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Mohammadi Ashtiani: Komplettes Interview auf Deutsch


Ashtiani, Interview

Mohammadi Ashtiani (l.) im Interview.

Irananders machte bereits darauf aufmerksam, dass das Interview von Frau Mohammadi Ashtiani falsch übersetzt wurde (hier Video auf Persisch). Infolgedessen ging man im gesamten westlichen Kulturraum – Medien, Presse und Menschenrechtsgruppen eingeschlossen – davon aus, dass Ashtiani ihr Geständnis unter Folter abgelegt hat. Im Folgenden nun die deutsche Übersetzung des Sendebeitrages, wo sich (im Gegensatz zur gängigen Berichterstattung) Frau Ashtiani von jeglicher Schuld freispricht und allein den Cousin ihres toten Ehemannes beschuldigt. Die Passage über das angebliche Geständnis der Beihilfe bzw. des Mordes ist in der Übersetzung unterstrichen.

Ferner stellt sich die Frage, wenn es sich tatsächlich um einen Geständnis gehandelt hätte, weshalb dann die Notwendigkeit bestand, unmittelbar nach dem Interview den obersten Richter der Provinz einzublenden, damit dieser erst die Beteiligung Ashtianis am Mord darlegt. Mit anderen Worten auch die Sendung hat Ashtianis Aussagen nicht als Geständnis verstanden und dargelegt. Darüber hinaus ist es unverständlich Frau Ashtiani für ein öffentliches Geständnis zu foltern, wenn sie im Interview ohnehin nicht gezeigt und gehört wird.

Das Ausmaß der Fehl- und Falschmeldungen über den Fall Ashtianis lässt sich auch an einem anderen Beispiel veranschaulichen. Mohammad Mostafaei, der angebliche Anwalt Ashtianis, gab der britischen Zeitung „The Times“ ein Photo von Frau Ashtiani - ohne Kopftuch - zur Veröffentlichung. Nach der Publizierung stellte sich heraus, dass nicht Frau Ashtiani auf dem Photo abgelichtet war, sondern eine iranischen Exil-Politikerin in Schweden. Daraufhin entschuldigte sich „The Times“ und machte Mostafaei für den Irrtum verantwortlich. Er dagegen behauptete, dass er das Photo von Ashtianis Sohn erhalten hätte. Der Sohn verneint das allerdings und verbietet ihm, weiterhin im Namen seiner Mutter zu sprechen. Dennoch aber stellen viele Medien bis heute Mostafaei als Ashtianis Anwalt dar, obwohl es sich bereits herumgesprochen haben dürfte, dass Mostafaei bei detaillierten Fragen zum Fall überfordert ist (dazu liegen Irananders Informationen vor und wir berichteten bereits, dass er nie Ashtianis Anwalt war). Die ganze Affäre begrenzt sich aber nicht bloß auf einen falschen Photo, sondern zum allen Überdruss hat angeblich die iranische Justiz Ashtiani zu 99 Peitschenhieben verurteilt, da sie auf dem Photo ohne Kopftuch zu sehen ist. Es gibt jedoch im iranischen Strafgesetz keinen solchen Straftatbestand für die Weitergabe eines Passfotos ohne Kopftuch oder das Fotografieren lassen von einem Fremden ohne Kopftuch. Der Sohn Ashtianis jedenfalls dementiert die Verurteilung zu 99 Peitschenhieben. Und die Frage ist, wie man sie dazu verurteilen kann, wenn die iranische Justiz weiß, wie die echte Ashtiani aussieht….


Moderator: Sie sehen die Sendung „20:30“. Wir werden nun sehen, wie die westlichen Medien aus einer ungesetzlichen Beziehung und einem Mord einen Propaganda-Feldzug gegen den Iran machen.

Szenenwechsel / Es wird ein Interview mit Frau Sakineh Ashtiani eingeblendet: "Es war im Jahr 84 (2005 unserer Zeitrechnung, Anm. d. Ü.), als ich mit einem Mann telefonisch Kontakt aufnahm. Dieser Mann hat mich durch seine Redegewandtheit reingelegt. Er sagte mir: ‚Komm, töten wir deinen Ehemann!’“

Szenenwechsel / Westliche Berichterstattungen werden nun eingeblendet und übersetzt: "Der Montag ist zum internationalen Tag für diese iranische Frau erklärt worden, um auf diese Weise den Druck gegen ihr Gerichtsurteil fortzusetzen. Ein bemerkenswerter Punkt ist, dass die iranischen Behörden sämtliche Berichterstattungen über den Fall dieser Frau in ihrer Presse verboten haben. Dieser Fall zeigt, wie weit doch die Menschenrechte im Iran eingeschränkt sind.“

Szenenwechsel / Der Kommentator des Sendebeitrages spricht nun: "Es ist ungefähr 2 Wochen her, dass die westlichen Medien den Fall einer Frau namens S. A. (der Name Sakineh Ashtiani wird zum Schutz der Ehre der Frau nicht ausgesprochen, Anm. d. Red.) zu einem zentralen politischen Thema gemacht haben und dieses Ereignis zu einem Symbol für eine angeblich gewaltige und beispiellose Verletzung der Menschenrechte im Iran machen. Aber wie sieht die Wahrheit bei dieser verwerflichen Tat aus?“

Szenenwechsel / Interview mit Frau Sakineh Ashtiani wird wieder eingeblendet: "Die Sache verhält sich wie folgt: Die ganze Geschichte erstreckte sich über 2 Monate. Es war im Jahr 84 (2005 unserer Zeitrechnung, Anm. d. Ü.), als ich mit einem Mann telefonisch Kontakt aufnahm. Dieser Mann hat mich durch seine Redegewandheit reingelegt. Er sagte mir: ‚Komm, töten wir deinen Ehemann!’ Dieser Mann hat mich allein durch seine Redekünste reingelegt. Er sagte: ‚Ich werde für dich dies und jenes machen, mich um dich sorgen. Was ist das für ein Ehemann, den du hast? Er ist kein guter Ehemann.’ Dieser Mann ist der Cousin meines Ehemannes und er sagte (weiter): ‚Dein Ehemann hat dieses und jenes Unrecht getan.' Als ich ins Gefängnis kam, habe ich erfahren, dass er bereits vorbestraft war und das dies seine 3. Straftat war. So sagte er mir: ‚Komm, töten wir deinen Ehemann.’ Ich habe überhaupt nicht geglaubt, dass mein Ehemann getötet wird. Ich habe gedacht, dass er Spaß machen würde. Ich dachte, dieser Mensch ist verrückt geworden. Nachher habe ich erst gesehen, dass er ein Mörder ist. An jenem Tag war meine Schwiegermutter bei uns zu Hause. Als ich nach Hause kam, um ihr ihre Arznei zu geben, sah ich, dass dieser Mann sämtliche (zum Mord notwendigen) Werkzeuge mitgebracht hatte. Er hatte Stromkabel und Handschuhe mitgebracht. Danach hat er meinen Ehemann durch Stromschläge getötet. Vorher hat er zu mir gesagt: ‚Bring deine Kinder ins Haus ihrer Großmutter!’“

Szenenwechsel / Der oberste Richter des Gerichts von Ost-Aserbaidschan wird nun eingeblendet: "Die Beihilfe zum Mord an ihrem Ehemann verhielt sich wie folgt: Sie hat ihrem Mann eine Injektion gegeben, damit er ohnmächtig wird. Sie hat also ihren Mann ohnmächtig gemacht. Danach ist dann der eigentliche Mörder gekommen und hat durch das Umbinden von zwei Stromkabeln um den Hals des Opfers das Opfer unter Strom gesetzt. Den Ablauf dieses Mords hatten sie bereits im Voraus geplant. Die Kinder des Ehepaares wurden vorher an einen anderen Ort geschickt, damit niemand zu Hause ist."

Szenenwechsel / Ein Angehöriger wird befragt, er sagt: „Als ich ins Bad kam und den Leichnam so sah, habe ich einfach nur geweint." Auf die Frage, was geschehen war, antwortet er: „Es war dort Blut, das Stromkabel lag da." Er zeigt auf seinen Rücken: „Da hat ihn der Stromschlag getroffen. Drei Mal haben sie den Armen getötet (ihm tödliche Stromschläge versetzt).“

Szenenwechsel / Ein Bekannter erzählt: "Eine Person ist gekommen, die mit seiner Frau ein Verhältnis gehabt hat, und sie haben ihn durch Stromschläge getötet. Zuerst haben sie ihm eine Injektion gegeben, dann haben sie ihn ins Bad gezogen und unter Strom gesetzt."

Szenenwechsel / Der Kommentator des Sendebeitrages spricht nun: „Was Sie gehört haben, gehört zur Wahrheit dieses verwerflichen Mordes. Der wesentliche Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass die westlichen Medien bei diesem Vorfall sogar die einfachsten Regeln des Journalismus außer Acht gelassen haben. Stattdessen haben sie falsche Nachrichten wiedergegeben - insbesondere ein erfundenes Interview mit Frau S. A. im Gefängnis. Der “The Guardian“ und die “BBC“ gehörten insbesondere zu den Medien, die bei diesem Fall eindeutige Falschberichte publiziert haben.“

Es folgt die Übersetzung des Berichts einer westlichen Reporterin: "Diese Frau (also Ashtiani, Anm. d. R.) behauptet, dass die iranischen Medien falsche Beschuldigungen gegen sie vorgebracht hätten, damit die Staatsführung sie heimlich hinrichten kann.“

Szenenwechsel / Der Kommentator des Sendebeitrages spricht: „Frau S. A. ist außer der Beihilfe zum Mord an ihrem Ehemann auch wegen des begangenen Ehebruchs auf Grundlage der gültigen Gesetze verurteilt worden.
Aber was ist nun der wirkliche Grund für all den Tumult um Frau S. A.? Empfinden denn die israelischen, englischen, amerikanischen Staatsführer und Medien - und insbesondere Frau Clinton - wirklich Mitleid, so dass sie deshalb die angebliche Verletzung der Menschenrechte im Iran beweinen? Natürlich hat die Diskussion um Menschenrechte von Seiten der westlichen Staatsführer und Medien immer als Vorwand gedient, um Druck auf den Iran auszuüben. Darüber hinaus kann man vielleicht zwischen den Zeilen der vielen Nachrichten und Berichte westlicher Medien über Frau S. A. erkennen, dass es (in Wirklichkeit) um die im Iran verhafteten US-Spione geht, indem taktisch versucht wird - durch medialen und politischen Druck auf den Iran - die Spione freizubekommen.“

Es folgt die Übersetzung eines Berichts einer westlichen Moderatorin: „Einer der Menschenrechtler im Iran sagt über diesen Fall (also im Fall von Ashtiani, Anm. d. R.), dass es immer noch wahrscheinlich ist, dass die Todesstrafe gegen sie vollstreckt wird. Im Iran sitzen auch drei US-Amerikaner, die wegen Spionage in Haft sitzen.“

Szenenwechsel / Der Kommentator des Sendebeitrages spricht: „Ein weiterer interessanter Punkt ist der Fall des flüchtigen Anwalts der Frau S. A., Herr Mostafaei, der offensichtlich mit dem Ziel, Asyl im Westen zu erhalten, die westliche Presse in diesem Fall unterstützt hat. Er hat nach den Aussagen von Frau S. A. die Angeklagte nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen und sie klagt ihn nun auf das Schärfste an. Mostafaei, der in den Westen geflohen ist, hat offenkundig keinerlei Gewissensbisse. Um Asyl zu erhalten, hatte er andere Wege wählen können, als mit dieser Angeklagten zu spielen.“

Szenenwechsel / Wieder Interview mit Frau Sakineh Ashtiani: "Warum hat er meinen Fall im Fernsehen gebracht? Warum hat er meine Ehre nicht bewahrt? Von meinen Angehörigen und meiner Familie wussten nicht alle, dass ich im Gefängnis bin. Warum hat er das mit mir gemacht? Ich möchte Mostafaei sagen: Du machst einen Fehler, wenn du mit meiner Ehre spielst. Jetzt bin ich Kläger gegen ihn.“

ENDE


Markus03-11-10

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Berichterstattung? wollen Sie vertrauen in das iranische Rechtsystem schaffen, indem Sie Folter und Mord rechtfertigen? Wir haben in Deutschland gesehen was in der islamischen Republik Rechtstaatlichkeit und Demokratie bedeuten: Menschen werden in Massen abgeurteilt, eine Opposition wird nicht geduldet, Richter verhängen offiziell Strafen die jegliche Menschlichkeit vermissen lassen. Wenn man bedenkt, dass nur noch in China mit seinen 1,3 Milliarden Bürgern mehr Menschen jährlich hingerichtet werden als im Iran mit seinen gerade mal 80 Millionen Einwohnern, dann könnte man meinen, dass das iranische Volk fast nur aus Verbrechern besteht. Wenn Demokratie und Menschenrechte in der islamischen Republik etwas anderes bedeuten als im Rest der Welt, dann sollten sie es auch anders nennen. Der Staat versucht bereits der eigenen Bevölkerung jede Kritik, im Namen einer falschen Einigkeit, zu verbieten. Wenn es von außen kritisiert wird, dann zeigt es schnell mit dem Finger auf die anderen, um vom eigenen Handeln abzulenken. Ja ich weiß, der Iran versucht gerade auch diesen Spieß umzudrehen und behauptet dasselbe von seinen Kritikern. Es gibt jedoch einen gewaltigen Fehler in dieser Weise der Verteidigung. Das iranische Volk lässt sich vielleicht davon einwickeln, doch alle freien Menschen kennen den Unterschied.

Le Mec03-11-10

Vielen Dank für die Übersetzung. Eigentlich ein Skandal, dass die Medien, die diese Falschmeldung verbreitet haben (der Spiegel macht es noch immer) ihren Fehler nicht eingestehen oder zumindest richtig stellen.

zara04-11-10

@markus

reden sie doch nicht von Menschenrechten in der brD. Hier werden Menschen zu 12 Jahren Haft verurteilt, weil sie ihre Meinung frei äußern oder zu 14 Monaten auf 3 Jahre Bewährung, weil sie die Bibel zitiert haben. Bitte erst einmal vor der eigenen Haustür kehren, aber wahrscheinlich wissen Sie nichts von solchen Fällen, weil die brD-Presse darüber schweigt und sich auch niemand im Ausland für solche Fälle interessiert.
Hier gibt es weder Meinungs- noch Religionsfreiheit.
Und ich erinnere Sie dabei bei der Gelegenheit auch an das Niederknüppeln von harmlosen Demonstranten in Stuttgart. Solche Bilder sollten mal aus dem Iran kommen, die ganze westliche Welt würde in ihrer Falschheit aufheulen.

Le Mec04-11-10

Wo wird Folter und Mord gerechtfertigt? Ich habe das auf dieser Seite noch nicht gesehen. Und zum Rest von Ihren Kommentar, was ist dort nun konkret der Vorwurf? Mir ist aufgefallen, dass mehrere Kommentatoren sich wundern, dass auf Irananders.de keine oder kaum Artikel zu finden sind, die kritische Aspekte der iranischen Gesellschaft und Politik behandeln. Es gibt aber genug Informationen im Internet und in den üblichen Zeitungen und Nachrichtenmagazinen, die diese Themen behandeln und das ist auch gut so. Genauso gut aber ist auch, dass es einen Watchdog eben für falsche Meldungen über Iran gibt. Falsche Meldungen gibt es nämlich zuhauf, wie wir auch bei der Übersetzung dieses Interviews sehen!

Homayoun H.05-11-10

Ich habe vorgestern eine sehr "interessante" Beobachtung bei einem Gespraechs zwischen einigen oppositionellen Exil-Iranern gemacht. Und zwar waren sie ganz offensichtlich ENTTÄUSCHT dass Frau Ashtiani doch nicht an diesem Tag exekutiert wurde! O-Ton: "Oh Mann, jetzt verschieben sie es schon wieder" (und ähnliche Kommentare). Das ist BEZEICHNEND für die gesamte Behandlung und Ausschlachtung diesen Falles. Es geht nicht um Frau Aschtiani! Weder dem Westen noch der sogenannten Opposition in Deutschland. Es geht darum wie man den Fall dieser Frau benutzen kann um gegen Iran Propaganda zu machen. Mir wurde echt übel als ich die Unterhaltung beobachtete. Ein verlogenes Spiel durch und durch.

R.P.05-11-10

Ich glaube nicht, dass die westlichen Medien sich bei ihrer Berichterrstattung über Iran irren. Sie tuen es bewusst und mit voller Absicht. Es ist unglaublich, aber es ist wahr. Es wundert mich aber immer wieder, wie sich die hiesigen Medien ihre Augen und Ohren verschliessen über die massiven Menchenrechtsverletzung der westlichen Staaten in Ländern wie z.B. aktell Afganistan, Irak, Pakistan, Jemen usw.. Manch afrikanische Länder wie z.B. Nigeria möchte ich gar nicht hier erwähnen.

Wohl wahr05-11-10

Justizsprecher Scharifi sagte laut IRNA: "Einige Leute wollen sich wichtig machen, und einige Medien wollen mit solchen unbegründeten Behauptungen auf die Titelseite kommen." Die Medien sollten sich "auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren und Fakten berichten, statt giftige Propaganda gegen den Iran" zu verbreiten.

Auch wahr05-11-10

Ahadi und ihre Gruppe als Menschenrechtsgruppe zu bezeichnen ist eine Farce. Sie ist eine Exil-POLITIKERIN!

Beobachter08-11-10

Es ist einfach erbärmlich, wie unsere Presse alles glaubt, was Ahadi sagt. Nur um wieder politisches Nutzen zu ziehen, brachte sie Gerüchte im Umlauf, dass Ashtiani demnächst hingerichtet wird.





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