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02.09.2013 Ali Hashem

US-Angriff auf Syrien: Iran wird tun „was angemessen ist“


Iranischer C-802 Noor Antischiffs-Marschflugkörper

Noor ist ein Mittelstrecken-Antischiffs-Marschflugkörper des Iran. Während des Libanonkrieges 2006 wurde eine israelische Korvette der Sa'ar-5-Klasse mit zwei Noor-Flugkörpern beschossen. Vier Besatzungsmitglieder starben.

Bis zum Nachmittag des 28. August hatte es keine klare iranische Position betreffend der Möglichkeit eines militärischen Angriffs auf Syrien gegeben. Laut einer Quelle von Al-Monitor in Teheran evaluierten die Iraner selbstverständlich die Lage, loten ihre Optionen aus und bereiten ihre Dateien in Übereinstimmung mit den neuesten Entwicklungen vor. Ayatollah Ali Khamenei, Irans religiös-politischer Staatsoberhaupt, soll angeblich alle Pläne auf dem Tisch gehabt haben, als er zu einem unbekannten Zeitpunkt mit ranghohen Offizieren der Pasdaran (Revolutionsgarde) und seinen engsten militärischen Beratern zusammentraf. Die Quelle bestätigt: „Es gibt eine direkte Leitung zur Hisbollah-Führung im Libanon und den Syrern“, betonend, dass die „Achse des Widerstands“ diesen Moment seit Beginn der Krise im Jahr 2011 erwartet habe.

Der erste Schritt der Iraner war in Richtung ihrer mächtigsten Verbündeten, den Chinesen und den Russen, eine klare Botschaft an beide Länder am 26. August sendend: „Iran wird bis zum Ende zu Syrien stehen. Wir werden zu unserer Allianz stehen, selbst wenn ihr euch entscheidet aufzugeben. Wir sind mit Syrien bis zum letzten Atemzug.“ Dieser Botschaft folgten mehrere andere Schritte, einschließlich direkter Gespräche mit Staaten, die in der Lage sind, Nachrichten an die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich zu übermitteln.

Die Quelle von Al-Monitor bekundete: „Iran ist für seine konsequente Diplomatie berühmt, und das ist der Grund, weshalb sie langsam, aber sicher in ihren Entscheidungen waren.“ Er erklärte weiter: „Diejenigen, die Syrien bedrohen, vernahmen eine unmissverständliche Botschaft: Das Ausmaß eines solchen Krieges kann nicht kontrolliert werden, und Iran und seine Verbündeten in der Region werden nicht zulassen, dass Syrien fällt.“

Am 26. August wurde berichtet, dass UN-Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten Jeffrey Feltman, ein ehemaliger US-Diplomat, die Iraner aufgefordert hatte, im Falle eines Angriffs auf Syrien ruhig zu bleiben. Iran nahm die Warnung ernst und suchte nach Wegen, um zu verhindern, dass Damaskus einen solchen Angriff ausgesetzt werde.

„Die Amerikaner sagen, der Angriff werde beschränkt sein und sei essentiell für die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Kräfte, bevor sie zu den Genfer Gesprächen II übergehen“, berichtete die Quelle Al-Monitor. „Iran wird seinen Segen für einen solchen Angriff nicht geben und wird jede Art von Druck ausüben, um ihn zu verhindern, doch wenn es geschieht, werden wir dann das tun, was angemessen ist.“

In Irans Vokabularium kann „was angemessen ist“ alles bedeuten – vom Nichtstun bis zu einem Krieg oder etwas dazwischen. Unter Berücksichtigung all der Unterstützung, die Teheran und die Hisbollah dem syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad während der letzten paar Jahre haben zukommen lassen, ist es schwierig sich vorzustellen, dass sie einen Angriff ohne irgendeine Reaktion, früher oder später, durchgehen lassen werden.

Am 28. August erreichte eine Flut von Stellungnahmen von Irans ranghohen politischen und militärischen Funktionären plötzlich die Medien. An dem Tag, während eines Treffens mit Präsident Hassan Rouhani, warnte Khamenei: „Die Intervention Amerikas wird eine Katastrophe für die Region sein. Die Region ist wie ein Pulverfass, und die Zukunft kann nicht vorhergesagt werden.“ Augenblicke später fügte Rouhani seine Sicht der Dinge hinzu und erklärte: „Die Menschen im Nahen Osten akzeptieren keinen neuen Krieg, und jedes  Abenteur in der Region stellt irreparable Gefahren für ihre Stabilität und die der Welt dar und wird nur zur Verbreitung von Extremismus und Terrorismus in der Region führen.“

Sowohl Außenminister Mohammad Jawad Zarif als auch der Parlamentssprecher Ali Larijani warnten vor den schlimmen Folgen des Krieges. Die Quelle von Al-Monitor erklärte: „Wer kann einen begrenzten oder unlimitierten Angriff garantieren? Niemand.“ Er fügte hinzu: „Das erinnert mich an den Krieg gegen Libyen vor einigen Jahren. Sie täuschten den UN-Sicherheitsrat und die Russen, indem sie behaupteten, sie würden eine Flugverbotszone implementieren, dann begannen sie alles tun, bis sie [den libyschen Staatschef Muammar] Gaddafi stürzten und töteten. Wenn sie [das Gleiche in Syrien] wollen, dann müssen sie über unsere Leichen gehen.“

Die Iraner glauben, dass ihre Botschaft „sorgfältig von den Amerikanern gelesen“ wurde, und dass ein „Angriff auf Syrien zu einem großflächigen Krieg führen könnte, der schlimmer als alles andere sein könnte.“

Später gaben weitere iranische Verantwortungsträger Stellungnahmen heraus, mit General Kassem Soleimani, Kommandeur der Al-Quds Brigade der Pasdaran, der angeblich ausdrücklich sagte, Al-Sham, d.h. Syrien und Libanon, sei eine rote Linie für Iran und der Friedhof der Amerikaner.

Auf Soleimanis Bemerkungen folgte eine klare Drohung von General Mohammad Ali Jaafari, Kommandeur der Pasdaran, der davor warnte, dass Syrien das nächste Vietnam für die Vereinigten Staaten sein werde.


Erstmals veröffentlicht am 29. August 2013 beim Online-Fachmagazin für Nordafrika und den Nahenosten Al-Monitor. Übersetzt von Yaz Theder.

Ali Hashem ist ein arabischer Journalist und ist Chef-Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Mayadeen. Bis März 2012 war er Kriegsberichterstatter bei Al-Jazeera, und davor war er ein leitender Journalist bei der BBC.


Freidenker02-09-13

Oft liest man in den Medien, dass nach Syrien Iran auf der Liste steht. Hierueber kann ich ein Kommentar von einem Russen empfehlen an die Leser von hier und an Irananders. Ich hoffe, dass dieses ins persische uebersetzt und in iranischen Medien veroeffentlicht wird, damit es die Politiker in Iran ebenfalls lesen, was so manche Experten denken!

Hier der lesenswerte Link:
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1048

In Bezug auf Syrien steht fuer Iran alles auf dem Spiel. Faellt Syrien, wird fuer die Zionisten und USA, Iran als naechstes auf ihren Plan stehen.

Ramin03-09-13

@ Freidenker

Vielen Dank für den Link auf diesen überaus informativen Artikel.

Freidenker03-09-13

@Ramin,

bitte, gern geschehen! Ich hoffe, dass es auch Leser in Iran ebenfalls lesen.

Alex07-09-13

[...]*

Im Iran sollte man sich auf eine Linie einigen, ansonsten entsteht aus dem oben angedeuteten Realitätsverlust ein totaller Black-Out.

1. Syrien und der Iran stehen den geopolitischen Erwägungen der USA im Wege, da könnt ihr Schmusekurs oder sonstetwas fahren. Fällt Syrien wird auch der Iran fallen, so einfach ist das. Der Iran ist und wird in nächster Zeit angegriffen, egal was für ein Kurs gefahren wird, das interessiert in den USA niemanden!

2. Vergessen wird die Türkei, die gieren darauf, dass die USA den Weg freibombt, damit das türkische Militär beim Einmarsch in den Norden von Syrien mit ihren veralteten Hardware-Systemen keine zu hohen Verluste erleidet. Oder glaubt man im Iran ernsthaft, dass die Türkei in zwei südlichen Ländern eine kurdische Autonomie zulässt? Damit steht auch wieder der ölreiche Norden des Irak zur Disposition.

3. Es ging also der Befehl hinaus in die schiitische Welt, sofern die USA Syrien angreift (man redet inzwischen nichtmehr von 2 Tagen sondern offen über 60 Tage in den USA) erwägt man Angriffe auf US Einrichtungen? Der Iran hat garkeine andere Möglichkeit als begrenzte Angriffe zu führen. Man hat nämlich noch etwas übersehen - bei US Angriffen auf Syrien sind die gesendeten tausende Revolutionsgarden aus Iran und die Hezbollah schutzlos Luftangriffen ausgeliefert.

4. Hat man sich im iranischen Generalstab keine Gedanken über eine solche Entwicklung gemacht? Was passiert, wenn in Folge US Vergeltungsschläge über Nato Luftwaffenbasen in Türkei auf Iran ausgeführt werden?

5. Atomare Abschreckung? Vergesst es, sieht man an Nord Korea. Selbst wenn ihr in den nächsten Tagen und Wochen ein paar Megatonnen vorweisen könntet, auch das interessiert niemanden in USA.

Man hat sich in die Einbahnstrasse mit Syrien hinein manöveriert. Die Strategie der USA und sicherlich auch Israel ging bestens auf. Die sunnitischen Golfstaaten machen die Drecksarbeit für die USA, die syrischen Rebellen sind in kleinen Fraktionen hoffnungslos zerstritten, Hamas duckt sich weg, sonst wird aus den Golfstaaten der Geldhahn zugedreht, in Ägypten herrscht ein gut durchdachtes kalkulierbares Chaos. Super Leistung der Möchtegernestrategen im Iran.

Merke. Durch wilde Bärte und coole Sonnenbrillen ist man noch lange kein Taktiker!!!

*MODERTION: Bitte bleiben Sie beim Thema dieses Artikels.

SA09-09-13

@Alex

In Syrien sind keine tausende Revolutionsgardisten, sondern lediglich Berater und schiitische Milizen, die von Iran ausgebildet und geleitet werden.

Alex09-09-13

@ SA

klar ..... soll ich jetzt lachen, vier meiner engsten Freunde, sind mit ihrerem Quds Battalion gerade in Rabah und kämpfen dort Höhenzüge frei... das liegt 15 km westlich von Homs entfernt.

Außerdem wird die Hezbollah mitnichten vom Iran ausgebildet. Seit 1985 als sich die Amal spaltete, sind die Kämpfer selbst befähigt, ihre Einheiten auszubilden.

P.S. ich bleibe deutlich beim Thema, d.h. es ist eine Sache Leute in ein anderes Land zu senden (was auch bei den Amis schief ging) und eine andere, die Folgen zu übersehen.... außerdem spreche ich hier von Freunden von mir! Wir wurden schon häufiger von diesen vollgefressenen Strategen im Stich gelassen! Warten wir schlichtweg ab, ob es nicht nur leeres Geschwätz ist in Teheran wenn die USA Syrien angreift!

Alex10-09-13

@ Moderation

es mag ja sein, dass inzwischen die offizielle Linie von iranischen Journalisten auf Zuckerbrot umgestellt ist.

Habe ich kein Problem damit.... kennen wir alles schon aus unzähligen anderen Krisen. Daher sage ich ganz deutlich - bei EUCH herrscht ein Realitätsverlust!!!

Glaubt ihr im Ernst, dass es Israel oder die USA interessiert, wie ihr Euch ausdrückt? Es ist beschlossene Sache, dass der Iran angegriffen wird, egal wie ihr euch wendet und agiert.

Wie üblich sind die Schreiberlinge die ersten, die z.b. den ehemaligen Präsidenten als Spinner bezeichnen. Auch dies zeigt sehr deutlich, dass ihr schlichtweg Fähnchen im Wind seid.

Na dann viel Glück beim Ausverkauf einer der ältesten Kulturen der Welt gegenüber Kapital, Gier und Besatzern Palästinas!


REDAKTION: Irananders Autoren betrachten sich nicht als iranische Journalisten und das, was Sie als Zuckerbrot wahrnehmen, betrieb Iran immer:

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/ahmadinejad-schrieb-zweiten-brief-an-obama.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/ahmadinejad-iran-fuer-kontakte-mit-usa-offen.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/ahmadinejad-interessiert-an-besseren-beziehungen-zu-den-usa.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/ahmadinejad-iran-fuer-kontakte-mit-usa-offen.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/ayatollah-khamenei-fordert-von-den-usa-ernste-verhandlungen.html

- http://irananders.de/artikel/news/article/khamenei-verlangt-politikwechsel-von-den-usa.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/interview-ahmadinejad-nennt-wege-fuer-koooperationen-mit-den-usa-auf.html

usw.

MODERATION: Noch einmal: Sie wurden nicht zensiert, sondern Sie haben Ihren Beitrag an falscher Stelle gepostet. Posten Sie es an der richtigen Stelle: http://irananders.de/artikel/news/article/iran-nicht-syrien-ist-das-eigentliche-ziel-des-westens.html

SA10-09-13

@Alex

Es bleibt dabei: "In Syrien sind keine tausende Revolutionsgardisten, sondern lediglich Berater und schiitische Milizen, die von Iran ausgebildet und geleitet werden."

Freidenker10-09-13

@SA,

ja ja lediglich Berater, wobei man immer wieder Opfer zu beklagen hat! ;-))
Diese "Berater" kommen in einem Tornus von jeweils 6 Monaten nach Syrien und bekommen dafuer sogar ein grosszueges Trinkgeld fuer ihre Spesen.
Das bekommt man in Iran mit, wenn man in gewissen Kreisen verkehrt. Wieso sollte Iran sich auch dafuer druecken und es nicht zugeben? Iran muss und soll Truppen, Militaermaterial etc. den Syrern zur Verfuegung stellen. Iran und Syrien sind Buendnispartner. Wieso schickt Saudi-Arabien Truppen nach Bahrain? Wieso schickt der Westen Truppen nach Afghanistan und in afrikanische Staaten? Wieso sind seit ueber 60 Jahren noch US-Militaers in Deutschland?
Iran sollte frei zugeben, dass es offen Syrien unterstuetzt und das es dieses zu verteidigen gedenkt, wenn Syrien angegriffen wird. Syrien und Libanon sind die ersten Verteidigungslinien des Iran und das sollten die Zionisten und Angelsachsen auch wissen.

SA10-09-13

@Freidenker

Die Wahrheit ist aber, dass es kaum iranische Verluste gibt. Das hängt einfach damit zusammen, dass von staatlicher Seite aus keine Iraner für den Krieg in Syrien rekrutiert werden. Das ist auch nicht nötig, weil es schiitische Milizen aus Libanon und Irak dort unter iranischer Ägide kämpfen.

Freidenker11-09-13

@SA, in den letzten 2 Monaten erfuhr ich aus meinem Bekanntenkreis, dass zwei hoehere Grade von bekannte Revolutionswaechter Maertyrer wurden in Syrien. Das nur aus einem Bekanntenkreis und nur in zwei Monaten. Das kann man auf ganz Iran hoch rechnen und kommt auf ....!!!??? Es ist doch klar, dass man Verluste wegstecken muss.

TE12-09-13

@Freidenker

Man kann die Zahl hochrechnen, muss es aber nicht. Und es gibt keinen zwingenden Grund sie hochzurechnen. Es kann sich ja um Einzelfälle handeln.

In diesem Al-Jazeera-Beitrag ist gut zu sehen, dass die Iraner nur als Berater und Koordinaten eingesetzt sind: http://www.youtube.com/watch?v=Re6C_HhAOS0&feature=youtu.be

Freidenker12-09-13

@TE,
ob Iran nun Berater, Quds Brigaden oder andere militaerische Gruppen dorthin schickt ist egal! Hauptsache ist es, dass die Regierung in Syrien so unterstuetzt wird, dass eine friedliche Uebergabe von Assads Regime an eine demokratische frei gewaehlte Regierung gewaehrleistet wird.
Salafisten, Wahabiten etc. Gesocks koennen die Syrer nicht gebrauchen. Die Syrer, Russen, Chinesen und Iraner sollten ebenfalls Waffen, Geld etc. nach Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, VAE, Kuweit, Tuerkei etc. und andere Staaten schicken, welche die Terroristen in Syrien unterstuetzen um die Menschen dort gegen ihrer diktarorischen Herrscher zu unterstuetzen. Die Kurden, Shiiten und sonstige Unterdrueckte in diesen Staaten wurden dankend es annehmen.






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