16.10.2014 Patrick J. Mcdonnell und Nabih Bulos

Nicht die USA, sondern Iran ist der Hauptakteur im Kampf gegen IS im Irak


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Die irakische Badr Brigade wird seit Jahrzehnten von Iran ausgerüstet, ausgebildet und finanziert.

In einem abgelegenen Winkel des Nordostiraks ist eine ausländische Macht zum entscheidenden Unterstützer an einer wenig beachteten Front im Kampf gegen den militanten „Islamischen Staat“ geworden -  und es ist nicht die USA.

Hier in seinem Büro sprach Mala Bakhtiar, ein Lokalpolitiker und der militärische Aufseher der kurdischen Peschmerga-Armee, offen über die umfassende Beteiligung Irans in den Bereichen der Logistik, Aufklärung und Bereitstellung militärischer Ausrüstung für die kurdischen Truppen.

„Sie gaben uns Raketen, Geschütze, Karten“, sagte Bakhtiar voller Dankbarkeit gegenüber Iran und zeigte dabei mit einer Geste auf eine großformatige, die Wand füllende Karte: „Wir brauchten diese Dinge dringend.“

Der kurdische Anführer bestätigte ebenfalls die Anwesenheit von Beratern der Sepah-e Pasdaran (IRGC), auch bekannt als Revolutionsgarde, die als Berater, wie er sagte „sehr hilfreich dabei waren“ im andauernden Kampf die sunnitischen Extremisten aus der nahegelegenen, strategisch bedeutsamen Stadt Jalawla und ihrer Umgebung zu vertreiben.

US-Offizielle sind abgeneigt anzuerkennen, dass sie  im irakischen Schlachtfeld auf derselben Seite stehen, wie der schiitisch dominierte Iran, der seit 35 Jahren der Gegner Washingtons und Erzfeind zweier treuer US-Alliierter, Saudi-Arabien und Israel, ist.

Iran, das eine 1.600 km lange Grenze zum Irak hat, wurde demonstrativ nicht zur Teilnahme an der neuen globalen Allianz, die die Regierung Obamas aufbaut, um den „Islamischen Staat“ zu bekämpfen, eingeladen. Und auch Außenminister John F. Kerry erklärte, dass die Teilnahme Irans auf einer globalen Sicherheitskonferenz, die am nächsten Montag in Paris beginnen soll, „nicht angemessen wäre.“

Aber die Wahrheit lässt sich angesichts der Realitäten im schiitisch regierten Irak nicht bestreiten, wo Iran unbestritten ein Hauptakteur ist. Teheran zeigte schon eine beeindruckende Präsenz im Nordirak, bevor die ersten Luftschläge der USA im vergangenen Monat auf die Stellungen der sunnitischen Milizen erfolgten. Es waren von Iran unterstützte schiitische Milizen, die dem schlecht ausgerüsteten irakischen Militär dabei halfen, den Vorstoß der Extremisten gen Bagdad im Juni und Juli zu vereiteln und den Angriff der Kämpfer abzuschwächen. 

Iran reagierte schnell, um sowohl dem irakischen Militär als auch der kurdischen Peshmerga hier im Norden beizustehen.

„Wir wenden uns an jede Gruppe, die helfen würde“, erklärte der bärtige Bakhtiar jovial.

„Der Irak ist nun eine Bühne für Interventionen aller Staaten der Welt geworden," fügte Bakhtiar hinzu, der auch eine führende Persönlichkeit der „Patriotischen Union Kurdistans“ (PUK), einer der beiden bedeutendsten politischen Parteien der halbautonomen irakischen Region Kurdistan, ist.
Viele hier bezweifeln, ob der „Islamische Staat“ irgendeine Art von direkter Gefahr für die Vereinigten Staaten darstellt. Im Gegensatz zu Al-Qaida, die zu Beginn dieses Jahres ihre Verbindungen zu der Gruppe abbrach, hat der „Islamische Staat“ keine proklamierte globale militärische Agenda und fokussiert sich stattdessen darauf, sein selbsternanntes Kalifat im Herzen des Mittleren Ostens zu konsolidieren.

Allerdings besteht kein Zweifel daran, dass die extremistische sunnitische Splittergruppe eine Bedrohung für den schiitischen Iran ist, der eine Radikalisierung seiner eigenen widerspenstigen sunnitischen Minderheiten in den von ethnischen Belutschen und Kurden bewohnten Gebieten fürchtet. Die militante Gruppe sieht Schiiten und von dieser abstammenden Konfessionen, wie die Alawiten, die an der Spitze der syrischen Regierung stehen, als Ungläubige an. Der „Islamische Staat“ hat bereits Hunderte, vermutlich sogar Tausende von ihnen abgeschlachtet.

„Iran kann es sich nicht leisten, die Sicherheit und Stabilität im Irak zu vernachlässigen“, sagte der unabhängige Analyst Nader Karimi Jouni aus Teheran und fügte hinzu: „Sie hassen die Schiiten als Abtrünnige.“

Die irakische Stadt Jalawla, die sich seit Mitte August in den Händen des „Islamischen Staats“ befindet, liegt weniger als 30 km von der iranischen Grenze entfernt und befindet sich gleichzeitig in der Nähe eines bedeutenden Grenzüberganges zwischen beiden Staaten.

Dieses kleine Stück des Irak, das vom Fluss Diyala und seinen Zuflüssen geteilt wird, ist Bestandteil der umkämpften Provinz Diyala, einem ethnisch und religiös gemischten Gebiet, das eine der Hauptfronten in der Schlacht gegen den „Islamischen Staat“ bildet. Diyala war bereits eine wichtige Bastion der mit Al-Qaeda verbundenen Milizen während der von den USA geführten Besetzung des Iraks, die 2011 endete.

Heute ist Diyala im Wesentlichen aufgeteilt unter den Streitkräften des „Islamischen Staates“, der irakischen Regierung und der Peshmerga, die das Sicherheitsvakuum ausfüllten, das durch das Zurückweichen der irakischen Regierungstruppen angesichts des Vordringens der sunnitischen Milizen im Juni entstanden war. Anfang August stießen die Extremisten erneut vor und zwangen die Peshmerga zum Rückzug.

Nach mehr als einem Monat Kämpfe sagen kurdische Kommandeure, dass die Aufständischen des „Islamischen Staates“ in den größtenteils sunnitischen Städten Saadiya und Jalawla getrieben worden sind. Die Frontlinie ist in den letzten Wochen relativ statisch gewesen.

Der Plan des kurdischen Militärs ist sehr einfach: Den „Islamischen Staat“ aus den kurdischen Gebieten zurückdrängen, während irakische regierungsnahe Truppen, einschließlich der schiitischen Paramilitärs, die Militanten gleichzeitig vom Süden aus in die Zange nehmen.

Auch hier ist der Einfluss Irans ausschlaggebend: Die wichtigste irakisch-schiitische Miliz, die mit den irakischen Streitkräften nach Süden koordiniert ist, ist die Badr Brigade. Sie hat „eine lange Geschichte der Ausbildung in Iran“, erwähnt der in Teheran ansässige Analyst Hamid Reza Taraghi.
„Wenn sie [die Kämpfer der Badr Brigade] irgendeine Unterstützung brauchen, geben wir sie ihnen“, sagte Taraghi in einem Telefoninterview aus Teheran.

Mit dem Selbstbewusstsein der Peschmerga, einen militärischen Fortschritt zu erzielen, hoffen die kurdischen Autoritäten weiterhin darauf, dass die militärische Unterstützung der USA auch wirklich erfolgt, insbesondere nachdem Präsident Obama in der vergangenen Woche in seiner Fernsehansprache an die Nation die erweiterte amerikanische Mission skizzierte.

„Ich möchte ihnen sagen, sich zu beeilen", sagte Bakhtiar gegenüber dem Weißen Haus und fügte hinzu: „Wir erwarten sie mit großer Vorfreude.“

Sonderkorrespondent Nabih Bulos berichtete von Khanaqian aus dem Irak und Times-Journalist Patrick J. Mcdonnell aus Beirut. Sonderkorrespondent Ramin Mostaghim in Teheran trug bei diesem Bericht mit bei.


Erstmals veröffentlicht am 15. September 2014 bei Los Angeles Times. Übersetzt von Ulrike Hintze.


Orientalist16-10-14

Die pro-iranische Badr-Brigade bildet auch Frauen militärisch aus: http://www.youtube.com/watch?v=GFSZron16hs

Elke Schnitt27-10-14

Egal ob Iran oder USA, der IS muss besieht werden!

Ulrike M.27-10-14

Die Region gerät aus dem Fugen und nur Iran ist wohl ein Anker der konstruktiven Stabilität.

Engelhardt10-11-14

Der irakische Transportminister: "Wenn Iran nicht geholfen hätte, wäre IS in Bagdad."

http://www.foreignpolicy.com/articles/2014/11/06/breaking_badr_organization_iraq_shiite_miiitia_brutal_islamic_state_amiri_abadi

Engelhardt10-11-14

"Als die irakischen Kurden die Türkei um Hilfe baten, war alles, was sie zu hören bekamen: 'Wir würden euch gerne helfen, aber leider hält der IS 49 unserer Landsleute als Geiseln fest'", berichtet die außenpolitische Kolumnistin Asli Aydintasbas von der türkischen Tageszeitung Milliyet. "Dies ist eine strategische Allianz, die bereits ihren ersten Härtetest nicht bestanden hat; deshalb kann man es wohl kaum als strategische Allianz bezeichnen."

Die Führung in Teheran zögerte keinen Moment und ergriff die Chance, die sich dadurch bot: "Der Iran war zur Stelle und bot Hilfe an, worin auch immer diese bestehen solle", fährt Aydintasbas fort. "Sie schickten Bodentruppen. Und nicht nur das: Die Tatsache, dass sogar Qassem Suleimani, Befehlshaber der iranischen Eliteeinheit Al-Quds-Brigaden, vor Ort war und Seite an Seite mit den Kurden kämpfte, ist gar nicht überzubewerten...

http://de.qantara.de/inhalt/die-kurden-und-die-tuerkisch-iranischen-beziehungen-zwischen-allen-stuehlen

@Engelhardt08-01-15

In der Tat:

Adm. Ali Shamkhani, secretary-general of the Supreme National Security Council, said: “How can Kobani be bombed, and how can the war continue to rage there, knowing that Amerli was liberated in two days, Hamrin in one day and Jarf al-Sakhr in two days? What is the hidden agenda of this propaganda? What is the real goal behind this propaganda of rallying 42 countries and then 60? Does it aim at fighting IS or seeking to develop a new political architecture in the region?"

http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/11/iran-soleimani-interference-shiite-militias-iraq.html##ixzz3OGkQwwhA






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