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20.06.2011 Shayan Arkian

Interview über die Situation der Derwische in Iran


Helmut N. Gabel

Helmut N. Gabel

Helmut N. Gabel ist von Beruf freischaffender Künstler und Unternehmensentwickler. Er ist verantwortlich für die Internetpräsenz www.mehriran.de, wo regelmäßig über die Situation der Derwische in Iran berichtet wird. Gabel bezeichnet sich selbst als „Menschenaktivist“ und „Menschensympathisant“; er ist wahrscheinlich der mobilste „Menschen(rechts)aktivist“ Deutschlands, der bundesweit an zahlreichen Iran-Veranstaltungen teilnimmt, um über Menschenrechtsverletzungen in Iran zu berichten.

Irananders: Herr Gabel, worin besteht Ihre Arbeit als Menschenrechtsaktivisten in Deutschland, der über Iran aufklären will?

Helmut N. Gabel: Ich versuche Informationen aus Iran zu bekommen, sie nachzurecherchieren und sie in einen Kontext zu stellen. Ich versuche Nachrichten, Ereignisse und Informationen in ihren Konsequenzen durchzudenken. Auf diesem Weg versuche ich andere Menschen an diesem Wissen teilhaben zu lassen. Ich bin kein Mitglied in einer politischen Partei, habe keine Ziele in Bezug auf Iran als Staat. Mir geht es um die freie Meinungsäußerung und darum, dass ein Mensch seinen individuellen Lebensweg frei und selbstbestimmt gehen kann. Und weil das auch ein Teil meiner beruflichen Arbeit  ist, fühle ich mich verpflichtet, nicht nur für die Leute zu arbeiten, die mich danach fragen, sondern auch im größeren Zusammenhang -  wenn es auf politischer Ebene darum geht, anderen die Möglichkeit zu geben, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Also insofern kann man sagen, dass ich „Menschenaktivist“ oder „Menschensympathisant“ bin. Als Menschenrechtsaktivist kann ich mich nicht bezeichnen, weil ich da in meinem Verständnis Jurist sein müsste. Das machen zum Glück andere.

Irananders: Und wie sind Sie zum Thema Iran gekommen oder beschäftigen Sie sich auch mit den Problemen in anderen Ländern?

Helmut N. Gabel: Da meine Zeit limitiert ist, ist mein Horizont natürlich auch begrenzt. Ich würde mich gern auch mit Haiti, Somalia, dem Kosovo, Rumänien, Russland und mit tausend anderen verschiedenen Brennpunkten der Welt beschäftigen, mit Menschen und Verhältnissen. Aber mein Leben ist limitiert, meine Zeit ist limitiert. Wie es aber kommt, dass ich auf Iran gestoßen bin, liegt daran, dass ich mich für Musik interessiere. Ich habe mich mit Sufimusik beschäftigt. Sufimusik ist für mich etwas, was sehr tief geht. Über die Sufis bin ich auch auf Iran gekommen. Vor 2006, als es die ersten größeren Angriffe gegen die Derwische in Iran gab, habe ich sozusagen meinen Blick auf politische Ereignisse sehr klein gehalten. Sagen wir es mal so: Das war ein Land, das weit weg war und mich nicht berührt hat. Aufgrund der Tatsache, dass mir nun die Derwische nahe sind, habe ich Einiges mitbekommen und ich habe mich gefragt: „Warum? Ich kann das nicht verstehen.“ Ich habe gesucht, in Europa, in englischsprachigen Medien, in deutschsprachigen Medien. Ja, wer schreibt denn darüber, dass da ein Zentrum in einer Stadt zerstört wird, dass von der Bevölkerung in Qom selbst und von vielen Theologen in Qom als ein Zentrum mit sehr glaubwürdigen und sehr verlässlichen Menschen betrachtet wird? Und wie kommen jetzt Vertreter eines Staates auf die Idee, so ein Zentrum zu zerstören und 1.300 Leute zu verhaften und einen davon auch noch umzubringen und so weiter und so fort? Diese ganzen Umstände fand ich nirgendwo in der Presse dargestellt und das fand ich komisch. Denn es wird manchmal in der Presse über einen Luftzug, der auf einem Schiff von Addis Abeba nach Madagaskar weht, berichtet. Da muss man also den Kontext verstehen, in dem das Ganze passiert. Und was ist der Kontext? Der Kontext ist natürlich zum einen die große Geschichte Irans von Kourosh bis in die Gegenwart, von der konstitutionellen Revolution 1906 bis zur Islamischen Revolution 1979, von Mohammad Mossadegh und seiner Absetzung durch Einwirkung des amerikanischen und britischen Geheimdienstes und so weiter und so fort. Nicht zu vergessen die vielen, kleinen, schönen Momente in der Geschichte Persiens, als die Sufi Dichter Hafis, Saad'i oder Schah Nematollah Vali ihre Dichtungen schöpften. Und dann kommt man natürlich genauer heran und versucht zu verstehen, was ist denn jetzt wirklich der Grund. Und man versteht dann, aha da gibt es eine Kampagne, also es ist nicht nur ein willkürlicher Zerstörungsakt eines größeren Gebäudekomplexes, sondern dahinter steckt eine gesamte Kampagne und eine Ideologie. Also versucht man doch zu verstehen, aus welchen Gründen gibt es diese Kampagne und worin besteht die genau und welche Ideologie unterstützt so etwas? Und man stößt plötzlich auf die Vorstellungen vom Imam Mahdi. Da steht man als Europäer da und denkt, Imam Mahdi, das ist eine interessante Geschichte. Aha, also ich muss mich mit Religion und den verschiedensten Aspekten der Religion des Schiismus beschäftigen. Ich muss unterscheiden lernen, was ist eigentlich Schiismus und was ist Sunnismus. Also muss ich wieder in die Geschichte einsteigen und bei Mohammed anfangen und noch vor Mohammed anfangen, denn das meiste versteht man sowieso nur aus einem Zusammenhang heraus und nicht durch isolierte Betrachtungen. Und so habe ich mehr und mehr verstanden, was sich da abspielt und welche Ideologie Teile des iranischen Regimes verfolgen und ich habe für mich verstanden, dass innerhalb dieser 32 Jahre Revolution eine allmähliche Zuspitzung innerhalb der Machtelite vorangetrieben wurde und diverse Säuberungswellen mehr und mehr Menschen aus dem Zentrum der Macht verdrängt oder getötet haben. Und die Kampagne gegen die Derwische leitet eine neue Säuberungswelle ein. Diese Kräfte in Iran, von denen ich spreche, die diese bestimmte Ideologie vertreten, eine Ideologie, die den Menschen als ewig unmündiges Wesen betrachtet, die möchten nämlich als einzige legitimierte Koryphäen dastehen und eine Staatsführung errichten, die nach sehr inhumanen Maßstäben funktioniert. Gleichzeitig grenzt sie alle Andersdenkenden aus. Dass ist das, was ich herausgefunden habe und was ich nicht tolerieren kann. Denn andere Weltanschauungen oder in eine andere Richtung führende Gedanken sind vielleicht nicht so angenehm zu ertragen, aber es ist eine Welt, in der wir zusammen leben. Ich vertrete die Anschauung, dass der Mensch sehr wohl fähig zur Mündigkeit ist und individuelle Entwicklung neben Verpflichtungen und Spielregeln mit der Gesellschaft und anderen Menschen sehr wohl möglich ist. Und dafür setze ich mich ein, dass Menschen, die ihre Entwicklung in die Hand nehmen wollen, auch ihre Stimme gegen ein System erheben dürfen, dessen Vertreter einen rigiden Legalismus fördern und selbstständiges Denken ablehnen. Das ist quasi die gesamte Geschichte wie ich dazu kam in Kurzform.

Irananders: Sind Sie letztlich aufgrund Ihrer Sympathien zum Sufismus konvertiert?

Helmut N. Gabel: Ich bin ein Individuum und ich kann sagen, dass es außerhalb meiner individuellen Nase natürlich übergeordnete Gesichtspunkte gibt. Man kann sich fragen, wie bekommt man eine individuelle Beziehung zu diesen übergeordneten Gesichtspunkten. Und die Antwort der Sufis ist ja, dass das individuell ist. Und dass das ein Weg ist. Darin unterscheiden sich ja die Sufis von den orthodox-religiösen, die alles buchstabengetreu und auf alle Zeiten festgelegt auslegen - egal ob jetzt Christen oder Muslime oder Hindus oder Juden, dass sie sagen, das Verhältnis zu Gott ist ein individuelles und die Verbindung zum Schöpfer über einen individuell abgestimmten Weg möglich ist. Es ist nicht Aufgabe des Individuums, moralischen Geboten sklavisch zu folgen, weil das keine Entwicklung zulässt. Insofern kann man sagen, ich bin zu nichts konvertiert, sondern ich bin, der ich werde.

Irananders: Sie sprachen von der Kampagne gegen die Derwische. Begann sie 2006 und dauert sie immer noch an?

Helmut N. Gabel: Diese Kampagne fing schon 2005 an, zu der Zeit, als noch der offenere Präsident Mohammad Khatami an der Regierung war. Und zwar fing sie an mit der Publikation verschiedener Bücher. Damals sind vom Kayhan- Forschungszentrum um die 80 Publikationen herausgegeben worden, in denen unter anderem auch gegen die Derwische gewettert und gehetzt wurde. Es wurden falsche historische Bezüge hergestellt und falsche Anschuldigungen - wie zum Beispiel Unterstützung für Freimaurer und Zionisten - erhoben. Wie Sie wissen, gibt es ja in Iran verschiedene Basij-Organisationen; und unter diesen und den Hisbollahis sind diese Bücher verteilt worden. Vorbeter und andere niederrangige Mullahs, die fundamentalistische Neigung haben, durften dann das, was in den Büchern stand, in Form von Worten an ihre Gemeinde richten und das nennt man aufhetzen. Und durch diese Aufhetzungen hat dann die erste Kampagne in Qom stattgefunden, die bis heute andauert und alle Derwische in Iran betrifft.

Irananders: Es gibt ja unterschiedliche Derwisch-Orden. Richtet sich diese Hetze gegen eine bestimmte Gruppe von Derwischen oder insgesamt gegen alle Derwische?

Helmut N. Gabel: Das ist eine interessante Frage. Das muss man auch wieder sehr differenziert betrachten. Es gibt z.B. die Glaubensgemeinschaft der „Ahl-e Haqq“, die sind in Iran schon vor Jahren vertrieben worden und manche ihrer Führer sind getötet andere festgesetzt worden. Einige sind auch in der Zeit der Kettenmorde unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Man munkelt, dass sie vergiftet worden sind. Am stärksten wird der Nematollah Gonabadi Orden unter Druck gesetzt. Es gibt drei Gründe dafür, warum diese Derwische verfolgt werden. Der eine Grund ist, man sieht eine Rivalität in der Legitimität, weil die Derwische das Prinzip des Wilayat al-Faqihs (Anm. d. Red.: das Patronat des Rechtsgelehrten, das heißt, das iranische Staatsoberhaupt muss ein befähigter Rechtsgelehrter sein) nicht anerkennen. Sie sagen, dass sie doch ihren Meister haben, warum sollten sie noch einen anderen haben? Der zweite Grund ist, dass die Derwische keine buchstabengetreue Auslegung der Schriften haben, sondern das Zusammenleben mit anderen auf Werte wie Toleranz, Solidarität, Gewaltlosigkeit und Kooperation gründen. Zum Dritten haben die Derwische großen Zulauf bekommen, auch in ländlichen Regionen wie Lorestan, aber auch in Teheran. Viele Iraner haben die Nase voll von einer Hass predigenden Ideologie, die zu Gewalt aufruft und sich als Religion verkaufen will. Das heißt also, dass das Regime das unterbinden will und sie deswegen vertreiben, auslöschen oder dezimieren will.

Irananders: Nach welchen Kriterien geht der Staat vor, dass er gegen eine bestimmte Gruppe Derwische vorgeht und andere zum Beispiel toleriert? Oder gibt es keine Derwischgruppen, die toleriert werden?

Helmut N. Gabel: Doch, es werden in Kurdistan einige sunnitische Derwischgruppen wie Naqshabandis und Qaderis toleriert. Viele Kurden sind Sunniten. Das Regime fürchtet den Einfluss durch sunnitische Wahhabiten oder Salafisten auf die Kurden. Das Staatsoberhaupt, Ayatollah Chamenei, ist vor längerer Zeit nach Kurdistan gereist und hat die Scheichs dieser Orden getroffen, um ihre Unterstützung in Kurdistan im Austausch gewisser Privilegien zu gewinnen. Er erlaubte ihnen in Kurdistan sunnitische Zeremonien, die z.B. in Sistan-e-Balutschistan bei der den dortigen Sunniten nicht erlaubt sind. Sie sind der besondere Schutz und der besondere Stabilitätsgarant für das Regime in Kurdistan. Insgesamt gehören Derwische nicht zu irgendeiner politischen Richtung. Jeder Derwisch kann Derwisch sein und seine eigene politische Richtung gehen. Die Derwische sind aber jetzt politisch aktiv geworden, weil sie verfolgt werden und sie werden mehr und mehr aktiv auch wenn andere Gruppierungen verfolgt werden, weil sie das als ihre gesellschaftliche Verpflichtung gegenüber ihren Werten verstehen.

Irananders: Außer den Derwischen in Kurdistan gibt es keine anderen Derwischorden, die toleriert werden?

Helmut N. Gabel: Das kann ich Ihnen nicht mit Bestimmtheit sagen, meines Wissens nach nicht, aber ich möchte Sie an die Ausstellung "Das Böse in der Welt" vom September 2010 in Teheran erinnern, die von dem Ministerium für Islamische Führung organisiert war. Dort gab es sozusagen die schwarze Liste der Feinde des Regimes in bildlicher Form, da waren eine Reihe von Derwischorden und ihre Führer abgebildet. Gleichzeitig erinnere ich Sie an die letzte Reise von Herrn Chamenei nach Qom, bei der er vier Gruppen weltanschaulicher Feinden aufgezählt hat: Wahhabiten, Bahai, konvertierte Christen und Sufis, denen er "falsche" Mystik vorwirft.

Irananders: Welche langfristigen Möglichkeiten hat der Westen, um dort Verbesserungen herbeizuführen, oder mit anderen Worten, sind Reformen von außen möglich oder muss das von Innen geschehen?

Helmut N. Gabel: Von außen ist nichts möglich. Sehen Sie, das ist wie bei einem Menschen. Ich kann Sie so viel schlagen wie ich will, möglicherweise werden Sie dann zu Kreuze kriechen, aber Sie werden es äußert ungern, gegen Ihren Willen tun, was auch immer ich von Ihnen will. Wenn die Motivation für etwas nicht von Innen kommt, dann ist es nachhaltig gesehen null und nichtig. Ganz im Gegenteil, es ist dann kontraproduktiv. Also, jede Änderung muss von Innen kommen. Und so ist das bei einem Land auch, die Menschen in diesem Land müssen die Möglichkeit haben, ihren freien Willen zum Ausdruck zu bringen. Und deswegen kann ich auch die Stimmen in Iran unterstützen, die nach einem Referendum rufen und nicht nach freien Wahlen im Rahmen eines engen Systems. So ein Referendum ist die Möglichkeit für die Bürger Irans, für jeden einzelnen Bürger, zu sagen was er möchte, nachdem man ihm verständlich die Alternativen aufgezeigt hat: Möchtest Du in einem System mit einem „Wilayat al-Faqih“ mit den möglichen Konsequenzen leben? Möchtest Du in diesem oder möchtest Du in jenem leben? Und ich bin nicht derjenige, der das bestimmt, was das sein soll. Das sollen die Iraner gefälligst selber machen.

Irananders: Demotiviert Sie das nicht, wenn Sie einerseits sagen, die Reform kann nur von Innen stattfinden, Ihre Aktivität jedoch in Europa und im Westen eingeschränkt ist? Besteht die Gefahr einer ungewollten Instrumentalisierung?

Helmut N. Gabel: Instrumentalisierung ist ein wichtiges Thema. Instrumentalisiert wird alles. Die, die gerne instrumentalisieren, die instrumentalisieren alles, egal wie andere etwas machen. Das kann ich nicht verhindern. Das ist richtig. Deswegen sage ich, wir brauchen ein hohes Unterscheidungs- und Differenzierungsvermögen, wer mit welchen Absichten unterwegs ist. Es kann sein, dass gewisse Kräfte auch das, was wir erarbeiten, gern instrumentalisieren. Was die Frage der Demotivation anbelangt: nein. Es ist ja nicht so, dass wir auf www.mehriran.de nur die europäische Zivilgesellschaft aufklären und zu erreichen versuchen. Das ist nicht die ganze Geschichte. Unsere Dachorganisation IOPHRI (International Organisation to Preserve Human Rights in Iran) hat auch noch andere Webseiten, wie zum Beispiel www.hriran.com, da steht vieles auf Persisch drin. Das heißt, dass es die Information, die wir hier verbreiten, auch auf Persisch gibt und die in Iran auch zugänglich ist. Kürzlich haben die Derwische sehr schnell und effektiv gegen eine ungerechtfertigte gerichtliche Vorladung ihres geistigen Oberhaupts protestiert. Das war nur durch Information möglich.

Irananders: Wie oft haben Sie Iran bereist?

Helmut N. Gabel: In meinem Herzen, in meinen Träumen, war ich schon oft dort.

Irananders: Herr Gabel, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. 


Abdullah20-06-11

Herr Gabel hat mehrere Schwächen:

1) Er war nie im Iran und hat Infos nur von "Exil-Iranern"

2) Er studierte Sunni und Schia aber nicht die Geschichte
der Derwisch, Sufi, Wahhabi, Bahai.

w.w.21-06-11

Interessant. Differenzen in der Auffassung sollten einen nicht von einem friedlichen Miteinander abhalten, wie Imam Khomeini sagte. Das Recht schützt die Minderheiten, deshalb sollte man es hochhalten. Herr Gabel nennt als einen wichtigen Grund für Konflikte im Iran hingegen, dass "die Derwische das Prinzip des Wilayat al-Faqihs (Anm. d. Red.: das Patronat des Rechtsgelehrten, das heißt, das iranische Staatsoberhaupt muss ein befähigter Rechtsgelehrter sein) nicht anerkennen".

Als Deutscher stelle ich mir das problematisch vor, wenn Einige zB in Deutschland die verfassungsmäßige Rechtsordnung, die nach den Prämissen der Mehrheitsgesellschaft gebildet wurde, nicht anerkennen würden....
Leider drängt sich mir auch bei dem verlockenden Titel Ihrer Dachorganisation "Organisation to Preserve Human Rights" der Gedanke einer undemokratischen Übertragung subjektiven Rechtsdenkens auf andere auf....

Aber ein interessantes Thema ist es schon und es ist zu hoffen, dass sich die Menschen bald im gesamten Nahost ohne Druck von außen entwickeln können.

Said27-06-11

@Abdullah
zu 1) Die "Schwäche" nicht im Iran gewesen zu sein, könnte auch die Stärke einer Konzentration auf wesentliche Aspekte der Regime-Ideologie sein, dass er nur Infos von "Exil-Iranern" hat, erschliesst sich nicht unbedingt aus dem Interview.
zu 2) Dass er nicht die Geschichte der Derwische, Sufi, Wahhabi, Bahai studiert hat, ist eine Unterstellung, erschliesst sich nicht aus dem Text.
Die Schwäche scheint mir eher die Fokussierung auf die Derwische zu sein. Kein Wort von Studenten, Rechtsanwälten, Intellektuellen, Frauen oder Arbeitern. Die hätten viele Beschwerden vor zu bringen...

Said27-06-11

@w.-w.
Als Weltbürger und Eingedeutschter stelle ich fest, dass Velayat- e-faghi ein Prinzip ist, dass nicht von irgendeiner iranischen Mehrheitsgesellschaft abgesegnet ist, sondern von Khomeini nachträglich in die Verfassung eingefügt wurde, wie verschiedene weitere Instrumente, um die Kontrolle über das politische Geschehen zu "zentralisieren", später aufoktroyiert wurden. Was Khamenei fleißig fortsetzt. Weiteres Detail der Einflussnahme: Wie war das? Wer verfasst die Freitagspredigten und legt sie als verbindlichen Kern allen Freitagspredigern vor?

SA27-06-11

@Said

Das ist nicht richtig. 1979 gab es zwei Referenden. Am 31. März 1979 ging es um „Ja oder Nein zur Islamischen Republik“. Es wurde mehrheitlich mit „Ja“ gestimmt. Dann wählte das Volk eine Verfassungsversammlung, die die Verfassung für die werdende „Islamische Republik“ ausarbeiten sollte. Die Verfassung wurde von der Mehrheit der Mitglieder verabschiedet. Die beschlossene Verfassung wurde abermals dem Volk zur Abstimmung gegeben und am 3. Dezember wurde sie per Referendum angenommen.

Auch die Verfassungsreform von 1989 wurde per Referendum angenommen.

Bei dem Referendum von 03.12.79 enthielt die Verfassung das Doktrin Wilayat al-Faqih. 1989 enthielt die Verfassung gar Wilayat-e mutlaq-e Faqih (absolute Patronat des Rechtsgelehrten).

Lediglich beim ersten Referendum am 31.03.79 stand nicht Wilayat al-Faqih (aber auch nicht Demokratie) in der Verfassung drin. Denn es ging gar nicht um eine konkrete Verfassung, sondern um die förmliche Beendigung der Monarchie und der Neuausrichtung des zukünftigen Staates. Leider erwähnen und berufen sich etliche Exil-Iraner stets auf dieses Referendum von 31.03. und unterschlagen die spätere Wahl zur Verfassungsversammlung und den tatsächlichen Verfassungs-Referendum am 3.12.1979.

w.w.27-06-11

@said
SA hats ja schon beantwortet.

Einfach als Denkanstoß möchte ich Sie bitten, Realität und ihr Ideal zu vergleichen. Schauen Sie z. B. auf die Geschichte der Formulierung des Grundgesetzes (nicht: Verfassung) Deutschlands. Wenn Sie eine Familie haben, wissen Sie auch, dass nicht mal unter wenigen Leuten alle immer alles mitentscheiden können, wenn das Wohl aller gewahrt werden soll. Vereinfachung ist kein akzeptables Konzept.

sarbaze rahbar04-07-11

Der fälscherlicherweise genannte "sufismus" jener gruppen ist nicht der sufismus, welcher auf direkter linie zu Imam Ali zurückgeht. ausufernder aberglaube, gepaart mit satanskult suchen jene sufistischen sekten heim. wer hinter die kulissen solcher sekten sehen möchte, sollte sich folgende links zu youtube anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=KMDUFJFqJ2o&feature=channel_video_title
Das ist der erste part, einfach der rechten spalte folgen und den anderen teilen folgen.

Said11-07-11

Danke für den Denkanstoß. Ich gehe davon aus, dass jemand der Denkanstöße verteilt, ebenso gerne welche empfängt: Wenn Sie die Nachrichten aus dem Iran aufmerksam verfolgen und den Leiter des Imam Khomeini Instituts in Qom Ernst nehmen, dann müsste Ihnen augenblicklich schlecht werden: unter anderem sagt er, Islam sei die Religion der Gewalt - und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt...Wie bitte wollen Sie eine Familie auf Gewalt aufbauen? Geschweige eine Gesellschaft durch Zwang, Strafe und Gewalt entwickeln oder managen? Das Wohl aller wird gewahrt, wenn alle an einem Entscheidungsprozess beteiligt werden. Einen Vergleich mit Krabbelkinder und pubertierenden Halbstarken schliesse ich aus, ich spreche von Erwachsenen, die durch eine gesunde Bildung Vernunft entwickeln konnten und rationales Denken praktizieren können.

Said11-07-11

sarbaze rahbar, was soll das beweisen? mit solchen Behauptungen arbeitet das Ministerium für Islamische Führung.

Said11-07-11

@SA. Madschles Khobregan anstatt Madschlss Moassessan traf die Entscheidungen, die sie als Referenden bezeichnen, das ist ein kleiner Unterschied. Es gab ein einziges Volksreferendum mit der Möglichkeit ja oder nein zu stimmen. In diesem Referendum schlug Bazargan eine Islamische Demokratische Republik Iran vor und Khomeini wollte eine Islamische Republik Iran ohne irgendeinen Zusatz: Er behauptete es reiche eine Islamische Republik einzurichten, denn Islam enthalte auch Demokratie sowieso. das sind die historischen Wahrheiten.

SA12-07-11

@ Said

Das sind keine historischen Wahrheiten. In Iran gab es seit 1979 drei Referenden:

- 31. März 1979 Annahme der Islamischen Republik

- 03. Dezember 1979 Annahme der Verfassung der Islamischen Republik inkl. Wilayat al-Faqih

- 28. Juli 1989 Annahme der Verfassungsreform inkl. Wilayat mutlaq al-Faqih

Missy02-02-12

Danke für den Kommentar. Ja, das soll doch ein wenig im Kopf weetirarbeiten. Da gibt es ein schlaues Buch zweier Soziologen aus Hamburg: Errichiello, Zschiesche, “Wir Einmaligen”. Hat mit dem Thema zu tun, mit dem Zwiespalt, gesellschaftlich dazu gehören zu wollen und gleichzeitig die individuelle “Freiheit” zu behalten. Es ist immer ein “Wollen”, d.h. immer auch sofort eine Unfreiheit.

Mirvat28-05-15

Da ist Iran nicht alleine. Im pro-westlichen Jordanien werden Bahais auch diskriminiert!

http://en.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Jordan






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