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09.06.2012 Dr. Michael Connel

Irans strategische Marinen


Ayatollah Khamenei und Habibollah Sayyari

Links das Staatsoberhaupt und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Ayatollah Ali Khamenei, mit dem Oberkommandanten der Marine, Konteradmiral Habibollah Sayyari, bei der Einweihung der aus einheimischer Produktion stammenden Fregatte Jamaran im Februar 2010.

Iran hat zwei voneinander unabhängige maritime Streitkräfte, die Marine der Islamischen Republik Iran (MIRI) und die Marine der Islamischen Revolutionsgarde (MIRG). Erstere gab es bereits vor Irans Revolution 1979, die Letztere entstand inmitten des Iran-Irak-Kriegs (1985).  

Sowohl die MIRI als auch die MIRG operieren nach wie vor als separate Dienste mit zwei nebeneinander bestehenden Befehlsketten. Trotz des Umstands, dass beide Streitkräfte die primäre Mission haben, Irans maritime Interessen zu schützen und die Islamische Republik vor Bedrohungen an der Wasserfront zu verteidigen, herrscht eine starke institutionelle Konkurrenz zwischen der MIRI und der MIRG, welche die bereits bestehenden  strukturellen und kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Teilstreitkräften weiter vertieft.

So wird die größere und mit weit reichendem Gerät ausgestattete MIRI eher als eine Hochseemarine betrachtet, während die MIRG, die hauptsächlich mit kleinen Schnellbooten ausgestattet ist, eher zur Küstenverteidigung geeignet ist. Die MIRI ist im westlichen Sinne professioneller. Aufbauend auf der Kommunikation mit Einheiten der MIRI und der MIRG im Persischen Golf, verwiesen Mitglieder der US-Marine wiederholt auf ein unberechenbares Verhalten der MIRG-Boote und hielten fest, dass die MIRG – im Gegensatz zur MIRI - „keine Navy spricht“.[1]

Ihren Ursprüngen treu, ist die MIRG im Wesentlichen eine „Guerillaeinheit zur See“ geblieben, parallel zur Struktur der Landstreitkräfte der Revolutionsgarden auf dem Festland. Die Beziehungen zwischen ihren Rängen sind weniger hierarchisch und informeller, als dies bei der MIRI der Fall ist.[2] Die MIRI neigt dazu, mehr Wert auf Training zu legen, während die MIRG mit ihren dezentralisierten Kommandostrukturen dem revolutionären Elan und der Innovation die Priorität vor Verfahrensabläufen gibt.

Wegen ihrer revolutionären Natur und ihrem ideologischen Überbau betrachtet das Regime in Teheran die MIRG als politisch verlässlicher als die MIRI. Die Beschaffungen und Erwerbungen der iranischen Seeverteidigung wurden stark zugunsten einer asymmetrischen Kriegsführung getätigt. Da das ein Bereich ist, der traditionell als Domäne der MIRG gilt, deuten Anschaffungen wie Schnellbote, Lenkraketen zur Küstenverteidigung, Seeminen usw. an, dass die iranischen Militärplaner die MIRG in einer militärischen Konfrontation mit einem technologisch überlegenen Gegner - wie die US-Marine - als besser geeignet ansehen als die MIRI. Diese Sicht wurde vermutlich durch die Erfahrungen der MIRI im Iran-Irak-Krieg gestärkt, als sie trotz anfänglicher Erfolge gegen die irakische Marine[3] - während des so genannten Tanker-Kriegs (1985-1988) - eine Niederlage gegen die US-Navy erlitten hat.

Aufgrund der vermuteten ideologischen und organisatorischen Schwächen fand sich die MIRI im Konkurrenzkampf um die Ressourcen oft in einer schlechteren Position gegenüber der MIRG wieder. Mindestens zwei Jahrzehnte nach der Gründung der MIRG dümpelte die MIRI mit einer einzigen nennenswerten Neuerwerbung in Form von drei russischen U-Booten der Kilo-Klasse dahin.

Während der letzten Jahre scheint sich allerdings der Ruf der MIRI innerhalb der iranischen Militärelite verbessert zu haben. Nicht nur, dass sie die Bandbreite und die Qualität ihrer Anschaffung beträchtlich gesteigert hat, es scheint auch, dass ihnen mit Erfolg eine neue Rolle zugedacht wurde. Mit den Worten von Irans Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei ist sie nun Irans „strategische Streitkraft“.[4]

Mission, Organisation, Potenzial

Die traditionelle Aufgabe der MIRI ist der Schutz der iranischen territorialen Gewässer, der Häfen und der Inseln gewesen und die Sicherung der Seeverbindungen (SLOC) sowie der Ansprüche auf Rohstoffe in den „Ausschließlichen Wirtschaftszonen“ (AWZ). Genau wie die MIRG und die iranische Küstenwache[5] halten MIRI-Patrouillen regelmäßig Schmuggler, Drogenhändler und illegale Fischerboote in iranischen Gewässern auf.

Die iranische Marine dient aber auch als Abschreckung gegen mögliche Feinde wie die USA. Die MIRI wird in iranischen Militärkreisen für den Fall eines Konflikts mit Gegnern außerhalb der Region wegen ihrer geographischen Reichweite allgemein als erste Verteidigungslinie Irans betrachtet. Schließlich nutzt Iran die MIRI auch für politische Ziele, in der maritimen Diplomatie und für strategische Botschaften. [6]

Die MIRI ist in vier maritime Distrikte organisiert, die in Bandar Abbas, Jask[7], Chabahar und Bandar Anzali ihren Sitz haben. Zusammen umfassen die vier Operationsbereiche die südlichen Ufer des Kaspischen Meeres, den nördlichen Golf von Oman und die Straße von Hormuz. Bei Letzterem sitzt der erste Bezirk der MIRI in Bandar Abbas - am gleichen Ort wie ein ähnlich konzipiertes Hauptquartier der MIRG.[8] Das legt eine Überschneidung der Verantwortlichkeiten der beiden Streitkräfte in diesem strategisch wichtigen Bezirk nahe.

Obwohl der Persische Golf - aufgrund einer großen Umstrukturierung der iranischen Marine, die ab 2007 begann - nunmehr unter der operativen Kontrolle der MIRG steht, betreibt die MIRI dort weiterhin Stützpunkte. Dieselbe Umstrukturierung führte auch zur Einrichtung der nördlichen und der südlichen MIRI-Flotten[9], von denen jede die theoretische Verantwortlichkeit über ihre jeweiligen Streitkräfte an der südlichen und nördlichen Küste trägt.

Im Hinblick auf ihrer Gesamtgröße ist die MIRI mit einer Anzahl von etwa 18.000 aktiven Soldaten die kleinste der konventionellen iranischen Militärdienste.[10] Sie ist auch die kleinere der beiden maritimen Streitkräfte Irans; die MIRG verfügt schätzungsweise über eine etwas größere Gesamtzahl von 20.000 Soldaten. Wehrdienstleistende erwartet ein 18-monatiger Dienst in der Marine. Offiziere, die an der Imam Khomeini-Marineakademie in Nowshahr ein den Bachelor- und Masterabschlüssen entsprechendes Zeugnis bekommen, sind zu einem längeren Dienst als ihre eingezogenen Kameraden verpflichtet.

Anekdotischen Aussagen in Interviews zufolge, die 2010 durchgeführt wurden, weisen darauf hin, dass die MIRI in der iranischen Bevölkerung ein höheres Ansehen genießt als die MIRG - einerseits wegen ihres höheren Grads an Professionalität, andererseits wegen ihrer unpolitischen Natur. Dennoch bevorzugen viele der Wehrpflichtigen bei der MIRG zu dienen, bei der das Training als leichter betrachtet wird, bei der die Beziehungen zwischen den Rängen lockerer und die Leistungen allgemein besser sind.[11]

Es ist wenig über die Struktur der Streitkräfte unterhalb der Bezirksebene bekannt, obwohl die MIRI organisatorische Konzepte angewandt hat, die denen westlicher Marinen ähneln, wie etwa Flottillen für exterritoriale Einsätze. Im Gegensatz zur MIRG, die ihre Kräfte auf die Entwicklung kleinerer und manövrierfähigerer Einheiten konzentriert hat, besteht das Rückgrat der MIRI aus meist älteren mittelgroße Kriegsschiffen, einschließlich dreier britischer Fregatten der Sa´am-Klasse (Mark 5 Vosper)[12], einer neuen heimisch entwickelte Variante davon, die Jamaran, zwei kleinere Korvetten der Bayandor-Klasse (geliefert in den 1960ern) und 14 Flugkörperschnellboote der Kaman-Klasse (Combattante II).

Die meisten der iranischen Kriegsschiffe sind mit Antischiffs-Marschflugkörpern bewaffnet, darunter die Noor, eine heimisch produzierte Variante der chinesischen C-801. Es wird geschätzt, dass die MIRI auch mit sieben Minenschiffen, 44 Patrouillenschiffen für Küsten und küstennahe Gewässer, etwa zehn Amphibienschiffen und dem Versorgungsschiff  Kharg, dem  nach der Tonnage  größten iranischen Kriegsschiff, ausgestattet ist. [13]

Laut Jane’s (Anm. d. Red.: US-amerikanisches Sicherheits- und Risikoberatungsunternehmen) ist die Flugabteilung der MIRI mit ihren 2000 Mitgliedern, drei älteren Lockheed P-3 und anderen verschiedenartigen Seeaufklärungsfliegern und Helikoptern „eine der wenigen Luftelemente in allen Golf-Marinen.“[14] Die MIRI verfügt darüber hinaus noch über zwei Brigaden (etwa 2.600 Mann) an Marineinfanteristen, deren oberste Aufgaben vermutlich den Schutz von Irans verwundbarer küstennaher Energieinfrastruktur und seiner Inseln im Persischen Golf ist.

Die U-Boote runden die Gefechtsgliederung der MIRI ab: drei von den Russen in den 1990ern gelieferte dieselbetriebene U-Boote der Kilo-Klasse, sieben Kleinst-U-Boote der Yono-Klasse, die von Nordkorea geliefert wurden und nunmehr im Lande hergestellt werden, und ein weiteres Kleinst-U-Boot der Nahang-Klasse, ebenfalls aus einheimischer Produktion. Während die Hauptaufgabe der Kilo-U-Boote der MIRI in der Kriegsschiffsbekämpfung (ASW) vermutet wird, schätzt man, dass die Kleinst-U-Boote, welche über eine weitaus eingeschränktere Reichweite verfügen als die Kilos, vermutlich zusätzliche Aufgaben haben - wie etwa verdeckte Minenverlegung oder den Transport von Marine-Spezialeinheiten (MARSOF).

Der verstorbene Admiral Ashkbus Danehkar sagte mit Verweis auf den abschreckenden Wert, den U-Boote gegen technologisch überlegene Gegner haben, dass die Marine in ihrem Beschaffungsprozess U-Boote Priorität einräumte, weil die Mächte von außerhalb der Region „mit einem Handicap konfrontiert waren: Sie verfügten über keine Erfahrung in der U-Boot-Kriegführung in den Gewässern des Persischen Golfs und im Golf von Oman… U-Boote können auf eine rein autarke Basis von weiten ausgeführten Überraschungsangriffen aufspüren und sie beenden.[15]

Der Trend bei den Neubeschaffungen und in der heimischen Produktion der iranischen Marine weist auf eine starke Betonung auf Autarkie hin – eine der Lehren, die man aus dem Iran-Irak-Krieg gezogen hat, als Ersatzteile aufgrund ausländischer Sanktionen schwer zu erhalten waren. Die heutigen Anschaffungen scheinen sich auf vier getrennte Entwicklungslinien zu fokussieren, darunter mittlere und schwere U-Boote[16], Kleinst-U-Boote, große Kriegsschiffe und Flugkörperschnellboote mittlerer Größe. Die MIRI hat ebenso seine alternden Kriegsschiffe mit modernisierten Waffensystemen und Geräten nachgerüstet.

Herausforderungen und die Neuorganisation

Trotz dieser bescheidenen Verbesserungen war die MIRI bisher mit beständigen Problemen in Sachen Instandhaltung und Einsatzbereitschaft konfrontiert. Der Großteil der Seeflotte ist westlicher Herkunft. Angesichts der fehlenden Möglichkeit, diese Schiffe zur Generalüberholung und Reparatur an ausländische Werften zu schicken, war Iran gezwungen, sich entsprechend seiner Fähigkeiten selbst um deren Instandhaltung zu kümmern. Als Folge daraus sind laut dem Office of Naval Intelligence „fast die Hälfte der mit Raketen bestückten Kriegsschiffe in sehr schlechtem materiellem Zustand, was deren Einsatzbereitschaft und operationelle Ausdauer einschränkt.“[17] Irans drei U-Boote der Kilo-Klasse und sein P-3 Orion- Flugzeug seien ebenso längst für eine Generalüberholung fällig, obwohl die Russen den Iranern offenbar bei einer heimischen Überholung einer der U-Boote der Kilo-Klasse, der Tareq, behilflich waren.[18]

Die MIRI und die MIRG leiden auch nach wie vor an mangelnder Koordination, was auf Schwierigkeiten zurückzuführen ist, die mit einer aufgeteilten Kommando- und Kontrollsystem verbunden sind. Der Führungsstab der iranischen Streitkräfte erkannte, dass hier eine signifikante Verwundbarkeit liegt, die Irans Feinde ausnutzen könnten und initiierte 2007 eine große Neuorganisation der iranischen maritimen Streitkräfte. Diese beinhaltete die Neuordnung der einzelnen Verantwortungsbereiche und die Eröffnung mehrerer neuer maritimer Basen an Irans Küsten.

Als Ergebnis dieser Neuorganisation hat die MIRG die exklusive operationelle Kontrolle über den Persischen Golf erhalten, während die MIRI ihren Fokus auf den Golf von Oman, auf das Arabische und auf das Kaspische Meer verschoben hat.[19] Gleichzeitig zu dieser Neuorganisation sind neue maritime Distrikte und Distrikthauptquartiere außerhalb des Golfs eingerichtet worden. Im Jahr 2011 war die Aufteilung der Kräfte zwischen den beiden Marinen noch im Gange. Im Falle eines Konflikts wird die MIRG vermutlich die operationelle Kontrolle über die bestehenden Basen und Bestände der MIRI im Persischen Golf übernehmen und die MIRI die operationelle Kontrolle über die Basen und Bestände der MIRG außerhalb des Golfs.[20]

Drei Vorteile wurden mit dieser Neuorganisation verbunden. Erstens hat sie den Bedarf an Koordinierung und Harmonisierung der Operationen der beiden Seestreitkräfte im Falle eines Konflikts vermindert. Zweitens stellt sie eine logische Aufteilung der Kräfte dar, da die größeren Kriegsschiffe und U-Boote der MIRI besser für das Operieren in tiefen, weniger eingegrenzten Gebieten außerhalb des Persischen Golfs geeignet sind, während die kleineren und flinken Einheiten der MIRG besser für ein Operieren innerhalb des Golfs geeignet sind. Drittens hat sie der MIRI erlaubt, den Fokus und die Priorität ihrer Bemühungen weiter nach draußen zu tragen und Patrouillen mit großer Reichweite sowie exterritorialen Operationen durchzuführen und somit Irans strategischen Wirkungsbereich zu erweitern. Die Neuorganisation hat demnach im Wesentlichen die Voraussetzungen für die Neudefinition der Rolle der MIRI als strategische Streitkraft geschaffen und im Ergebnis ihre Nützlichkeit in den Augen der Führung in Teheran erhöht.

Eine neue Richtung

Der Architekt dieser Neuausrichtung innerhalb der MIRI oder zumindest die Person, die für die Implementierung ernannt wurde, ist Konteradmiral Habibollah Sayyari, der im Jahr 2007 ausersehen wurde, der MIRI vorzustehen. Sayyari, ein Veteran des Iran-Irak-Kriegs, dessen Karriere in der MIRI bereits in der Zeit vor der Revolution begann, beschrieb den Ursprung der Transformation der MIRI in einem Interview, das er 2009 der “Iranischen Studentischen Nachrichtenagentur“ (Anm. d. Red.: ISNA) gab:

„Am siebten Oktober 2009 machte das Staatsoberhaupt (Anm. d. Red.: Ayatollah Ali Khamenei) bei der Abschlusszeremonie der Studenten der Nowshahr-Marineakademie eine Bemerkung, die uns vorher noch nicht in den Kopf gekommen war. Er sagte, dass die Marine heute in vielen Teilen der Welt und in unserem Land eine strategische Streitmacht ist und entsprechend behandelt werden sollte. Das eröffnete uns einen völlig neuen Horizont und uns wurde klar, dass das, was auch immer wir bis dahin gemacht hatten, nicht im Sinne seiner Eminenz gewesen war. Nach der Äußerung dieser Bemerkungen wurden Sitzungen gehalten, und wir führten verschiedene Studien durch. Wir kamen zu der Schlussfolgerung, dass eine strategische Streitmacht eine Macht ist, die in der Lage ist, im offenen Meer präsent zu sein, was bedeutete, dass wir den Persischen Golf verlassen“.[21]

Öffentliche Statements von Verantwortlichen der Marine deuten an, dass die MIRI sich bemüht, ihre Reichweite innerhalb eines Gebiets auszuweiten, die vier strategische maritime Nadelöhre miteinander verbindet: Die Straße von Hormuz, die Straße von Malakka in Südostasien, die Bab al-Mandab-Enge zwischen Ostafrika und der Arabischen Halbinsel, und der Suez-Kanal.[22] Vermutlich ist es kein Zufall, dass diese Gebiete auch den Großteil der wichtigsten globalen Seeverbindungen (SLOC) abdecken - einschließlich ihrer Hauptrouten für den Energietransport.

Bei der Verfolgung ihres Zieles, eine wichtigere Rolle auf der Weltbühne zu spielen, engagierte sich die MIRI in mehreren exterritorialen Einsätzen, vor allem im Golf von Aden und im Roten Meer, wo die MIRI neben der NATO, der russischen, der chinesischen und der indischen Marinen Anti-Piraterie-Einsätze abhielt. Mindestens bei einer Gelegenheit begleitete ein iranisches U-Boot diese Langstreckenpatrouillen, um „Daten zu sammeln“.[23] Die MIRI begann auch mit einer umfangreichen Kampagne maritimer Diplomatie. Seit 2009 haben Boote der MIRI mehrere hoch profilierte Hafenbesuche in Sri Lanka, Oman, Saudi Arabien, Djibouti und Syrien durchgeführt. Auf dem Weg zum syrischen Hafen Latakia durchfuhren zwei Schiffe der MIRI – die Fregatte Alvand und das Versorgungsschiff Kharg – den Suezkanal und fuhren als erste iranische Kriegsschiffe seit der Revolution 1979 in das Mittelmeer ein.

Während die Bedeutung dieser Einsätze ziemlich symbolischer Natur ist, zeigen sie nichtsdestotrotz - zumindest im regionalen Vergleich - eine technologische Errungenschaft seitens der MIRI auf. Darüber hinaus hat die MIRI mit dem Setzen der iranischen Flagge an Orten, die so weit entfernt liegen wie das Mittelmeer und der südliche Indische Ozean, seine Ambitionen signalisiert, eine dominantere Rolle auf der regionalen Bühne zu spielen.


[1] Interviews mit Militärs der US-Navy, Washington, DC, 2009-2011.

[2] Interview mit ehemaligen iranischen Militärs, 2010.

[3] Beispielsweise in der Operation Movared (Perle) (28.November 1980) hat die MIRI geschätzte 75% der irakischen maritimen Operationsfähigkeit ausgeschaltet. Movared wird von der MIRI noch immer als Paradebeispiel einer gelungenen Operation betrachtet. Sie wird jährlich im November als der „Tag der Marine“ gefeiert, siehe auch http://www.sajed.ir/.

[4] Islamic Republic of Iran News Network Television (IRINN), 5. Juli 2011.

[5] Die iranische Küstenwache ist eine Untereinheit der iranischen Ordnungskräfte – auch im persischen Akronym bekannt als NAJA (Anm. d. Red.: NAJA ist die herkömmliche und einzige Polizei Irans).

[6] Federation of American Scientists, Office of Naval Intelligence, „Iran Naval Forces: From Guerilla Warfare to a Modern Naval Strategy“, Herbst 2009.

[7] Der Sitz des zweiten Bezirks der MIRI ist im Oktober 2008 als Teil einer größeren Neuorganisation der Marine von Buschehr (im Persischen Golf) nach Jask (außerhalb des Persischen Golfs) gezogen. Vgl. Aryan, Hossein, „Iran's Navies Flex their Muscles“, Radio Free Europe/Radio Liberty, 11. Mai 2010.

[8] Crist, David B., „Gulf of Conflict: A History of U.S.-Iranian Confrontation at Sea“, Policy Focus 95, Washington Institute for Near East Policy, Juli 2009.

[9] Interview mit Konteradmiral Hibibollah Sayyari, IRIB 1, 30. Juli 2011.

[10] „Iran Navy“, Jane's Sentinel Security Assessment, 1. September 2011.

[11] Interview mit ehemaligen iranischen Militärs, 2010.

[12] Obwohl die Iraner ihre Mark V-Boote als Zerstörer klassifizieren deutet ihr Gesamtverdrängung (1.100 Tonnen) darauf hin, dass es sich hier eher um Fregatten handelt. Zum Vergleich: Ein US-amerikanischer Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse hat bei voller Ladung eine Verdrängung von über 8.000 Tonnen.

[13] “Iran Navy,” Jane’s Sentinel Security Assessment.

[14] “Iran Navy,” Jane’s Sentinel Security Assessment.

[15] Saff, Februar 2000, S. 40-42.

[16] Irans Marineindustrie hat angegeben, dass ein neues 450-Tonnen U-Boot, die Qa’em, gebaut werde. Fars News Agency, 26. November 2009.

[17] Office of Naval Intelligence, “Iran Naval Forces.”.

[18] Office of Naval Intelligence, “Iran Naval Forces.”.

[19] Himes, Joshua, „Iran’s Maritime Evolution“, Gulf Analysis Paper, Center for Strategic and International Studies, Juli 2011.

[20] Interview mit Konteradmiral Hibibollah Sayyari, IRIB 1, 30. Juli 2011.

[21] Interview, Iranian Student News Network, 31. Juli 2011.

[22] Neuere Äußerungen von MIRI-Offiziellen, denen zufolge sie die Reichweite bis in den Atlantischen Ozean ausweiten möchten, werden gemeinhin als Getöse und außerhalb der Fähigkeiten der MIRI betrachtet - zumindest für die absehbare Zukunft. Vgl. UPI, „Iranian Navy to Dispatch Squadron to Atlantic“, 18. Juli 2011.

[23] “Iran Sends Sub, Warship on Red Sea Patrol,” Agence France Press, 30. August 2011.


Von Dr. Michael Connel, Direktor der Abteilung für Iranstudien am „Center for Naval Analyses“ in Alexandria, Virginia, erschien am 31. Januar 2012 erstmalig auf Englisch bei „Middle East Studies“ in Washington, D.C.. Übersetzt von Leo Schmitt und Thomas Effe.


Le Mec09-06-12

Super Analyse, die bei mir eine Menge zum Verständnis der iranischen Marine beigetragen hat. Ich bin gespannt, was aus der regulären iranischen Marine wird. Ich war ja schon sehr erstaunt, als ein iranisches Kriegsschiff durch den Suez-Kanal gefahren ist.

Alireza Zarei10-06-12

Für den Laien macht dieser Artikel den Eindruck einer detaillierten Analyse. Das ist Sie meiner Meinung nach allerdings ganz und gar nicht. In den vergangenen Monaten haben sich sehr viele Leute über Irans Militär ausgelassen, ohne die nötigen Fachkenntnisse zu besitzen. Für solche Analysen sind nicht nur Eckdaten von Aufstellung und Organisation von Nöten, sondern ebenso detaillierte Kenntnisse über die gesamte militärische Infrastruktur, den Modernisierungsmaßnahmen und vor Allem technologischen Neuentwicklungen.
Schon das erste „Kapitel“ des Artikels war für mich so nicht hinnehmbar.

„So wird die größere und mit weit reichendem Gerät ausgestattete MIRI eher als eine Hochseemarine betrachtet, während die MIRG, die hauptsächlich mit kleinen Schnellbooten ausgestattet ist, eher zur Küstenverteidigung geeignet ist.“

Stimmt fast. Die NIRG, welche den Großteil der tausenden Schnellboote befehligt, ist Hauptbestandteil der asymmetrischen Kriegsführung im gesamten Golf. Die Schnellboote sind nicht nur auf die Küsten begrenzt, sie können ebenso direkt zu den feindlichen Schiffen, tief im Golf, aufschließen und direkt bedrohen, wie unzählige dieser Ereignisse in der Vergangenheit belegen. (später erwähnt er sogar selbst, dass seit 2007 der Persische Golf der MIRG zugeteilt wurde)

„Diese Sicht wurde vermutlich durch die Erfahrungen der MIRI im Iran-Irak-Krieg gestärkt, als sie trotz anfänglicher Erfolge gegen die irakische Marine[3] - während des so genannten Tanker-Kriegs (1985-1988) - eine Niederlage gegen die US-Navy erlitten hat.“

Die abwertende Bezeichnung „anfänglichen Erfolge“, wie Connel schreibt, bedeuten nichts weiter als die vollständige Vernichtung der irakischen Marine während der Operation „Morvaid“. Zu dieser Zeit, war die iranische Marine zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Bedrohung für die 5. Flotte der Amerikaner - sie war von Anfang an haushoch unterlegen und es wundert mich sehr, dass Connel ernsthaft eine Vergleich zur US Navy zieht.

„dümpelte die MIRI mit einer einzigen nennenswerten Neuerwerbung in Form von drei russischen U-Booten der Kilo-Klasse dahin.“

Das ist der größte Blödsinn, den Connel für mich vollständig disqualifiziert. Die drei Kilo Klasse U-Boote, die später äußerst abwertend von Connel dargestellt werden, sind langjährigen Generalüberholungen und Modernisierungen unterzogen wurden, von denen die neuste des Bootes „Tareq“ erst vor wenigen Wochen abgeschlossen wurde. Danach folgten bis heute (offiziell) 19 Kleinst-U-Boote der Ghadir Klasse und eine Fregatte der Mowj Klasse namens Jamaran. Darüber hinaus verfügt die MIRI auch über das gesamte maritime Fluggerät des Irans, das alle Helikopter umfasst, sowohl die Patrouillen Flugzeuge. Darüber hinaus sind gegenwärtig mindestens 2 weitere Fregatten der Mowj Klasse im Bau, welche über die ersten eigenen Stealthstrukturen verfügen werden und mit dem ersten maritimen Phased Array Radar des Irans ausgestattet sein werden. Von den U Botten der Nahang, Fateh oder Behsad Klasse abgesehen.

Später geht Connel auf einige Einheiten ein wie der P3 und erwähnt nicht die massiven Anstrengungen, die zu deren Modernisierung und Aufrechterhaltung aufgebracht werden, sowie die Alternative, an welcher der Iran arbeitet, die Marine Version der IR-140.

Auch die Antischiffswaffen werden sehr mangelhaft dargestellt, stellen doch gerade Sie eine der Hauptbedrohungen der feindlichen Schiffe dar. Ein kleiner Verweis auf die Noor Rakete (C-801), einer „mittelmäßigen“ Rakete unter Dutzenden anderen Anti Schiffsraketen, ist ebenso fragwürdig und wirft in mir die Frage auf, wie intensiv sich Herr Connel mit der Thematik beschäftigt hat.

Ich könnte an dieser Stelle noch so weiter machen, aber der Trend von gezieltem Herunterspielen von Kriegsgerät und das Ignorieren der größten und wichtigsten Entwicklungen und Neuerungen in Kriegsgerät und Infrastruktur zieht sich durch den gesamten Artikel.

Le Mec@Alireza Zaeri11-06-12

Das ist sehr interessant was Sie schreiben und klingt nicht wie aus dem Hemdsärmel gezaubert. Woher haben Sie diese informationen? Oder anders gefragt, gibt es sowas auch auf englisch?

Alireza Zarei12-06-12

Das Meiste auf diesem Gebiet ist auf Farsi. Allerdings gibt es einige englische Bücher und Magazine, die quasi als Standardliteratur gelten. Darunter fallen alle Bücher von Tom Cooper zum Thema und die Magazine von Iranianaviation.com, sowie vereinzelte Analysen von spezifischem Kriegsgerät, die teilweise sehr detailliert ausfallen. Doch das Wichtigste ist das tägliche (!) verfolgen der Thematik auf allen vorhandenen Plattformen: Internet (dort findet man auch alles, was im iranischen Fernsehen gezeigt wird), Magazine, Bücher. Um allerdings auch das zu verstehen was man sieht, muss man sich mit Militär-Technologie allgemein auskennen. Welche Radartypen gibt es, welche Triebwerke, welche Raketen, welche Antriebsarten, ………das alles ist eine Wissenschaft für sich und sehr zeitintensiv.
Nicht zu vergessen sind auch international renommierte Magazine wie „Europäische Strategie und Sicherheit“ oder „Janes weekly“. Von grösster Bedeutung ist auch das Mitverfolgen von Diskussionen in diversen Foren, die sich auf Irans Militär spezialisiert haben und teilweise mit sehr fundierten Kenntnissen von Ex-Militärs, Ingenieuren, anderen Wissenschaftlern und wahren Experten gespickt sind. Dazu zählen iranmilitaryforum.net, armscontrolwonk.com, thearkenstone.blogspot.ch und uskowioniran.com. Nahezu alle dieser Leute sind im iranmilitaryfoum.net vertreten, wodurch oft hoch qualifizierte Diskussionen zustande kommen.
Ein Tipp von mir: Ich habe noch keinen einzigen Bericht eines europäischen „Experten“ gelesen, den ich als ausführlich oder fundiert bezeichnen könnte, deswegen rate ich persönlich dringend einen Bogen um solche „Analysen“ zu machen. Ebenso verhält es sich mit manchen Organisationen aus den USA. Beispielsweise steht auf der Website von Globalsecurity sehr veraltetes und grösstenteils längst widerlegtes Material. Darüber hinaus hat sich die Seite während des RQ170 Drohnenvorfalls vergangenen Dezember, durch absolut lächerliche Aussagen, die sehr schnell widerlegt waren, selbst disqualifiziert. Ebenso beim ThinkTank CSIS, das hauptsächlich darum bemüht ist, dem Iran Atomwaffen in die Schuhe zu schieben.
Wer über Irans Militär reden will, der muss sich jahrelang damit beschäftigen und alle Puzzleteile kennen, die er dann zu einem logischen Bild zusammenfügen kann. Ich will nicht behaupten, dass ich dazu im Stande bin, aber allem Anschein nach reicht es immer noch aus, um einen Connel und andere seiner Gefolgsleute zu widerlegen (was nicht schwer ist).

Humanist12-06-12

Die für ein Entwicklungsland relativ gut ausgestattete Marine der Mullahs ist kein Grund in Freude auszubrechen.
Die Mullahs haben sehr viele Ressourcen des Landes dort investiert. Gelder die man produktiver hätte investieren können, wenn man tatsächlich an die Bevölkerung denken würde. Man möge sich die Armut weiter Teile der Bevölkerung anschauen, und die Ausgaben für Bildung und Soziales mit den Millitärausgaben vergleichen.
Demnach stehen die diebischenn Mullahs Ihren Vorbildern aus Nord Korea im Nichts nach.
Wie schon häufig erwähnt, wohnt die Natur des Lügens den Islamisten Inne.
Wir schließen den Golf von Hormus (Tange-ye Hormoz)
Wir erinnern uns noch an die vollmundigen Drohungen der iranischen Militärs, sie würden die Meerenge von Hormus schließen und verminen, wenn der Westen sein Embargo gegen den Iran durchsetze. Das Embargo steht, der Handel durch den Persischen Golf geht weiter.
Meines Erachtens geht die größte Bedrohung für die Iraner von den korrupten und machthungriegen Mullahs aus. Erst wenn die Iraner diese innere Bedrohung beseitigt haben, könnte sich eine Besserung der katastrophalen Lage ergeben.
Mögen die Irnaer Ihre Freiheit, Würde und Selbstbestimmung wieder erlangen.

(von Moderation chiffriert)12-06-12

http://didaresabz.wordpress.com/2012/06/11/iranwarum-ist-der-iran-gescheitert/

[...]

MODERATION: Bitte keine sachfremden Beiträge und Artikel senden / Bleiben Sie bitte beim Thema.

IE201212-06-12

Weshalb Iran die Straße von Hormuz für die US-Amerikaner nicht sperrte:

http://www.iranicum.com/2012/05/iran-und-obama-immer-mehr-auf-versohnungskurs/2997

(von Moderation chiffriert)12-06-12

... Da kann der Opiumsüchtige Greis KhameANI Fatwas erlassen wie er möchte...

MODERATION: Bitte keine sachfremden Beiträge und Artikel senden / Bleiben Sie bitte beim Thema.

Mohamad-Ali12-06-12

Vielen dank an Irananders für diesen Artikel.

Es freut mich zu sehen wie Iran seine Marine weiterausbaut.

Eine weitere Fregatte der "Mowj"-Klasse befindet sich gerade in der Produktion, und soll bald am Kaspischen Meer fertig werden.

Hoffentlich machen die Iraner weiter so. Denn nur wenn sie sich verteidigen können, sind sie auch sicher vor den Überfällen ausländischer Mächte.

Weiter so!

Le Mec14-06-12

Vielen Dank an Alireza Zarei (Posting 12-06-12 09:42) für die ausführliche Antwort. Auch das Irananders-Team könnte sich bedanken, für diese konstruktive Kritik. Konstruktive Kritik ist hier im Forum nämlich sehr selten, man vergleiche nur die nicht so hilfreiche "Kritik" im Beitrag danach, die offenbar nichts anderes möchte, als vom eigentlichen Thema abzulenken und Iran auf Teufel komm raus schlecht zu machen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Antwort von IE2012

sarbaze rahbar-basijisupporter14-06-12

eine plattform, die ich sehr hilfreich finde wenn es um den aktuellen stand der militaertechnick des irans geht:
http://www.iranmilitaryforum.net/

und es wird besser; Iran geht in die 2te phase des ausbaus seiner seestreitkraefte- Atom U-boote!
"Iran Plans to Build Nuclear-Fueled Submarines"
http://english.farsnews.com/newstext.php?nn=9103081864

da koennen sich die US amerikanischen halbaffen und die dazu gehoehrenden iranischen exilaffen bald selbst in den hintern kneifen. Irans statusquo ist naemlich nahezu unantastabar geworden. den soviel fortschritt lassen sich die iraner einfach nicht wegputchen.

Anonym14-06-12

Humanist es stimmt was sie sagen, es wurde oft mit der Schließung der Enge von hormus seitens der Mullahs gedroht. Keine noch so gut ausgestattete Armee kann die Mullahs vor dem fall schützen, gleich was profiteure des Systems behaupten.

(von Moderation chiffriert)14-06-12

es geht hier doch gar nicht darum ob, sondern vielmehr wann und in welcher Form dir iri fallen wird!!! [...]

MODERATION: Bitte keine sachfremden Beiträge und Artikel senden / Bleiben Sie bitte beim Thema.

(von Moderation chiffriert)14-06-12

Träumen Sie [...]

Mohsen15-06-12

Vielen Dank Alireza Zarei.

(von Moderation chiffriert)15-06-12

darf ich fragen warum meine beitraege zeitverzoegert gepostet werden?

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