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09.04.2010 Shayan Arkian

Zentralrats der Juden und Iran


Vize-Präsident des Zentralrat der Juden Dr. Dieter Graumann verlangt Sanktionen gegen den Iran.

Kommentar anlässlich des Artikels "Graumann geißelt deutsche Wirtschaft für Geschäfte mit Teheran" erschienen am 02.04.2010 in Epoch Times Deutschland Online.


Das der Vize-Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, emotional auf den Iran reagiert, ist verständlich. In Anbetracht der negativen Schlagzeilen, die der Präsident Ahmadinejad verbreitet, wäre etwas Gegenteiliges überraschend.

Erst einmal muss gesagt werden, dass es im Iran nicht "ein" Regime im Sinne eines monolithischen Blocks gibt, der für alles, was im Iran geschieht, zur Verantwortung gezogen werden kann. In diesem Sinne sind geforderte Sanktionen auch irreführend, weil Sanktionen stets eine kollektive Auswirkung haben. Die Statistiken über die verheerenden Auswirkungen der UN-Sanktionen gegen den Irak mit Millionen von Toden ist ein gutes Zeugnis hierfür.

Viel mehr gibt es im Iran mehrere Machtzentren, so ist das Parlament völlig unabhängig von der Regierung, die aktuellen lautstarken Debatten zwischen den beiden Institutionen über das Haushaltsbudget des laufenden Jahres verdeutlicht es noch einmal ganz scharf. So ist auch in jenem Parlament ein Jude Mitglied. Die Juden können im Iran frei ihre Kultur und Religion ausüben, es gibt Synagogen, jüdische Schulen, jüdische Krankenhäuser und sogar Koscher-Restaurants. Die Stadt Isfahan ist eine gute Vorzeigestadt, in der ein Vielzahl an Moscheen, Kirchen und Synagogen nebeneinander stehen. Der Publizist Navid Kermani sagte einst, dass die Deutschen ein Stück von dem isfahanischen Multikulti abschauen dürften. Auch deshalb kann man nicht von „einem“ antisemitischen Regime sprechen, das all dieses erlaubt. Bzgl. der Frage, ob der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad selbst Antisemit sei und inwiefern er den Holocaust verleugnet habe, möchte ich auf das Internet und andere Publikationsforen hinweisen, wo genügend Kontroversen und Dissensen hierzu geliefert werden. Bezeichnend ist, dass Herr Ahmadinejad selbst mehrmals im Jahr jüdische Rabbiner empfängt.

Kommen wir nun zum letzten Vorwurf, die angeblich systematische und dreiste Wahlfälschung im Sommer 2009. Inzwischen geht ein großer Teil der Reformbewegung von der Authentizität der Wahlen aus. Allen voran der ehemalige Vize-Innenminister Dr. Abbas Akhoundi, der während der Wahl persönlicher Vertreter Mousavis im Innenministerium war. Das, was sich in Sommer 2009 abgespielt hat, war viel mehr das Explodieren einer starken Polarisierung die von beiden, der Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi und der amtierende Präsident Mahmoud Ahmadinejad, während des Wahlkampfes ausgeübt wurde. Beide tragen nun die Konsequenzen, Mousavi ist im Inland mehr denn je isoliert, und Ahmadinejads Ansehen im Ausland mehr denn je angekratzt. Alle wissenschaftliche Studien und Umfragen - vor den Wahlen und nach den Wahlen - die mitunter von US-amerikanischen Instituten wie World Public Opinion und Tomorrow Free Terror durch geführt wurden, ermitteln stets die gleichen Zahlen: die, die das iranische Verfassungsgericht auch bestätigt hatte.

Die Forderung an die deutsche Industrie und Wirtschaft, sie mögen ihr Geschäftsbeziehungen mit dem Iran abbrechen, ist wohl gut gemeint, aber löst sicherlich nicht die Problematik des iranischen Atomprogrammes. Orientierung könnte die Politik Nixons zu Maos China bringen. Inmitten der schrecklichen Kulturrevolution sicherte Nixon, nach 25 Jahren gescheiterter Eindämmungspolitik, China Sicherheitsgarantien zu, die Chinas Öffnung zum Westen einleitete.


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