10.03.2014 Dr. Fariborz Saremi

Israel und Saudi-Arabien als Hindernisse für die iranisch-amerikanische Annäherung


Israel Saudi-Arabien Flagge

Im Zuge der Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Islamischen Republik Iran musste Washington häufig die israelische Regierung und den Golf-Kooperationsrat (GCC) besänftigen. Zu diesem Zweck ist US-Außenminister John Kerry mehrmals nach Israel gereist und hat Tel Aviv versprochen, dass die USA Israel von den Verhandlungen berichten werden, und zudem betonte er, dass die strategische Allianz zwischen den USA und Israel unantastbar sei.

Teheran hat jetzt begonnen, Gespräche mit den arabischen Öl-Scheichtümern in der Golfregion zu führen. Begonnen wurden diese im Dezember 2013, als der iranische Außenminister Mohamad Javad Zarif die arabischen Hauptstädte am Persischen Golf besuchte. Zuerst ist er nach Kuwait gereist, gefolgt von Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Während seines Besuchs in Katar teilte er den Medien mit, dass seine pragmatische Regierung sich das Ziel gesetzt habe, die arabischen Regierungen zu überzeugen, das Interimsabkommens zwischen Iran und der G5+1 (bzw. P5+1 oder EU3+3) als Vorteil für alle zu sehen. Zarif äußerte sogar den Wunsch nach einer Zusammenarbeit zwischen seinem Land und Saudi-Arabien. Obwohl eine Verbindung zwischen Saudi-Arabien und den terroristischen Angriffen auf die iranische Botschaft in Beirut vermutet wurde und Raid mehrere Angriffe auf iranische Interessen im Nahen Osten startete, besuchte der iranische Außenminister Libanon in Januar 2014 und signalisierte die Bereitschaft der Islamischen Republik, Kompromisse mit der saudischen Königsfamilie und ihren Klienten einzugehen. Zusammen mit Israel ist die Regierung in Saudi-Arabien streng gegen eine Annährung zwischen Iran und den USA.

Wegen seiner Ängste und Befürchtungen hat Saudi-Arabien den Versuch unternommen, die arabischen Öl-Scheichtümer zusammenzuschweißen und aus dem Golf-Kooperationsrat eine vollwertige Union - einschließlich eigener militärische Streitkräfte - zu formen. Mehr noch, um ihre Interessen zu schützen, wollen Saudi-Arabien und der Golf-Kooperationsrat die Übersicht über die Verhandlungen zwischen der G5+1 und Iran haben.

In Bezug auf den Widerstand der Staaten in der Region hinsichtlich einer Annährung zwischen Teheran und Washington, sollte man nicht vergessen, dass Teheran vor der Islamischen Revolution einer der wichtigsten und gepriesenen Verbündeten Washingtons war. Strategisch war Iran für Washington wichtiger als alle anderen Staaten des gesamten Nahen Ostens. Als die USA und Iran ihre Beziehungen abbrachen, haben viele der weniger wichtigen Verbündeten und Klienten Washingtons Vorteile aus dem Bruch und späteren Machtvakuum gezogen. 

Viele der Verbündeten, die vom Ende der guten Beziehung zwischen Washington und Teheran profitierten, haben jetzt die Sorge, dass sie ihre strategisch wichtigen Positionen für Washington wieder verlieren würden. Deshalb sind Saudi-Arabien und Israel diejenigen, die am stärksten schockiert sind.

Der wütende israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat das Interimsabkommen als historischen Fehler bezeichnet. Anderseits hat Saudi-Arabien mit dem gedroht, was es nicht vermag - mit einer unabhängigen Außenpolitik.

Die Lockerung der Sanktionen kommt zu einem Zeitpunkt, in der die Lieferung von Energie aus Libyen unterbrochen worden ist und die Unsicherheit im Irak wieder steigt. Eine Erhöhung der Erdöl-Exporte aus Iran könnte solche Ausfälle ausgleichen. Eine Öffnung der iranischen Märkte könnte auch die schwächelnde Wirtschaft in der EU und in der Türkei, die vom Handelsembargo gegen Teheran negativ beeinträchtigt waren, unterstützen. 

So gesehen sind viele nationale und internationale Interessen und Faktoren in den Atomverhandlungen involviert. Die Atomgespräche sind deshalb nicht allein auf das iranische Atomprogramm zu reduzieren, sondern sie sind eng mit der Gestaltung des internationalen Systems und der internationalen Ordnung verbunden. Sicherlich muss man bis zu einem gewissen Grad abwarten, bis zu erkennen ist, ob es Washington und Teheran gelingt, ihre Beziehung wieder vollständig wiederherzustellen.


Dr. Fariborz Saremi ist Politikwissenschaftler und Europa-Sprecher der Exil-Opposition Azadegan Foundation, die für einen demokratischen und säkularen Iran eintritt. Darüber hinaus ist er Mitglied der International Strategic Studies Association (ISSA) in Washington D.C.. In der Vergangenheit trat er als Referent bei der pro-israelischen Pressure Group Stopp the Bomb auf.


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