11.12.2014 Rohollah Faqihi

Unterstützt Qasem Soleimani die Atomgespräche?


IRGC Quds Einheit Brigade Pasdaran Revolutionsgarde Kommandeur

General Qassem Soleimani

„Der Schattenmann“, der “dunkle Ritter“, der „lebende Märtyrer“ und „Haj Qasem“ sind nur einige der Spitznamen von General Qassem Suleimani, dem erstklassigen iranischen Militärmann im Nahen Osten und Kommandeur der Quds-Einheit. Während Suleimani in diesen Tagen in den regionalen und internationalen Medien wegen seines Krieges gegen den „Islamischen Staat“ (IS) bekannt geworden ist, war er zuvor in der Region relativ unbekannt gewesen - nur einen kleinen Kreis von einflussreichen und sachkundigen Menschen in der Region war er vertraut. Gegenwärtig verbringt er seine Zeit hauptsächlich im Irak. Iranische Offizielle bestätigten, dass Suleimani derzeit die irakischen Armee und freiwillige schiitische Truppen berät, die sich im Kampf gegen den IS befinden.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Soleimani keine kugelsichere Weste auf dem Schlachtfeld trage und dass er die Souveränität des Iraks in mehreren großen Städten wieder hergestellt habe. Nazem Dabbagh, der parlamentarische Vertreter der Region Kurdistan in Iran, sagte gegenüber einem iranischen Magazin, dass Soleimani nicht innerhalb der Mauern des Palastes oder Luxushotels bleibt. Er sitzt nicht bloß und erteilt Befehle, sondern er ist immer auf dem Schlachtfeld anwesend.

Nach Angaben der BBC haben Iran und Amerika ihre Arbeit im Irak aufgeteilt: Teheran kämpft auf dem Boden, und Amerika kämpft in der Luft. Die Auftritte Soleimanis neben der Badr und Peshmerga-Truppen im Irak sind eine Bestätigung für die Präsenz Irans im Irak, die iranischen Militärs zufolge nur auf Beratung und Planungsstrategien begrenzt ist.

Suleimanis Rolle ist so prominent, dass nach Angaben des ehemaligen iranischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, Sadeq Kharrazi, US-Außenminister John Kerry ein Treffen mit ihm wünschte und Präsident Barack Obama ihn als „respektablen Gegner“ bezeichnet habe. Einige iranische Offizielle glauben auch, dass seine Anwesenheit im Irak die Atomgespräche beeinflussen kann.

Soleimani und die iranische Politik

Suleimani, der als pragmatischer Kommandeur gilt, ist im Hinblick auf die Innenpolitik moderat. Er mischt sich nicht in die politischen oder parteipolitischen Fragen ein. Laut einer gut informierten Quelle unterscheiden sich die Anschauungen Suleimanis sowohl von denen der Extremisten im konservativen Lager als auch von denen im Lager der Reformer.

Ein iranisches konservatives Wochenmagazin berichtete im September 2013, dass Suleimani Unstimmigkeiten und Differenzen mit dem früheren iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gehabt hatte.

Eine Al-Monitor-Quelle sagte: „General Soleimani hat moderate Ansichten und glaubt, dass die Position der iranischen Führung [gemeint ist die Führung des religiös-politischen Staatsoberhaupts, im Fachjargon Wilayat al-Faqih, Anm. d. Red.] nicht untergraben werden sollte, da sie als entscheidend für die politische Einheit und territoriale Integrität des Landes gilt.“ Als Quds-Kommandeur legt Soleimani nur gegenüber Ayatollah Ali Khamenei [amtierendes religiös-politisches Staatsoberhaupt, Anm. d. Red.] Rechenschaft ab und im Gegensatz zu anderen Politikern hat er sich mit keiner der verschiedenen Fraktionen im Land verbündet.

Im vergangenen Jahr, bei einem Treffen in der Stadt Sirjan in Iran, sagte Suleimani: „Ich glaube, dass wenn jemand nicht an die Führung der Islamischen Republik glaubt [also an Wilayat al-Faqih, Anm. d. Red.], ist er weder ein Nationalist noch glaubt er an die Islamische Republik, und ist am lügen. Und falls jemand nicht auf den Walye Faqih hört, gehorcht er definitiv nicht Imam Mahdi (Verborgener Imam der Schiiten). Und heute sollte die rote Linie die Achtung und der Gehorsam zum Walye Faqih, also zur Führung der Islamischen Republik sein.“

Wegen seiner Unparteilichkeit und Nichteinmischung in die politischen Kontroversen genießt Soleimani Unterstützung von Konservativen und Reformern in gleichem Maße. Soleimani hat gute Beziehungen zu iranischen prominenten Politikern, und einem konservativen Magazin zufolge, besuchte Soleimani einen der wichtigsten Führer der Reformer nach der Präsidentschaftswahl 2009, die zu Unruhen im Land geführt hatte.

Die Quelle sagte: „Suleimani ist so gut in Beziehungen mit Politikern, dass er nach dem Tod seiner Mutter Kondolenzschreiben von prominenten Reformern und Konservativen des Landes erhielt, darunter von Mohammad Khatami, dem früheren iranischen Präsidenten.“

Rolle Soleimanis in den Atomverhandlungen

Einige in Teheran sehen Soleimanis effizientes Wirken in der Region als vorteilhaft für die iranischen Diplomaten, sogar als eine Art Verstärkung für Außenminister Mohammad Javad Zarif und Präsident Hassan Rohanis Verhandlungsteam.

Im Gegensatz zu einigen iranischen Militärs hat Suleimani nie über die Atomverhandlungen zwischen Iran und der G5+1 gesprochen – weder dafür noch dagegen. Doch sein Engagement im Nahen Osten und seine Rolle bei der Bekämpfung des IS haben ihn zu einer unsichtbaren Kraft transformiert, die Zarif in den Verhandlungen unterstützt.

Ein ehemaliger iranischer Diplomat, der mit Al-Monitor unter der Voraussetzung sprach, anonym bleiben zu wollen, sagte: „Baschar al-Assads Überleben durch Suleimani und seine effektive Präsenz im Kampf gegen den IS hat die Großmächte die Tatsache erkennen lassen, welche Fähigkeit Iran besitzt, um den IS zurückzudrängen und zu besiegen. Faktisch hat der Sieg der irakischen Streitkräfte gegen den IS, der durch die Unterstützung von General Suleimani realisiert worden ist, die Atomverhandlungen überschattet.“

Er fügte hinzu: „Soleimanis Aktivitäten in der Region und gegen den IS haben die Amerikaner realisieren lassen, dass der einzige Weg, um den Extremismus zu bekämpfen, mit der Unterstützung Irans und des Kommandeurs der Quds-Einheit zu erfolgen ist. Dies ist vielleicht einer der Faktoren für das Schreiben Obamas an Irans religiös-politisches Staatsoberhaupt und für die Flexibilität Amerikas hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber Iran in [jüngster] Vergangenheit.“

Einige glauben, dass die Veröffentlichung der Fotos von Soleimani neben den Kommandeure der Badr-Organisation und Peshmerga-Truppen zeitlich mit den Atomverhandlungen abgestimmt wurde. General Ismael Kowsari, ein ehemaliger Kommandeur der Revolutionsgarde und derzeitiger Vorsitzender des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des iranischen Parlaments, ist der Ansicht, dass diese Bilder das iranische Verhandlungsteam dazu motivieren, der G5+1gegenüber unnachgiebiger aufzutreten.

Er sagte gegenüber einer iranischen Zeitung: „Gewiss hat das Engagement Soleimanis in der Region eine unterstützende Rolle für das Team von Herrn Zarif, denn das gibt ihnen die Möglichkeit, robuster zu verhandeln.“

Darüber hinaus ist Suleimani kein Fremder in Sachen Verhandlungen. Er hat in gleicher Weise Effizienz bei den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten hinsichtlich der Spirale von konfessioneller Gewalt im Irak gezeigt. In einem Interview mit der BBC im vergangenen Jahr, sagte der ehemalige US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker unter Bezugnahme auf die Bagdad-Gespräche im Jahr 2013* Folgendes:

„(Irans Botschafter im Irak) hat wiederholt zu Pausen aufgerufen. Ich konnte nicht ganz verstehen warum, doch später konnte festgestellt werden, dass er stets, wenn ich etwas sagte, das nicht in seinen Notizen behandelt war, nach Teheran  anrufen musste, um sich abzusprechen – in einem solchen Ausmaß war er unter Kontrolle. Am anderen Ende der Leitung war Qasem Soleimani.“

Indes bewertet er die Vereinigten Staaten nicht gerade als ein zuverlässiges Land. Nach dem Buch „Iran und die USA. Ein Insider-Blick auf die Fehler der Vergangenheit und der Weg zum Frieden“ von Seyed Hossein Mousavian und Shahir Shahidsaless, habe Suleimani als Reaktion auf Vorschläge für indirekte Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zur Beseitigung des Taliban-Regimes in Afghanistan sein Misstrauen gegenüber Washington auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats auf diese Weise ausgedrückt: „Die Amerikaner streben lediglich eine taktischen Zusammenarbeit mit Iran an.“

In diesen Tagen ist Soleimani ein charismatischer, berühmter Nationalist – ein Patriot, der in den Augen vieler junger Iraner nur die Interessen seines Landes im Sinn hat. Vielleicht ist das der Grund, warum er als Unterstützer der derzeitigen Atomverhandlungen in Wien betrachtet wird. Der unsichtbare Unterstützer von Zarifs Verhandlungsteam treibt die Strategie der Islamischen Republik in der Region voran, nämlich die Entwurzelung des Extremismus im Nahen Osten. Man kann das so betrachten, dass dies zum Vorteil der internationalen Gemeinschaft geschieht.

*Die Gespräche fanden im Jahr 2007 statt, Anm. d. Red..


Von Rohollah Faqihi, iranischer Journalist, der für mehrere iranische Medien, darunter für die moderate Zeitung Entekhab, schreibt.

Erstmals veröffentlicht am 20. November 2014 bei Al-Monitor. Übersetzt von Pourya Nabipour.


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MaSha12-12-14

Wieder mal ein top lesenswerter Artikel von euch!! Die Fakten und Aussagen sprechen eindeutig für sich und für die Machtpositions Irans.

Ich verfolge eure Artikel täglich mit großer Interesse und Neugier, und will mich für die großartige Arbeit die geleistet wird höchst bedanken. Man liest raus, dass ihr mit viel Geduld und Liebe schreibt!

Ich möchte mich bei Herr Arkian für den "Welche Rolle spielt Iran in Syrien" bedanken. Der Inhalt dieses Artikels hat meiner Schwester für ihr Referat verwendet und eine eins bekommen.

Iranisch19-12-14

Sehr guter Artikel, der diesen substanzlosen Artikel bei der WELT widerspricht: http://www.welt.de/politik/ausland/article134425676/Dieser-Mann-hintertreibt-den-Atomdeal-mit-dem-Iran.html

Luise20-12-14

Welche Rolle spielt dieser Herr für den Iran?

@Luise23-12-14

Einfach mal den Artikel lesen. :)

Luise25-12-14

Reife Leistung :) verfolge eure Berichtaustattung jedes Mal mit großer Neugier. Weiter so

SMG29-12-14

Netter Versuch aus einem unpolitischen, devoten, ausschliesslich und hundertprozentig militärischen agierenden General der iranischen Fremdenlegion einen politischen Akteur zu machen. Sorry, aber der Artikel entbehrt jeglicher Grundlage. ich bitte darum Interviews von weit wichtigeren Militärs wie Rahim Safavi, Shamkhani, Ahmad Vahidi, Sardar Naghdi die in youtube sind zu analysieren. Die genannten Personen und noch einige mehr sind bekanntlich politisch gesehn auch verschiedenen Lagern der Mullahs zugeordnet, aber in einer Sache sind sie sich alle einig: keiner äussert irgend eine Position zur Auslandspolitik. Was sagt uns das? Qasem Soleimani würde nie diese Kodex brechen und sich in einen Kompetenzgeld wagen, der nicht seiner ist.

Iranist30-12-14

Der Artikel basiert auf Aussagen von Soleimani und andere Akteure über ihn und analysiert sein politisches Wirken. In diesem Sinne hat der Artikel wohl wahr eine Grundlage.

SMG30-12-14

@Iranist
ja aber trotzdem ist der Artikel ein "Wunschdenken" eines (Fans eines)bestimmten Lagers im iranischen Machtestablishment, um diesem mehr Reputation innerhalb des Machtzirkels zu suggerieren.
Nach meiner Auffassung wäre Qasem Soleimani nicht sehr klug, sich zu einem Abkommen mit einer amerikanischen Regierung zu äussern, der gerad seine letzten Monate der zweiten Amtszeit ableistet und keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr im amerikanischen Senat hat um ein Abkommen mit "Teilen" der islamischen Republik als "den Durchbruch" zu verkaufen - Das wäre als ob er als Multi-Millionär ins Casino geht und am Roulette-Tisch mit all sein Hab und Gut auf eine Farbe setzt - wie unklug wäre das denn? Ich glaube nicht, dass der Mann, dessen Gesicht mittlerweile amerikanische Wochenzeitungen schmückt sich so "billig" verkaufen würde ... solche Leute stehen über solche Dinge. Er ist nicht Javad Zarif oder Moussavian, der sich über jeden "Selfi" mit John Kerry und Catherine Ashton freut und das direkt in Whatsapp und Facebook postet oder sich zwei drei Tausend Dollar extra verdient ...

Iranist31-12-14

@SMG

1. Auch motivierte Artikel können manchmal der Wahrheit entsprechen.

2. Obama kann die Sanktionen durch Dekrete aussetzen.

3. Iran hat auch Vorbereitungen getroffen, falls die Verhandlungen nicht zu einem Erfolg führen.

SMG02-01-15

1. wohl wahr. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser im AL MONITOR, einer lobby-internetseite (von teilen des machtestablishments) der islamischen republik in den USA mit mehr wunschedenken als pragmatischer realismus in ihren wenig journalistisch und politisch wertvollen beiträgen.
2. diese dekrete können aber innerhalb kürzester zeit von der neuen regierung ausgesetzt werden, zumal er nicht einen selbstmord begehen will für die demokraten kurz vor der wahl: keines der wichtigen lobbies im amerikanischen senat befürwortet eine einigung mit der rohani-rafsandschani fraktion.. Man muss realistisch bleiben, denn das geld für den wahlkampf zahlen immer noch staaten wie israel und saudi arabien und so viel schmiergeld kann rafsandschani nichtfbringen, da gott sei dank ihm die hand beschnitten wurde...
3. ach ja? Das will ich mal sehen bei einem erdölpreis der bald auf 40 dollar pro barrel zusteuert: eine einigung bei gleichzeitigem ölpreis in diesem bereich ist zwei mal schlimmer als alle sanktionen bei einem ölpreis von über 100- aber mich freuts als patriotische iraner dass ein für alle mal die unfähigkeit dieser exekutive bestehend aus unfähigen klerikern endlich dem letzten ihrer naiven anhängern klar wird..... Ich würd sagen wir kommen in ca. 2 jahren auf diese diskussion zurück und schauen ob der Artikel oben oder die pragmatiker recht behalten werden.

Iranist05-01-15

@SMG

Zu 2: Die Frage ist, wer neuer Präsident in den USA werden wird und wie die Obama Regierung den Deal der Öffentlichkeit und den Republikanern kommunizieren wird. Solche Risiken gibt es aber immer bei zwischenstaatlichen Abkommen.

Zu 3: Der Haushalt Irans wird nur von etwa 30 Prozent mit Öl-, Gas- und Petrochemieexporten finanziert.






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