22.01.2014 Ali Hashem

Die Türkei nähert sich Iran in der Syrien-Frage an


Türkeis Außenminister Ahmet Davutoglu und Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif

Im September letzten Jahres auf einem Spaziergang am East River in New York führten der iranische und türkische Außenminister in einer freundschaftlichen Atmosphäre miteinander Gespräche.

TEHERAN, Iran – Was spielt sich zwischen Iran und der Türkei ab? Die Fragen werden eher von Verbündeten als von Gegnern aufgeworfen. Man dachte, die zwei Nachbarn – ehemalige islamische Imperien – würden sich aufgrund ihrer Differenzen über Syrien, das beide als Priorität in ihrer jeweiligen Außenpolitik sehen, voneinander spalten. Tag für Tag gibt es Hinweise darüber, dass sich Ankara und Iran langsam, aber sicher in Richtung einer strategischen Beziehung bewegen, die in einem – wie eine Quelle in Teheran es beschreibt – „strategischen Kooperationsvertrag“ münden könnte.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird innerhalb der nächsten zwei Wochen in Teheran erwartet. Unterdessen statteten sich die Außenminister beider Länder innerhalb eines kurzen Zeitraums gegenseitig Besuche ab. Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif besuchte die Türkei am 4. Januar, während der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu eine Woche zuvor in Teheran war. Während der Abfassung dieser Zeilen befindet sich der iranische Vize-Außenminister für arabische und afrikanische Angelegenheiten, Hossein Amir Abdollahian, in Ankara, um seinen Amtskollegen zu treffen. Diese Zusammenkünfte spiegeln ein hohes Maß an Koordination zwischen Iran und der Türkei wider. Doch werden einige fragen, was ist mit ihren Differenzen über Syrien?

Es gibt keinen Zweifel, dass die syrische Krise an der Harmonie rüttelte, die einst Teheran, Ankara, Doha und Damaskus zusammenbrachte, aber das hat keinerlei Bedeutung für Irans Zusammenarbeit mit der Türkei an anderer Front. Eine Quelle in Teheran sagte gegenüber Al-Monitor, dass sich Sicherheitsbeamte beider Länder regelmäßig trafen und Informationen von vitalem Gehalt für die nationale Sicherheit austauschten. „Es gab Kooperationen, sogar in Syrien. Bei mehreren Gelegenheiten halfen die gemeinsamen türkisch-iranischen Anstrengungen bei der Freilassung von entführten Personen aus beiden Ländern. Es mag Unterschiede bei den politischen Zielen geben, aber was die Sicherheitsfront angeht, teilen beide Länder die gleichen Ziele und werden nichts tun, was den Interessen des anderen schadet. "

Es geht nicht nur um Politik und Sicherheit, die Wirtschaft spielt in den bilateralen Beziehungen eine wichtige Rolle. Erdogan bezahlt immer noch den Preis für die schwarzen Löcher, die er Beschuldigungen zufolge im Sanktionssystem gegen Iran erzeugt hat, insbesondere was als Gold für Öl-Regelung bekannt ist. Mindestens 20 Milliarden Dollar betrug das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern im Jahr 2012 und es wird erwartet, dass diese Zahl steigen wird, jetzt wo einige Sanktionen gegen Iran gelockert werden sollen.

Doch was haben die Iraner und Türken an der politischen Front vor?

Im Hinblick auf Syrien ist es fast sicher, dass die Positionen beider Länder näher zueinander rücken. Die Türkei ist heute davon überzeugt, dass eine politische Lösung der einzige Ausweg aus dem aktuellen Blutvergießen ist. Darüber hinaus ist sie das Feuer am spüren, indem radikale islamische Gruppen an der gemeinsamen Grenze mit Syrien dominieren und dadurch die Sicherheit der Türkei und möglicherweise auch ihre wirtschaftliche und politische Stabilität in Gefahr gebracht ist. Es gibt einen letzten wichtigen Punkt: Die Türkei wird in Syrien durch andere Regionalmächte zur Seite gedrängt. Selbst ihre Verbündeten in der syrischen Opposition sind nicht so einflussreich wie zuvor und auf dem Boden stehen die wichtigsten kämpfenden Fraktionen - neben dem Islamischen Staat im Irak und der Levante  (ISIS) - näher an Saudi-Arabien. Als Ergebnis ist die Rolle der Türkei in Syrien am abnehmen.

Iran ist immer noch einen hohen Preis am bezahlen, um Syriens trotzigen Präsidenten Bashar Al-Assad bis zur nächsten Wahl an der Macht zu halten. Dieser Preis reicht von Geld bis zu Waffen und Menschenleben. Es ist kein Geheimnis, dass die Islamische Republik aus der Krise die Macht gewonnen hat, Syriens regionaler Schutzherr zu sein - sie ist die Tür, an der jeder zu klopfen hat, wenn es etwas will.

Irans Beziehungen mit der Region bedürfen einer Normalisierung. Sowohl Iran als auch die Türkei brauchen einander. Beide haben ihren jeweiligen Block an Verbündeten und ferner haben sie die gleichen regionalen Rivalen.


Erstmals veröffentlicht am 17. Januar 2014 bei Al-Monitor. Übersetzt von Thomas Effe.


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