Übermittlung Ihrer Stimme...

Bewertungen: 5.7 von 6. 27 Stimme(n). Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
03.03.2014 Said Ghadimi

Warum durch Iran die afghanische Provinz Herat stabil ist


Karte Iran Herat Afghanistan Pakistan

Die afghanische Provinz Herat im Westen des Landes unterhält eine 400 km lange gemeinsame Grenze mit der Islamischen Republik Iran und ist nach Auffassung zahlreicher Beobachter das stabilste Gebiet in Afghanistan.

Der Grund hierfür liegt in erster Linie darin, dass die persischsprachige Provinz starke wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen mit Iran unterhält - obwohl Herats Bevölkerung mehrheitlich sunnitisch ist. Die konstruktive Rolle Irans beim Wiederaufbau Herats und die damit verbundene wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region sind wesentlich dafür gewesen, dass die nordwestliche Provinz Afghanistans nie eine Brutstätte der Taliban wurde - im Gegensatz zu den südlichen Provinzen entlang der Grenze zu Pakistan.

Herats „ökonomische Revolution“

Die Islamische Republik Iran ist seit dem Sturz der Taliban in Kabul ein bedeutungsvoller Akteur beim Wiederaufbau Afghanistans. Bei der ersten internationalen Geldgeberkonferenz von 2002 war Iran der größte geldgebende Staat - weit vor den USA und den einzelnen europäischen Staaten. Insbesondere in der Provinz Herat investierte Teheran massiv.

Der ehemalige technokratische Gouverneur der afghanischen Provinz, Daud Shah Saba, sprach 2012 im Hinblick auf den geplanten Bau der Eisenbahnstrecke zwischen der Stadt Khaf (Ost-Iran) und Herat sogar von einer „ökonomischen Revolution“ in Afghanistan, welche durch die Iraner in Gang gesetzt werden würde und dankte Teheran für die geleistete Hilfe und die Wiederaufbauprojekte in der Infrastruktur.

Aber nicht nur Straßen, Schulen, Stromleitungen und Grenzstationen zählen zu den Projekten der Iraner, in Herats Industriegebiet sind von den ca. 300 Fabriken die allermeisten durch iranische Technologie errichtet worden und werden mit jener betrieben. Dank der iranischen Elektrizitätswerke und Stromlieferung zählt Herat zu den wenigen Städten Afghanistans, die 24 Stunden am Tag Strom haben.

Auch auf den Märkten Herats macht sich der ökonomische Einfluss Irans bemerkbar: Lebensmittel und Baumaterial werden in Massen über die Grenze geliefert. Das Handelsvolumen zwischen Kabul und Teheran liegt nach dem letzten Stand bei etwa 5 Milliarden US-Dollar. Der Löwenanteil wird für iranisches Öl an die afghanischen Streit- und Sicherheitskräfte ausgegeben, die mit amerikanischem Geld bezahlt werden und daher nicht in den offiziellen Import-Statistiken des Landes auftauchen. Zolleinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe (Euro) haben Herat zur reichsten Stadt Afghanistans gemacht.

Gegenüber IranAnders sagte ein Experte, der seit Jahren für eine Vertretung einer deutschen politischen Stiftung in Afghanistan tätig ist, dass Herats Stabilität hauptsächlich dem wirtschaftlichen Austausch mit Iran geschuldet ist. Da Herat die Nachbarprovinz Irans sei, profitiere diese am ehesten von der Afghanistan-Politik der Mullahs in Teheran und fügte hinzu: „Es hat jedenfalls nicht mit der Stationierung der italienischen Truppen dort zu tun.“

Darüber hinaus, darf man den indirekten Einfluss Irans nicht außer Acht lassen. Ein Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) von 2008 stellte fest, dass die in Iran arbeitenden Afghanen jährlich ca. 500 Millionen US-Dollar in ihre Heimat schicken - das macht 6% des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Zahlen dürften bis heute unverändert sein.

Kulturelle Bindung

Nicht nur in Punkto Ökonomie ist Iran ein entscheidender Faktor für die Stabilität Herats, sondern ein weiterer ausschlaggebender Faktor ist die kulturelle Bindung der Bevölkerung zu ihren iranischen Nachbarn.

„Unsere kulturelle Verbindung zu Iran ist eine natürliche, wir sprechen dieselbe Sprache, es gibt hier nur eine Kultur, nicht zwei“, sagt Sayed Yahya Hazin, Chef der Fakultät für Literatur an der Universität von Herat. An seiner Wand hängt ein großes Bild des von den Salafisten gehassten iranischen Dichters Dschalaluddin Rumi, der vor ca. 800 Jahren im heutigen Afghanistan geboren wurde. Darauf anspielend fügte er hinzu: “Damals haben wir ihnen unsere Kultur gebracht, heute bringen sie sie zurück.“ Seine Universität unterhält Austauschprogramme mit iranischen Universitäten für Studenten und Professoren. Auch die Bücherei der Fakultät wurde von Iran bezahlt.

Seit Jahrzehnten schon unterhält die Provinz gute Beziehungen zu Iran, bereits im Krieg gegen die Sowjetunion in den 1980ern unterstützte die Islamische Republik den wichtigen aus Herat stammenden Mujahedin Ismail Khan, der später - nach Abzug der UdSSR - Gouverneur Herats wurde, bis die Taliban 1995 die Provinz (aufgrund eines Verrats seines Bündnispartners, des usbekischen Warlords Abdul Rashid Dostum) eroberten. Nach der US-Invasion in Afghanistan und dank iranischer Hilfe nahm Ismail Khan Herat wieder ein und wurde erneut Gouverneur, bis er 2005 Energieminister des Landes wurde. Durch Khans starke Bindung an Iran erlang die Provinz als erste nach der Ära der Taliban zum wirtschaftlichen Wohlstand und zur Stabilität, die im Vergleich zum Rest des Landes bis heute beispiellos ist.

Die Islamische Republik Iran betrachtet Herat als strategischen Partner und Puffer gegen eine eventuelle Erstarkung der Taliban. Es ist Zeit, dass die USA im Zuge des Tauwetters mit Teheran dieses gemeinsame Interesse erkennt und das konstruktive iranische Engagement in Afghanistan angemessen in Rechnung trägt.


Orientalist06-03-14

Fakt ist, dass die Iraner - im Gegensatz zu anderen Staaten - echte Aufbauhilfe und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Sei es in Afghanistan, Irak oder anderswo, die Iraner investieren und helfen vor allem in Infrastrukturbereichen, also der Bereich, der für ein Land notwendig ist, um wirtschaftlich selbst auf die Beine stehen zu können.

Thomas0209-03-14

Der Artikel zeigt ja auch, daß Iran durchaus in der Lage ist, konstruktive Politik zu betreiben. Dies sollte der Westen in den Miittelpunkt seiner Nahostpolitik stellen. Dann wäre der Nahe Osten jetzt schon deutlich weiter. Stattdessen betreibt er Obstruktionspolitik um die vermeintlichen Gegner zu schwächen, das nützt am Ende höchstens den amerikanischen Rüstungskonzernen.





* Bitte haben Sie Verständnis, dass die Redaktion Beiträge editiert oder nicht freigibt mit dem Ziel einen moralischen Austausch zu gewährleisten.