24.07.2014 Ali Özkök

Studie: Iran-Sanktionen verursachen Deutschland Milliarden Verluste


Milliarden Verluste aufgrund Iran-Sanktionen Millionen Schaden

Milliarden Verluste aufgrund Iran-Sanktionen.

Eine fragwürdige Politik kann teuer werden – am Ende selbst für denjenigen, der sie betreibt, um einen anderen dadurch zu schaden. Im Fall seit 1995 von den Vereinigten Staaten von Amerika ins Leben gerufenen und phasenweise immer weiter verschärften Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran haben dem Westen massiv geschadet.

Das geht aus einer Studie des in Washington D. C. ansässigen Instituts „National Iranian American Council“ (NIAC), die den Titel „Losing Billions - The Cost of Iran Sanctions to the U.S. Economy” trägt, hervor.

Der Studie zufolge ließen sich zum Beispiel die USA infolge der Sanktionen in der Zeit von 1995 bis 2012 zwischen 134,7 und 175,3 Mrd. US-Dollar an potenziellen Exporterlösen in Iran entgehen. Diese Zahlen berücksichtigen auch noch nicht einmal die indirekten Folgekosten, beispielsweise durch höhere Energiepreise.

Der Ausfall an Exporten soll im Schnitt Jobverluste im jährlichen Rahmen von 51.043 und 66.436 Arbeitsplätzen nach sich gezogen haben, im Krisenjahr sogar zwischen 214.657 und 279.389. Von den US-Bundesstaaten litten demnach dabei Texas und Kalifornien  am meisten – zum einen wegen ihrer Größe, zum anderen wegen ihrer jeweiligen industriellen Struktur, die sie für ein Engagement in der iranischen Wirtschaft in besonderem Maße prädestinieren würde. 

Deutschland erlitt massiven Schaden

In Europa traf die Sanktionspolitik gegenüber der Islamischen Republik Iran die Bundesrepublik Deutschland am stärksten. Zwischen 2010 und 2012 verlor Deutschland zwischen 23,1 und 73,0 Mrd. US-Dollar an möglichen Exporterlösen, dahinter kamen Italien (13,6 - 42,8 Mrd. US-Dollar) und Frankreich (10,9 - 34,2 Mrd. US-Dollar). Im Bezug auf verlorene Handelsumsätze kosteten in dieser Zeit die Sanktionen den EU-Staaten mehr als doppelt so viel wie den Vereinigten Staaten.

Wirtschaftliche Sanktionen als Mittel der Politik werden derzeit seitens der USA gegenüber dutzenden Staaten ins Feld geführt. Dies ist die Konsequenz daraus, dass militärisches Eingreifen immer öfter als zu teuer, zu unpopulär und zu riskant im Hinblick auf mögliche Folgewirkungen wahrgenommen wird. Es wird meist zwar evaluiert, was diese Strategie für Schäden beim Betroffenen verursachen kann – aber nur selten, was es die Sanktionen verhängende Staaten selbst kostet.

Auch EU-Krisenstaaten waren betroffen

Im Schnitt sank das Handelsvolumen aller EU-Länder und Kanadas mit Iran allein zwischen 2010 und 2012 um 70,6 Prozent. Vor allem angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa waren die Einbußen substanziell. Griechenland hätte immerhin zwischen 145 und 458 Mio. US-Dollar an Erlösen aus Geschäften mit Teheran erzielen können, Spanien zwischen 4,1 und 12,9 Mrd. US-Dollar.

Künftige Chancen und Konkurrenten

Um abschätzen zu können, wo künftig die Geschäftsvolumen mit Iran liegen könnten, falls die massiven Sanktionen wieder aufgehoben werden würden, empfiehlt sich ein Blick auf die Schwerpunkte der letzten Jahre in der iranischen Wirtschaft, die da unter anderem waren: Energieintensive Industrien, Kraftwerksausstattung, Telekommunikation, Automobile, Flugzeug- und Schiffsteile; Straßenbau und Eisenbahnen, Agrartechnologie, Ausstattung für die Lebensmittelindustrie, Banken, Versicherungen und Minen.

Neben den USA und Europa ist dabei auf dem Weltmarkt für diese Produkte auch China zu einem nicht unwesentlichen Faktor geworden.


Marcel25-07-14

Der Witz dabei ist, dass US-Firmen wie Coca Cola den Iran munter weiter beliefert haben, wohingegen europäische Staaten nicht einmal Medizin in den Iran liefern durften. Auf jeden Fall sollte Europa generell es vorziehen, Medizin und andere Produkte in den Iran zu liefern, statt Panzer nach Saudi-Arabien zu liefern.

nichts gelernt04-08-14

Man hat am Beispiel Iran leider nichts gelernt, weil jetzt darüber diskutiert wird, härtere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Wieso schießt sich Europa die ganze Zeit selbst ins Bein?

Hamidi04-08-14

Bei engerer Kooperation mit Europa oder den USA muss Iran künftig leider vorsichtig sein und bestenfalls einen As im Ärmel haben (China). Das Vertrauen muss erst einmal wieder aufgebaut werden. Ich bin mir sicher, dass Iran genau deshalb misstrauisch bleiben und intensive Pläne hinsichtlich alternativen Intensivierungen der Wirtschaftsbeziehungen schmieden wird.




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