01.02.2015 Aurélie Daher

Warum das Ansehen der Hisbollah im Libanon steigt


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Christen feiern die Hisbollah.

Als im Jahr 2011 die Proteste gegen das Regime von Bashar al-Assad in Syrien begannen, spielte die Führung der Hisbollah im Libanon nicht auf Zeit. Sie verkündigte vielmehr offiziell und umgehend, dass sie das aktuelle Regime bevorzuge, wobei sie aber zugleich Assad und die neu entstandene Opposition dazu ermahnte, die Priorität auf eine politische und auf Verhandlungen basierende Lösung zu setzen.
 
Zwei Jahre später, im Frühling 2013, betrat die paramilitärische Mutterorganisation der Hisbollah, die „Islamic Resistance in Lebanon“ (IRL), die von 1982 bis 2000 die israelische Besatzung im Südlibanon bekämpfte, erstmals das syrische Schlachtfeld, um die syrische Armee zu unterstützen. Die IRL legte den Fokus ihrer Intervention lediglich auf einen Teil Syriens, und zwar auf die Nordküste und auf die westlichen Grenzen entlang des Bekaa-Tals im Libanon. Sie kämpft weniger dafür, die Assad-Dynastie zu retten, als vielmehr für die Wahrung ihrer eigenen Interessen. Ihr strategisches Ziel ist die Etablierung eines innerhalb Syrien liegenden Gebiets, das der Hisbollah und Iran gegenüber freundlich gesinnt bleiben würde, falls das Baath-Regime stürzen sollte.

Ein Jahr später erschienen in der westlichen Presse zahlreiche Artikel, in denen es hieß, dass die Hezbollah sich in einer unumkehrbar verschlechternden Lage, wenn nicht sogar in einer Lage, die letztlich zum Untergang führt, befinden würde. Diese Darstellungen berufen sich auf hartnäckige Berichte, wonach es einerseits unter den Hezbollah-Kämpfern zu schweren Verlusten gekommen sei und andererseits ihre Intervention ein politisches Nachspiel hinsichtlich ihrer Stellung im libanesischen Machtgefüge gehabt habe, die zum Verlust ihrer Popularität zu Gunsten ihrer Widersacher - zu denen hauptsächlich die (sunnitische) Zukunftsbewegung und die (christliche) Libanesische Front gehören – beigetragen habe. Außerdem argumentierten diese Artikel, dass die steigende Anzahl von Terrorattacken syrischer Dschihadisten in den schiitischen Gebieten des Libanons - die als Vergeltung für die Unterstützung der IRL für Assad angesehen wurden - die Schiiten im Libanon, die einst die Hezbollah sehr stark befürwortet hat, dazu brachte, sich von der Partei abzuwenden. In der Tat glauben viele dieser Beobachter schon seit Anbeginn des syrischen Bürgerkrieges, dass der Sturz von Assad zwangsläufig zur Implosion der Hezbollah führen würde.

Aber eine scharfsinnige Analyse der Tatsachen vor Ort und eine sorgfältige Betrachtung der öffentlichen Meinung legen nahe, dass diese Szenarien eher ein Wunschdenken sind, als dass sie mit den Realitäten übereinstimmen.

Die Hisbollah in Syrien

Zunächst einmal gibt es ein großes Problem hinsichtlich der Verlässlichkeit der Quellen, die auf die Opferzahlen der IRL in Syrien verweisen. Im Hinblick auf diese Frage tendieren die Nachrichtenagenturen dazu, sich gegenseitig zu zitieren, und sie bestehen darauf, dass hunderte, wenn nicht sogar tausende IRL-Kämpfer bisher ums Leben kamen. Doch das einfache Nachzählen von Begräbnissen der IRL-Kämpfer, die ihre Verluste nie verbergen, weist darauf hin, dass es sich um viel weniger Opfer handelt, als angenommen wird (etwa 200 Tote in anderthalb Jahren, im Vergleich zu tausenden von toten Jihadisten).

Laut Berichten vor Ort werden die Toten schnell und zahlreich durch junge Schiiten ersetzt, die zunehmend motiviert scheinen, mit dem „Islamischen Staat“ (ISIS oder IS) und Jabhat al-Nusra (JN) ihre Rechnungen zu begleichen, wie die Ereignisse im späten August und Oktober zeigten (siehe weiter unten). Tatsächlich legen Berichte über die Gefechte, bei denen die IRL und ihre jihadistischen Gegner beteiligt sind, nahe, dass Erstere eine ungebrochene Serie von Siegen auf dem Schlachtfeld erringen. Und selbst die eifrigsten Kritiker der Hizbollah sind sich darin einig, dass Dank der Intervention der IRL die vom IS und der JN besetzten strategischen Gebiete von Qusayr und Qalamun entlang der libanesischen Grenze durch das Assad-Regime zurückerobert werden konnten, wodurch fast die gesamte Nordküste und der westliche Teil Libanons nun „gesichert“ ist.

Mit anderen Worten ist die Lage der IRL in Syrien nach all den verlässlichen Indikatoren stabil, und es finden sich soweit keine Anzeichen von Destabilisierung. Ganz im Gegenteil sind momentan ihre Streitkräfte sogar in der Qalamun-Region, die unter anderem durch die sunnitische Grenzstadt Arsal im Bekaa mit dem Libanon verbunden ist. Arsal bot seit mehr als drei Jahren der syrischen Opposition, einschließlich der Dschihadisten von IS und JN sowie Kämpfer diverser Fraktionen der Freien Syrischen Armee (FSA), ein relativ komfortables und einladendes Rückzugsgebiet. Es war ihnen nicht nur möglich, einzureisen, um zu rasten und dann aufgerüstet wieder auszureisen, viele siedelten sogar ihre Familien dort an.

Nach einer Großoffensive in den umgebenden Gebieten durch den IS und die JN im August versperrte die libanesische Armee allerdings den Zugang zu Arsal, um im Wesentlichen die dschihadistischen Kämpfer in ein dürres, gebirgiges und nicht bevölkertes Gebiet in Qalamun zu drängen. Durch die Einkesselung auf der syrischen Seite der Grenze, die von der Regierungsarmee und der IRL durchgeführt wird, werden die Dschihadisten wahrscheinlich nicht in der Lage sein, den Winter auszuharren, und sie könnten durch die Kälte und den Nachschubproblemen umkommen.

Es ist kein Zufall, dass der IS und die JN, die während der Schlacht um Arsal mehr als 20 Mitglieder der libanesischen Armee und Polizei entführt haben, ihre ursprünglichen Bedingungen für die Befreiung der Geiseln zugunsten des freien Zugangs zu Arsal fallengelassen haben. Wenn sie weiterhin an der Grenze eingekesselt bleiben sollten - gefangen zwischen der IRL und der syrischen Armee auf der einen Seite und den libanesischen Sicherheitskräften auf der anderen Seite - würde es sicherlich die Arbeit der IRL erleichtern.

Schlecht für Assad gleich Gut für die „Koalition des 14. März“?

Kämpfer der Hezbollah
Bisher hat die Hisbollah kein Gebiet in Syrien verloren.

Viel wesentlicher ist es jedoch, dass die Lage der Hezbollah vor allem im Libanon - sowohl auf der sozialen als auch auf der politischen Ebene – für sie und ihre Verhältnisse zufriedenstellend ist, wenn nicht sogar besser geworden ist. In der Tat haben die seit letztem Jahr durchgeführten Autobombenanschläge der Abdallah al-Azzam-Brigaden (einer Zweigorganisation der Al-Qaida), der JN und des IS im Nordosten von Bekaa und in den südlichen Vororten Beiruts, also in zwei Hochburgen der Schiiten, nie den Erfolg erbracht, die Schiiten gegen die Hezbollah aufzubringen. Vielmehr haben die Schiiten seit dem ersten Jahr der syrischen Aufstände es so wahrgenommen, dass die Angriffe der Jihadisten gegen sie im gleichen Maße durch den ohnehin angestifteten konfessionellen Hasses gegen sie motiviert sind, wie durch die Intervention der IRL in Syrien.

Indem man die Auffassung teilt, dass die Intervention der IRL ein „notwendiges Übel“ gewesen ist, um den IS und die JN weit weg von den libanesischen Grenzen zu halten, und dass die Hezbollah und die IRL „keine andere Wahl“ gehabt hatten, sind die libanesischen Schiiten am Ende ihrer bevorzugten  Partei gegenüber loyal geblieben.

Die Gräueltaten, die der IS im Irak gegen religiöse Minderheiten und sunnitische Gegner in den mittlerweile unter ihrer Kontrolle gebrachten Gebieten unternommen haben, haben - wenn überhaupt - libanesische Schiiten dazu gebracht, sich insbesondere wegen dem Fehlen eines starken libanesischen Staates und Sicherheitskräften, die in der Lage wären, ihr Land zu schützen, geschlossen hinter die Hezbollah zu stellen!

Tatsächlich wird die Hezbollah als die einzige bewaffnete Gruppe wahrgenommen, die den Libanon gegen eine mögliche „Invasion“ der „Menschenenthaupter“ schützen kann. (Experten zufolge ist die libanesische Armee für ihre Ziele und Aufgaben chronisch unterbesetzt. Heute hat sie wohl 56.000 unterdurchschnittlich ausgebildete Soldaten und ist zudem unterfinanziert. Am Ende des Bürgerkrieges in den frühen 1990ern erhielt das Militär große Subventionen vom Staat, die mehr als 20 % der staatlichen Gesamtausgaben ausmachten. Das Geld war jedoch nicht für die Modernisierung der Ausrüstung oder für Ausbildung gedacht. Das Ziel war stattdessen, die Arbeitslosigkeit der kürzlich entwaffneten Milizionäre - nachdem sie sich 15 Jahre lang gegenseitig bekämpft hatten - zu verringern, indem sie in eine Armee mit großzügigen sozialen und beruflichen Privilegien integriert werden.)

Es ist sicherlich dieser besondere Punkt, der die Hezbollah seit letztem Sommer auszeichnet. Zur Erinnerung: Die politische Szene des Libanons ist seit 2005 von zwei großen Koalitionen geprägt. Die Erste ist die pro-westliche „Koalition des 14. März“, die sich gegen Assad positioniert. Sie wird hauptsächlich von Saad Hariris (sunnitischer) Zukunftsbewegung (FC), Samir Geageas (christlicher) Libanesischer Front (LF) und der (christlichen) Kataeb-Partei der Gemayel-Familie repräsentiert. Die Zweite, bekannt als die „Koalition des 8. März“, favorisiert eine strategische Allianz mit Damaskus und wird von der (schiitischen) Hezbollah und der AMAL repräsentiert, die von Michel Aouns (christlicher) Freier Patriotischen Bewegung (FPM) unterstützt wird.

Bis 2012 bzw. 2013 waren sich die zwei großen christlichen Rivalen LF und FPM hinsichtlich der Hisbollah vehement uneins, insbesondere im Hinblick auf die Entwaffnung der IRL sowie der möglichen Gefahr, die diese Waffen für den Libanon darstellen könnten. Die Waffen der IRL - die laut Hezbollah notwendig seien, um sich gegen israelische Angriffe zu verteidigen – könnten eines Tages gegen die libanesische Bevölkerung benutzt werden, so die Befürchtung.

So erklärte die LF sie als eine „öffentliche und nationale Quelle der Bedrohung“ und verlangte die Entwaffnung und sie bestand darauf, dass nur der Staat und seine Sicherheitskräfte damit beauftragt werden sollen, die Unabhängigkeit und Verteidigung der Nation sicherzustellen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Hisbollah weit davon entfernt ist, die einzige bewaffnete politische Gruppe im Land zu sein, argumentierte die FPM hingegen, dass die Waffen der IRL nicht gefährlicher seien, als die irgendeiner anderen militanten Gruppe im Libanon, und dass aufgrund der Defizite und Mängel der libanesischen Armee eine bewaffnete IRL die einzige Macht sei, die dazu in der Lage ist, Israel effektiv abzuschrecken.

Der Angriff auf Arsal im August 2014 hat aber genau diesen fundamentalen Streit vorzeitig beendet - und zwar aus gutem Grund.

Einen Monat, nachdem im Juni der „Islamische Staat“ durch den „Kalifen“ Abu Bakr Al-Baghdadi proklamiert wurde, wurde ein prominenter syrischer Dschihadist von der libanesischen Armee festgenommen. Der IS und die JN – ob sie zusammen oder unabhängig voneinander agierten (es ist unklar) – nutzten seine Festnahme als einen Vorwand, um massive Angriffe gegen Stellungen und Checkpoints der libanesischen Armee in Arsal zu starten. Dieser Angriff wurde inländischen Zeitungsberichten zufolge von 3.000 bis 6.000 Kämpfern durchgeführt. Die militärische Vorgehensweise der Dschihadisten und die Geständnisse der Führungskräften der beiden Gruppen, die sich im Gewahrsam befanden, gaben bald eine Erklärung für den Angriff: Insbesondere der IS hatte anscheinend vor, Arsal als das erste souveräne Kerngebiet des „Islamischen Staates im Libanon“ zu errichten. Nach einer Woche heftiger Gefechte schaffte es die libanesische Armee und Polizei, die Angreifer zurückzudrängen, wofür sie jedoch den Preis von einem Dutzend Toten, mehr als 80 Verletzten und die Geiselnahme von zwei Dutzend Soldaten und Polizisten zu zahlen hatte.

Der Angriff auf Arsal löste Panik im Libanon aus. Er hatte gezeigt, dass die Pläne des „Islamischen Staates“ für den Libanon doch echt und unmittelbar waren. Einige Wochen später starteten der IS und die JN einige Dutzend Kilometer weiter südlich - im schiitischen Dorf Brital, das in der Nähe zur Grenze liegt - erneut einen Angriff. Diesmal wurden sie von der Hizbollah zurückgedrängt, die wiederum Unterstützung von den ortsansässigen Dorfbewohnern bekam, die ihre daheim aufbewahrten Waffen zur Schlacht mitführten. 22 Dschihadisten kamen ums Leben.

Später, beim Abendanbruch des 24. Oktobers, griffen der IS und die JN schließlich wieder Checkpoints der Armee in der vorwiegend sunnitischen Landeshauptstadt des Nordens, Tripoli, an. Dieser Angriff verursachte 16 Tote, darunter auch Kinder, und mehr als 150 Verletzte.

Angesichts des seit Juni beachtlichen Vormarsches des IS im Irak, stieg folglicherweise die Angst in der libanesischen Öffentlichkeit bereits im Spätsommer und insbesondere unter den Nicht-Sunniten. Für immer mehr Menschen - vom Durchschnittsbürger bis hin zu religiösen und politischen Führern - ist der Umstand schwer zu übersehen, dass, obwohl sie die nationale Armee als die erste Verteidigungslinie betrachten, sie sich in Wirklichkeit auf die Hisbollah verlassen, wenn es um die Verteidigung der territorialen Integrität ihres Landes geht.

Unter den Christen hat es daher zu großem Tumult geführt, als Geageas sich bemühte, der Öffentlichkeit zu versichern und ihre Sorgen zu besänftigen, dass die Jihadisten den Libanon nicht wirklich bedrohen würden. Sogar seine eigene Partei, die Libanesische Front (LF), die die Hisbollah über Jahre verabscheut hatte, scheint nun zunehmend bereit zu sein, zuzugeben, dass sie nach alledem doch nicht so unglücklich über die Existenz der Hisbollah und deren guten Bewaffnung ist.

Bereits vor dem Sommer zirkulierten Berichte und Gerüchte, wonach es Versuche zur Gründung christlicher Selbstverteidigungsmilizen gegeben habe, die von der Hisbollah in vielen Regionen des Landes - hauptsächlich im Norden Bekaas und im Süden - aufgerüstet werden würden. Nachdem die Intervention der IRL in Syrien und die Etablierung einer defensiven Pufferzone zwei Jahre lang weitgehend kritisiert wurde, beginnt sie nun an Popularität zu gewinnen.

Nach den Ereignissen in Arsal war es ausgerechnet der maronitische Patriarch Beshara al-Rahi höchstpersönlich (der zuvor die Kämpfer der IRL in Syrien und ihre Weigerung, sich zu entwaffnen, kritisierte), der die Ansichten der meisten christlichen Libanesen zu diesem Thema auf den Punkt brachte: „Wenn die Christen im Libanon heute über ihre Ansichten bezüglich der aktuellen Ereignisse gefragt werden, dann würden sie alle sagen, dass der IS ohne die Hisbollah (die christliche Küstenstadt) Jounieh erreicht hätte.“

Stellung der Hisbollah verbessert

Tatsächlich hat das Ansehen der Hisbollah seit dem Spätsommer genau so viel an Prestige und Reputation gewonnen wie ihr politischer Hauptrivale unter den Sunniten, die „Zukunftsbewegung“ (FC), an Ansehen verloren hat - und weiterhin verlieren wird.

Von Beginn der Proteste in Syrien im Jahr 2011 an bis zum Auftauchen der Jihadisten unter den Rebellen präsentierte sich die Partei von Saad Hariri als eine Bewegung für Mäßigung und Rechtsstaatlichkeit sowie als Verteidiger von nicht-sunnitischen Gemeinden, insbesondere von Christen. Leider erwies sich diese Herausforderung aber als zu ehrgeizig. Einige der Parlamentsabgeordneten der Partei nutzten durch Hariris selbstauferlegtes Exil aus dem Libanon die Gelegenheit und bekundeten in den Jahren 2012 bis 2013 - motiviert durch ihre Passionen gegen Assad - durchweg ihre Sympathie für den salafistischen Anführer Sheikh Ahmad Al-Assir und zögerten nicht, ihn zu unterstützen, als er und seine Männer im Juni letzten Jahres Checkpoints des Militärs in Saida angriffen, wodurch 16 Soldaten getötet wurden. Ein Jahr zuvor, im Mai 2012, führte ihr Eifer sogar dazu, dass viele ihre Parlamentsabgeordnete die Regierung dazu drängten, den gefährlichen Dschihadistenführer aus dem Norden, Shadi Mawlawi, zu entlassen, und nahmen daraufhin mit Begeisterung an seiner feierlichen Heimkehr teil. Beide Vorfälle haben der Öffentlichkeit sehr deutlich gezeigt, dass ein wichtiger Flügel der Partei seiner sunnitischen Identität den Vorzug gegenüber seiner Loyalität zur libanesischen Nation und deren Sicherheits- und Justizorgane gibt.

Des Weiteren brachte seit dem letzten Sommer und seit dem Kampf um Arsal eine Serie von Skandalen die Partei in Verlegenheit. Der Parlamentsabgeordnete des Nordens, Khaled Daher, wurde auf frischer Tat ertappt, wie er mit bekannten IS- und JN-Führern, die in der nördlich gelegenen Tripoli-Region leben, einen herzlichen Umgang pflegt. Er habe sich mit dem jihadistischen Führer Ahmad Mikati „abgestimmt“, der ihm Videoclips von sunnitischen Mitgliedern der libanesischen Armee schickte, die kurz davor desertierten, um sich dem IS und der JN anzuschließen. Dahers Antwort auf diese Enthüllung war, dass „die Armee einen Vorwand sucht, um die Menschen im Norden zu ermorden.“ Das Ganze wurde aber nicht besser, als der Justizminister Ashraf Rifi – ein ehemaliger Polizeichef und Protegé der Zukunftspartei (FC) – im Oktober persönlich intervenierte, um den zwei jihadistischen Führern Shadi Mawlawi und Ahmad Mikati zu helfen, die nach einem dreitägigen Häuserkampf, der die Vertreibung von tausenden Menschen zur Folge hatte, von Militärs umzingelt wurden.

Anstatt Zuversicht auf die verschiedenen konfessionellen Gruppen des Landes auszustrahlen, insbesondere auf ihre eigene christlichen Verbündeten, schwieg die Führung der Partei die ganze Krise hindurch und präsentierte sich in der Öffentlichkeit mit einem Image, das im Kontrast zu den Intentionen Hariris steht. Die FC scheint intern gespalten zu sein, Radikalen gegenüber freundlich gesinnt zu sein, widerwillig, staatliche Institutionen und die Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen, und letztlich im Hinblick auf die massive Offensive der Jihadisten gegen die Nation unglaubwürdig zu sein.

In einem Land wie dem Libanon, wo eine Seite völlig verliert, wenn die andere Seite gewinnt, hat die Führung der Hisbollah daher jeden Grund, ein gutes Gefühl über ihr jetzige Reputation zu haben. Die westliche Presse sollte daher vorsichtig sein, dass ihre Abneigung für diese Gruppe nicht über die Realität ihrer Macht und Popularität hinwegtäuscht. Es ist verführerisch zu glauben, dass die Hisbollah in Syrien im wörtlichen Sinn und im Libanon im politischen Sinn zu Tode ausgeblutet wird. Das ist nur ein Wunschdenken.


Erstmals veröffentlicht am 4. November 2014 bei LobeLog. Übersetzt von Shahab Uddin.


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Engelhardt01-02-15

"Nachdem die Intervention der IRL in Syrien und die Etablierung einer defensiven Pufferzone zwei Jahre lang weitgehend kritisiert wurde, beginnt sie nun an Popularität zu gewinnen."

Das ist nicht richtig, nach einer Umfrage des Magazins L’Hebdo haben schon immer die Mehrheit aller Libanesen die Intervention der Hisbollah in Syrien begrüßt. Aber erst seit Anfang 2014 begrüßten es auch die Mehrheit der Christen und nun sogar Dreiviertel der Christen!

- http://irananders.de/nachricht/detail/667.html

- http://english.al-akhbar.com/content/two-thirds-lebanese-christians-believe-hezbollah-protecting-lebanon-survey?utm_source=feedburner&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed%3A+AlAkhbarEnglish+%28Al+Akhbar+English%29&utm_content=FaceBook

Beobachter01-02-15

Die Hisbollah ist jetzt Dank der Intervention in Syrien militärisch viel erfahrener als zuvor - das darf man nicht vergessen! In Syrien machen sie ganz neue Erfahrungen als im militärischen Kampf gegen Israel.

Europäer01-02-15

Es ist beschämend, dass die EU unmittelbar nach der erfolgreichen Intervention der Hisbollah in Syrien - wodurch die Integrität des Landes und ihrer religiösen Minderheiten geschützt wurde - sie auf der Terrorliste gesetzt hat!

Le Mec09-02-15

Mögen wir bald die Befreiung Jerusalems vom zionistischem Regime durch Hisbollah feiern, so wie sie aktuell Libanon und Syrien von den Wahabiten befreit.

mazani23-02-15

wird gemacht.

Libanese01-04-15





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