24.03.2015 Dr. Fariborz Saremi

Ist Iran das stabilste Land in der Region?


Unterstützter Rouhani Rowhani Ruhani Irans Präsident Sympathisanten

Anhänger des iranischen Präsidenten Hassan Rohani.

In den letzten 35 turbulenten Jahren, nachdem die Islamische Republik in Iran als Folge einer Revolution entstanden ist, hat sich das Kräfteverhältnis im Nahen Osten verschoben. Für die meiste Zeit war Iran seitdem durch interne Machtkämpfe, Verhängung von Sanktionen und durch seine Isolation wegen der Verbindungen zum Terrorismus gefesselt. Heute ist Iran im Begriff, ein Musterbeispiel für Stabilität zu werden, wohingegen mehrere seiner Nachbarn im völligen Chaos versunken sind. Einige von Irans Nachbarn leiden immer noch unter den Nachwehen des Arabischen Frühlings, während andere unter massiver Bedrohung von gewaltsamen Extremisten, wie der ISIS, stehen. Letztlich sehen Beobachter durchaus die Möglichkeit, dass sich Iran in Richtung einer nachhaltigen Annäherung mit seinen ehemaligen Gegnern im Westen bewegen könnte.

In der Vergangenheit konnte der Kooperationsrat des Persischen Golfs (GCC, bestehend aus Bahrain, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) plus Irak und Ägypten ein Gegengewicht zum iranischen Einfluss in der Region bilden. Aus verschiedenen Gründen sind sie nicht mehr in der Lage, dies zu tun.

Der GCC ist allein schlichtweg nicht stark genug, um die iranische Macht herauszufordern. Darüber hinaus ist der Rat verwundbar gegenüber den revolutionären Gesinnungen, die durch den Arabischen Frühling offengelegt wurden, als auch gegenüber den gewaltsamen Angriffen von sunnitischen Extremisten. Ähnlich sieht es in Ägypten aus, wo die Wirtschaft in einem desolaten Zustand sich befindet und die Regierung wegen der Spaltungen innerhalb der Gesellschaft zu sehr mit Interna beschäftigt ist, als das sie die iranischen Ambitionen ausbalancieren könnte. Und was dem Irak angeht, so befindet sich dieser auf bestem Weg, ein Bündnis mit Iran zu bilden, und damit wären die vergangenen Feindseligkeiten zwischen beiden Staaten endgültig begraben.

Die primäre Bedrohung für die Stabilität in der Region ist derzeit der Konflikt zwischen unterschiedlichen sunnitischen Akteuren und Gruppen als der zwischen Sunniten und Schiiten oder zwischen dem „Islamischen Staat“ (IS) und dem Westen. Diese jüngsten Konflikte wurden sowohl durch eine Reihe von gescheiterten Staaten als auch durch die Zurückhaltung außerregionalen Mächte, insbesondere die der westlichen Mächte, verschärft. Die USA und Großbritannien sind durch ihr Versagen, Irak und Afghanistan zu befrieden, weiterhin traumatisiert, und die Türkei zeigt kein Interesse daran, entweder im Auftrag ihrer westlichen oder arabischen Verbündeten ihr Gewicht gegen den IS einzusetzen. Diese Situation hinterlässt damit eine lose Koalition von schiitischen Milizen einschließlich der Islamischen Republik Iran, der Hisbollah, der kurdischen Peshmarga und der irakischen und syrischen Armeen, die den Haupanteil der Bodentruppen ausmachen, die gegen den IS vorgehen.

Es besteht eine reale Gefahr, dass ein Machtvakuum in der Region entstehen könnte. Die USA haben sich entschieden, ihre außenpolitischen Bemühungen auf den östlichen Teil Asiens zu fokussieren und ihre direkten Beteiligungen im Nahen Osten einzuschränken. Selbstredend hat die USA dadurch ihre Fähigkeit, Krisen in dieser Region zu verwalten oder militärische Bodentruppen gegen Extremismus und Terrorismus geltend zu machen, erheblich geschwächt. Als Ergebnis hat das ihre Verbündeten in der Region für Destabilisierungen anfällig gemacht. Diese haben noch keine gemeinsame Strategie ausgearbeitet, die Stabilität und Frieden wiederherstellen könnte.

Ein möglicher Ausweg aus dieser gefährlichen Sackgasse könnte daher der sein, dass die westlichen Staaten im Kampf gegen den Islamischen Extremismus, wie den des „Islamischen Staates“ (IS), Iran als Verbündeten anwerben, indem sie ihm die Aufhebung der Sanktionen in Aussicht stellen. Das würde ferner Europa ermöglichen, Russland auszumanövrieren, falls es beabsichtigt, die Öl- und Gasversorgung nach Westeuropa einzustellen. Eine solche Vereinbarung würde die direkte Zusammenarbeit zwischen Iran und dem Westen ebnen und damit den Weg für eine gemeinsame Anstrengung, die Stabilität in der Region und im weiteren Sinne in der muslimischen Welt wiederherzustellen. Es würde pikanterweise auch Irans Ruf als das stabilste Land in der Region zementieren.


Dr. Fariborz Saremi ist Mitglied bei der „International Strategic Studies Association“ (ISSA), eine wichtige Denkfabrik, die weltweit Regierungen in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik berät. Erstmals veröffentlicht am 30. Januar 2015 bei CounterPunch. Übersetzt und redigiert von Nour El-Chacker und Thomas Effe.


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Lori25-03-15

Interview mit Shayan Arkian​: Warum der Westen die Islamische Republik Iran nicht versteht: http://www.promosaik.com/interview-von-promosaik-mit-shayan-arkian-warum-der-westen-die-islamische-republik-iran-nicht-versteht/

jakob25-03-15

Iran und stabil? Das war die DDR auch, bis die russischen Bajonette verschwanden.

Freidenker27-03-15

Yemen wird zeigen wie stark die GCC und der Iran ist.
Schon einmal hat Iran meiner Meinung nach versäumt seine durch die Briten verloren gegangene Macht und Gebiete zurück zu erlangen, nämlich nach der Ermordung der iranischen Diplomaten durch die Taliban in Afghanistan. Die Provinz Herat hätte man leicht wieder dem Mutterland Iran wieder einverleiben können genauso wie nach dem Zerfall der Sowjetunion die verloren gegangenen Gebiete durch den russisch persischen Kriege.
Was nützt ein stabiles Land, wenn man es nicht wirtschaftlich, politisch und militärisch nicht ausnutzten kann? In Yemen werden Shiiten durch die Saudis und ihre Handlanger, wie die Al Qaida und ihre Ableger abgeschlachtet und Iran ... ?
Ich wünsche mir, dass Iran seine nationale Interessen energischer vertritt!!

anonym29-03-15

Wieder einmal eine sehr beschränkte Sichtweise eines nicht wirklich objektiven Berichts. Nein sicherlich ist der Iran unter der Herrschaft der Mullahs nicht stabil, im Sinne alles ist gut und alle sind zufrieden. [...]* Auch außenpolitische haben sich die Mullahs verkalkuliert. Durch Ihre Einmischung in Jemen haben sie sich den Unmut vieler Nachbarn zugezogen, und sich weiter isoliert. Waren das Regime noch vor Jahren wenn nicht im Iran so doch bei vielen arabischen Ländern beliebt, so sehen viele in Region die Rolle der Mullahs sehr kritisch.
[...]*
Durch die massive Vernachlässigung der peripheren Gebiete, gibt es separatistische Bewegungen in der Region Sistan, Baluchestan sowie in den kurdischen Und Azari Gebiete.
Betrachtet man die zunehmende Wasserknappheit, Luftverschmutzung [...]* dann stellt sich einem die Frage ist die Frage der Überschrift dieses Propagandaberichts ernst gemeint?

*MODERATION: Bitte sehen Sie davon ab, jeden neuen Artikel auf IranAnders als Anlass zu nehmen, um Ihre wiederholten und bereits bekannten Feststellungen ständig als Dauerschleife abzuspielen. Vorgefertigte Wiederholungsschleifen werden ab sofort ohne Ankündigung einfach gelöscht. Neue Aspekte und Meinungen sind dagegen willkommen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Benz30-03-15

@Jacob

Nun gibt es im Iran aber keine russische Bajonette. Der Vergleich hinkt.

@Anonym30-03-15

- Die Situation im Jemen ist viel komplizierter als dass man sie mit einer angeblichen Einmischung Irans erklären könnte.

- Die separatistischen Bewegungen sind ziemlich schwach, insbesondere unter den Azeris.

- Wassknappheit und Luftschvermutzung gibt es auch in anderen Staaten der Region. Der Artikel sagt, dass Iran im Regionalvergleich das stabilste Land ist und nicht im absoluten Sinne. Erst lesen, dann kommentieren. :)

leser01-04-15

@ Irananders, ich bin kein sehr politischer Mensch, dennoch meiner Wahrnehmung nach, sind viele Iraner gegen das aktuelle Regime.
Also sollten Sie auch zulassen, dass diese Stimmen hier in diesem freien und demokratischen Land ihre Meinung kund tun auch auf Ihrer Seite. Wenn Sie anfangen zu zensieren, drängt sich der Verdacht auf, dass Sie einseitig das Regime hier vertreten. Zumal ich nie erlebt habe, dass Sie die Befürworter des Regimes zensieren.
Danke.

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