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15.06.2012 Ralf Abbasi und Leo Schmitt

Eindrücke einer Reise einer Frau per Motorrad durch Iran


Motorradtour in Iran

Die Australierin Danielle Murdoch auf Motorradtour in Iran.

Interview mit der australischen Bikerin und Globetrotterin Danielle Murdoch. Murdoch durchquerte alleine mit Ihrem Motorrad auf ihre halbe Weltreise Iran. Im Interview erzählt Sie Ihre Eindrücke über dieses fremde Land.


Irananders: Frau Danielle Murdoch, Sie unternehmen gerade eine halbe Weltreise von Australien über Asien nach Afrika. Welche Länder haben Sie bisher besucht?

Danielle Murdoch: Den „Australia to Africa“-Trip habe ich in Australien begonnen, und ich nahm ein Boot nach Ost-Timor. Dann bin ich durch Indonesien, Sri Lanka, Indien und Pakistan gereist und jetzt in Iran.

Irananders: Was war Ihre Motivation, so eine Reise anzutreten, wo sie doch als Frau alleine mitunter so vermeintlich gefährliche Länder besuchen müssen?

Danielle Murdoch: Die Motivation für so eine Reise geht auf meine Familie zurück. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Reisender und machte eine große Tour durch Afrika, wie er 20 Jahre alt war. Und meine Mutter ist mit 37 sehr jung gestorben - mit so vielen Sachen in ihrem Leben, die sie nicht zu Ende gebracht oder gar angefangen hatte. So sehe ich zu, dass ich jederzeit meinen Träumen nachgehe, so dass ich irgendwann als glückliche und zufriedene Person sterben kann. Mit all dem im Kopf versuche ich die Leute (und vor allem die Frauen) dazu zu motivieren, auch ihren Träumen nachzugehen, was auch immer diese sind. Ich liebte schon immer das Motorradfahren. 2007 habe ich mein erstes gekauft und gelernt, darauf zu fahren. Sechs Monate später habe ich einen zehnmonatigen Trip von Bangkok nach Moskau auf einer Honda XR 250 mit einem Budget von nur 10.000 Dollar unternommen. Als mir schließlich das Geld ausgegangen ist, habe ich mein Motorrad verkauft und bin zurück nach Australien geflogen. Dort habe ich ab dem ersten Tag angefangen, für die jetzige Reise zu sparen.

Eine der Dinge, die ich am Reisen mag, ist es die Übergänge zwischen den Ländern zu sehen. Die meisten Leute fliegen mit dem Flugzeug rein und raus und glauben, dass alle Länder sich komplett voneinander unterscheiden. Aber die Grenze ist tatsächlich nur ein gezogener Strich auf einem Stück Papier. Die Kultur und die Leute ändern sich nur graduell. Die Unterschiede sind nicht so scharf, wie die groß gezogenen Striche.

Irananders: Interessant. Und wie kam es dazu, Iran, das seit Jahrzehnten in unserem Kulturkreis für negative Schlagzeilen sorgt, für Ihre Durchreise auszuwählen?

Danielle Murdoch: Ich habe Iran gewählt, weil ich von so vielen Menschen, die das Land persönlich kennen, gehört habe, dass es ein wundervolles Land mit sehr offenen Menschen ist. Ich wollte auch hierher kommen, um herauszufinden, wie es ist, eine Frau in diesem Land zu sein.

Irananders: Und war es leicht, ein Visum für Iran zu bekommen?

Danielle Murdoch: In meinem Fall ja, aber es benötigte Zeit und Planung. Die Ungewissheit, wann man sein Visum erhält, macht die Planung ernsthaft schwer, und ich musste das auch noch mit meinem pakistanischen Visum unter einen Hut bringen, das kurz vor dem Ablaufen stand!

Irananders: Welche Städte haben Sie in Iran bisher besucht?

Danielle Murdoch: Ich war in Zahedan, Bam, Kerman, Yazd, Isfahan, Kashan, Teheran, Sanandaj, und ferner habe ich an einigen Orten zwischen den Großstädten gecampt. Isfahan gefiel mir am besten.

Irananders: War es für Sie als Nicht-Muslima schwer, den islamischen Bekleidungskodex einzuhalten?

Danielle Murdoch: Dass ich einen Schleier tragen und meinen Körper die ganze Zeit über bedecken musste, hat mich nicht gestört, ich war nur darüber besorgt, ob ich nicht richtig angezogen bin oder dass meine Ärmel zu kurz sein könnten!

Irananders: Hatten Sie Momente der Angst in Iran?

Danielle Murdoch: Nein, außer einem Zwischenfall an der iranisch-pakistanischen Grenze habe ich mich in diesem Land als Frau kein einziges Mal unsicher gefühlt.

Irananders: Es gab ein Zwischenfall?

Danielle Murdoch: Ja, die Einreise in Iran war sogar die schlimmste Erfahrung meines Lebens. Das will ich wirklich nie wieder wiederholen müssen. Nur ein Mann an der Grenze konnte Englisch sprechen, und das auch nur sehr begrenzt. Er versuchte, mich zu betrügen. Ich habe mehrere Stunden an der Grenze warten müssen und dann mehrere Stunden in Zahedan.

Irananders: Ok, und was war ihre schönste Erfahrung in Iran?

Danielle Murdoch: Die einheimischen Menschen zu treffen und in so viele Herzen und Häuser eingeladen zu werden.

Irananders: Würden Sie dann den Leuten in Europa und in Australien eine Reise in Iran empfehlen?

Danielle Murdoch: Natürlich würde ich das! Ich habe eine sehr schöne Zeit in Iran, trotz des Zwischenfalls an der Grenze. Ab da wurde ohnehin alles besser! Und ich würde liebend gerne in fünf Jahren mit ein paar Freunden wiederkommen und ihnen all diese wunderbaren Dinge zeigen, die die Iraner hier anzubieten haben.

Irananders: Was hat Sie denn am meisten von Iran überrascht, oder was haben Sie von diesem Land kaum erwartet?

Danielle Murdoch: Ich war davon überrascht, wie entwickelt Iran ist. Ich habe ein Dritte-Welt-Land erwartet und sah eines, das meinem eigenen Land ähnlich war!

Irananders: Vermutlich zur Überraschung vieler Westler gibt es in Iran das Gastfreundschaftsnetzwerk CouchSurfing. Sie haben durch dieses Portal eine Gelehrtenfamilie kennengelernt und verbrachten mehrere Tage bei ihr. Können Sie uns von Ihren Erfahrungen bei einer solchen religiösen Familie erzählen?

Danielle Murdoch: Die Gelegenheit, bei so einer Familie im Haus verbleiben zu dürfen, ist eine, über die ich mich gefreut habe und die ich nicht missen möchte. Wenn ich durch die Straßen gegangen bin und all diese Frauen in ihrem schwarzen Tschador gesehen habe, bin ich nicht drum herum gekommen zu denken, dass dies unterdrückte und bedrückte Frauen seien. Als ich aber in das Haus dieser iranischen Familie gekommen bin, habe ich festgestellt, dass man dort die wirkliche Persönlichkeit der Frauen in Irans Gesellschaft kennenlernt. Das war ein großes Aha-Erlebnis für mich. Ich war so in der Lage, ein bisschen Zeit mit ihnen zu verbringen, um festzustellen, dass sie genau wie ich sind.

Irananders: Können Sie uns sagen, wie Sie die Beziehung zwischen Mann und Frau dort empfunden haben?

Danielle Murdoch: Ich habe gesehen, dass der Mann aufrichtig seine Frau und seine Familie liebt. Das ist in meinem Land auch nicht unüblich. Was aber unüblich ist, ist, dass die Frau in einer traditionellen Familie alles für den Mann tut, während der Mann sicherstellt, dass es der Frau, die Familie und im Haus an nichts fehlt. In meinem Land teilen sich der Mann und die Frau das alles meistens gleich auf.

Irananders: Frau Murdoch, recht herzlichen Dank für das Interview und eine gute Weiterreise.


Das Interview wurde im Herbst 2011 geführt. Derzeit befindet sich Frau Murdoch auf ihre Weltreise in Ostafrika.


Abdullah0215-06-12

ich hoffe das Frau Murdoch in 5 Jahren ein freies Demokratisches Iran besuchen kann , indem jede Frau für sich selbst entscheiden darf ob sie wie eine Mumie oder wie eine freier Mensch rumlaufen darf. Ich Hoffe das in 5 Jahren uns noch viele viele weitere Torristen besuchen, weil man (Frau) dann freie Menschen erlebt die sich keinem religiösen Faschismus unterordnen müssen....

surfen16-06-12

ich war auch 2 mal im iran und will wieder gerne zurück in dieses wunderschöne land, aber es kann nicht über die tatsache hinweg täuschen, dass in diesem wunderschönen land, menschen das land regieren, die menschenverachtende sachen treiben, die gott bzw. allah nicht möchte, oder ist es ok das kinder getötet, oder frauen mit säure verletzt werden und die frau zählt nur die hälfte vor dem gericht und der mann hat alle recht???

das hat doch nichts mit normalen verhältnissen zu tun.

das ist leider schade was in diesem wunderschönen land passiert

Reisebüro19-06-12

Was bedeutet wie eine freier Mensch zu laufen? Gilt es auch, wenn man nackt rum läuft und daher öffentlichen Ärgernis hervorruft?

Alle Touristen, die in Iran gereist haben, erzählten mir nie etwas von Fraun mit Säure ins Gesicht oder von getöteten Kinder. Also ob solche äußerste Seltenheiten Alltag im Iran wären.

siglinde20-06-12

@abdullah2
Ihr Zitat :
"ich hoffe das Frau Murdoch in 5 Jahren ein freies Demokratisches Iran besuchen kann , indem jede Frau für sich selbst entscheiden darf ob sie wie eine Mumie oder wie eine freier Mensch rumlaufen darf."

Ihr Zitat zeigt eindeutig, dass es im Iran keine Freiheit geben wird, wenn Leute wie Sie an der Macht sind, denn Sie haben soeben religiöse Frauen als unfrei und Mumien betitelt. Und genau diese Wertigkeit, die solche Menschen hier reinbringen zeigt, dass es ihnen nicht um die Rechte der Frau geht. Vielleicht geht es Männern wie die es einfach nur darum, Frauen angaffen zu können :D oder sie haben kein anderes Ventil Ihren Hass gegen eine göttliche Ordnung kund zu tun; ersteres wäre ja noch normal.

Anonym20-06-12

Iran hat das Potential weltweit Millionen Touristen zu attrahieren. Leider möchten viele Touristen kein Land besuchen, dessen Führer, ein Kalifat etabliert haben, und die Menschen unterdrücken. Die Islamisten haben versagt. Mögen sich die Iraner aus den Klauen dieser geldgierigen Mullahs befreien

Le Mec@Reisebüro20-06-12

Ganz vielleicht kommt es ja ganz anders und in fünf Jahren sind die exil-iranischen Hasser der Islamischen Republik und ihre Konsorten nach dann 38 Jahren endlich zur Erkenntnis gekommen, dass die Islamische Republik nicht einfach verschwinden wird und noch mit Hilfe ihrer mutigen Bevölkerung viele andere Länder, die sich heute als die moralisch überlegenen Könige der Welt aufspielen überdauern wird. Dieses Szenario ist aber sehr unwahrscheinlich (also, dass die Iran-Hasser in 5 Jahren realistischer sind als heute)

(von Moderation chiffriert)20-06-12

wie viel gehirn muss man haben, [...]

MODERATION: Bitte bleiben Sie sachlich und argumentativ.

Adel21-06-12

Lieber Le Mec, ich muss ehrlich sagen, dass ich hoffe, dass ich in 5 Jahren mitten in Tehran an einem Pissior namens Mauseleom Seyed Ali Khamenei meiner Blase entledige.

Noch mehr wünsche ich, dass dieser Wunsch niemals in mir erlöscht. Nicht solange ich lebe. Es sind die Träume und Sehnsüchte nach unserer Heimat, die uns noch leben lässt.

Humanist25-06-12

@ Adel,

schade um Ihr Urin...
Aber diese Mullahs werden die Iraner nie vernichten können, egal wie sehr sie es versuchen.
Und ein Gutes hat ihre Diktatur. Die Iraner haben den Islam kennengelernt.

Le Mec@Adel26-06-12

Sie werden mit dieser Einstellung enttäuscht von einem Leben, das einer Illusion nachhing.

sarbaze rahbar-basijisupporter27-06-12

in 5 jahren wird es nicht mal mehr das wort "opposition" im wortschatz der iraner geben, denn da werden alle antellektuellen moechte gern revoluzzer gehaengt sein oder nach los angeles oder london verjagt sein. erstaunlich ist das frau murdoch viel iranfreundlicher ist als die iranischen exilratten. sie sieht im islam keine befremdliche religion, sie hat selbst die grossartige gastfreundschaft einer gelehrtenfamilie kennengelernt und weis jetzt, das der glorreiche islam aus uns iraner menschen gemacht hat, was keine andere religion je vermoegen koennte. wir haben arierkult und sekterieretum abgeschuettelt und uns durch die botschaft des islam vom joch des westens befreit. sie hat festgestellt, das der muslimische mann, mann genug ist seine familie zu managen und nicht wie verweichte waschlappen, wie sich viele exilratten das maennerbild wuenschen, benehmen.
interresant finde ich murdochs erfahrung an der iranischen grenze. erst kuerzlich hat ein arabischer freund mit berichtet, wie freundlich iranische grenzsoldaten zu ihm waren und als er die grenze zum irak ueberquerte, wurde er von seinen eigenen landsleuten aufs uebleste behandelt.

siglinde28-06-12

Aber auch Frau Murdoch ist verseucht vom Mainstream.
Ihr Zitat:
"Was aber unüblich ist, ist, dass die Frau in einer traditionellen Familie alles für den Mann tut, während der Mann sicherstellt, dass es der Frau, die Familie und im Haus an nichts fehlt. In meinem Land teilen sich der Mann und die Frau das alles meistens gleich auf. "
In der brd teilen sich Mann und Frau eben nicht alles gleich auf, sondern die Frau kümmert sich um Haus, Kinder und Geldverdienen, sie ist doppelt und dreifach belastet; ich sehe das doch ständig, wie verlogen diese Mainstreampropaganda ist und die Frau hier tatsächlich ausgebeutet wird. In einer traditionellen Familie werden da schon eher die Aufgaben aufgeteilt, nämlich indem sich die Frau um die Angelegenheiten intern kümmert und der Mann um die Angelegenheit extern. Was die Frau da angeblich für den Mann tut, tut sie letztendlich für das Wohlergehen der Familie und vielleicht liebt die iranische Frau ja auch ihren Mann;-)

zahra01-07-12

zum glück wird allah,erhaben ist er, jedem das zukommen lassen was er verdient.diese gewissheit und die tatsache,das die iri stärker ist als die medien uns weismachen wollen,lässt mich gaaaanz ruhig und zufrieden werden.
als ich in iran war hab ich mich zum ersten mal frei gefühlt..ich konnte dinge kaufen an denen nicht das blut ausgebeuteter menschen/kinder klebt.
ohne schlechtes gewissen den zionismus und die unterdrückung der palästinenser zu unterstützen..man war ich frei davon immer als objekt wahrgenommen zu werden
alles lob gebührt allah

Adel03-07-12

zahra, das was Sie gekauft haben. Stand da zufällig made in china drauf? :-))




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