wer sich Zeit nimmt und schmale Gassen des armenischen Viertels durchwandert, findet in einem Umkreis von einem halben Kilometer nicht weniger als sechs Kirchen mit ihren Türmen, die zum Teil noch höher sind, als die nächstgelegenen Moscheen.

Ein weiterer Beweis für die friedliche Koexistenz ist das Nonnenkloster in Isfahan. Auffallend sind die Holzsäulen der Terrasse mit ähnlichen Verzierungen, wie man sie vom safawidischen Königspalast kennt - ein Hinweis darauf, dass die muslimischen Handwerker beim Bau einer christlichen Einrichtung mitgewirkt haben.

Ein weiterer Hinweis für das friedliche Zusammenleben der Kulturen ist die Tatsache, dass sowohl die Kirchen als auch die Synagogen in Iran von der Mehrheitsgesellschaft toleriert werden. Man findet vor derartigen religiösen Einrichtungen keine Polizeiwache. Man möge bedenken, dass in Deutschland fast alle Synagogen vor etwaigen Angriffen von Rassisten rund um die Uhr unter Polizeischutz stehen.

Gebetsstätten der Zoroastrier

Heute findet man in Iran mehr als 200 zoroastrische Tempel und Gedenkstätten. Sie werden ständig mit staatlichem Mitteln renoviert. Fast alle dieser Gebetstätte stehen Interessenten zur Besichtigung frei. Wenn die Zoroastrier während ihrer Gebetsstunde ungestört bleiben wollen, darf man nicht daraus schließen, dass „sie.. nur in geschlossenen Räumen ihr Gebet verrichten“ dürfen. So lautete eine Hetzpropaganda in einem Hilfeausruf der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV). Denn selbst im Kölner Dom ist Zutritt der Besucher während der Mette verboten.

Gebetsstätten der Juden

Vor ungefähr 2.600 Jahren entstand  in Schusch (im Alten Testament als Susa bekannt) die erste jüdische Gemeinde, die von einem biblischen Propheten Namens Daniel geführt wurde. Wie ich von einem jüdischen Mitbürger in Iran erfahren habe, ist das Mausoleum des Propheten Daniel nach Jerusalem das zweitwichtige Heiligtum für alle Juden. Bemerkenswert ist, dass das Mausoleum Daniels sowohl von Juden und Christen als auch von Muslimen geehrt und gepilgert wird.

Ein weiteres beachtliches Gotteshaus, allerdings exklusiv für Juden, ist ein Gebäude in Hamedan, einer Stadt im Westen Irans. Hier steht ein Mausoleum, in dem Esther und Mordekhai geehrt werden und das von Pilgern besucht wird. Zur historischen Bedeutung ist zu bermerken, dass sich hier Mordekhai, ein biblischer Prophet, nach der Befreiung der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft durch den iranischen Kaiser Kyros um 529 v. Chr. niederließ. Offensichtlich wollte er in der Stadt sein, in der die Tochter seines Onkels, Königin Esther, mit dem persischen Kaiser Xerxes I. vermählt war. Dies war eine Heirat, die die Beziehung zwischen den Juden und Iranern festigen sollte.

Peighambariyeh in der Provinzhauptstadt Ghazwin (200 km westlich von Teheran) ist sprichwörtlich ein “Dialogdenkmal”. Denn hier, in einem Baukomplex, ruhen vier jüdische alttestamentarische Propheten neben dem Nachkommen eines schiitischen Imams. Die jüdischen Prophten sind Salam, Solum, Sahuli und Alghia.

Mausoleum Peighambariyeh Qazvin Iran

Peighambariyeh: Hier ruhen vier biblischen Propheten neben einem Nachkommen des zweiten Imams der Schiiten.

Bürgerliche Rechte für die religiösen Minderheiten

Im strengen Sinne sind die bürgerlichen Rechte der religiösen Minderheiten in zwei Bereichen eingeschränkt.

Nach Artikel 64 der Verfassung sind insgesamt fünf Parlamentssitze für die religiösen Minderheiten reserviert. Bei Präsidentschaftswahlen besitzen sie auch aktives, aber kein passives Wahlrecht. Auch Ämter wie das oberste Richteramt oder das des religiös-politischen Staatsoberhauptes bleiben ihnen versperrt. Ansonsten betrachtet die Verfassung der Islamischen Republik alle Bewohner Irans gleich. In mehr als 76 Verfassungsartikel, wo Verbote oder Gebote ausgesprochen werden, sind die Verbote und Gebote ausdrücklich für alle Menschen gleich.

Der Artikel 13 der Verfassung bevorzugt sogar die religiösen Minderheiten insofern, da sie berechtigt sind, bei der Heirat, bei Erbangelegenheiten und bei der Bestattung nach ihren religiösen Verordnungen zu handeln - ein Recht, das den Muslimen in Deutschland versagt bleibt.

Bemerkenswert ist, dass der Verfassungsartikel 14 die Mehrheitsgesellschaft verpflichtet, die religiösen Minderheiten mit Achtung und Liebe zu behandeln.

Allerdings werden die Bürgerinnen und Bürger in einer militarisierten Gesellschaft weniger von ihren verbrieften bürgerlichen Rechten Gebrauch machen können. Wo es Embargos und militärische Drohungen gibt, kommt jeder Bürger dem Sicherheitsapparat verdächtig vor. Während das Ausmaß dieser Verdächtigung gegenüber den Christen nicht mehr ist als gegenüber den normalen Muslimen, ist es gegenüber den Juden stärker, aber in noch stärkeren Maße gegenüber den Bahais, wegen deren vermeintliche Nähe zum israelischen Staat. Die theologischen Unterschiede spielen dabei weniger eine Rolle als die Politik. Erstens steht der größte Tempel und Pilgerort der Bahais in Israel. Zweitens ist der Hauptsitz ihrer Verwaltungszentrale in den USA. Gerade von dieser Zentrale aus werden übertriebene Schreckensmeldungen über Zustand der Bahais gesendet. Manchmal habe ich Mitleid mit meinen  Bahai-Freunden vom interreligiösen Verein. Sie werden einseitig und übertrieben über die Lage der Bahais in Iran informiert und somit in Unruhe versetzt. Ich erlaube mir ein anderes Urteil, weil einige entfernte Verwandte von mir in Nordiran Mitglieder der Bahai-Gemeinde sind, und ich besuche sie regelmäßig.

Wirtschaftliche und kulturelle Situation der religiösen Minderheiten in Iran

Grundsätzlich kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung bemerken, dass bei den religiösen Minderheiten Begriffe wie Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit oder Analphabetismus unbekannt sind. Die Christen sind mehrheitlich in handwerklichen Betrieben tätig. Es besteht traditionell ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und der muslimischen Mehrheitsgesellschaft. Die Juden und Bahais sind als Händler und tüchtige Geschäftsleute bekannt. Ob im Handwerk und im Handel, sie leben von freiem Wettbewerb. Sie spüren keinerlei rassistische Diskriminierung.

Eine Ghettoisierung der religiösen Minderheiten hat es in Iran nie gegeben. Es gab noch vor der Revolution Stadtgebiete mit überwiegend jüdischen oder christlichen Bewohnern. Das lag vielmehr daran, dass sie in unmittelbarer Nähe ihrer Gebetsstätten, Schulen und ihrer Geschäfte leben wollten. Nach der Revolution, als die Peripherie Haushalte Gas-, Wasser- und Abwasserleitungen bekamen und das städtische Bauamt moderne Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben hatte und die Altstadtgebiete durch die Grundstückpreise teuer wurden, lösten sich die jüdichen und christlichen Viertel allmählich auf. Die derzeitige Wohnqualität, in der die religiösen Minderheiten nun wohnen, ist merklich besser als bei den Durchschnittsiranern.

Dass die Zahl der religiösen Minderheiten abnimmt und dass sie auswandern, liegt nicht daran, dass sie politisch schlechter behandelt werden als die Durschnittsbevölkerung. Man sieht ja auch, dass die Zahl der auswandernden iranischen Muslime zunimmt. Der Unterschied mag daran liegen, dass die Angehörigen der religiösen Minderheiten im Ausland leichter Asyl erhalten als die muslimischen Auswanderer. Der Mythos, dass die religiösen Minderheiten vom iranischen Staat aufgrund ihrer religiösen Herkunft verfolgt werden, ist mit Sicherheit eine verbrecherische Lüge. Das führt zu großen Missverständnissen und Unfrieden zwischen den Religionen. Betrachtet man die hohe Zahl der Inhaftierten in iranischen Gefängnissen, die alle Muslime sind, sind die Angehörigen der religiösen Minderheit weitaus unterrepräsentiert. Gerät einer von ihnen ins Gefängnis, werden Hunderte von Aktionen im westlichen Ausland gestartet. Noch dramatischer wird es, wenn der Staatsanwalt wegen Verdacht auf Verrat die Todesstrafe beantragt. Werden die Verhafteten aber vor Gericht frei gesprochen, erfährt man das im Westen nie. Als ich mich im Februar 2014 für einen Vortrag über die religiösen Minderheiten in Iran vorbreitete, war ich auf eine Information angewiesen: Sind die fünf zum Tode angeklagten Bahais erhängt oder sind sie freigesprochen worden? Meine diesbezügliche, an die Bahai-Gemeinde in Bonn geleitete Frage blieb bis heute unbeantwortet. Von meinen gut informierten Verwandten in Iran erfuhr ich, dass sie freigesprochen wurden.

Jüdischer Kindergarten Iran Judentum Juden

Jüdischer Kindergarten in Iran.

Was die Bildung anbetrifft, ist es der religiösen Minderheiten freigestellt, ihre eigenen Kindergärtner und Grundschulen zu verwalten. In den Wohngebieten, wo es solche Schulen nicht gibt, können die Schulkinder die allgemeinen Grundschulen besuchen. Nur hier werden sie nicht  in ihrer Muttersprache oder ihrer Religion unterrichtet. Der weitere Bildungsweg in Gymnasium, Berufsschulen und Universitäten steht ihnen frei. Auch in puncto Bildung stehen die religiösen Minderheiten besser als der Durchschnitt da. Sowohl die Juden als auch die Christen unterhalten Priesterschulen.

Es gibt Hetzpropaganda, die besagt, dass die religiösen Minderheiten in ihren Gebetsstätten ihre Gebete nur in ihrer eigenen Sprache abhalten dürfen, damit sie angeblich für die Muslime unverständlich blieben und diese somit nicht konvertieren können. Ich habe mehrmals verschiedene Gebetsstätten besucht. Die orthodoxen Priester sprachen ihre Gebete in einer Sprache aus, die nicht nur für mich unverständlich war, sondern auch für meinen christlichen Banknachbarn. Und als ich am 14.12.2013 eine Synagoge besuchte, wurde dort einmal persisch und einmal hebräisch gebetet und gepredigt.

Ahmadindeschad und seine Holocaustleugnung

Zum Schluss bringe ich eine brisante Information, die man aus den überregionalen Medien nicht erfahren konnte. Sicher hat man die Äußerungen des ehemaligen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad hier - und besonders in Israel - als antisemitisch verstanden. Natürlich war es eine gute Gelegenheit, derartige Äußerungen politisch auszuschlachten.

Sicher ist, dass die Juden in Iran keinen rassistisch-antisemitischen Attacken ausgesetzt waren. Wohl aber ärgerten sie sich  über Ahmadinedschad,  als er den Holocaust leugnete. Im Folgenden kann man sehen, dass die Juden in Iran laut und deutlich ihren Unmut ausdrucken durften:

- „Halbmond und Davidstern“ aus der Jüdischen Allgemeine, vom 2.3.2006 

Haroun Yeshaya, der langjährige Vorsitzende der iranischen jüdischen Gemeinde, hat an Präsident Ahmadinedschad einen Brief geschrieben, in dem er sich darüber beschwert, daß der Staatschef die Wirklichkeit des Holocaust wiederholt in Frage gestellt hat. „Wie ist es möglich, all die unwiderlegbaren Beweise, die es für die Vertreibung und den Massenmord an den Juden Europas im Zweiten Weltkrieg gibt, zu ignorieren?“, schrieb Yeshaya, Vorsitzender des Zentralrats der Juden Teherans. […] Hoenlein spielt eine wichtige Rolle bei der Koordinierung von Reaktionen amerikanischer jüdischer Organisationen auf Fragen, die die iranischen Juden betreffen. „Es handelt sich um ein hochsensibles Thema. Wir wissen, daß öffentliche Erklärungen Folgen haben können.“ Bislang sind laut den Aussagen einiger Kontaktpersonen zur iranischen jüdischen Gemeinde keine antijüdischen Zwischenfälle im Land selbst bekannt geworden.

- „Juden im Iran“ aus der jüdischen Kulturzeitschrif „David“, Ausgabe 83 von April 2010

So kritisierte der jüdische Abgeordnete zum iranischen Parlament, Morris (Maurice) Motamed den Präsidenten in einem Gespräch mit der Zeitung Âftâb am Rande der Sitzung des parlamentarischen Finanzausschusses: „Leider müssen wir mit ansehen, wie eine der grössten historischen Tragödien, in deren Verlauf mehr als sechs Millionen unschuldige Menschen in die Gasöfen geschickt wurden, was durch tausende Fotos und Filmrollen dokumentiert ist, von Seiten des Präsidenten des islamischen Landes Iran [sic! Und nicht Islamische Republik, Anm. d. Verf.], geleugnet wird." […] Der Abgeordnete richtete seine Bedenken schriftlich an den Präsidenten (Brief Nr. 84/809, 8. Âbân 1384/30. Oktober 2005).

Fazit

Die Christen und Juden wurden in Iran als Vertriebene und Verfolgte aufgenommen. Sie durften in Iran ihre Gebetshäuser errichten - ja, die muslimischen Herrscher halfen  sogar bei der Errichtung und Renovierung ihrer Gebetsräume. Sie durften in Iran ebenso ihre Sprache und Kultur pflegen und an ihre Kinder weitergeben. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Nur die Bahais sind bei der Pflege ihrer Religion eingeschränkt. Ihre vermeintliche Nähe zu Israel und die Tatsache, dass ihr Heiligtum sich in Israel befindet, macht sie bei den Sicherheitsbehörden verdächtig. Leider komme ich zum Schluss, dass derartige überzogene Verdächtigungen so lange anhalten werden, wie Iran von Israel und von den USA bedroht und mit Sanktionen bestraft wird.


Christian29-05-14

Die „US Kommission zur Vereinigung religiöser Minderheiten“ (USCIRF) veröffentlichte einen Bericht, in dem generell religiöse Freiheiten in aller Welt untersucht werden..

Die Kommission kommt im Hinblick auf den Iran zu einem vernichtenden Urteil: „Die sowieso schon schlechten Bedingungen für religiöse Minderheiten im Iran haben sich unter dem neuen Präsidenten Rohani noch einmal verschlechtert. Auch die neue Regierung setzt mit systematischen und grausamen Verfolgungen religiöser Gruppen fort. Zu den Methoden der Verfolgung zählen Folterungen, willkürliche Inhaftierungen und Hinrichtungen, die zum Großteil wegen der Ausübung der Religion erfolgen.“, heißt es in dem Bericht.

Yaseen Balouchi30-05-14

Wie schaut es aus mit den Sunniten? Deren Moscheen zerstört werden und deren Mullahs ermordet werden z.B in Baluchistan. Oder über Sunniten in Ahwaz? Oder in den Kurdengebieten wo letztens 30 sunnitische Kurden gehängt wurden mit dem Grund, sie seien Wahhabiten? Iran achtet und respektiert leider nicht seine religiöse Minderheiten. Iran exekutiert Sunniten mit dem Deckmantel der "Entwahhabisierung".

Yervand Khosrovian30-05-14

Sehr geehrter Verfasser, ich stimme vieles zu, alles was um Toleranz und Schutz betrifft, jedoch in eine Stelle stimme ich nicht zu, was im 17. Jahrhundert betrifft. Die Armenier sind nicht freiwillig in den Iran/Isfahan ausgewandert, sondern es war eine Evakuierungsbefehl durch Schahabbass, nach dem er Armenien und Georgien erobert hatte. Es wurden Hundetausende die Handwerker, Händler, Intellektuelle und im Landwirtschaftsbereich tätigen Armenier in den Iran evakuieren. Man spricht über mehr als 350 Tausend evakuierten, wovon allerdings nur 150 Tausend sind bis zum Isfihan geschafft, die übrigen sind unterwegs ums leben gekommen, viele sind ins Aras-fluss geworfen (laut Erzählungen: man warf die Leute ins Aras-fluss, damit von Leichen eine Brücke für die anderen bauen, um Aras-Fluss passieren zu können. Mit Armeniern wurden auch viele Georgien in den Iran evakuiert. Nach dem Einsiedlung in Isfahan, haben armenischen Händler die Iranischen Handel von China bis nach Europa vernetzt und entwickelt, die Seidenhandel... Sie haben als erste, die Druckmaschine in den Iran, Isfahan gebracht und erste Druckschrift herausgegeben. Sie haben vieles zur iranischen Kultur, Wirtschaft aber auch Politik beigetragen. Andererseits auch wurde ihnen vom Schah Sonderstatus erteilt, womit sie völlig Autonom waren, ihre Wirtschaft, Kultur, Sozialwesen und Religion auszuüben. Im Nördlichen Teil des Irans (Tabriz, Urmie, Salmas, Maraqe, Maku und anderen Orten, waren die Armenier schon von Frühzeiten ansässig, die Region bezeichnete sich zusammen mit der heutigen Ost- und Westarmenien einiger Zeit als Großarmenien.

Mahnaz02-06-14

Sehr geehrter Verfasser,
Sie berichten, dass die Baha'is nur in Ausübung ihrer Religion eingeschränkt sind. Ich möchte Sie bitten, vor dem Verfassen solcher Bericht sich besser informieren. Den Baha'is wurde seit der Revolution der Zugsng zur Universität verweigert. Sie wurden aus ihre Jobs gekündigt. Ihre Geschäfte wurden geschlossen, aus ihre Häuser vertriebe ihre Eigentum konfisziert und ihre Friedhöfe zerstört. Ca. 200 Baha'is wurden hingerichtet viele befinden sich immer noch in Gefängnisse. Viele mussten ihre Heimat verlassen ............. Und das nennen Sie als Lüge????!!!!! Wenden Sie sich doch an UN und Amnesty International, sie werden Ihnen sagen, dass dies alles keine Lüge ist. Es sei denn Sie sind selber ein Anhänger dieser Regierung.

Steffen03-06-14

@Mahnaz

Bloß weil die UN oder AI etwas behauptet, muss es auch nicht wahr sein. Augen auf: http://irananders.de/nachricht/detail/204.html

Orientalist03-06-14

Chrsitian, Ihr Problem ist, dass Sie solche US-staatliche und politisch motivierten Kommissionen Glauben schenken.

Ali03-06-14

@Yaseen Balouchi

Über die Rechte der Sunniten in Iran wurde hier referiert: http://irananders.de/nachricht/detail/697.html

Kurzum, haben die Sunniten es in Iran weitaus besser als Schiiten in vielen sunnitischen Ländern. Und in Iran wird niemand hingerichtet, bloß weil er Wahhabit oder Salafist sind, sondern es handelt sich um separatistischen Kämpfer.

Kiesemeyer (Übersetzer für Asylgesuche)04-06-14

Dass Iraner häufig im Westen Asyl sich erschleichen und diese vermutlich auf unsere Wahrnehmung auf das Land enormen Einfluss hat, ist bei Kennern der Szene kein Geheimnis. Da kann ich dem Verfasser nur beipflichten. Hier wieder ein jüngstes Beispiel: http://bazonline.ch/schweiz/standard/Mit-dreisten-Luegen-zum-Bleiberecht/story/10620006

Die Dunkelziffer von gelogenen Asylgesuchen von Iranern ist extrem hoch. Auch der indonesische Botschafter in Iran räumte ja kürzlich hier im Interview ein, dass es sich bei den iranischen Flüchtlingen keineswegs um politisch Verfolgten handelt. Wirklich schade, wie diese Iraner einen schlechtes Licht auf ihr wunderbares Land werfen, das ich gerne immer wieder besuche.

Hassan04-06-14

Navid Kermani sagte zum 65. Geburtsjahr des Grundgesetzes im Deutschen Bundestag, dass im iranischen Parlament keine Juden und Christen reden dürfen. Schämen soll er sich für diese Dreistigkeit. Juden und Christen dürfen nicht nur im iranischen Parlament reden, sondern sind dort Abgeordnete und dürfen nicht nur dort reden, sondern sogar mit abstimmen! Er sollte lieber die Mitglieder des Bundestages dafür geißeln, dass bis heute über das in Wirklichkeit provisorische Grundgesetz die deutsche Bevölkerung nicht abgestimmt hat! In Iran hat das Volk schon dreimal über die Verfassung abgestimmt. Guten Morgen Herr Kermani!

Engelhardt24-05-15

"Indeed, minorities in Iran are well-integrated not only socially and culturally but politically as well. There are five Armenians in Parliament (compared to four Assyrian and Chaldean Christians, three Jews, and two Zoroastrians in the 290-seat Majlis). There are also Armenian observers to the Expediency Council and the Guardian Council."

http://ajammc.com/2012/12/01/towards-an-armenian-iranian-modern-tehran-church-architecture-post-revolutionary-soccer-culture/

Mirvat28-05-15

Da ist Iran nicht alleine. Im pro-westlichen Jordanien werden Bahais auch diskriminiert!

http://en.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Jordan

Engelhardt16-01-16




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