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03.09.2013 Robert Fisk

Iran, nicht Syrien, ist das eigentliche Ziel des Westens


Syriens Abhängigkeit von Teheran

Syrien ist abhängig von der Islamischen Republik Iran wie nie zuvor.

Iran ist mehr denn je in den Schutz der syrischen Regierung einbezogen. Folglich ist ein Sieg für Bashar ein Sieg für Iran. Und iranische Siege können vom Westen nicht toleriert werden.

Bevor der dümmste westliche Krieg in der Geschichte der modernen Welt beginnt – ich beziehe mich natürlich auf den Angriff auf Syrien, den wir alle noch zu schlucken haben – könnte man ebenso gut sagen, dass die Marschflugkörper, von denen wir zuversichtlich erwarten, dass sie auf eine der ältesten Städte der Menschheit niedersausen, absolut nichts mit Syrien zu tun haben.

Sie sollen Iran schaden. Sie sind dazu bestimmt, die Islamische Republik zu treffen, jetzt, da sie einen neuen und dynamischen Präsidenten hat – im Gegensatz zu dem Spinner Mahmoud Ahmadinejad – und sie ein klein wenig stabiler sein dürfte.
 
Iran ist der Feind Israels. Iran ist daher natürlich der Feind Amerikas. Also feuert die Raketen auf Irans einzigen arabischen Verbündeten.

Es gibt nichts Sympathisches am Regime in Damaskus. Noch nehme diese meine Kommentare das Regime aus der Verantwortung, was die Massenvergasung anbelangt. Doch ich bin alt genug, um mich daran zu erinnern, dass wir Bagdad nicht angriffen, als der Irak – damals Amerikas Verbündeter – Giftgas gegen die Kurden von Hallabjah im Jahr 1988 einsetzte. Tatsächlich ließ der Angriff noch bis 2003 auf sich warten, als Saddam nicht länger Giftgas oder eine der anderen Waffen besaß, von denen wir Alpträume hatten.

Und ich erinnere mich zufällig auch daran, dass die CIA 1988 verbreitete, Iran sei für die Vergasungen in Hallabjah verantwortlich, eine offensichtliche Lüge, die auf Amerikas Feind, den Saddam damals stellvertretend für uns bekämpfte, abzielte. Und Tausende – nicht Hunderte – starben in Hallabjah. Aber was soll’s. Andere Tage, andere Maßstäbe.

Und ich nehme an, es ist erwähnenswert, dass im Jahr 1982, als Israel bis zu 17.000 Männer, Frauen und Kinder in einer Invasion im Libanon tötete, angeblich heraufbeschworen durch den Mordversuch der PLO am israelischen Botschafter in London – es war Saddams Kumpel Abu Nidal, der die Ermordung geplant hatte und nicht die PLO, doch das spielt nun keine Rolle – Amerika bloß beide Seiten zu „Zurückhaltung“ aufrief. Und als wenige Monate vor dieser Invasion Hafez Al-Assad – Vater von Bashar – seinen Bruder nach Hama schickte, um tausende Rebellen der  Muslimbruderschaft auszulöschen, murmelte niemand ein Wort der Verurteilung. Mit „Hama Rules“ hat mein alter Kumpel Tom Friedman dieses Blutbad zynisch bezeichnet.

Wie auch immer, es gibt in diesen Tagen eine andere Bruderschaft – und Obama brachte nicht einmal ein „Buh“ über die Lippen, als ihr gewählter Präsident abgesetzt wurde.

Aber Moment mal. Hat nicht der Irak – als er „unser“ Verbündeter gegen Iran war –auch Giftgas gegen die iranische Armee eingesetzt? Er hat. Ich sah die Ypres-ähnlichen Verwundeten dieses schmutzigen Angriffs von Saddam – US-Offiziere, sollte ich hinzufügen, tourten nachher durch das Schlachtfeld und erstatteten Washington Bericht – und wir scherten uns einen feuchten Kehricht darum. Tausende iranische Soldaten im Krieg von 1980 bis 1988 wurden durch diese abscheuliche Waffe tödlich vergiftet.

Ich reiste über Nacht in einem Zug mit verwundeten Soldaten zurück nach Teheran und roch das Zeug tatsächlich, und öffnete die Fenster in den Gängen, um den Gestank des Giftgases herauszulassen. Diese jungen Männer hatten Wunden über Wunden – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie hatten schreckliche Geschwüre in denen sich noch schmerzhaftere Wunden befanden, die nah an das Unbeschreibliche waren. Aber als die Soldaten in westliche Krankenhäuser zur Behandlung geschickt wurden, nannten wir Schreiberlinge diese Verwundeten dennoch „angebliche“ Giftgasopfer – trotz der Beweismittel der UNO, die unendlich überzeugender waren, als das, was wir wahrscheinlich von außerhalb von Damaskus bekommen.

Also was um Himmels willen machen wir da? Nachdem zig Tausende in Syriens fürchterlicher Tragödie ums Leben gekommen sind, sind wir plötzlich – jetzt, nach Monaten und Jahren der Tatsachenverdrehung – bestürzt über ein paar hundert Todesfälle. Entsetzlich. Gewissenlos. Ja, das ist wahr. Doch unser Trauma hätte uns zum Handeln in diesem Krieg im Jahr 2011 bewegen sollen. Und in 2012. Aber warum gerade jetzt?

Ich vermute, ich kenne den Grund. Ich glaube, dass Bashar Al-Assads skrupellose Armee dabei ist, gegen die Rebellen, die wir heimlich bewaffnen, zu gewinnen. Mit der Unterstützung der libanesischen Hisbollah – Irans Verbündetem im Libanon – schaltete das Regime in Damaskus die Rebellen in Qusayr aus und könnte dabei sein, sie nördlich von Homs zu zerschlagen. Iran ist mehr denn je in den Schutz der syrischen Regierung einbezogen. Folglich ist ein Sieg für Bashar ein Sieg für Iran. Und iranische Siege können vom Westen nicht toleriert werden.

Und wo wir gerade beim Thema Krieg sind, was geschieht mit jenen großartigen palästinensisch-israelischen Verhandlungen, mit denen sich John Kerry brüstete? Während wir unseren Kummer über die abscheulichen Vergasungen in Syrien zum Ausdruck bringen, wird das Land Palästina weiter verschlungen. Israels Likud-Politik – für Frieden zu verhandeln, bis kein Palästina mehr übrig ist – wird eiligst weitergeführt, weshalb König Abdullah von Jordaniens Alptraum (ein viel Stärkerer als der von den „Massenvernichtungswaffen“, den wir uns 2003 ausdachten) größer wird: dass „Palästina“ in Jordanien sein wird, nicht in Palästina.

Doch wenn wir an den Unsinn aus Washington, London, Paris und dem Rest der „zivilisierten“ Welt glauben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis unser schnelles und rächendes Schwert die Damaszener erschlägt. Zu beobachten, wie die Führung der übrigen arabischen Welt dieser Zerstörung Beifall klatscht, ist vielleicht die schmerzhafteste historische Erfahrung, die die Region erdulden wird - und die beschämendste. Mit Ausnahme der Tatsache, dass wir schiitische Muslime und ihre Verbündeten angreifen werden unter dem Beifall der sunnitischen Muslime. Und das ist, was Bürgerkrieg ist.


Erstmals veröffentlicht am 30. August 2013 bei der liberalen britischen Tageszeitung The Independent. Übersetzt von Yaz Theder.

Robert Fisk ist wohl der berühmteste britische Auslandskorrespondent. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über viele Krisenregionen der Welt, wie z. B. den Nordirland-Konflikt, die portugiesische Nelkenrevolution, Afghanistan unter sowjetischer Besatzung und den Guerillakrieg mit den Taliban, den Bürgerkrieg im Libanon und die drei Golfkriege. Fisk war der einzige ausländische Reporter, der 1982 Zeuge des Massakers von Hama wurde. Er ist einer der wenigen westlichen Journalisten, die mit Osama bin Laden Interviews führen konnten (drei Interviews zwischen 1993 und 1997). Gegenwärtig ist er als Nah-Ost-Korrespondent für „The Independent“ tätig und lebt seit über 25 Jahren in der libanesischen Hauptstadt Beirut.


PF03-09-13

Das mit den Atombomben ist eine Erfindung des Westens!!! Iran hat keine A-Bomben und keiner im Iran will die Bombe! Die Regierung ist strikt gegen die A-Bombe. Iran will aber auf eigenen Füßen stehen und vom Westen unabhängig sein. So reichert man im Iran das Uran selber an und baut Reaktoren. Die Anreicherung ist nur für Friedliche Zwecke. Strom Erzeugung und für die Medizin und Forschungsreaktoren. Amerika hat das Thema aber seit Jahren falsch da gestellt und behaupten das Iran die A-Bombe will. Das ist eine Lüge und nichts anderes! Amerika will damit bezwecken das Iran nicht zu eigenständig wird. Sie wollen das Iran nicht selber anreichert um das Angereicherte Uran Iran verkaufen zu können. Irans Standpunkt ist aber, wenn wir die Technischen Möglichkeiten haben, warum sollten wir bitteschön, Milliarden von Öl-Dollars an Amerika verschenken, das sie uns das liefern, was wir selbst haben. Das sind alles Propaganda Lügen des Westens um Iran als den Bösen vor zu führen und um Angst zu verbreiten. Iran will die A-Bombe und bedroht damit den Westen! Iran hat in seiner Geschichte noch nie selbst Länder angegriffen. Nur verteidigt, wenn sie bedroht wurden. Höre nicht auf die Lügen des Westens!

fariborsm03-09-13

03.09.2013
Iran, nicht Syrien, ist das eigentliche Ziel des Westens
1991
Iran, nicht Irak, ist das eigentliche Ziel des Westens
2001
Iran, nicht Afghanistan, ist das eigentliche Ziel des Westens
Die katze läuft um die heiße Brei. Schön seit so lange, und der wird nicht kälter. Eher heißer.
Ganz kalt war er 1978 / 79. seine Majestät Schahinschah König der Könige, Ariamehr das Licht der Arrier, Perserkaiser der Letzte residierten noch in Teheran auf dem Pfauenthron. 80.000 amerikanische Militär- und Zivilexperten residierten mit. Iranische Arme stand unter deren Befehl. Der Brei war mundgerecht und keineswegs heiß. Die Gelegenheit war optimal. Im Reellen aber ungunstig. Der Brei konnte schon damals nicht gefressen werden.Um zuzuschlagen war nicht mal der Iwan im Stande. Seither ist sie, also die gelegenheit, immer weiter ungunstiger geworden. Der Brei wird immer heißer. Besser die lefzen nicht verkohlen.
Besser vergessen wir die Sache mit Iran, nicht Syrien, ist das eigentliche Ziel des Westens
Oder?

Freidenker03-09-13

Ich stimme dem Text zu mit einer Ergaenzung!
Syrien, Hesbollah (Libanon), Iran und dann China oder Russland bzw. umgekehrt. Jedenfalls angeblich Russland als Endkampf.
Siehe:
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1048

OB03-09-13

Na ja, der Kommentar geht denn aber doch etwas an der Realität vorbei.
Amerika will gar nichts, denn das ist nur ein Land, in dem viele unterschiedliche Menschen leben. Und die Elite in Amerika (oder besser den USA) interessiert sich wohl eher nicht für solchen Kleinkram wie den Verkauf von angereichertem Uran. Sie streben nach der Weltherrschaft, nicht mehr und nicht weniger. Dabei stören China und Russland, und auf dem Weg dahin (nicht nur geografisch gemeint) liegen Iran und Syrien.
Niemand weiß, wer was hat. Man kann nur vermuten. Und was ich vermute ist, dass Iran tatsächlich KEINE A-Bombe hat und haben will. Aber wenn die Verantwortlichen in Teheran schlau sind, lassen sie die westliche Elite, dass sie kurzfristig in der Lage wären, eine A-Bombe zu bauen. Nur das schreckt den Gehörnten ab. Die Alternative wäre der Untergang. Das Schicksal Libyens, wo sich Gaddafi vorher vom Westen hat einlullen und entwaffnen lassen, sollte in dieser Hinsicht Warnung genug sein. Ich bin überzeugt davon, dass die Verantwortlichen in Teheran das ganz genauso sehen.

Le Mec04-09-13

Ein Gedankenspiel:

Der völkerrechtswidrige Angriff der USA auf Syrien findet tatsächlich statt, und zwar tatsächlich in begrenztem Maße. Dann greift der Verteidigungspakt zwischen Syrien und Iran. Diese entschließen sich, so gut wie gar nicht auf die USA zu antworten und Iran schickt stattdessen seine Quds-Brigade nach Syrien um dort die kleineren Terroristen zu bekämpfen. Dann wäre Syrien innerhalb von ein paar Monaten wieder zurück gewonnen.

siglinde06-09-13

Mir ist es schleierhaft, wie man sich als Journalist, der ernst genommen werden will, dazu hinreißen lassen kann, Ahmadinejad als Spinner zu bezeichnen.

Alex10-09-13

@ Siglinde

das habe ich mich auch gefragt, wurde aber zensiert.

Kennt man doch alles schon aus vielen anderen Ländern. Je nach Lust und Laune der leitenden Funktionen wird die öffentliche Meinung manipuliert.

Nur auf lange Sicht sind das eben Fähnchen im Wind denen eine wirkliche Strategie fehlt!

MODERATION: Sie wurden nicht zensiert, sondern Sie haben Ihren Beitrag an anderer Stelle und nicht hier gepostet, nämlich hier wo es Off-Topic ist: http://irananders.de/nachrichten/news/article/syrien-krieg-iran-wird-tun-was-angemessen-ist.html

siglinde16-09-13

@Alex

Ich empfehle jedem, der Ahmadinejad meint unmöglich machen zu müssen, meist nur begründet auf seinen Vorsprung den Holocaust in Frage zu stellen, sich den Weltentwicklungsindex unter seiner Regierung anzusehen und das trotz Sanktionen.

Es gibt nur ein einziges Land, welches in den letzten 8 Jahren einen Sprung von ca. 20 Punkten nach oben geschafft hat. Deutschland hat es die letzten Jahre geschafft, von Platz 21 auf Platz 5 zu kommen. Aber Deutschland hat keine Sanktionen, die die Wirtschaft lahm legt.
http://www.laenderdaten.de/indizes/hdi.aspx

[...]*

*MODERATION: Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Vielen Dank.






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