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26.07.2010 Ralf Abbasi

Neda und Todesstrafen gegen Mitglieder der Sicherheitskräfte


Iran, Neda

Der Mord an Neda Agha-Soltan hat eine weltweite Hysterie hervorgerufen, die zu vielen falschen Informationen geführt hat. Über keinen anderen Bürger Irans gibt es vermutlich so viele einander widersprechende Angaben und Informationen zur Biographie, Persönlichkeit und sogar zum Aussehen.

Teheran, 30. Juni (MNA/Press TV/IRIB/Irananders) – Das iranische Militärgericht, welches für Straftaten der Militär- und Polizeieinheiten zuständig ist, verurteilte zwei Gefängniswärter des berüchtigten Gefängnisses Kahrizak zum Tode. Gegen weitere neun Wärter wurden andere Strafen - vom Freiheitsentzug bis zur Suspendierung vom Dienst - verhängt. Die Verurteilten können gegen die Urteile Einspruch einlegen.

Im Gefängnis Kahrizak starben während der Wahlunruhen vor einem Jahr drei Menschen. Das Gefängnis wurde daraufhin per Dekret vom iranischen Staatsoberhaupt Ali Khamenei durch den Nationalen Sicherheitsrat Irans geschlossen.

Eine weitere Gerichtsverhandlung über das Eingreifen von Sicherheitskräften in Zivil in der Teheraner Universität am 15. Juni 2009 läuft noch. In jener Nacht hätten Basiji-Einheiten ohne Befugnis die Universität gestürmt und eigenwillig Studenten geschlagen, teilte das zuständige Militärgericht mit.

Nach Angaben von BBC Persia glauben nach einer Press TV-Dokumentation über die Todesursache von Neda Agha Soltan die Mehrheit der Iraner nicht an eine Täterschaft des Regimes. Der erste Sendebeitrag Irans über den Mord an Neda war eine Verschwörungstheorie, die für den Orient typisch ist. Demnach wäre Neda gar nicht gestorben - und alles war angeblich eine Inszenierung. Die Macher des Beitrages waren Iraner.

Am Jahrestag der Ermordung brachte Press TV jedoch eine Öffnet externen Link in neuem Fensterausführlichere Dokumentation mit Augenzeugen und Freunden von Neda. Die Dokumentation wurde auch ins Persische übersetzt und im Kanal 3, den hauptsächlich junge Iraner sehen, ausgestrahlt. Diesmal waren die Macher der Sendung Iraner/innen, die im Westen aufgewachsen waren.

In der neuen Dokumentation werden viele neue Fragen aufgeworfen. Man führt Gespräche mit den behandelnden Ärzte und Krankenschwestern. Es wird weiterhin die Autopsie Nedas dargestellt. Nach dem Mord Nedas kursierten fälschlicherweise Gerüchte im Internet und in westlichen Medien, dass bei Neda angeblich nie eine Autopsie erfolgt sei und ein Basij sie getötet hätte. Das Beschuldigte Basij-Mitglied und ein weiterer Augenzeuge, der der Freund von Dr. Arasch Hejazi ist, sind auch Interviewpartner in der Sendung. Arasch Hejazi ist einer in Großbritannien lebender Arzt, der die Wiederbelebungsversuche an Neda durchgeführt hat, am nächsten Tag zurück nach Großbritannien flog und Interviewpartner von etlichen Medien wurde. Nach Angaben von Dr. Arasch Hejazi hatte ein Basij-Mitglied Neda ermordet.

Die Dokumentation endet mit der Frage, wer die Frau war, die sich auf der gleichen Straße befand, wo Neda ermordet wurde, die stets ihre Hand in ihre Handtasche hielt und die Straße nach dem Mord unverzüglich verließ. Nach Angaben von Beobachtern im Iran, die anlässlich der Dokumentation BBC Persia anriefen, hatte die Sendung einen erheblichen Einfluss auf die Iraner ausgeübt.


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