19.09.2014 Ali Özkök

Akademischer Austausch: DAAD eröffnet Büro in Teheran


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Iranisch-Deutsche akademische Kooperation.

Eine Delegation von Akademikern aus Deutschland besuchte in diesen Tagen die Islamische Republik Iran. Mit der Visite verbinden die Teilnehmer die Hoffnung auf eine verstärkte Kooperation zwischen beiden Ländern auf dem Gebiet der Wissenschaft.

Der Besuch stand im Zusammenhang mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit. Dabei führten Vertreter mehrerer deutscher Universitäten Gespräche mit den Rektoren von einer Reihe von Universitäten in Teheran. Organisiert wurde die Zusammenkunft vom Deutschen Akademischen Austausch-Service (DAAD).

Nach Angaben der Präsidentin des DAAD, Professorin Margret Wintermantel, ziele der Besuch darauf ab, „neue Kontakte zwischen deutschen und iranischen Universitäten zu initiieren und bestehende akademische Kontakte zu vertiefen“.

In einem auf drei Stunden anberaumten Gespräch fokussierte sich die „Iranisch-Deutsche akademische Kooperation“ auf die akademischen Potenziale beider Länder und die Möglichkeiten, die sich für Austauschprogramme für Studenten und Professoren ergeben.

„Wir konnten die Initiative ergreifen und wir haben am Morgen eine lange Sitzung abgehalten“, äußerte sich Prof. Margret Wintermantel gegenüber iranischen Medien.

Die deutsche Delegation hat des Weiteren eine Tour durch die iranischen Universitäten und Forschungsinstitute absolviert. „Wir sprachen über mögliche Programme, mögliche transnationale Projekte zwischen deutschen und iranischen Universitäten und wir waren recht beeindruckt von der hohen Qualität der Universitäten in Iran.“

Am 14. September ist zudem das Informationszentrum des DAAD in Teheran wieder eröffnet worden. „Seit Jahrzehnten gibt es einen kontinuierlichen akademischen Austausch zwischen Deutschen und Iranern. Seit Generationen sind viele iranische Studenten und Akademiker nach Deutschland gekommen. Wir freuen uns sehr, dass wir das Informationszentrum in Teheran nach mehrjähriger Vakanz jetzt wieder neu eröffnen können. So bieten wir iranischen Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, sich vor Ort über Studien- und Forschungsmöglichkeiten in Deutschland zu informieren“, sagte die DAAD-Präsidentin.

Deutschland ist außerordentlich attraktiv für iranische Studierende und Wissenschaftler. Über 6.000 Iraner sind an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Nach Angaben der UNESCO steht Deutschland für Iraner an Platz vier der beliebtesten Studienstandorte.

2013 ermöglichte es der DAAD nach eigenen Angaben 112 deutschen Studierenden, Graduierten, Wissenschaftlern und Hochschullehrern einen Aufenthalt in der Islamischen Republik Iran. Außerdem konnten 555 Iranerinnen und Iraner in Deutschland studieren, lehren und forschen.

Ungeachtet der Sanktionspolitik des Westens gegen Teheran war es selbst in der „heißen Phase“ der Isolierungsversuche zu einem Abkommen zwischen dem Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und dem ”Iranischen Bildungsministerium zur Förderung des akademischen Austauschs” gekommen; und auf dieser Basis konnten sich hunderte deutsche Studenten zu Studienzwecken in der Islamischen Republik Iran aufhalten.

So kam es bereits 2013 zu einem Austausch der Universität Potsdam mit dem Institut für Religionsfragen der Universität Qom. Darüber hinaus haben auch noch die Freie Universität Berlin und die Universität Göttingen gemeinsame Veranstaltungen mit iranischen Partnern durchgeführt.

Die Freie Universität Berlin legte im Rahmen ihrer dritten „Global Politics Fall School Iran“ den Schwerpunkt auf die verschiedenen Perspektiven über die Menschenrechte. Dem Direktor Prof. Klaus Segbers zufolge hat das Programm einen „offenen Diskussionsprozess künftiger Eliten“ zum Ziel. Die Universität Göttingen führte wiederum das Seminar „Dialog der Rechtskulturen“ zum Familienrecht in Iran durch.


Oswald22-09-14

DAAD kooperiert mit Iran? Ich bin überrascht. Aber das sind auch endlich mal konstruktive Maßnahmen.

Daniel24-09-14

Klingt nach einer vielversprechenden Initiative. Sie entspricht genau dem, was Helmut Schmidt vor nicht allzu langer forderte: Die Völker müssen sich kennen lernen und genau solche Austauschprogramme müssen gefördert werden.

Klaus24-09-14

Es ist wirklich gut, dass hier die Kontakte vertieft werden. Aber man muss auch wissen, dass dieser neue Schritt lange interne Diskussionen erforderte. Denn den Oberpriestern des Sanktionskurses gefallen solche Schritte nicht.

Jens27-09-14

Besonders im Hinblick auf eine Debatte zu Menschenrechten begrüße ich das. Lange genug hat man die Sanktionsschraube weiter gedreht und plakative, nicht selten sogar falsche Meldungen im Hinblick auf die Menschenrechtslage in Iran präsentiert. Das war meines Erachtens kontraproduktiv für die Menschenrechtsprobleme, die in Iran zweifellos existieren. Wir sehen nun nach einem solchen Ansatz, dass sich die Menschenrechtslage in Iran seit der Verhängung von Sanktionen nicht verbessert, sondern verschlechtert hat.

Es wird sicherlich ein langer und komplizierter Weg sein, aber genau weil das ein so schwieriges Thema ist, sind die Intellektuellen gefragt, und einen solchen Ansatz halte ich definitiv für konstruktiver und lösungsorientierter, als den zuvor genannten Ansatz.






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