Religiöses Oberhaupt und Kosmopolit mit gesellschaftlicher Weitsicht: Wer ist Ayatollah Khamenei?


Ayatollah Ali Khamenei raucht eine Pfeiffe

Nach der Ansicht des Dissidenten Ganji hat kein anderer der heutigen Großayatollahs eine so kosmopolitische Vergangenheit wie Ayatollah Ali Khamenei.

Der im Westen residierende iranische Dissident Ali Akbar Ganji, der mehrere Jahre in Iran inhaftiert war, widmete sich in einem umfassenden Beitrag in Foreign Affairs dem Denken, der Persönlichkeit und Weltsicht des religiös-politischen Staatsoberhauptes Irans, Ayatollah Ali Khameneis. Die Ansichten des Letzteren sind es, die enormen Einfluss auf die iranischen strategischen Entscheidungen haben. Im Folgenden geben wir daher - mit einigen Ergänzungen und Erläuterungen unsererseits – die Teile von Ganjis wertvoller Analyse über Ali Khamenei zusammengefasst wieder, die über ihn im Westen kaum bekannt sind.

Das Amt des religiös-politischen Staatsoberhauptes verleiht keineswegs eine institutionelle Allmacht. Jedoch übt Ayatollah Khamenei neben den institutionellen Befugnissen auch als Person und Charakter einen starken informellen Einfluss auf die exekutiven, legislativen und judikativen Zentren aus. Ja, er fungiert quasi als die graue Eminenz und ist der Topideologe der Islamischen Republik Iran. Wer ist der Kleriker, der seit knapp 25 Jahren die Zügel des islamisch-republikanischen Systems in der Hand hält und von seinen glühendsten Anhängern mit dem Ehrentitel „Imam“ gerufen wird, eine Ehrung, die im schiitischen Islam nur den höchsten Würdenträgern in der Geschichte erwiesen wird?

Ali Khamenei wurde 1939 in der heiligen Stadt Maschhad im Nordosten Irans geboren. Als zweites von acht Kindern begann der Sohn eines muslimischen Geistlichen mit bescheidenen Mitteln ebenfalls ein religiöses Studium. Während seiner Studienjahre in der heiligen Stadt Qum schloss er sich 1962 Ayatollah Ruhullah Khomeinis religiös geprägter Oppositionsbewegung an. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Islamischen Revolution 1979 und wurde 1981 Präsident der jungen Islamischen Republik, ein Amt, das er bis zu seiner „Erkennung“ zum religiös-politischen Staatsoberhaupt 1989 innehatte. Auf dem Weg dorthin ging Khamenei einen für eine klerikale Führungsperson ungewöhnlichen Weg.

Die Grundsteine seines Weltbilds sind vor seiner politischen Karriere in seinen jungen Jahren, in den 1950ern und 60ern, gelegt worden. Im Gegensatz zu vielen Islamisten pflegte Khamenei regelmäßig Kontakte mit den wichtigsten säkularen Oppositionellen und übernahm viele ihrer revolutionären Diskurse. Khamenei pflegte enge Beziehungen zu Jalal Al-e Ahmad und Ali Shariati, den zwei einflussreichsten Intellektuellen der vorrevolutionären Zeit. Sie waren wichtige Vertreter der Theorie des Gharbzadegi, eine Theorie, die den Verlust der iranischen Identität durch Nachahmung westlicher Maßstäbe verurteilt.

Iran, eine kaiserliche Monarchie und Verbündeter der USA, galt bei der iranischen Opposition als Marionette der USA. 1953 hatte die Eisenhower-Regierung gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich den populären Premierminister Mohammad Mossadeq aus seinem Amt geputscht und Reza Schah wieder als Kaiser installiert. Jede oppositionelle Kritik am Schah, sei sie säkular oder religiös motiviert, war im Anschluss daran zugleich Kritik an den USA. Khameneis enge Beziehungen zu den säkularen Intellektuellen in Iran prägten seinen Antiimperialismus, waren es doch besonders diese Gruppen, die nach dem Putsch und den folgenden Repressionen einen ausgeprägten Antiamerikanismus entwickelten. Sein Freund, der berühmte Poet Mehdi Akhavan-Sales, legte dies in einem seiner Versen wie folgt dar: “Ich werde es nicht vergessen: Wir waren eine Flamme und sie übergossen uns mit Wasser.“ Entsprechend oft weckt Khamenei die Erinnerung an den Putsch, so beispielsweise 2012 bei einem Treffen mit Universitätsstudenten in Teheran:

„Es ist interessant sich vor Augen zu führen, dass die USA seine Regierung stürzten, obwohl Mossadeq ihnen gegenüber keine Feindschaft gezeigt hatte. Er hatte den Briten die Stirn geboten und vertraute den Amerikanern. Er hoffte, dass die Amerikaner ihm helfen würden. Er hatte gute Beziehungen zu ihnen, er zeigte Interesse an ihnen, vielleicht zeigte er sich ihnen gegeünber sogar unterwürfig. Und trotzdem putschten die Amerikaner ihn weg.“

Aus Khameneis kritischer Haltung zur amerikanischen Politik folgen aber keine reflexartigen anti-westlichen Denkmuster. Er glaubt nicht, dass die USA oder der Westen Quelle allen Übels in der Islamischen Welt sind, dass sie zerstört werden müssen oder dass der Koran und die Scharia an sich ausreichend seien, um alle Bedürfnisse der modernen Welt zu erfüllen. Er glaubt, dass Wissenschaft und Fortschritt und auch Teile der westlichen Kultur Bestandteil der „Wahrheit im Westen“ seien und wünscht, dass das iranische Volk diese Wahrheiten übernimmt. Er ist kein verrückter, irrationaler oder rücksichtsloser Fanatiker, der nach Wegen der Aggression sucht.

Als junger Mann liebte das iranische Staatsoberhaupt Romane. Er las iranische Autoren wie Muhammad Ali Jamalzadeh, Sadiq Chubak und Sadiq Hedayat – nach und nach realisierte er aber, dass die orientalischen Schreiber den westlichen Klassikern aus Frankreich, Russland und dem Vereinigten Königreich weit hinterherhinken. Er rühmte Leo Tolstoi und Michail Scholochow und mochte auch Honoré de Balzac und Michel Zévaco, jedoch betrachtete er Victor Hugo als unübertroffen. In kaum einem anderen Feld äußert sich Khamenei sonst so positiv gegenüber der westlichen Kultur:

„Meiner Meinung nach ist Victor Hugos Les Misérables der beste Roman, der in der Menschheitsgeschichte geschrieben wurde. Ich habe nicht alle Romane gelesen, die im Laufe der Geschichte geschrieben wurden, keine Frage, aber ich habe viele gelesen, die sich auf Ereignisse in den verschiedensten Jahrhunderten beziehen. Ich habe einige sehr alte Romane gelesen. Zum Beispiel, sagen wir, habe ich die Göttliche Komödie von Dante gelesen. Ich las Amir Arslan. Ich las auch die Geschichten von Tausendundeiner Nacht… [Aber] Les Misérables ist ein Wunderwerk in der Welt der Romane… Ich habe es wieder und wieder gesagt, lest Les Misérables einmal. Dieses Les Misérables ist ein Buch der Soziologie, ein Buch der Geschichte, ein Buch der Kritik, ein göttliches Buch, ein Buch der Liebe und der Gefühle.“

Im Jahr 2012 sprach er bei einem Treffen mit muslimischen Klerikern aus der vorrevolutionären Zeit: „Ich wirkte in intellektuellen Kreisen vor der Revolution mit und hatte enge Beziehungen mit den politischen Gruppen. Ich lernte alle kennen, sprach und diskutierte mit ihnen“. Er war ein Mann der Musik, der Dichtkunst und der Romane, aber auch des religiösen Rechts. Kein anderer der heutigen Großayatollahs oder prominenten islamischen Juristen hat eine so kosmopolitische Vergangenheit wie Ayatollah Khamenei.

Neben gewissen kulturellen Errungenschaften, bewundert Khamenei auch weitere Aspekte der westlichen Gesellschaften. Er bewundert den rasanten Fortschritt des Westens in vielen Bereichen während des letzten Jahrhunderts. So hörte man ihn in einer Rede im Juni 2004 regelrecht wie folgt loben: „In Amerika seht Ihr den Gipfel im Aufstieg einer materialistischen Zivilisation hinsichtlich Wissenschaft, Wohlstand, militärischer Macht und politischer sowie diplomatischer Erfolge. Amerika ist das Land, das legendären Reichtum, militärische Macht und außerordentliche politische Mobilität hat.“

Bei einem Treffen mit Mitarbeitern aus dem kulturellen Bereich in der Stadt Rasht am Kaspischen Meer 2001 bemerkte er, dass „die Europäer die gute Eigenschaft besitzen, Risiken einzugehen. Das ist die Hauptursache für ihren Erfolg… Eine weitere ihrer guten Eigenschaften ist ihre Ausdauer und ihr Festhalten an harter Arbeit… Die größten und talentiertesten westlichen Erfinder und Gelehrten sind jene, die Jahre lang ein hartes Leben führen, in einer Kammer sitzen und etwas entdecken. Liest man ihre Biografien, dann sieht man, was für ein hartes Leben sie geführt haben.“

„Westliche Kultur“, so bemerkte er in einer Diskussion mit iranischen Jugendlichen im Februar 1999 anlässlich des Jahrestags der Revolution, „ist eine Mischung aus schönen und hässlichen Dingen. Niemand kann behaupten, dass die westliche Kultur umfassend hässlich ist. Nein, wie jede andere Kultur hat sie sicher ihre schönen Züge… Ein aufgewecktes Volk und eine Gruppe von aufgeweckten Leuten nimmt das Gute und fügt es der eigenen Kultur hinzu, um diese zu bereichern, während es das Schlechte ablehnt.“

Khamenei versucht zugleich mit Nachdruck zu vermeiden, dass der Konflikt zwischen Iran und dem Westen als einer zwischen Islam und Christentum wahrgenommen wird: „Das Ziel dieser erzürnenden Aktionen [die Koranverbrennungen eines radikalen christlichen Predigers in den USA, Anm.d.R.] ist es, die Konfrontation mit dem Islam und den Muslimen in den christlichen Gesellschaften salonfähig zu machen und ihr einen religiösen Stempel aufzusetzen“, so Khamenei in einer öffentlichen Rede im September 2010. Aber „wir müssen verstehen“ fuhr er weiter fort, dass diese Taten „nichts mit den Kirchen oder dem Christentum zu tun haben und… nicht den Christen und ihrem Klerus angehangen werden dürfen.“ Weiter sagt er: „Der umfassende Kampf zwischen Muslimen und Christen ist das, was die Gegner sowie die Aufrührer, die hinter diesen irrsinnigen Machenschaften stecken, wollen, und der Koran weist uns an, die gegenteilige Position einzunehmen.“

Ayatollah Khamenei glaubt dennoch, dass die islamische Zivilisation überlegen ist, weil die westliche Zivilisation überwiegend materialistisch ist: „Der Westen betrachtet nur eine Dimension, ein Kriterium – das materialistische Kriterium,“ sagte er kürzlich während eines Treffens mit Jugendlichen, das dem Thema der sozioökonomischen Entwicklung gewidmet war. Er fügte hinzu, dass in der westlichen Betrachtung „Fortschritt in erster Linie aus Fortschritt in Wohlstand, Wissenschaft, militärischen Fragen und Technologie besteht… Aber in der islamischen Denkweise hat Fortschritt weitere Dimensionen: Fortschritt in der Wissenschaft, in der Gerechtigkeit, in öffentlichem Wohlstand, in der Wirtschaft, in internationaler Größe und Status, in politischer Unabhängigkeit, im Gebet und in der Annäherung an dem erhabenen Gott – mit anderen Worten, sie hat einen spirituellen Aspekt, einen göttlichen Aspekt.

Die Islamische Republik hat Khamenei zufolge ihre eigene Form der Demokratie, eine die in der Religion gründet. „Die Grundlagen der religiösen Demokratie sind anders als jene der westlichen Demokratie,“ sagte er im Juni 2005 während einer Rede anlässlich des Jahrestags von Ayatollah Khomeinis Tod, dem Gründer der Islamischen Republik. „Religiöse Demokratie, für die wir uns als Grundlage entschieden haben, entspringt aus den gottgegebenen Rechten und Pflichten der Menschen, und sie ist nicht einfach ein Vertrag. Alle Menschen haben das Recht zu wählen und das Recht auf Selbstbestimmung. Das ist es, was den Wahlen in der Islamischen Republik Bedeutung verleiht. [Das was wir heute hier haben] ist weitaus mehr und bedeutsamer und verwurzelter als das, was heute in westlichen liberalen Demokratien existiert.“

Praktisch glaubt das religiös-politische Staatsoberhaupt, dass liberale Demokratie nicht zu Freiheit, sondern zu Dominanz, Aggression und Imperialismus führt und dass es dieser Aspekt an ihr ist, der unakzeptabel ist. „Wir glauben an die Demokratie“, so sagte er in einem Treffen mit Basijis im Nordwesten Irans im Oktober 2011, die im Westen als besonders radikal und fanatisch gelten. Wir wollen [aber] dieses Wort nicht für unsere reine, vernünftige, wahrhaftige und saubere Bedeutung verwenden. Wir sagen religiöse Volksprimat oder Islamische Republik.“

Trotz aller Kritik am Liberalismus hat er aber die Übersetzung von liberalen Werken, wie von Karl Popper, Milton Friedman, Ronald Dworkin, Isaiah Berlin, John Rawls, Richard Rerty, Martha Nussbaum, Robert Putnam, Amartya Sen und vielen anderen ins Persische nicht verhindert.

Für Ali Khamenei befindet sich die Weltgeschichte an einem „Wendepunkt“, und „ein neues Zeitalter ist in der ganzen Welt“ angebrochen. Die marxistischen, liberalistischen und nationalistischen Lehren haben ihre Anziehungskraft verloren und nur der Islam hat sie behalten. Der arabische Frühling, oder - wie er es nennt - „das Islamische Erwachen“ ist demnach ein Vorbote. In seiner Sicht ist es unwichtig, dass gängige materialistische Kalküle so eine Entwicklung unwahrscheinlich machen. Er sieht im Überleben der Islamischen Republik im Angesicht von mehr als drei Jahrzehnten internationaler Gegnerschaft einen Beweis himmlischer Unterstützung und zählt auf ihre Fortdauer in der Zukunft. Khamenei ist vom Sieg von spirituellen und göttlichen Werten in der Welt überzeugt. Im Gegensatz zu Max Webers Sicht, dass die moderne Wissenschaft die Welt und die Wirkung von Macht entmystifiziert hätten, vertraut Khamenei weiterhin esoterischen Begriffen und dem himmlischen Wesen in seinem politischen Ansatz. Er re-mystifiziert die Welt.

Darüber hinaus bemerkt er, dass die Islamische Republik das Ergebnis einer vom Volk getragenen Revolution ist und über eine beachtliche religiöse Legitimität verfüge. Im Hinblick auf die Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen 2009 sagte er: „Eine Revolution, die sich in Zeiten der Spaltung nicht gegen verschiedenste politische oder militärische Putschversuche und anderer solcher Aktionen verteidigen kann, ist nicht lebendig. Diese Revolution ist lebendig, weil sie sich selbst verteidigt und sich tatsächlich auch durchsetzt und gewinnt. Das ist gewiss, so wie Ihr es 2009 gesehen habt.“ 

Das religiös-politische Staatsoberhaupt glaubt, dass die Islamische Republik mit mehreren Maßnahmen verhindern könne, dass sie das Schicksal der kollabierten Sowjetunion teilt. Reformen müssen vernünftig und in aller Deutlichkeit aufgezeigt werden, so dass sie nicht missverstanden oder missbraucht werden. Reformbemühungen müssen, so beschreibt er, „durch eine starke und gemäßigte Mitte durchgeführt werden, so dass sie nicht außer Kontrolle geraten.“

Das sind Voraussetzungen, die nahtlos auf die neue Regierung von Präsident Hassan Rouhani zutreffen. Eine Regierung, die „eine starke und gemäßigte Mitte“ im Establishment präsentiert und zugleich reformorientiert agiert. Die Amtsjahre Rouhanis werden es zeigen.


Der vollständige Beitrag von Ali Akbar Ganji kann hier auf Englisch nachgelesen werden.


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siglinde06-02-14

In meinen Augen ein Mann, der das richtige Maß an Weisheit und Vernunft besitzt.

Thomas08-02-14

Ali Khamenei ist sinnbildlich für das breite Scheitern der islamischen Mullahkratie. Während Khomeini zumindest anfänglich noch die Massen begeisterte und Rückhalt genoss, wurde Khamenei ohne Zutun des Volkes von Rafsanjani zum Vertreter Gottes im Iran ernannt. Selbst unter den weiteren geld- und machtgeilen Mullahs findet er keine wahre Anerkennung, nicht zuletzt weil ihm die theologische Autorität fehlt. Aus dem Rang eines Hojatol Islam wurde er über Nacht zum Ayattola. Seine kosmopolitische Vergangenheit, die in der Tat von ehemaligen Weggefährten bestätigt wird, hat überraschend geringen Einfluss auf seine menschenverachtende und ruinöse Politik. Sein eigener Bruder kritisiert seine Politik, und sein Neffe Mahmoud Teherani sagt sogar, dass sich in der Familie viele von ihm abgewendet haben.
Von Minderwertigkeitskomplexen geplagt hat der heute greise Diktator das Land sicher Richtung Ruin geführt, während er selber durch Diebstahl und Enteignung zu einem der reichsten Menschen des Iran aufgestiegen ist.
Legender und bezeichnend waren seine Worte beim Freitagsgebet 2009, wo er im Zuge der vielfach vermuteten Wahlfälschung sagte, dass die Meinung Ahmadinejads seiner Meinung sehr ähnle. Was danach passiert ist, haben wir alle erlebt.
Mit dem weltweit höchsten Humankapitalflucht zeigen ihm die Iraner sehr wohl was sie von seinem islamischen Paradis halten. Man muss sich nur mal seine Fatwas veranschaulichen, um festzustellen wie stark er geistig retadiert ist. Geläufige Namen dieses bewundernswerten Kosmopoliten sind " Krüppel Ali" oder auch "Bettler Ali".
Er ist Wohl mit seinem Vorgänger die größte Schande, die Iran je erlebt hat.

http://m.welt.de/article.do?id=politik/ausland/article124151563/Khamenei-selbst-profitiert-von-Atomabkommen

http://www.pi-news.net/2013/11/setad-ali-khameneis-95-milliarden-imperium/

Shakib M10-02-14

Ich bringe mal eine These, wofür ich vielleicht sogar in Iran selbst ziemlich gelinde gesagt juristische Probleme bekommen würde : Die islamische Republik Iran wäre ohne Dem Führer Ali khamenei schon direkt nach Khomeinis Tod in Chaos versunken. Er schaffte es durch eine stets durchdachte Konbination aus Weitsicht, Mut, Komprissbereitschaft und Kompromisslosigkeit, weltgewandheit und Traditionsbewusstsein, Nationalismus und globalisiertes Denken, Charisma und Autokratie sowie einer universellen Bildung und ständiger Und lückenloser Analyse der sich ständig wechselnden Begebenheiten des iran mit 15 Nachbarstaaten, 34 Jahren aussenpolitischer konflikte mit dem Westen und innenpolitischen Querellen um Macht und Geld, den Iran zur Hegemonialmacht zu machen. Er ist aber wohl der einzige Geistliche in der gesamten islamischen republik, der diese Eigenschaften hat. Sogar im direkten Vergleich mit Ay Khomeini ist der Mann in Staatsführung eine einzigartige Gestalt. Ich wünsche nur, dass eine früh begonnene Nachfolgeregelung, am besten aus allen Lagern, also egal ob. Geistlicher oder nicht, den iran für die nächsten 50 Jahre gut absichert.

Le Mec11-02-14

@Shakib M,

würde dem zustimmen. Aber warum glaubst Du, dass Du dafür juristische Probleme bekommen würdest? Eine Menge glühender Anhänger des Ayatollahs würden das genau so unterschreiben, wie Du es gesagt hast.

Wolfgang12-02-14

Am Anfang im Westen als farblose Figur beschrieben, zeigte Ali Khamenei während seiner Amtszeit als Rahbar, dass er in der Tat die Fähigkeit besitzt, zur rechten Zeit die richtigen Worte zu finden. Für seine Anhänger enthalten seine Reden das nötige Pathos revolutionärer Gesinnung, gleichzeitig bietet er den Skeptikern genug politische Weitsicht, um ihn als Oberhaupt des iranischen Staates - vielleicht nicht hunterprozentig, aber immerhin - zu akzeptieren. Ich glaube auch, dass er in der islamischen Welt eine einzigartige Führungsfigur darstellt. So weit ich es beurteilen kann, sind viele seiner Äußerungen von einer allumfassenden Weitsicht geprägt. Das heißt nicht, ihn von Fehlern frei zu sprechen, er ist und bleibt ein Mensch und von daher unvollkommen. Vielleicht würde er noch mehr an Sympathie gewinnen, wenn er den Aspekt öffentlicher Kritik als Mittel politischer Auseinandersetzung betrachten würde, bzw. offener damit umzugehen weiß. Ali Khamenei gehört für mich zu den interessantesten Persönlichkeiten der islamischen Welt. Wer sich ernsthaft mit seinen veröffentlichten Büchern, Reden und Aufsätzen beschäftigt, dürfte daraus Gewinn und Nachdenkenswertes für sich ziehen. Und das Erstaunliche daran ist, dass wir es ja hier schon seit vielen Jahren - so Wikipedia - mit einem 'todkranken' Mann zu tun haben...

Shakib M12-02-14

@ weil gewisse kräfte in iran nach aussen und offiziell dem führer den rücken stärken, in wahrheit aber seit zwei jahrzehnten versuchen ihn zu schwächen. In knapp drei Jahren werden wir dann nochmal genau wissen, was ich meine.

mazdakit13-02-14

"Khamenei, for his part, must accept that in the long run, the only way to make the Islamic Republic truly powerful and sustainable is to legitimize his regime through the people’s free votes."
Warum fehlt gerade dieser wichtige Satz, der ja impliziert, dass es keine freien Wahlen gibt, in der deutschen Edition?

SA13-02-14

@mazdakit

Weil dieser Satz die Meinung von Ali Akbar Ganji - und weder Teil der Biographie von Khamenei noch Ganjis Meinung über Khamenei - ist.

MA15-02-14

@mazdakit,

über dem, was SA geschrieben hat hinaus glaube ich, dass Herr Ganji sich hier schlicht und einfach irrt. Die Islamische Republik als System wurde bereits mehrmals in freien Referenden legitimiert (die Bundesrepublik als System noch nie) und die regelmäßigen Wahlen in der Islamischen Republik sind für ihre Verhältnisse sehr frei. Kandidatenselektion findet in der einen oder anderen Weise in jeder Republik statt, sei sie liberal oder islamisch.

SA + RA17-02-14

Thomas, Sie haben sich wieder so sehr ausgelassen, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll.

1. Die Islamische Republik ist nicht gescheitert, also kann auch nicht die Rede vom Scheitern Ali Khameneis sein. Wer aber seit 35 Jahren praktisch scheitert, ist die Exil-Opposition.

2. Es gibt eine Vielzahl von Aussagen, dass Khamenei der Wunschkandidat Khomeinis war. Immerhin ist er zweimal haushoch vom Volk zum Präsidenten gewählt worden - einmal mit 97,1 Prozent und einmal mit 87,9 Prozent. Kein Präsident nachher hat solche Zustimmungsraten erhalten. Die Voraussetzung für das Amt des religiös-politischen Staatsoberhaupts sind theologische sowie politische Kompetenzen und dann die allgemeine Popularität. Dass es so sein soll haben die Iraner in mehreren Referenden mehrheitlich bestimmt.

3. Ayatollah Khamenei war schon vor der Ernennung zum religiös-politischen Staatsoberhaupt ein Mujtahid und somit Ayatollah. Andernfalls hätte er nicht seit 1982 Mitglied der Expertenversammlung sein können. Nach der Verfassungsreform und dem Wunsch Khomeinis muss das religiös-politischen Staatsoberhaupt nicht mehr Großayatollah (Marja-e Taqlid) sein, sondern es reicht aus Mujtahid (Ayatollah) zu sein.

4. Selbst Ayatollah Sistani akzeptiert Ayatollah Khameneis religiöse und politische Autorität - abgesehen von den anderen Großayatollahs:

- http://irananders.de/nachricht/detail/492.html
- http://irananders.de/nachricht/detail/407.html
- http://irananders.de/nachricht/detail/470.html

5. Sein Bruder und sein Neffe kritisieren Ali Khamenei, andere Familienmitglieder allerdings nicht. Und wenn auch die ganze Familie ihn kritisieren würde, zeigt es doch, dass er keine Vetternwirtschaft wie die Saudis betreibt. ;) Jedenfalls ist Kritik und Anerkennung der Familie kein ultimativer Maßstab.

6. Selbst der von Ihnen zitierter Artikel der pro-transatlantischen und pro-israelischen Tageszeitung "Die Welt" sagt, dass Khamenei aufgrund der zahlreichen Stiftungen, die ihm unterstehen, sich nicht persönlich bereichert.

7. Beim Freitagsgebet nach den Wahlen 2009 sagte er, dass seine Meinungen der Meinungen von Ahmadinejad vergleichsweise näher stünden als der Meinungen von Rafsanjani. Bitte zitieren Sie richtig. Er sagt nicht, dass "die Meinung Ahmadinejads seiner Meinung sehr ähnle".

Und was nach den Wahlen passierte, haben wir in der Tat alle gesehen. Durch eine kluge Politik "der maximalen Integration und der maximalen Abweisung" gelang Khamenei die Republik stabil zu halten. Obwohl die Unruhen etwa 16 Monaten andauerten (auch wenn mit großen Pausen) sind die Opferzahlen weit weniger als bei der arabischen Revolution. Die Zahlen variieren von 25 bis 130 Tote. Der renommierte Iran-Experte Walter Posch von SWP spricht von etwa 80 Toten auf beiden Seiten.

Zum Vergleich: In den acht Wochen um den Militärputsch in Ägypten starben weit mehr Menschen (964 Tote) und auch bei der Revolution gegen Mubarak zuvor (300 bis 846 Tote) als auch bei der Revolution in Tunesien (338) verhält es sich so. In Bahrain (122 Tote) kommt noch hinzu, dass die Bahrainer nur etwa 570.000 Einwohner sind und somit prozentual die höchste Opferzahl zu beklagen haben.

Ein weiterer Aspekt ist, dass in Iran sogar die Unruhen erfolgreich niedergeschlagen wurden und trotzdem dabei die Opferzahlen weit weniger waren, obwohl nicht alle iranische Sicherheitskräfte darin ausgebildet waren, deeskalierend zu agieren.

8. Khameneis Fatwas sind in der Regel liberaler als die Fatwas von Ayatollah Sistani (und viele anderen Großayatollahs), der als Hoffnungsträger der Neokonservativen galt, als sie in den Irak einmarschieren wollten.

9. Der Humankapitalflucht in Deutschland ist größer als der in Iran. Aus Deutschland wandern jedes Jahr zwischen 600.000 bis 700.000 Menschen aus. In Iran liegt die Rate bei etwa 200.000: http://showbe.de/weltgeschehen/iran/flucht-aus-der-heimat/

Reza24-02-14

Gleichgültig wie wir zum Herren Khamenei stehen. Er ist ein Mensch wie jeder andere auch mit seinen Schwächen und Stärken auf manchen Gebieten mit mehr und auf den anderen mit weniger Wissen. Es mag sein, dass mancher ihn für einen Übermensch halten, wahr ist aber, dass er nicht über viel Wissen über Westen und seine Politik verfügt, er hat seine Berater, die ihm ständig zur Seite stehen.
Was wir aber aus der Ferne erkennen und was der Wahrheit nähr kommt, ist die Tatsache , dass das Land sich heute in einer miserablen Lage befindet, Dank einer Politik , die direkt von ihm diktiert wird.
Er glaubt zu wissen, was die Menschen brauchen, mir ist glasklar, dass Herr Khamenei und sein System auf vielen Feldern und in vielen Fragen keine Lösungen anbieten können.
Alles in allem wundert es mich sehr, dass sich ein Herr Khamenei, der fast alle Fäden der Politik in seinen Händen hat, nie den Journalisten stellt.

Beobachter25-06-14

Der renommierte US-Experte Ray Takeyh über Ayatollah Khamenei:

“I do think he’s prudent,” says Ray Takeyh, an Iranian-American Middle East expert with the Council on Foreign Relations and a former State Department official.

“I have to say, the guy is a first-class genius,” Takeyh adds. “This guy is Bismarck with a turban.”

http://swampland.time.com/2013/11/21/irans-supreme-leader-fanatic-or-genius/

Olaster06-10-14

@Reza

Das würde ich nicht so sagen. Ausländische Gäste, die Khamenei persönlich kennengelernt haben, waren darüber überrascht, welch profundes Wissen er über die Geschichte und Politik ihres Landes hat.

Orientalist06-10-14

Reza, ein Geistlicher stellt sich auch nicht der Allgemeinsheit, sondern anderen Geistlichen, sprich der Expertenversammlung. :)

rehenbürge15-12-14

Nach dem abfall der soviet union brauchte der westliche imperialismus den islam als die praktischste art von anti- kommunistische ideologie für die massen der region nicht mehr, deswegen begann er, der westliche imperialismus, mit der finanzielen unterstützung für die islamischen ideologieträger aufzuhören. dies verursachte den radikalen antagonismus der islamischen ideologieträger mit dem westen...

dieser antagonismus ist aber überbrückbar. akbar ganji mit seinem beitrag möchte dem leser nur das vermitteln. am komischsten sind die stellen, wo er über khamanehis lesegewohnheiten spricht... sch..ß auf imperialismus und seine probleme !!

Paul26-12-14

Einem iranischen Dissidenten zu glauben ist nicht ganz richtig. Transkripte seiner Reden sind im netz vorhanden was mich schlussfolgern lässt, dass er ein Mann mit Weitblick und Charakter ist. Im Iran ist vieles anders als wie es hier ist, aber mal ehrlich, was muss denn hier und dort verändert werden damit es allen passt? Er versucht es wenigstens im ansatz.

Orienatlist15-02-15

Posch bezeichnet Khamenei als weitsichtiger als Rafsanjani: http://www.academia.edu/7228155/Der_konservative_Revolution%C3%A4r_Chamenei_






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