28.09.2014 Andreas Lotter

Touristenattraktion Schiras in Iran


Mausoleum Iran Nationaldichter Poet Hafez Shiraz

Das Mausoleum des iranischen Nationaldichters Hafis in Schiras.

Yazd, Esfahan und Schiras sind die Namen der drei magischen Städte Irans, die Touristen bereits heute magisch anziehen. Auf gar keinen Fall möchte ich hier zum Ausdruck bringen, dass diese Wahl nicht die richtige wäre. Andererseits ist anzumerken, dass die Auswahl von lediglich drei Orten, welche auch noch relativ nahe beieinander liegen, selbstverständlich nicht die einzigen wirklichen Attraktionen eines so großen Landes sein können. Bevor ich den ersten dieser drei Orte besuchte, war ich bereits seit vier Wochen im Land unterwegs, und bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch noch gar kein Hotel nutzen müssen. Egal wo ich war, ich befand mich nur unter Iranern. Und dann, auf einmal, der Kulturschock. Im Zentrum der Stadt begegneten mir gefühlte alle zehn Meter Touristen, ständig hörte man Deutsch, Holländisch oder Englisch, und es standen viele Reisebusse herum, welche mit Reiseveranstalter A und Rundreise B ausgeschildert waren. Und etwas Weiteres bewahrheitete sich hier, nämlich die Aussage, dass die Deutschsprachigen die größte Touristengruppe seien, welche aus westlichen Ländern den Iran besuchen. Ein solcher Urlaub, welchen die allermeisten dann doch im Rahmen einer organisierten Gruppenreise durchführen, ist selbstredend weder ein Erholungs- noch ein Badeurlaub. Es ist ein Kultur- und Entdeckungsurlaub, verbunden mit einem Schuss Abenteuer. Wer allerdings in Verbindung mit einem Iranurlaub ein wirkliches Abenteuer sucht, dem sei noch einmal der Artikel über die Anreise per Bahn ans Herz gelegt.

Wie bereits in diesem Artikel über die Stadt Esfahan gesagt wurde, haben diese beiden Städte - Esfahan und Shiraz - auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten. Sie sind in etwa gleich groß und bei Touristen sehr beliebt. Es ist auch sehr günstig, dass die Linie von Shiraz bis Tehran über Esfahan eine Achse ergibt und die Entfernungen für iranische Verhältnisse nicht allzu weit sind. Und doch sind die Unterschiede zwischen beiden Städten sehr groß. Das größte Kapital von Esfahan sind seine historischen Gebäude, Brücken und Plätze. In Shiraz wird man gleichwertiges nur vereinzelt finden. Shiraz besticht durch die weltoffene Mentalität seiner Bewohner, die dem orthodoxen Islam meist nur eine untergeordnete Rolle in ihrem Leben zuordnen. Es gibt Stimmen, welche behaupten, die islamische Revolution von 1979 ging irgendwie unbemerkt an dieser Stadt vorbei. Die Stadttore wären zuvor verschlossen gewesen und erst danach wieder geöffnet worden. Der schiitische Islam hat viele Ähnlichkeiten mit der katholischen Version des christlichen Glaubens – insbesondere in der Heiligen- und Reliquienverehrung. So ist der ganze Iran von vielen heiligen Schreinen überzogen, an denen gläubige Menschen beten. In Shiraz gibt es auch zwei dieser Schreine, aber diese haben weniger mit der Religion zu tun. Es handelt sich um die Grabstätten der beiden berühmten persischen Dichter Hafez und Saadi. Wie die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich diese beiden Mausoleen in schönsten Park- und Gartenanlagen, für welche die Stadt auch berühmt ist. An den Gräbern versammeln sich täglich viele Iraner, sie knien davor nieder und berühren den Schrein mit einer Hand. Es vollziehen sich ganz ähnliche Rituale wie an religiösen Schreinen. Durch die Berührung des Schreins entsteht laut Überlieferung eine enge Verbindung mit dem Verstorbenen, und das Gebet hat quasi die Form eines Dialogs mit dem Verstorbenen. Ähnliches lässt sich auch von den Hinterbliebenen auf ganz normalen Friedhöfen im Land beobachten. In der Anfangsphase der Revolution war es einigen Kräften nicht recht, dass hier scheinbar nicht-religiöse Rituale vollzogen werden. Aber jeder Versuch, einem Iraner seinen Hafez zu nehmen, muss zum Scheitern verurteilt sein. In fast jedem iranischen Haus findet man mindestens eine Ausgabe der Verse von Hafez. Nicht selten wird dieses Buch einmal täglich blind aufgeschlagen und der durch Zufall gewählte Vers übernimmt quasi die Rolle eines Tageshoroskops. Auch Goethe war von der Person von Hafez tief beeindruckt und er widmete ihm eines seiner Werke. So verwundert es nicht, dass mit Shiraz die zweite iranische Stadt eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt einging, passend mit Weimar.

Shiraz ist die Heimat der persischen Gartenkunst. Im Bereich der Stadt finden sich viele Anlagen, welche gekonnt Garten-, Rasen- und Wasserspielkunst vereinen. Die bei uns bekannten englischen Rasen- und Parkanlagen sind im Grunde Kopien der viel älteren persischen Gartenkultur. Im eigentlichen Zentrum der Stadt befinden sich gar nicht so viele Sehenswürdigkeiten, darunter aber die alte Zitadelle, die über eine bewegte Geschichte verfügt - vom Sitz des Gouverneurs über ein Gefängnis bis zur heutigen Nutzung als Museum. Einer der Ecktürme wurde auf sandigem Untergrund errichtet und verwandelte sich zwischenzeitlich, vermutlich unfreiwillig, zum schiefen Turm der Stadt. Das traditionelle Persien lebt noch im Bereich des alten Basars, wo sich Einheimische und Touristen vermischen. In den Innenhöfen mit Wasserspielen findet man viele als Souvenir geeignete Artikel, an anderen Ecken warten wunderschöne Teehäuser auf Besucher. Selbstverständlich findet man auch in diesem Stadtviertel schöne, alte Moscheen, so wie es der Tourist im alten Persien auch erwartet.

Ansonsten ist die Stadt voller freundlicher, lächelnder Menschen, welche sich über den Besuch von Touristen sehr freuen. Dies gilt selbst für die Polizisten der Stadt, auch für die Angehörigen der ansonsten berüchtigten Sittenpolizei. Als ich am Bahnhof der Stadt in eine übliche Routinekontrolle der u. a. für Sittenfragen zuständigen Polizei kam, erwarteten mich vier Polizisten, welche durch ihr Lächeln und ihre zuvorkommende Freundlichkeit jede Spannung aus der Situation nahmen. Man fragte mich, wie es mir gefallen hätte. Ich erinnerte mich an ein persisches Sprichwort, nach dem aus Schiras die schönsten Mädchen des ganzen Landes stammen. So antwortete ich offen und frei: „Sehr gut, die Mädchen sind ja so schön". Damit lockerte sich die Stimmung noch weiter auf und es wurde schallend gelacht.

Die Messlatte für den kulturinteressierten Reisenden ist nun gesetzt, nun bleibt nur noch eines zu tun: Aufzubrechen, ohne Angst, dafür auf zu neuen Ufern! Schiras ist, wie das ganze Land, eine Reise wert. Aber eines will ich gleich hier verraten: Beeilen Sie sich, denn meinem Gefühl nach wird Iran schon bald einen Reiseboom erleben und vielleicht wird 2015 eines der letzten Jahre werden, wo der ursprüngliche und gastfreundliche Iran noch existiert, ehe der Massentourismus viel davon verschlingen wird. Viele Reiseangebote für 2015 sind bereits jetzt schon gut gebucht, und freie Plätze könnten am Ende rar sein. Sollten Sie Fragen bezüglich Reisen nach Iran haben, so stehe ich Ihnen gerne mit meinem Wissen zur Verfügung.


Andreas Lotter ist Reiseblogger und Reiseveranstalter für Iran.


Unbekannt28-09-14

Natürlich hat Hafiz und Saadi mit Religion zu tun. Beide haben zahleiche religiöse Gedichte verfasst. Sehr viele ihre Gedichte sind ohne Kenntnisse über den Islam nicht zu verstehen.

Aus Weimar29-09-14

Durch Hafis hat Goethe auch den Zugang zum Islam gefunden.

Baktrier29-09-14

Bitte Leute,

Vermischt nicht hier Äpfel und Birnen. Der Islam an sich hat nichts mit Hafiz und Sa'adi zu tun. Nur weil sie Muslime waren heisst das nicht automatisch, dass ihre Werke islamisch seien. Meistens waren unsere persischen Dichter Mystiker, welche den Islam in ihren Texten kritisierten. Ich nehme es keinem Deutschen übel, wenn er diese Dichtungen nicht richtig versteht. Es beinhaltet nämlich viel Ironie und die Übersetzungen sind auch nicht immer perfekt.

Andreas29-09-14

Ganz aktuell und passend zu diesem Artikel sei auf diese Veranstaltung verwiesen: http://www.iranhaus.de/167-0-Sechster+Hafez-Gedenktag+2014.html

Kritiker30-09-14

@Baktrier

Es gibt keine "persische Mystiker". Es gibt islamische, christliche oder jüdische Mystiker. Ein Mystiker ist immer religiös und sehr viele Gedichte von Hafis sind religiös und islamisch. Und wenn Hafiz oder Saadi über Wein spricht, dann ist das eine typsiche Allegorie von islamischen Mystiker und steht für die Liebe Gottes. Selbst Ayatollah Khomeini verwendet in seinen Gedichten Wein für die Liebe Gottes. Und Hafis und Saadi haben keineswegs den Islam abgelehnt, das ist Unsinn.

Paul26-12-14

Wie schaut denn das da aus mit Rauchen, Touristen die nicht muslimisch sind sondern eher buddhas lehren zugetan sind. Und kann man eure Hotels auch übers Internet buchen? Selber Autofahren, ich würde mir gerne mal die amerikanische Drohne ansehen die die Iranische Armee vom Himmel geholt hat.

Air29-12-14

Weder bei der Beantragung des Visums noch bei der Einreise wird man nach der Konfession gefragt.




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