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13.06.2012 Mahmoud Ayad

Iran: Auswirkungen der Öl-Sanktionen


Öl-Sanktionen der EU gegen Iran

Widersprüchliche Berichte über die Wirksamkeit der Öl-Sanktionen: Es wird sich noch herausstellen, ob diese ökonomisch kontraproduktiv sind.

Anfang des Jahres hatte die EU ein Öl-Embargo gegen Iran beschlossen, das am 1. Juli 2012 in Kraft treten soll. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin äußert in seinem jüngsten Bericht Zweifel an der Wirksamkeit dieser europäischen Sanktionierung von iranischem Öl.

Von den Rohölexporten der Islamischen Republik Iran war bisher ein Drittel in die EU-Staaten gegangen, wobei Deutschland weniger als 5 Prozent seines Rohöls aus Iran bezog. Länder wie Spanien und Griechenland sind derweil mit rund 13 bis 14% abhängiger von den iranischen Importen. Bei diesen Zahlen würde Europa und seine Volkswirtschaften den Ausfall iranischen Öls verkraften können. Dabei ist dennoch zu berücksichtigen, dass Iran für Europa bisher die größte Rohölquelle unter den Golfstaaten gewesen ist. Darüber hinaus müsste bei den Ersatzlieferungen aus anderen Ländern berücksichtigt werden, dass Ölsorten von vergleichbarer Qualität herangezogen werden, da die europäischen Raffinerien zu einem wichtigen Teil auf das qualitativ hochwertige iranische Öl spezialisiert sind. Vergleichbares Rohöl könnten etwa Saudi Arabien oder Kuwait liefern, was allerdings kurz- bis mittelfristig mit Engpässen und Preiserhöhungen einhergehen könnte.

Iran wird es dem Bericht zufolge höchstwahrscheinlich gelingen, die negativen Auswirkungen des Öl-Embargos - durch die Umlenkung seiner Exporte in asiatische Länder - abzumildern. Schwergewichte wie Indien oder China, aber auch die Türkei, haben sich den westlichen Sanktionsmaßnahmen, die außerhalb der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats entschieden wurden, verschlossen. Allerdings könnten hier dennoch Probleme für die Iraner auftreten, da das europäische Embargo auch die Versicherung von Öltankern betrifft. Das ist für die Islamische Republik und die Importeure problematisch, weil der Großteil der maritimen Transportversicherungen von westlichen Versicherern übernommen wird. Einem Bericht des englischsprachigen iranischen Senders Press TV zufolge bereitet die japanische Regierung derweil ein Gesetz vor, welches eine Versicherung der iranischen Tankertransporte durch den japanischen Staat ermöglicht. Berichte über einen Ersatz westlicher Versicherer gibt es auch von chinesischer Seite.

Einen Vorsprung haben die Iraner gegenüber ihren Konkurrenten am Golf beim Wachstum der Exporte von Erdölprodukten. Bei allen Golfanrainerstaaten - außer Iran und Katar - sanken die Ausfuhren solcher Produkte zwischen 2006 und 2010, bei Saudi-Arabien sogar um mehr als 20 Prozent. Erdölprodukte haben gegenüber Rohöl den Vorteil, dass der Verarbeitungsprozess des Rohstoffs (zumindest zu einem Teil) innerhalb der Landesgrenzen vollzogen wird und sich weitaus stärker als der Rohölexport positiv auf die heimische Wirtschaft auswirkt. Auch der Verbrauch von Mineralölprodukten wuchs nur bei den Ländern Iran und Kuwait langsamer als die Produktion. Es gelang der Islamischen Republik, die jahrelang auf den Import von Mineralölprodukten zurückgreifen musste (besonders bekannt sind die Importe von Kfz-Kraftstoffen), diese deutlich zu reduzieren und zum Teil sogar gänzlich durch die heimische Produktion zu ersetzen. Der steigende heimische Verbrauch von Mineralölprodukten wurde durch die 2010 eingeleitete Subventionsreform der Regierung eingedämmt. Die Reform sieht vor, Verteuerungen, die vor allem auf den Abbau der Subventionierung solcher Produkte wie Benzin zurückzuführen sind, durch Direktzahlungen an die Allgemeinheit auszugleichen.

Westlichen Medienberichten zufolge leide Iran aber dennoch bereits jetzt unter den Auswirkungen des Embargos. Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent bei Gütern des täglichen Bedarfs, würden den Bürgern Irans zu schaffen machen. Solche Preissteigerungen sind aber möglicherweise auch auf die oben erwähnte Subventionsreform zurückzuführen. Mit einer Rückführung der Produktion auf das Niveau des Rekordjahres 2008 ist für Iran jedenfalls auch in Zukunft laut DIW tatsächlich nicht zu rechnen. Vor allem in Saudi-Arabien wird es einen merklichen Produktionsanstieg – nicht zuletzt auch aufgrund der Ersatzlieferungen für iranisches Öl – geben, während die iranische Produktion sich auf dem derzeitigen Niveau halten dürfte, zumal als Ultima Ratio der iranische Öl-Handel über Drittländer oder den Schwarzmarkt weiter abgewickelt werden kann, die wohl dann kaum in den offiziellen Statistiken Eingang finden würden.


Le Mec14-06-12

Die westlichen Medienberichte, die im letzten Absatz erwähnt wurden, würde ich mit vorsicht genießen. Ein Beispiel:
http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/art15,902859

Hier werden nämlich zwei Sachen durcheinander geworfen: Der sinkende Öl-Preis und das Öl-Embargo. Der sinkende Öl-Preis ist meiner Meinung nach vor allem auf zwei Dinge zurückzuführen:

1. Die Krise, die Europa getroffen hat. Es machen Studien die Runde, denen zufolge sogar die deutsche Wirtschaft 2013 möglicherweise in eine Rezension rutscht, d.h. schrumpft! Das bedeutet nichts anderes alös eine voraussichtlich stark sinkende Nachfrage nach Rohöl, ganz unabhängig von den iranischen Exporten. Dem Importausfall aus Iran müsste angesichts dessen eigentlich ein Ölpreisanstieg folgen und nicht eine Senken. Richtig hätte die Schlagzeile heißen müssen: "Auch Iran könnte indirekt den Knick in den europäischen Wirtschaften zu spüren bekommen". Dass die Ölpreise sinken ist für Iran eigentlich nicht das Aufkommen eines großen Übels, sondern eher die Abschwächung eines großen Segens. Die iranischen Kassen sind meines Wissens nach voll und der Staat kann einen sinkenden Ölpreis für einige Jahre, vielleicht sogar noch länger aushalten, da es eigentlich nur eine Rückkehr zum Status quo ante ist.

2.Vermutlich ist er auch darauf zurückzuführen, dass sich Irak langsam aber sicher erholt und als einer der größten Anbieter wieder auf dem Markt ist. Ein Anbieter mehr heißt immer, dass der Preis sinkt. Vor allem in Verbindung mit sinkender Nachfrage (Punkt 1.) wird diese Wirkung noch verstärkt.

zahra15-06-12

@le mec
hallo
danke für die erläuterung.klingt plausibel und vor allem beruhigend.

Le Mec15-06-12

Nichts zu danken zahra

Mohsen16-06-12

Mich würde intressieren, welchen Ölpreis der Iran für die Kalkulation des Staatshaushaltes zur Grunde gelegt hat?

Leo0223-06-12

@mohsen

meines wissens nach wurde das diesjährige budget bei einer festlegung von 85 dollar das barrel verabschiedet






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