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14.08.2010 Shayan Arkian

Iran und der Klerus - Wilayat al-Faqih in der westlichen Rezeption


Iran, Expertenversammlung

Expertenversammlung: Im Zentrum der Wilayat al-Faqih und iranischer Staatsoberhaupt Ali Khamenei. Anders als im Westen bekannt, muss der Wilayat al-Faqih gemäß iranischer Verfassung nicht schon ein Großayatollah (Maraje-e Taqlid) in religiösen Fragen sein, sondern primär in den gesellschaftspolitischen religiösen Fragen der Muslime und des Islams. Eine Spezialisierung, die seit dem Verfassungsreform von 1989 gilt. (Archivphoto: Leader.ir)

Kurzanalyse anlässlich des Artikels "Kleriker wenden sich ab - Iran im Fieber" von Rudolph Chimelli in der Süddeutschen Zeitung von 6. August 2010.  Eine umfassende Analyse des Artikels mit Quellenangaben, die in vorliegende Analyse fehlt, ist hier zu lesen.


Wenn ein Regimeanhänger die Zeilen von Rudolph Chimelli lesen würde, dann würde er sie als blanke Propaganda wahrnehmen und sie so benennen. So einfach ist das jedoch nicht. Hinter vieler vermeintlicher Propaganda steckt einfach die blanke Unwissenheit.

Der iranische Staat ist ein schiitisch-theologisch geführtes Land, an dessen Spitze Theologen stehen. Rudolph Chimelli ist bekanntlich weder schiitischer Theologe noch dahingehend im weitesten Sinne ausgebildet. Ihn trifft keine Schuld, wenn er behauptet, dass nur zwei von zwanzig vorhandenen Großayatollahs (Maraje-e Taqlid) Befürworter der Doktrin von dem Patronat des Rechtsgelehrten (Wilayat al-Faqih, andere Schreibweise Welayat-e Faqih, Wilayatul Faqih oder Velayat-e Faqih) sind.

Die Wahrheit ist eine andere, was im Westen nur wenig oder kaum bekannt ist, da die fehlende theologische Kompetenz durch das Auftreten von Exil-Iranern, die als Insider wahrgenommen werden, ausgeglichen werden soll. Außer den Reformgelehrten wie Mohsen Kadiwar, der im Übrigen davon spricht, dass die Hälfte der Großayatollahs (Maraje-e Taqlid) für das Patronat des Rechtsgelehrten (Wilayat al-Faqih) sind und die anderen Großayatollahs sich einfach dazu nicht äußern, sind die theologischen Kenntnisse der restlichen Exilanten zu begrenzt, um tiefere Kenntnisse darüber zu besitzen. Die Doktrin von dem Patronat des Rechtsgelehrten gehört nämlich ohnehin zu dem missverständlichsten Bereich der schiitischen Theologie. Denn die Zahl der Befürworter unter den Maraje-e Taqlid ergibt sich daraus, was man unter dieser Doktrin konkret versteht.

Konsens und Divergenzen über das Patronat des Rechtsgelehrten (Wilayat al-Faqih)

Konsens ist, dass alle Maraje-e Taqlid ausnahmslos den Rechtsgelehrten Autorität zusprechen. Die Unterschiede liegen meist darin, wie weitreichend diese Autorität gedacht wird, wie es zu dieser Autorität kommt und welche persönliche Voraussetzungen der Wilayat al-Faqih erbringen muss. Unter anderem aus diesen (für die schiitische Theologie und die Wissenschaft per se) typischen Unterschiede entstehen so falsche Eindrücke, so dass der kürzlich verstorbene Großayatollah Fadhlallah im Westen als Gegner des Patronats des Rechtsgelehrten bezeichnet wurde.

Hier unterlaufen sogar namhaften Islamwissenschaftlern wie der in den USA lebende Vali Nasr, dem Sohn des berühmten zeitgenössischen schiitischen Philosophen Seyyed Hossein Nasr und Berater des US-Präsidenten Barack Obamas, Fehler, in dem er Großayatollah Sistani eine ablehnende Haltung gegenüber dem Prinzip des Patronats des Rechtsgelehrten bescheinigt. Der Autor dieser Zeilen hat eine schriftliche Fatwa vom Büro des Großayatollahs - lange vor Bushs Irakkrieg, als Sistani im Westen noch eine unbekannte Größe war – erhalten, woraus hervorgeht, dass er Befürworter des Prinzips vom Patronat des Rechtsgelehrten (Wilayat al-Faqih) ist. Inzwischen - fünf Jahre nach dem Krieg - hat sich das auch in der westlichen Fachwelt ein wenig herumgesprochen. Gemäß den Fatwas von Großayatollah Sistani hat der Befehl (Hukm) des Wilayat al-Faqihs Vorrang vor allen Rechtsgutachten (Fatwas) der Maraje-e Taqlid. Die Fatwas des iranischen religiösen Oberhaupt Khamenei haben sich in diesem Zusammenhang auch nie geändert, wie Rudolph Chimelli es in seinem Artikel fälschlicherweise annimmt. Alle drei Fatwas (die von Sistani, Khamenei und Makarem-e Shirazi) sind zudem mit den Fatwas des Gründers der Islamischen Republik Iran, Großayatollah Khomeini, konform.

Die Mehrheit der Großayatollahs (Maraje-e Taqlid) spricht dem Wilayat al-Faqih ohnehin eine politische Rolle zu. Neben den bisherigen zwei iranischen Staatsoberhäuptern (Khomeini, Khamenei), Großayatollah Sistani, Großayatollah Fadhlallah und Großayatollah Makarem-e Shirazi sind es Großayatollah Lankarani, Großayatollah Nouri-Hamedani, Großayatollah Sabzewari, Großayatollah Sadegh Shirazi, Großayatollah Muhammad Shirazi, Großayatollah Baqir Sadr, die Großgelehrtenfamilie Hakims (teilw.), Großayatollah Haeri, Großayatollah Behjat, Großayatollah Sanei, Großayatollah Ardebili, Großayatollah Safi, Großayatollah Yaqoobi und sogar Großayatollah Montezari - und viele andere mehr. Wegen ihrer unterschiedlichen Auffassungen zu Autorität, Zusammensetzung des Patronats, Art der Wahl und seiner persönlichen Voraussetzung, hat nur eine kleine Minderheit (wie z. B. Großayatollah Muhammad Shirazi, Großayatollah Montezari oder Großayatollah Sanei) gegen den iranischen Staat opponiert. Diese Opposition hat aber dazu geführt, dass wir im Westen denken, dass diese Herrschaften an sich Gegner des Prinzips des Wilayat al-Faqihs wären und für eine Säkularisierung des Staates eintreten würden. Dabei war Großayatollah Muhammad Shirazi beispielsweise nur dafür, dass mehrere Großayatollahs (statt nur einer) einen Staat führen sollten (so wie es in der iranischen Verfassung bis 1989 als Option vorgesehen war) und Großayatollah Montezari war dafür, dass der Wilayat al-Faqih direkt vom Volk gewählt werden sollte. Am Grundprinzip einer religiösen Führer- und Herrschaft wird dabei nie gerüttelt, auch wenn man andere Terminologien für das gleiche und selbe Phänomen (Wilayat al-Faqih) verwendet.

Ein weitere Konsens unter allen Großayatollahs (Maraje-e Taqlid), die an die gesellschafts-politische Herrschaft des Patronat des Rechtsgelehrten (Wilayat al-Faqih) glauben, ist, dass die absolute Mehrheit des Volkes dieses Modell akzeptieren muss, um es als Herrschaft etablieren zu dürfen. Das erklärt auch, weshalb die pro-iranischen Kräfte um Hakim im Irak und Nasrallah im Libanon nicht unmittelbar die Herrschaft des Wilayat al-Faqihs anstreben. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese oder Großayatollah Sistani Gegner des Wilayat al-Faqihs sind, oder diese nicht bereits – ohne verfassungsmäßig institutionalisiert – praktizieren.

Fazit

Da wir im Westen von der Selbstverständlichkeit und Überlegenheit unserer säkularen Werte und Normen ausgehen und sie als ultimativ für die Welt betrachten, sehen wir verständlicherweise hinter jeder Abweichung und Opposition im Iran und auch anderswo Zeichen für eine Säkularisierung. Die Gelehrten in der schiitischen Welt sind aber nahezu die Letzten, die solch eine Richtung verfolgen. Dass die ersten schiitischen Theologen und Gelehrten keine Taktrate über Herrschaftstheorien schrieben, heißt nicht, dass sie allesamt überzeugte Quietisten waren, sondern das sie - als Verfolgte und Minderheit - nie einen Anlass zu so einem Diskurs hatten und aus diesem Grund jegliche Herrschaft ablehnten (da sie in jener Zeit anti-schiitisch waren), hingegen doch aber politische Empfehlungen aussprachen, die entsprechend der Umstände passiv waren. Hinzu kommt der Gedanke, dass die Wiederkehr ihres verborgenen revolutionären (sic!) zwölften Imams Mahdi bald sein werde (und man deshalb auch noch keine geeigneten Handhabe bzgl. der Steuerabgabe, d. h. Khums, ins Auge gefasst hatte*). Heutzutage jedoch - mit schiitischen Bevölkerungsmehrheiten, einem schiitischen Halbmond in der Region und dem schiitischen Staat des Irans im Rücken, der unter anderem von Außen bedroht wird - lehrt gerade die Geschichte den Großayatollahs, dass sie lieber eine weniger gute islamische Ordnung akzeptieren sollten als den kompletten Niedergang zu riskieren. Es war der erste Imam der Schiiten, Ali ibn Abi Talib, der die Herrschaft der - aus schiitischer Sicht – illegitimen aber ertragbaren Kalifen tolerierte, in einer Zeit, als der neu gegründete islamische Staat unter der mächtigen Bedrohung des christlichen Byzanz und des zarathustrischen Persiens stand. Der hohe Klerus hat diese historische Episode (mit den Parallelen zur heutigen Zeit) im letzten Jahr immer wieder den religiösen Gruppen innerhalb der Grünen Bewegung ans Herz gelegt, was schließlich zur Spaltung und zum Bruch innerhalb der Grünen Bewegung führte. Von beidem jedoch scheint man im Westen keinerlei Kenntnisse zu besitzen.

* Die frühen Theologen nahmen an, dass die Wiederkehr des Mahdis nicht lange dauern wird und haben die Steuerabgabe (im Fachjargon "Khums") den Schiiten aufgetragen bei Seite zu legen bis der Mahdi wiederkehrt. Nach einer Generation vergeblichen Wartens auf den Mahdi gab man die Einweisung das Khums zu begraben und testamentarisch anzugeben, wo es begraben wurde, um es später den Mahdi auszuhändigen. Mit anderen Worten viele der Bestimmungen im Schiitentum mussten sich natürlicherweise der evolutionären Entwicklungen anpassen, dazu gehört auch die Position zur Politik, zumal das Schiitentum immer politisch war und u. a. aus einer politischen Meinungsunterschied hervorgegangen war. Folglich gelten frühere Rechtsurteile und Anschauungen nicht als Maßgebend im Schiitentum, im Gegenteil müssen im Schiitentum die höchsten Rechtsgelehrten (Maraje-e Taqlid) immer auf Neu Rechtsurteile im Einklang mit den hiesigen Umständen deduzieren und dürfen nicht die vorangegangenen Rechtsgelehrten nachahmen. Dasselbe gilt in Glaubensfragen (im Fachjargon „Usul al-Din).


M.A.14-08-10

Wow, danke für die Sachkenntnis. Ich bin grad echt schlauer geworden. Das ist ja wirklich nicht gerade unkompliziert!

Wolfgang15-08-10

Sehr interessanter Artikel, den ich mir auch mal in einer der hiesigen Zeitungen in dieser Ausführlichkeit gewünscht hätte.

Beleuchter15-08-10

@ Herrn Arkian. Sie haben wieder mal versucht, einen "Kritiker-Artikel" sich vorzunehmen, ihn durchzulesen bis Sie eine Stelle gefunden haben, an der Sie scheinbar mehr wissen oder mehr "Gegenargumente" geben können. Dann nehmen sie diese Stelle, egal wie unwichtig sie ist und ob sie gar die KErnaussage des Verfassers war oder nicht und reiten Sie darauf rum, bis das Zeug hält (auf Neudeutsch Spacen Sie richtig ab)...In diesem Artikel von Chimelli redet er 2% über Welayat-Al-Faghih und Marjae Taghlid (sagen wir 5%)und 95% über die miserable Situation im Iran, z.B. darüber, dass es der Mehrheit der 75 Millionen Iraner nicht gutgeht, dass Arbeitslosigkeit und Inflation in zweistelligen Zahlen gemessen werden,dass Die durchschnittliche Lebenserwartung in den drei Jahrzehnten seit der Revolution um sechs Jahre gefallen ist, dass Rund ein Drittel aller Ehen heute in einer Scheidung enden, auch auf dem Land, wo Trennungen früher kaum vorkamen, dass Die Zahl der Rauschgiftsüchtigen auf viereinhalb Millionen geschätzt wird, obwohl im Zuge drakonischer Repression häufig Dealer hingerichtet werden, dass
Auf den Straßen die Oppositionsbewegung die Schlacht verloren hat und Die Übermacht von Polizei, Milizen und Schlägertrupps, vielleicht noch mehr die furchtbaren Erfahrungen, die Verhaftete in Verhören und Kerkern machen mussten, verhindern jede Entfaltung organisierter Proteste. Dass Nie die Zensur auf allen Gebieten, von der Druckerpresse bis ins Internet, so drückend war, dass im Gefängnis sich derzeit angesehene Journalisten und Irans bekanntester Studentenführer im Hungerstreikbefinden, dass von der Außenwelt wenig beachtet, überall im Land kleine oder große Arbeitskonflikte ausbrechen, dass Anführer illegaler Gewerkschaften wie der Organisator der Teheraner Busfahrer, Mansur Osanlu, zum Teil seit Jahren einsitzen.... Was habe Sie davon, wenn Sie keine Gegenargumente hierzu bringen und sich den Hals brechen, um dem Leser klar zu machen ,dass "...im Westen die fehlende theologische Kompetenz durch das Auftreten von Exil-Iranern, die als Insider wahrgenommen werden, ausgeglichen werden soll..." Meinetwegen könnten sie recht haben. Fakt ist, dass Khamenei Oberste entscheidungsbefugnis hat und "in Wirklichkeit" niemeand ihn kippen kann. Papier ist geduldig und man kann irgendwo nachlesen wer und welches Gremium ihn zu beurteilen und zu wählen bzw. abzuwählen hat. Im Grundgesetz, haben wir auch ein paar schöne Artikel, die ganz OK sind und nach Freiheit riechen, aber Welayate Faghih sie "systematisch verletzt: §23 über Meinungsfreiheit;§25 über Abhören, Spionage und Zensuren;§27 über Demonstrationen;§23 über "begründeter" Festnahme oder Inhaftierung;§38 über Verbot von foltern jeglicher Art... Keiner der genannten "GESETZE" wird in Iran richtig ausgeführt und der Welayate Faghih spielt mit.
FAZIT: Wenn ich Cimelli wäre und Ihren obigen Artikel entsprechend Ihrer Argumentation mir gegenüber kommentieren wollte, müsste ich es so formulieren, um exakt wie Sie zu klingen: "...Herr Arkian hat bekanntlich weder aufgrund seiner politischen Aussagen und Wille nach Demokratie in iransichen gefängnissen gesessen noch ist er dahingehend im weitesten Sinne ausgebildet. Ihn trifft keine Schuld, wenn er behauptet, dass jeder der einen artikel über Welayate faghih schreibt von Exil-Iranern als Insider geschult wird und seine mangelde Kompetenz ausgleicht..." dann würde ich 5 Seiten drüer ausscheifen, warum diese Behauptung von wurzel aus flaschist,denn Sie selbst sind auch ein Exil-Iraner. spielt keine rolle, ob Sie in den Iran einreisen dürfen/können oder nicht.
Danke

M.A.15-08-10

Lieber Beleuchteter...

sei doch bitte nicht so einseitig in der Verurteilung der Autoren dieser Seite. Es gibt genügend Aspekte im Artikel von Chimelli, die einfach falsch sind und dir von Dir voreilig übernommen wurden. Die kann jedoch jeder selbst leicht überprüfen. Ich habe mich z.B nicht darüber aufgeregt, dass Herr Arkian es nicht erwähnenswert fand, dass dort eben grade mal behauptet wurde, dass angeblich die Lebenserwartung so krass gesunken ist. Ich kann die Behauptung nämlich selbst sehr leicht überprüfen und festellen, dass es totaler nonsense ist: http://www.indexmundi.com/g/g.aspx?v=30&c=ir&l=en

Aber um die Hintergrundinfo rund um die Wilayat al-Faqih zu verstehen, hätte ich nicht nur meinen Kopf einschalten müssen, sondern auch Arabisch, vermutlich noch Farsi und dann noch schiitische Theologie lernen müssen. Das ist mir dann doch zuviel Arbeit und von daher bin ich dankbar, dass Irananders und speziell Herr Arkian uns hier aufklären.

Lieber Beleuchteter, bitte werde konstruktiv in deiner Kritik, das ist mir schon häufiger aufgefallen, dass Du gerne einfach in einem unfreundlichen Ton Pauschalisierungen in den Raum wirfst. Das ist nicht für eine fruchtbare Diskussion förderlich und die wollen wir eigentlich alle hier, ich denke auch Du.

Netter Gruß,

M.A.

SA15-08-10

Lieber Herr Beleuchter,

eine wichtige Aufgabe von Irananders ist es, die Qualität der Iran-Berichterstattungen zu verbessern, dass es nicht immer gelingt, kann nicht abgestritten werden. Irananders sieht jedoch keinerlei Bedarf all die Missstände, die es im Iran gibt und allgemein bekannt sind und unbestreitbar sind zu wiederholen bzw. in diesem Sinne zu duplizieren. Dazu gibt es genug Medien und Plattformen, deren Existenz und Arbeit auch zu begrüßen und lobenswert sind. Sich nur auf einen Medium zu stützen um Realitäten über den Iran zu erhalten ist unklug und einseitig. Dafür sind das Land und die dortige Politik zu vielschichtig und kontrastreich. Diese in der kompletten Fülle darzubringen, ist Irananders aus Gründen der knappen Ressourcen nicht möglich und anderen Medien wohl aus Kompetenzgründen nicht. Was Irananders betrifft, sie sind nicht einmal in der Lage ihr Hauptbestreben, alle einseitige Analysen, Interpretationen und Nachrichten, die es über den Iran gibt, differenziert ins rechte Licht zu rücken, nachzukommen. Sie selbst weisen ja in Ihrem Beitrag auf die anderen Punkte des SZ-Artikels hin, die in meinem Beitrag – wie Sie richtig bemerken - unerwähnt blieben. Seit Erscheinen des Artikels ist Irananders bemüht einige diese Punkte aufzuarbeiten. Es sind nicht wenige, so dass eine Veröffentlichung in der Kürze – vor meinem Beitrag - möglich wäre. Deshalb wird der Artikel erst in der kommenden Woche fertig. Wie Sie unschwer bemerken bleiben da kaum Zeit und Ressourcen für Iran-kritische Beiträge. Wobei hier noch einmal eindringlich darauf aufmerksam gemacht werden muss, dass dazu auch keinerlei Bedarf besteht, da es dazu genug konstruktive Autoren und Beiträge gibt. Nichtsdestotrotz bringt Irananders doch ab und zu Iran-kritische Beiträge, die man zum Teil gar anderswo auch nicht liest. http://irananders.de/nachrichten/news/article/filmemacher-dreht-mit-amateuren-um-zensur-umzugehen.html Sie sind aber zugegebenermaßen zu wenig, so dass wir bereits eine Anfrage an einem Autor gestellt haben, der diese übernehmen konnte. Gerne können auch Sie ausgewogene Regime-kritische Beiträge der Redaktion zu schicken, damit diese im Irananders veröffentlicht werden können. Eine Hauptarbeit von Irananders wird es jedoch nicht sein können, vorwiegend die Missstände im Iran zu benennen und zu thematisieren, da dazu der Markt gesättigt ist.

Eine Politik hat nur dann Erfolg, wenn sie auf Basis von höchstmöglichen Realitäten formuliert wird. Die einseitigen Berichterstattungen und die damit einhergehende einseitigen Analysen begünstigen eher eine konfrontative Politik, die weder im Interesse der iranischen Zivilgesellschaft noch im Interesse der Auslandsiraner ist.

TE15-08-10

Das Thema Velayat Faqih ist von großer Bedeutung und kein Randthema (auch wenn es in dem Chimelli-Artikel der Fall war). Zu behaupten nur zwei Großgelehrten würden diese Herrschaftstheorie folgen, transportiert unterschwellig abermals eine fatale Botschaft, die bereits seit 31 Jahren existent ist: Das Regime hat nur einige Jahren zum (Über-)Leben.

So lange man von diesem Grundgedanken ausgeht, ist man auch nicht bereit den Iran als ernstzunehmenden Akteur zu betrachten und ist anfällig dafür in der der kurz gedachten Sanktionspolitik zu verhaften. Einen Staat nimmt man in der internationalen Politik nur ernst, wenn man a) weiß, dass er lange fortbestehen bleibt (Grundvoraussetzung) und b) weiß, dass er Kapazitäten genug besitzt, um Kriege und Sanktionen zu überleben.

So lange die Politik von diesen Faktoren nicht überzeugt ist, wird sie weiterhin konfrontativ angelegt bleiben. Dass der Iran beide Punkte besitzt und darüber hinaus noch mehr Eigenschaften, hat man kurzweilig in Washington registriert, jedoch durch die grüne Revolte ist dieses Erkenntnis dahin verschwunden.

Sanktion und Konfrontation sind nur rentabel und plausibel, wenn der unliebsame Staat schwach, ausgebeutelt und zu recht biegen ist. Andernfalls würde man ihn anders behandeln müssen, so wie einst Nixon das in Bezug auf China – nach 25-jähriger vergeblicher Eindämmungspolitik - erkannte.

zangi15-08-10

Welayat-e-faghih bedeutet: Die Vormundschaft der Fegh-Gelehrten. Das heißt für das Mullah-Regime ist die iranische Nation nicht mundig! Dies mittelalterliches Prinzip soll abgeschaft werden.

Beleuchter16-08-10

zuerst @ M.A. Die Deffinition der freundlich oder unfreundlich ist Empfindungssache. Dass Du in meinen Beiträgen einen unfreundlichen Ton findest, heißt es nicht unbedingt, dass sie auch tatsächlich unfreundlich sind. Das ist deine Empfindung. Ich habe niemanden beschimpft, sondern meine Meinung geäußert. wir sind nicht hier, um nach dem Mund zu reden oder zu schreiben, sondern über Politik zu reden und gewöhnlich kommt es auch zu Themen, Fakten und Feststellungen, die man nicht schönreden kann....Mein obiges Kommentar war an Herrn Arkian gerichtet. Ich glaube, er, als jemand der Iranischen Nachrichtensendern diverse Interviews gegeben hat und über Islam forscht, selbst in der Lage ist, sich zu verteidigen, wie er es auch tut und braucht keinen Verteidiger. Es geht nicht hier um einen Klassenraum, in dem wir die Rolle der Schüler und die Autoren die Rolle der Lehrer spielen sollten. Hier geht es um Fakten gegen Fakten; Behauptungen gegen Behauptungen, Theorien gegen Theorien und Kritik gegen Kritik. Du kannst gerne alle Artikel von Autoren hier wunderschön finden und etwas dazu lernen und dich geistig weiterbilden. Ich habe nichts dagegen, genauso wie Du nichts dagegen haben musst. Sollte ich DICH jedoch in irgendeiner Form beleidigt haben, dann nenne es mir bitte und ich werde mich entschuldigen. Beleidigung gehört nicht zu meinem Style. Aber Direktheit schon!!
@TE:
Einen Staat nimmt man in der internationalen Politik nur ernst, wenn man a) weiß, dass er sich selbst ernst nimmt (Gott sei Dank sorgt ja Ahmadinejad mit seinen Reden und erstklassigen Informationen über Iran dafür-Grundvoraussetzung) und b) weiß, dass er Kapazitäten genug besitzt, um sich mit der internationalen Welt (und nicht nur Venezuela, syrien, Senegal Oman und co) zu harmonisieren. und C)Seine Führung zum erkenntnis kommt, dass Welayate Faghih für ein Land wie Iran und in einem Zeitalter des Internets und Globalisierung nicht lange die Rolle des Schäfers spielen kann, denn das Volk ist nicht mehr mit Schafen gleichzusetzen und kann für sich selbst entscheiden. Solange sie der Meinung sind, es bringt was, wenn sie die Leute nach Jamkaran schicken, um ihre Wunschzettel für Haushaltsgegenstände in den Brunnen reinzuwerfen....dann wird man sie auch nicht international ernst nehmen, denn die Mehrheit der Menschen im eigenen Lande nimmt sie gar nicht ernst. Außerdem, "Sanktion und Konfrontation sind nur rentabel und plausibel, wenn der unliebsame Staat sich bitte die Gehirnzellen reaktiviert und daran erinnert, dass er bereits ende der Kriegszeit seine "Biegsamkeit" unter Beweis gestellt hat und den Krieg mit einer Entscheidung von Imam Khomeini, der den Giftrunk (Jame Zahr) trinken musste, beendet hat, was ich sehr vernünftig und im Interesse des Volks sehe und nicht unbedingt als "sich den Schwanz einziehen oder Angs kriegen" betrachte. Manschmal soll ein Staatschef im Interesse des Volks solche Giftrunke trinken...Diesen Sanktionen für jeden Preis widerstehen zu wollen, geht es nur zu Lasten von uns und unseren Kindern und Kindeskindern.

@ SA:
Wenn Sie der Meinung sind, dass ich Sie "beleidige" und nicht nüchtern und sachlich, aber direkt über die Themen diskutieren, koönnen Sie es mir gerne sagen. Denn mansche Leser denken, wenn man direkt ist und nicht um heißen Berei rumredet, ist es unfreundlich. Wir befinden uns alle in einem demokratischen Land und können einander unsere Meinung sagen. Ich will Sie gar nicht beleidigen, sondern anhand meiner Erfahrung, meines Alters, meiner Erlebnisse und meiner Kenntnisse über die Fleißarbeit des iranischen Regimes im In- und Ausland den Lesern dieser Seite die andere Kehrseite der Medallie "anders als Irananders" zu zeigen und die Beurteilung selbstverständlich ihnen selbst überlassen. Sie und ich sind beide aus demselben Land mit derselben Geschichte. dass wir die Zukunft unseres Landes aus unterschiedlichen Perspektiven sehen und völlig unterschiedliche Ideologie haben, bedeutet nicht, dass wir verfeindet sind. In Deutschland leben alle Ideologien von zart bis hart beisammen. Es gibt Meinungs- und Pressefreiheit sowie viele andere Grundrechte eines Menschen. Das gleiche kann auch im Iran der Fall sein. alle Denkweisen OHNE Angst vor Repressalien und Unterdrückung, selbstwenn sie mit dem regime nicht einverstanden sind. Man könnte als Vergleich Türkei nehmen. Ein islamisches Land ohne Staatsbezogener Radikalismus. Klar sie haben Kurdenprobleme und gehören zu NATO usw. aber sie sind "frei" die Gesellschaft reflektiert die Freiheit. sie praktizieren auch Islam mit Beten und Fasten und so weiter, aber egal was sie aus Ihrer Sicht für Schwachpunkte in der Politik und/oder wirschaft haben, haben genau diese Türken dafür gesorgt, dass die ganze Welt sie besucht und dort seinen Urlaub geniesst. Die Menschen fliegen dort hin und spüren "Sicherheit" und "Offenheit". Meinen Sie, wir im Iran haben es nicht verdient, von der Welt respektiert und "ernstgenommen" zu werden??? Tut diese Isolierung uns allen gut. Sind wir in einer Kampfszene, dass wir laut TE da oben nur ernstgenommen werden, wenn wir Sanktionen standhalten??? Für welchen Preis denn???? We profitiert davon und we´n juckt es gar nicht???

SA16-08-10

@Zangi
Wilayah ist ein koranisches Begriff der mit Patronat am besten übersetzt werden kann. Vormundschaft ist eher eine ungeeignete Übersetzung.

Einige Befürworter verstehen aber unter Wilayat al-Faqih eine gewisse Unmündigkeit des Volkes in gewissen (nicht allen) Fragen. Andere wiederum nicht.

In der aktuellen iranischen Politik hat er mehr die Bedeutung eines Schlichters, Verwalters und fungiert als "konsenschaffender" Bindeglied der Republik.

@Beleuchter
Ich habe nicht den Eindruck, dass wir verfeindet sind. Die Frage, die sich stellt, ist, wie diese Werte zu verwirklichen sind. Eine Politik der Konfrontation oder ein Wandel durch Handel?

TE16-08-10

@Beleuchter

In Saudi Arabien herrscht ein primitiverer Staat, aber er wird ernst genommen. Faktoren um einen Staat ernst zu nehmen, sind nicht ihr Herrschaftsform, sondern pauschal ausgedrückt Macht. Gerade der Iran hat durch seine schiitische Herrschaft Einflussmöglichkeiten von Afghanistan bis nach Libanon. Was ihn von Saudi Arabien aber unterscheidet ist die schon historische gewordene Feindschaft zu den USA und der daraus entstandene politische Streben nach Autonomie und Selbstständigkeit.

Der Iran geht davon aus, dass der Westen nicht weiter die Sanktionspolitik aushalten kann und der Westen geht davon aus, dass der Iran die Sanktionen nicht weiter aushalten kann.

Beleuchter17-08-10

@TE:
Sie wollen uns also weißmachen, dass Saudi Arabien (pauschal gesehen) Macht hat, was nicht mit ihrer Herrschaft zu tun hat, daher werden sie ernstgenommen?? Ach so, dann verraten Sie mir bitte, warum die shiitische Herrschaft des Iran in Ihrem nächsten Satz plötzlich eine "einflussreiche" Rolle spielen soll??? Hat nun die Herrschaft eines Staates einen Einfluß darauf, ernstgenommen zu werden oder nicht?? spricht da einer vielleicht etwas widersprüchlich?Hat da jemand bei Meiner Aufzählung absichtlich das A) und B) weggelassen, die von mir als höhere Priorität angesetzt waren und das C) rausgepickt und versucht es, gegenzu argumentieren??
Zur Hilfe: Ich nenne Ihnen ein Land als Gegenbeispiel, um beim nächsten mal nicht Saudi Arabien zu wählen. Und Das ist Lybien. Ich weiß nicht, ob sie schon mal dieses Land jemals oder in den letzten 2 Jahren besucht haben oder nicht. sehr kurz gesagt. Gaddafi war am Anfang auch ein Fanatiker und Extremist, wie die Iranische Regierung. Hat aber endlich erkannt, dass das Schwimmen gegen den Strom sein Land und "seinen" Stuhl am Endeffekt gefährdet, daher eingelenkt und sich geöffnet. recherchieren Sie mal just for fun im Internet, was dort zur Zeit an einen wirtschaftlichen Aufschwung herrscht. Schauen Sie nach, ob die Menschen diese Veränderung hassen oder nicht. Informieren Sie sich, ob es an ihrer Herrschaft lag, dass es dem Land davor so dreckig ging und jetzt immer weiter besser oder eher Ihre theorie (Sanktionen Standhalten bis das Zeug hält) die Devise war... Manschmal schadet es nicht, wenn man sich eines besseren belehren lässt. Das tue ich nämlich auch.

TE17-08-10

@Beleuchter

Eine Herrschaftsform kann aber muss nicht ein Machtfaktor sein. Die Herrschaft von Saudi Arabien mag alberner als die im Iran sein, dennoch hat sie Macht, die aber nicht aufgrund ihrer Herrschaftsform rührt, sondern aufgrund seines unverzichtbaren Öl-Reichtums. Sie haben unterstellt, dass man den Iran nicht ernst nimmt, weil man dort Wunschzetteln in Brunnen wirft. Darauf bin ich eingegangen und zugleich darauf hingewiesen, dass die Sache mit dem Wunschzettel in der Region populär ist und den Iran dadurch Einflussmöglichkeiten beschert hat.

Sie selbst räumen ja eigentlich auch ein, dass es den Westen egal sein kann, wie ein Staat regiert und erwähnen Libyen. Gaddafi ist sicherlich ein größerer Witzbold als Ahmadinejad.

In welcher Frage soll der Iran einlenken? Derzeit geht es um die Urananreicherung. Der Iran bot den Westen an seinen Uran in der Türkei zu bringen, so wie Obama es forderte. Er hat dafür aber Sanktionen erhalten. Der Iran geht davon aus, dass der Westen nicht weiter die Sanktionspolitik aushalten kann. Hinter der Atomfrage im Iran steht nach allen Umfragen das Volk.

Internationale Politik ist zu komplex um es allein auf Menschenrechte, Demokratie oder Herrschaftsform zu reduzieren. Konflikte, die historisiert sind, wie USA-Iran sogar um ein vielfaches mehr.

Engelhardt06-01-15

Selbst Ayatollah Khui, der Lehrer von Sistani, war politisch und indossierte die Herrschaftstheorie von Wilayat al-Faqih: https://www.facebook.com/video.php?v=1011980658818468






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