28.11.2014 Andreas Lotter

Reiseziel: Teheran und sein Skigebiet


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Von der Hauptstadt Teheran aus kann man selbst im Juni Skisport betreiben.

Aus der Zeit des alten Römischen Reiches kennen wir noch heute den Spruch: „Alle Wege führen nach Rom". Auch die Perser hatten in der Antike ihr Weltreich, schon viele Jahre vor den Römern, und dieses erstreckte sich über ein Gebiet, das dreimal so groß war wie der heutige Iran. Sogar bis nach Europa dehnte sich ihr Reich aus, das heutige Griechenland war der westlichste Ausläufer. Kein Wunder, dass die europäische Kultur der alten persischen so nahesteht.

Zu jener Zeit gab es noch keine Hauptstadt namens Teheran. Die Stadt entstand erst gegen Ende des Mittelalters und ist daher für persische Verhältnisse noch sehr jung. Trotzdem gilt auch heute noch in Iran, dass alle Wege über Teheran führen, besonders wenn man - vom Ausland kommend - eine Rundreise durch das Land machen will.

Ich treffe mit dem Transasia-Express in Teheran ein. Die Abfahrt dieses Zuges ist derzeit ja am Mittwochvormittag in Ankara, und in Teheran sollte man eigentlich am Freitagabend gegen 20 Uhr ankommen. Das wäre auch eine gute Zeit, die Busse und die Metro würden noch verkehren und Reisende, die zum ersten Mal in diesem Land eintreffen, hätten noch Chancen, sich zurechtzufinden, ohne Gefahr zu laufen, einem Taxifahrer in die Hände zu fallen, der jetzt einmal so richtig einen Touristen abkassieren will (auch wenn dieses Risiko in Iran deutlich niedriger ist als in diversen arabischen Ländern).

Sie merken es aber schon: Meine letzten Sätze beinhalten viele Konjunktive - zu viele. Denn in der Realität trifft der internationale Zug meist nicht vor Mitternacht ein - bei mir war es kurz vor zwei Uhr morgens - und ich stand daher genau vor dem oben beschriebenen Problem. Ich war daher froh, mich bereits im Zug bei iranischen Mitreisenden informiert und diese um Mithilfe gebeten zu haben. Und in diesen Dingen kann man sich auf die gastfreundlichen Iraner immer verlassen. Milad, meine Kurzzeit-Freundschaft im Zug, rief bei meinem Gastgeber an und glich nochmals die Adressen ab und geleitete mich dann vor das Bahnhofsgebäude, um mir ein passendes Taxi zu suchen. Er handelte alles aus. Der Preis wurde vor Antritt der Fahrt - noch vor seinen Augen - ausgehändigt, und als ich dann endlich am Ziel war, rief Milad einige Zeit später nochmals an, um sich zu versichern, dass ich auch gut und in einem Stück angekommen war.

Da war ich dann also, in Teheran, in Iran, zum ersten Mal in meinem Leben, und ich hatte die erste Herausforderung schon einmal gut gemeistert. Trotzdem sind die Stadt und das Land beim ersten Blick im Tageslicht noch immer gewöhnungsbedürftig. Und die Stadt ist auch keine ausgesprochene Schönheit. Aber vieles ist doch ganz anders, als man glaubt, also nicht so den Stereotypen entsprechend, die uns unsere Presse glauben machen will.

Die Stadt ist agil, jung, aufgeschlossen und ziemlich westlich geprägt. Vom Islam merkt man hier auf den ersten Blick nicht viel. Wie anders ist da Istanbul, wo an allen Straßenecken ein Minarett steht und man ständig von irgendwoher einen Muezzin rufen hört. In Teheran müsste man fast den Islam suchen. Die Frauen sind alles andere als in schwarzer Ganzkörperverhüllung gekleidet. Bunt, modisch, mit tollen Handtaschen, bis über die Grenzen des Erträglichen hinaus im Gesicht geschminkt, darüber ein kleines, farblich passendes Kopftuch, das die Haare vielleicht zur Hälfte bedeckt.

Jeder begegnet mir mit einem Lächeln, viele suchen die Konversation, nicht selten wird man auf eine Tasse Tee eingeladen. Und im Stadtpark geht der Teheraner seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem Grillen! Und auch hier kann man sich vor Einladungen auf einen frischen Kebabspieß kaum retten. So gesehen macht Teheran wirklich Spaß!

Die Luft ist aber schlecht, der Verkehr laut, das Gedränge groß. Dieses Urteil treffen auch viele der Einwohner über ihre Stadt. Also sollte man es denen als Tourist gleich tun und entfliehen! Mir ist kaum eine weitere Metropole dieser Welt bekannt, die quasi über einen Nahverkehrsanschluss zum Hochgebirge verfügt und im Süden, am anderen Ende, direkt in die Wüste übergeht.

Ich fahre also mit der Metro bis zur Endstation nahe der nördlichen Stadtgrenze und dann mit der noch in der Stadt beginnenden Kabinenbahn weit hinauf in die Berge, bis auf 3.500 Meter, und hier erwartet mich ein kleines Skigebiet. Die jungen Städter sind hier gekleidet wie wir Europäer in unseren alpinen Skigebieten, Sittenwächter sind hier oben keine in Sicht und ein iranischer DJ (ja, so etwas gibt es genauso wie die „Sittenwächter“, nur findet dies in unserer Presse kaum Erwähnung!) legt einen frechen Perser-Techno auf. Willkommen in der Islamischen Republik Iran. Es wird Zeit, einige unserer westlichen Vorurteile gegenüber diesem Land ein wenig zu überdenken!

Nun im April sind die Schneeverhältnisse auf den Pisten noch in bestem Zustand, und es soll ein Skirennen für Frauen stattfinden. Durch den DJ fühlen sich die jungen Leute in diesen Momenten sehr frei. Unten in der Stadt könnte man es nicht so weit treiben, aber hier oben braucht man sich nicht zu verstecken. Die Musik wird sogar teilweise lauter aufgedreht als in Szenediscos in Berlin. Quasi eine von vielen stillschweigenden Oasen für tendenziell westlichorientierte junge Menschen in der Islamischen Republik Iran. Das Skigebiet ist allerdings nicht riesig, aber die Pisten sind weit davon entfernt, überfüllt zu sein. Die Berghütte ist in urig-alpinen Stil gehalten und man bekommt alle Arten von Kaffee, Tee und Speisen, wie z.B. Linsensuppe. Die meisten der hier anwesenden Leute sind jung (wie überhaupt die iranische Gesellschaft). Vom Dekor, der Kleidung der Leute, aber auch von der Landschaft her unterscheidet sich hier nichts, aber auch gar nichts von den heimischen Skigebieten in den Alpen.

Teheran ist anstrengend - nicht für jedermann schön - aber abwechslungsreich, bunt, schräg, frech, jung und anders. Und dieses Skigebiet ist ein Teil von diesem unerwarteten Teheran. Aber auch am anderen Ende der Seilbahn, an der Talstation, kann man Eindrücke erleben, die nicht zum westlichen Iranbild passen:

Die Station liegt - ein klein wenig erhöht - über den letzten Häusern der Stadt. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die Stadt. Es gibt hier viele Ausflugslokale und viele Familien kommen zum Wochenende hierher, um Picknick im Grünen zu genießen. Es gibt 3D-Simulatoren, Burgerrestaurants und vieles mehr. Und Abends, wenn die Nacht hereinbricht, kommt die Jugend scharenweise hier herauf, um sich zu treffen, zu Daten, den neuesten Klatsch auszubreiten, ein Eis zu essen oder einfach nur den Blick über die Lichter der nächtlichen Metropole zu genießen.

Trotzdem ist das nicht Iran, das ist Teheran. Ein guter Einstieg, der Lust auf mehr macht, aber man sollte hier nicht zu lange verweilen. Es gibt da draußen, in den tiefen Weiten des großen Landes, noch viel zu sehen und zu entdecken.


Andreas Lotter ist Reiseblogger und bietet als einziger deutscher Reiseveranstalter Bahnreisen nach Iran an.


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siglinde03-12-14

Da ich auch gerne einmal in den Iran reisen würde, aber mit Sicherheit als Frau nicht ohne meinen Schäferhund (der kommt eh überall mit hin, nicht einmal in Deutschland gehe ich ohne meinen Hund) ist für mich natürlich die Frage, ob man einen Hund mitnehmen kann oder ob es nicht ständig Schwierigkeiten gäbe sich mit Hund frei zu bewegen, Gebäude zu betreten etc. und ob, wenn ich mit Hund in einen Park gehe, nicht alle iranischen Kinder hysterisch wegrennen, so wie hier Kinder aus moslemischen Ländern. Möchte da ja nicht als Schreckfigur auftauchen ;-)

Andreas Lotter04-12-14

Reisen mit Hund in den Iran dürften tatsächlich nicht einfach sein, leider. Da Hunde und Katzen laut dem Koran als unreine Tiere gelten. Im Iran sind Hunde lediglich als Nutztiere gedulded, Hundebesitzer sehen sich teilweise einem großen Druck ausgesetzt. Es gibt im Iran Halter von Hunde und Katzen, aber viele trauen sich nicht ihre Tiere aus den eigenen vier Wänden heraus zu lassen.

In dem Bereich wo der Beitrag darauf abzielt das man als Frau ohne Schutzhund im Iran nicht sicher wäre kann ich aber entkräften, im Iran sind alle seine Besucher höchst willkommen und es droht niemandem Gefahr jeglicher Art.

An Siglinde10-12-14

Hunde dürfen überall hin im Iran. haben in der Regel ein Urban auf dem Kopf. Wahlweise in Schwarz oder Weiss.

IranInfo12-12-14

@Andreas Lotter

Das ist nicht richtig. Katzen gelten im Islam nicht als rituell unrein. Und ein generelles Hundeverbot gibt es in Iran auch nicht. Es gab immer wieder solche Vorstöße von einigen Parlamentarieren, aber diese fanden im Parlament nie eine Mehrheit.

siglinde12-12-14

Ich weiß, dass man sich im Iran sicherer bewegen kann, als z.B. hier in der BRD als Frau. Es ist nur mein persönliches Trauma, dass ich immer meine Schäferin dabei habe, bei quasi jeden Schritt aus der Tür und damit geht es mir gut. Ich denke, dass man auch einer Touristin gegenüber noch toleranter sein würde. Ein Hund ist auch nur dann unrein, wenn er naß ist oder man seinen Speichel berührt. Alles andere wäre Angst, weil man in den Ländern Hunde meist nur als Streuner kennt, die Menschen gegenüber sehr aggressiv werden können. Für mich ist der Iran wirklich das einzige Land, welches ich gerne einmal bereisen würde. Aber ich habe auch noch einen großen kräftigen Sohn, den ich anstelle des Hundes mitnehmen könnte :-) mal sehen.

siglinde12-12-14

So viel ich weiß war Mohammed soagr Katzenliebhaber. Hatte sich sogar einen laut Legende einen Ärmel abgeschnitten nur um eine schlafende Katze nicht zu stören.

Warum er was gegen Hunde hatte, verstehe ich nicht. Wahrscheinlich waren die Situationen damals mit Hunden in der Region ähnlich. Nicht wie bei uns in enger Verbindung zu Haus, Hof und Mensch, und als soziale Kumpanen wahrgenommen, die einen viele Vorteile boten, wie Schutz und Unterstützung bei der Jagd etc. Katzen hingegen waren als Schutz vor Mäusen und Ratten, die die Lebensmittelvorräte schädigten, auch in der Region wichtig.

Wahrscheinlich wurde der Hund auch in unserer Region vom Wolf heraus gezüchtet. Sicher nicht in den Regionen mit viel Wüste und Trockenheit.

-A19-12-14

Dass Hunde als rituell unrein gelten, bedeutet nicht, dass Hunde als böse betrachtet werden. Im Gegenteil ist im Islam das Fleisch von einem essbaren Wildtier koscher, das durch dem Jäger durch seinen Hund gezielt getötet wird. Dass unterhalten von Hunden ist demnach an sich erlaubt.

In Iran werden Hunde bei Bergungen etc. eingesetzt.

Rituell unrein bedeutet hier einfach, dass man mit Dingen, die von einem Hund rituell verunreinigt worden sind (wie Hose oder Hand), nicht beten kann und solche Dinge (wie Wasser oder Kellogs) auch nicht essen darf - solange all diese nicht rituell gereingt worden sind. Es geht also um die Wechselwirkung, sowie wie Medizin für den gesunden Menschen schädlich ist, obwohl Medizin an sich gut ist.

Andreas Lotter21-12-14

Wer seinen Hund liebt, sollte es sich gut überlegen, ob er wirklich seinen Hund auf eine so lange Reise mitnehmen will. Denn ein großer Schäferhund muß im Flugzeug in den Frachtraum in einen großen Käfig, ich halte das für keine tolle Erfahrung für so einen Hund. Und wie es bei einer Anreise per Bahn in den Iran mit der Hundemitnahme ist, kann ich nicht sagen. Könnte aber auch nicht einfach sein.

Heike29-12-14

Bei allen Fluggesellschaften muss der Hund in einem Käfig im Frachtraum, nicht nur bei den iranischen Airlines. ^^






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