In Iran ist Deutschland das beliebteste westliche Land


Was denken IranerInnen über das Ausland?

In einer repräsentativen Umfrage des „Zentrums für Internationale Sicherheitspolitik an der US-Universität Maryland“ (CISSM) mit dem beratenden US-Meinungsforschungsinstitut „Program for Public Consultation“ (PPC) und dem „Meinungsforschungszentrum der Universität Teheran“(UTCPOR) wurde ermittelt, dass die Bundesrepublik Deutschland das beliebteste westliche Land in der Islamischen Repubik Iran ist.

Von allen Ländern der Welt ist allerdings Bashar Al-Assads Syrien mit 75 Prozent Zuspruch das populärste Land in Iran, dahinter folgt der Irak mit 63 Prozent Zuspruch. Auf dem dritten Platz landet die sunnitische Türkei mit einer Zustimmungsrate von 56 Prozent.

Diese Zahlen reflektieren auch die politischen Verhältnisse Teherans mit den jeweiligen drei Staaten. Die Arabische Republik Syrien und die Republik Irak gelten als Verbündete der Islamischen Republik Iran. Mit der Türkei verbinden Iran vor allem gute wirtschaftliche Beziehungen. Längst konnte Ankara die Lücken, die mit dem Wegfall der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Schlupfloch für die Sanktionen hinterlassen wurden, bis zu einem gewissen Grad ausfüllen.

Die beliebtesten nicht-muslimischen Länder in Iran sind nach der Umfrage China und Russland. Beide erhalten jedoch nur eine Zustimmungsrate von jeweils 51 Prozent. Der Hauptgrund für die relativ schlechte Bewertung beider Länder, die international als Verbündete Irans betrachtet werden, ist in der Politik beider Staaten zu zu sehen. Sowohl Russland als auch China haben oft mit dem Westen gemeinsame Sache gemacht, wenn es darum ging, im UN-Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen Iran zu verhängen.

Erwartungsgemäß am schlechtesten schnitten bei der Befragung die westlichen Staaten ab, vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika und das Vereinigte Königreich. 71 Prozent der Befragten haben eine schlechte Meinung über die USA. Spitzenreiter ist aber Großbritannien mit 74 Prozent. Das hat vermutlich damit zu tun, dass im historischen kollektiven Gedächtnis der Iraner England weiterhin als imperiale Macht fortlebt.

Und damit wäre auch ein Grund geliefert, warum die Bunderespublik Deutschland mit 44 Prozent Zuspruch das beliebteste westliche Land in der Islamischen Republik Iran ist. Anders als die anderen westlichen Großmächte hat Deutschland keine koloniale Vergangenheit in der Region. Im Gegenteil: Deutschland galt als ein Anker, um sich gegen den damaligen Widersacher England zu behaupten. Darüber hinaus betreibt Berlin in der G5+1 von allen westlichen Staaten die am wenigsten konfrontative Politik gegenüber Teheran.

In der Umfrage wurden 1.037 repräsentativ in Stadt und Land ausgewählte Personen über 18 Jahren in der Zeit vom 11. bis 17. Juli 2014 telefonisch befragt. Mehrere Studien haben belegt, dass telefonische Umfragen in Iran zu ähnlichen Ergebnissen wie die von Umfragen vor Ort kommen.


Ramin13-10-14

"... Anders als die anderen westlichen Großmächte hat Deutschland keine koloniale Vergangenheit in Iran...". Also bitte, wann war Iran Kolonie des Westen?!

REDAKTION13-10-14

@Ramin

Vielen Dank für die Richtigstellung.

Andreas15-10-14

Iran war nie eine offizielle Kolonie eines anderen Landes, geschichtlich aber lange im Spannungsfeld zwischen Rußland und England. Letztendlich blieb Persien ein Koloniestatus erspart weil die beiden verfeindeten Großmächte es als Pufferzone zwischen Britisch-Indien und den kaukasischen Eroberungen Rußland frei halten wollten. Frei von Beeinflußung war Persien hierdurch aber nicht.

Viel schwerer wiegen aber die Eingriffe der jüngeren Geschichte, wo USA und UK gemeinsam die demokratische Regierung Irans stürzten und den von ihnen Abhängigen Shah als Herrscher einsetzten.

Und weil Deutschland mit diesen Völkerrechtsbrüchen nichts am Hut hat ist das Deutschlandbild eben besser.

Lisa15-10-14

Vielen Dank für diese interessante Info!

Christian16-10-14

Deutschland ist generell sehr beliebt in der islamischen Welt, wie ich durch meine Aufenthalte in diversen muslimischen Ländern erkannt habe.

Kritisch betrachte ich aber eine Studie, die letztes Jahr veröffentlicht wurde, wonach Deutschland das beliebteste Land der Welt ist und Iran das unbeliebteste Land der Welt. Sicherlich steht Deutschland in der Beliebtheitsskala weit oben, aber verzerrt werden die Resultate der Studie dadurch, dass die Befragung in gerade einmal 20 Ländern durchgeführt wurde, und die meisten davon waren westliche Länder. Es würde nochmal ganz anders aussehen, wenn zentralasiatische, südamerikanische und afrikanische Länder in der Befragung berücksichtigt werden würden.

Anonym18-10-14

Ja andersherum ist das wohl nicht der Fall. Iran wird in Deutschland eher mit Islamismus, Steinigung und Rückständigkeit assoziiert.

Beobachter20-10-14

Die Publicity über Iran in Deutschland ist aber in den letzten Jahren schon etwas besser geworden. Ich denke, da hat IranAnders auch einen Anteil an dieser Entwicklung.





* Bitte haben Sie Verständnis, dass die Redaktion Beiträge editiert oder nicht freigibt mit dem Ziel einen moralischen Austausch zu gewährleisten.