09.01.2015 Maysam Bizær

Irans Christen feiern uneingeschränkt Weihnachten


Islamische Republik Weihnachtsgeschäft Weihnachtsshop Weihnachten

Weihnachtsshoppen in Iran.

Während Christen auf der ganzen Welt Weihnachten feiern, kann die Weihnachtszeit auch in Iran beobachtet werden - in einer in erster Linie muslimischen Nation, in der die Christen weniger als 1 % der geschätzten Bevölkerung von 77.5 Millionen ausmachen.

Insbesondere in den christlichen Gegenden von Teheran können mit roten, grünen und goldenen Geschenkboxen geschmückte Weihnachtsbäume, die hinter Schaufenstern oder an Eingängen verschiedener Einkaufszentren und Hotels aufgestellt sind, beobachtet werden.

Neben ausgeschmückten Bäumen entdeckt man ebenso Weihnachtskrippen mit der Jungfrau Maria, Joseph und dem Christkind in den Geschäften entlang der Mirza Shirazi Allee und Ostaad Nejatollahi (Villa Allee) sowie in ihrer umliegenden Wohngegenden im Zentrum Teherans, in dem viele iranische Christen wohnen.

Shermin, eine iranische Christin, sagte zu Al-Monitor: „Wie die anderen Christen auf der Welt, feiern wir Zuhause gemeinsam mit unseren Familien und Freunden Weihnachten und tauschen Geschenke aus.“ Sie fügte hinzu: „Es gibt jede Menge gutes Essen in dieser fröhlichen Zeit des Jahres.“

Bäume und Dekoration verkaufen sich, trotz der ziemlich hohen Preise, gut. Während sich kleinere, künstliche Weihnachtsbäume  für jeweils 100 US-Dollar und weniger verkaufen lassen, ist ein Kieferbaum von 2 Metern bereits ein Luxusartikel, der bis zu 1000 US-Dollar kosten kann.

Ein christlicher Ladenbesitzer in Teheran erzählte Al-Monitor, dass ein Weihnachtsbaum mit all seinem Schmuck im Durchschnitt rund 300 US-Dollar kostet.

Dem Statistischem Amt Irans (SCI) nach leben über 117.000 Christen in Iran, von denen die meisten Armenier sind, die dem altorientalischem Zweig des Christentums angehören. Mehr als 46.000 Angehörige dieser Minderheit leben in Teheran. Assyrer, Katholiken, Protestanten und Evangelikale machen den übrigen Teil der iranischen christlichen Bevölkerung aus.

Einige iranische Christen feiern am 25. Dezember Weihnachten und das Neujahr am 1. Januar, während Armenier das Weihnachtsfest zur selben Zeit des Fests der Heiligen Drei Könige am 6. Januar feiern.

Irans Christen, Juden und Zoroastrier sind - trotz ihres geringen Anteils - als alteingesessene religiöse Minderheit anerkannt und im Parlament vertreten, des Weiteren genießen sie die Freiheit, ihre Religion auszuüben und ihre religiösen Rituale zu verrichten.

„Du kannst in keinem islamischen Land Weihnachten auf diese Weise feiern, wie wir es in Iran tun“, sagte Rafi Moradians, ein iranischer Armenier in Teheran zu Al-Monitor. Bezugnehmend auf den exklusiven Sport- und Kulturverein der Glaubensgemeinschaft sagte Rafi: „Die Behörden legen uns keinerlei Einschränkungen auf. Wir besuchen Gottesdienste und es gibt noch dazu besondere Feierlichkeiten im Ararat-Club.“

Die feierliche Stimmung ist jedoch nicht nur auf die christlichen Gegenden Teherans beschränkt. Vor allem in den nördlichen Teilen der Stadt widmen verschiedene Geschäfte immerhin einen gewissen Abschnitt ihrer Schaufensterdekorationen Zuckerstangen, Schneekugeln und Weihnachtsmännern.

In den letzten Jahren hat auch die Stadtverwaltung an vielen Hauptstraßen und an der armenischen St. Sarkis-Kirche auf der Villa Alle, in der jedes Jahr Gottesdienste abgehalten werden, Werbebanner aufgestellt, die die Geburt Christi preisen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern in der Region, in denen öffentliche Weihnachtsfeiern auf von Ausländern besuchte Hotels begrenzt sind, gibt es diese Art von Einschränkung nicht in Teheran. Der Verkauf von Weihnachtsschmuck, der während der ersten Jahre der Islamischen Revolution auf die christlichen Viertel begrenzt war, kann jetzt vielerorts in der Stadt gesehen werden.

In der Tat finden festliche Weihnachtsverzierungen und Feierlichkeiten im ganzen Land statt, insbesondere in großen Städten wie Isfahan, Shiraz, Tabriz und selbst in religiösen Städten wie Mashhad.

Während des letzten Jahrzehnts ist das Feiern von Weihnachten unter jungen Iranern, ungeachtet ihrer Religion, zunehmend beliebter geworden. In der Tat hat der Trend teilweise eine religiöse Grundlage, da Muslime die Geburt von Jesus Christus würdigen und ihn als einen der heiligen Gesandten Gottes anerkennen. Dennoch scheint ein weiterer Grund für die Teilnahme am Weihnachtsfest in der Sehnsucht der jungen Iraner verwurzelt zu sein, „mit dem Rest der Welt Schritt zu halten“.

„Ich werde so aufgeregt, wenn ich die mit Weihnachtsbäumen geschmückten Geschäfte sehe. Es gibt mir dasselbe Wohlgefühl und die Freude, die ich während des Persischen Neujahres, Nowruz, habe“, erzählte Venus, eine muslimische Studentin, die iranische Kunst an einer von Teherans Universitäten studiert, gegenüber Al-Monitor.

Die durchschnittlichen Iraner sind in den Feiertagsfeierlichkeiten und im Austausch von Glückwünschen zur Weihnachtszeit nicht alleine. Dieses Jahr verschickte Präsident Hassan Rohani Weihnachtsgrüße an Papst Franziskus und an die führenden Staats- und Regierungschefs der Welt. Über seinen Twitter-Account streckte Rouhani seine Hand sowohl den durchschnittlichen Christen rund um den Globus als auch jenen in Iran aus.

„Möge Jesus Christus, der Prophet des Friedens und der Liebe, uns alle an diesem Tag segnen. Wünsche frohe #Weihnachten an jene feiernden, insbesondere #iranische Christen“, twitterte er.

Auch nutzte Irans Außenminister, Mohammad Javad Zarif, seinen hundertsten Tweet, um seine Hoffnung auf ein friedlicheres 2015 auszudrücken.

Der Twitter-Account, der dem Büro des religiös-politischen Staatsoberhauptes, Ayatollah Ali Khamenei, angehört, beinhaltet ebenfalls eine Reihe von Mitteilungen anlässlich des Weihnachtsfestes. Eine der Meldungen lautete: „Es ist für alle engagierten Muslime, Christen & Juden an der Zeit, den Propheten zu folgen &  die Geburt von #Jesus wahrhaftig zu ehren, indem man sich gegen die israelischen Verbrechen erhebt.“

Die Berichterstattungen über Weihnachten und Neujahrsveranstaltungen sind in den letzten zehn Jahren zur Routine der iranischen Medien geworden. Zum Beispiel hat die staatliche Nachrichtenagentur IRNA eine Fotoreportage der weltweiten Feierlichkeiten in diesem Jahr veröffentlicht. Eine ähnliche Fotoreihe wurde von der konservativen Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlicht, und Aufnahmen von Weihnachtsfeiern rund um die Welt wurden auf staatlichen Sendern ausgestrahlt.

„Als Armenier habe ich noch nie Diskriminierung empfunden, und ich werde wie alle anderen Iraner behandelt“, sagte Rafi, der ein im Westen ausgebildeter Armenier ist und in diversen Regierungsorganisationen, einschließlich als hochrangiger Berater in einem der iranischen Ministerien, arbeitet.

„Wenn ich irgendwelche Probleme als ein in Iran lebender Armenier gehabt hätte, hätte ich das Land bereits vor langer Zeit verlassen“, erzählte er Al-Monitor.

Das diesjährige Weihnachtsfest traf mit einer Trauerzeit für die Muslime - insbesondere für die Schiiten - zusammen. Dennoch sagen iranische Christen, dass sie keinerlei Einschränkungen in ihren Feierlichkeiten zu Weihnachten oder in ihren Vorbereitungen für das neue Jahr unterlegen seien.


Erstmals veröffentlicht am 28. Dezember 2014 bei Al Monitor. Übersetzt von Lara Chahrour.


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Unbekannt09-01-15

Mir ist nicht bekannt, dass in Deutschland irgendeine Stadtverwaltung die Muslimen anlässlich ihrer Feiertagen mit öffentlichen Werbebannern beglückwünscht.

Dabei ist die Stadtverwaltung in Teheran auch noch so "böse" konservativ.

Wird irgendwann eine konservative CSU- oder CDU-Stadtverwaltung den Muslimen mit öffentlichen Werbebannern gratulieren?

Vorbildlich Iran!

Andreas Lotter09-01-15

Der Iran und seine Kultur zeichnen sich durch eine sehr große Toleranz, Respekt gegenüber Menschen mit anderen Traditionen aus, sowie man sich selbst und seine eigene Kultur selten überschätzt. Man ist seiner Kultur verbunden, vertritt die eigenen Standpunkte aber nicht Hitzköpfig.

Sehaho24-01-15

Während in manchen Landesteilen in Iran manche vom Verfall bedrohten Kirchen als christliche Gotteshäuser mit Steuergeldern moslemischer Bevölkerung restauriert und in Instand gesetzt werden, sind wir leider als moslemische Bürger in Europe regelmäßig mit unvorstellbaren antiislamischen Propaganda in den Massenmedien konfrontiert. Es wird sehr viel von Toleranz geredet, aber nicht so viel praktiziert. Besonders wenn es um ein islamisches Gotteshaus geht, die Gemüter werden richtig heiß. Ein Minarett wird zum Symbolbild der Bekämpfung des Islams instrumentalisiert. Gottlose Terroristen und Verbrecher werden als „Islamisten“ bezeichnet. Die Folge: Politische Enttäuschte und z. Teil durch Massenmedien negativ beeinflusste und auch wenig Informierte aber emotional hochgeschaukelte Menschen laufen in Montags Demos Rattenfängern nach und spalten die Gesellschaft. Es ist sehr bedauerlich. Hoffentlich wissen sie was sie tun!

Engelhardt16-01-16






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