27.03.2014 Thomas Esseling

Israel ist nicht an einem transparenten iranischen Atomprogramm interessiert


Netanyahu Iran G5+1 P5+1 Iran Nuclear Deal

Der Konflikt um das Atomprogramm der Islamischen Republik Iran bestimmt seit etwa 10 Jahren die internationale Politik. Aufmerksamen Beobachtern ist es nicht entgangen, dass die Islamische Republik Iran immer wieder Israel eine Obstruktionspolitik vorwirft.

Anfang der 90er Jahre hat Tel Aviv bereits Teheran beschuldigt, ein Atomwaffenprogramm zu betreiben, und entwarf ein Szenario, dass das Land nur wenige Jahre vor einer Atombombe stünde. Diese Behauptungen erwiesen sich als falsch, da Israel dies 20 Jahre später immer noch behauptet. Es stellt sich die Frage, welches Interesse die verschiedenen israelischen Regierungen hinter diesen Vorwürfen verfolgen.

Nun gibt es eine aufschlussreiche Podiumsdiskussion, die vor einiger Zeit auf dem englischsprachigen Sender Al Jazeera ausgestrahlt wurde und die aufzeigt, dass Tel Aviv bisher nie an einer Lösung des iranischen Atomkonflikts interessiert gewesen ist.

Beteiligt an der Diskussion waren unter anderem die ehemalige Direktorin des Nationalen Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten unter George W. Bush für Iran, Afghanistan und den Persischen Golf, Hillary Mann Leverett, und der Nahost-Experte der pro-israelischen Denkfabrik "American Enterprise Institute", Michael Rubin. Rubin sagt in der Sendung, dass der Grund für die israelische Verzögerungstaktik darin läge, dass es den Israelis um einen Regimewechsel gehe und nicht um die Atomwaffentechnologie.

Hillary Mann Leverett, die zudem in der Vergangenheit pro-israelische AIPAC-Aktivistin war, pflichtet bei und enthüllt:

Das ist ein entscheidender, wichtiger Punkt, der immer wieder heruntergebetet wird, dass Iran entschlossen ist, Nuklearwaffen zu bauen und sich intransparent und irgendwie dubios verhält. Ich war im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses und habe für die damalige nationale Sicherheitsberaterin der Bush-Administration, Condoleezza Rice, gearbeitet. Im Februar 2003, als der damalige reformorientierte Präsident Chatami davon sprach, die Urananreicherungsaktivitäten zurückzufahren und das gesamte Atomprogramm der IAEA für Inspektionen zu öffnen, flog Israels damaliger Chef der Mossad, Efraim Halevy, in der gleichen Nacht nach Washington und appellierte eindringlich bei Condoleezza Rice, die IAEA daran zu hindern, die in Entstehung begriffenen Atomanlagen Irans im Jahr 2003 – im Jahr 2003 - zu inspizieren, weil er fürchtete, dass wenn sie diese Erlaubnis bekommen würden, das Atomprogramm ein Gütesiegel bekommen könnte.“

Israel scheint demnach kein Interesse an einem transparenten iranischen Atomprogramm zu haben, weil es sonst ein wichtiges internationales Druckmittel gegen Teheran verlieren würde. Es ist in jedem Fall zu hoffen, dass sich der Westen nicht auf diese gefährliche politische Linie einlässt und stattdessen einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe mit der Islamischen Republik Iran zum Nutzen aller fortführt.


Klaus10-04-14

Wo steht, daß Hillary Mann Leverett für AIPAC tätig war?

TE16-04-14

@Klaus

Hillary Mann Leverett sagte das in einem Fernsehauftritt von sich selbst. Leider können getätigte Aussagen in Videos nicht per Google nachgesucht werden, um die Quelle auf Anhieb zu liefern.




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