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11.10.2011 Übersetzt von Fatima Radjaie

Interview über das iranisch-saudische Verhältnis


Iran und Saudi-Arabien

Zwei Regionalmächte am Golf: Iran und Saudi-Arabien

Es folgt ein Interview der Zeitschrift Mosallas (Dreieck) mit Kayhan Barzegar, dem Direktor des iranischen Instituts für Strategische Studien zum Nahen und Mittleren Osten, Mitglied der Fakultät für Wissenschaft und Forschung der Islamischen Azad-Universität in Teheran.

Mosallas: Was ist der wichtigste Faktor, der sich - nach der saudischen Intervention in Bahrain - auf die Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien auswirkt?

Dr. Kayhan Barzegar: Ich denke, die wichtigste Variable, die sich auf die Beziehungen Irans mit Saudi-Arabien auswirkt, ist das Bemühen beider Länder, ihre Rolle und ihren Einfluss in der Region zu steigern - durch die Rivalität in zwei wichtigen Bereichen zur Wahrung ihrer „Werte“ und „Interessen“. Was den Schutz von Werten und ideologischen Fragen anbelangt, dreht sich die andauernde Rivalität zwischen den beiden Ländern um die Unterstützung bzw. mangelnde Unterstützung für die Schiiten in der Region. Wenn es um die Interessen geht, sind Fragen wie das Kräfteverhältnis, die Energiesicherheit oder die Präsenz von fremden Truppen die wichtigsten Belange. Die Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien basieren auf zwei Themenbereichen. Der Erste davon sind sicherheitspolitische Relationen im Persischen Golf, die in direkter Verbindung stehen mit der Stabilität und der gestärkten Rolle beider Staaten in der Region. Die zweite Art von Beziehungen betrifft die ganze Region des Mittleren Ostens und dreht sich um ideologische Werte oder sogar um eine Kombination aus Interessenwahrung und Werten. Die beiden Staaten sind bereits seit Jahrzehnten Rivalen in diesen Variablen - sogar während der Schah-Zeit, als sowohl Iran als auch Saudi-Arabien Stützpfeiler der amerikanischen Politik in dieser Region waren. Im Fall des Dhofar-Krieges beispielsweise, als Iran zur Bekämpfung der Kommunisten in dieser Gegend Truppen entsandte, brachten die Saudis ihre Besorgnis über die mögliche Dominanz Irans über die Arabische Halbinsel und den gesamten Persischen Golf zum Ausdruck. Sie waren die ganze Zeit hindurch misstrauisch gegenüber der zunehmenden Rolle und dem wachsenden Einfluss Irans in der Region. Als der Krieg zwischen Iran und Irak ausgebrochen war, sammelte Saudi-Arabien all die winzigen Staaten des Persischen Golfs um sich, um den Golfkooperationsrat (GCC) zu gründen, und sie stellten dem Saddam-Regime Hilfe in Milliardenhöhe zur Verfügung. In der Theorie war der Rat nur zur Verteidigung der Sicherheit der Mitgliedsstaaten gegen eine ausländische Invasion eingerichtet worden. Natürlich war einer der Hauptgründe für die Einsetzung des Rates die möglichen Auswirkungen der Islamischen Revolution von 1979 auf die Machtstrukturen in der Region. Diese Rivalität hat sich bis zur Gegenwart fortgesetzt. Im Endeffekt konkurrieren Iran und Saudi-Arabien immer noch um die Stärkung ihrer Rolle in der Region miteinander, obwohl sie sich gegenseitig als Regionalmächte anerkennen. Seit einigen Jahren nun war die Konkurrenz zwischen den zwei Ländern in der Region darauf ausgerichtet, eine Balance zwischen der Bewahrung ihrer Werte und Interessen zu schaffen. Diese Charakteristik ist auch in der gegenwärtigen Situation in Bahrain deutlich erkennbar oder als Iran und Ägypten während des Arabischen Frühlings beschlossen, ihre Beziehungen zu verbessern, wobei behauptet wird, dass Saudi-Arabien Milliarden Dollar ausgegeben hat, um die ägyptischen Eliten und Staatsmänner davon zu überzeugen, ihre Distanz zu Iran beizubehalten. Daher hat diese Rivalität schon seit längerer Zeit bestanden und sie hat mit der Regierungsform in Teheran und Riad wenig zu tun. Zuweilen jedoch hat sie zur „Konfrontation“ geführt, so wie in der jetzigen Konfrontation zwischen Teheran und Riad aufgrund der Entwicklungen in der Arabischen Welt, insbesondere wegen Bahrain. Zu anderen Zeiten war dieses Konkurrenzverhalten durchaus konstruktiv, wie die erweiterten bilateralen Beziehungen unter dem früheren iranischen Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani gezeigt haben. Demnach hat immer ein gewisser Grad an Rivalität zwischen den beiden Ländern existiert, weil beide darum bemüht sind, ihre Rolle und ihren Einfluss in der Region zu stärken. Dazu gehört genauso das Problem der Verstrickung der USA, die Saudi-Arabien unterstützen, Iran aber feindselig gegenüberstehen. Dieses Problem allein kompliziert die bestehende Rivalität.   

Mosallas: Die letzten Monate hindurch hat Saudi-Arabien Waffen im Wert von 60 Milliarden Dollar vom Westen bestellt, die meisten davon von den USA. Einige westliche Medien berichteten, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten Pläne zur Bildung eines Raketenschildes gegen Iran angefertigt haben. Saudi-Arabien hat zusätzlich bei regionalen Entwicklungen interveniert. Die saudischen Vertreter haben Iran sogar in einem Fall bedroht. Würden Sie Saudi-Arabien als Bedrohung für die nationale Sicherheit Irans einschätzen?

Dr. Kayhan Barzegar: Die militärischen Kapazitäten sind nicht das einzige Kriterium, um zu beurteilen, ob Saudi-Arabien eine Gefahr darstellt oder nicht. Stattdessen sollte man auch politische, sicherheitspolitische und geheimdienstliche Fragen berücksichtigen. Meiner Auffassung nach mangelt es Saudi-Arabien an der militärischen Fähigkeit und dem Sinn für Strategie, um Iran zu bedrohen. Ich meine, dass sie zwar moderne Waffen besitzen mögen, aber ich habe wirklich Zweifel daran, ob sie diese auch effektiv gegen Iran einsetzen könnten. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass die kuwaitischen Truppen während des Überfalls von Saddam auf Kuwait im Jahre 1990 nicht genügend motiviert waren, um auch nur für ein paar Tage Widerstand zu leisten. Sie sind einfach geflohen. Das gleiche ist Saudi-Arabien passiert. Ein Bataillon von Saddams Truppen, bestehend aus ca. 250 Soldaten und einigen Panzern, griff die saudische Stadt Khafji, die 250 km  an der östlichen Grenze im Landesinneren liegt,,, an und hielt sie mehrere Tage lang besetzt.  

Saudi-Arabien konnte sie nur durch militärische Unterstützung der USA vertreiben. Folglich stellt Saudi-Arabien kaum eine ernsthafte militärische Bedrohung für Iran dar, der über eine erfahrene, starke und motivierte Armee verfügt. Natürlich sollte man berücksichtigen, dass die Saudis das nicht brauchen, weil es für militärische Aktionen gegen Iran keinen Platz in den Sicherheitsstrategien des Landes gibt. Saudi-Arabien kann die Sicherheit und die nationalen Interessen Irans jedoch in anderer Weise bedrohen. Das wäre der Fall, wenn Saudi-Arabien den USA sein Waffenarsenal und seine Militärbasen in einem möglichen Kriegsfall zur Verfügung stellen würde oder durch die Lagerung von Waffen die Möglichkeit von Instabilität, Spannungen und Krieg in der Region potentiell erhöhen würde. Ein Grund für die Fortdauer des Iran-Irak-Krieges war die Anhäufung von Waffenarsenalen in beiden Ländern. Hinsichtlich der Bestellung von Waffen im Wert von 60 Milliarden Dollar muss man feststellen, dass es eine besondere Beziehung zwischen der Militärindustrie der USA und den Führungskräften der Saudis für Politik und Sicherheit gibt. Das mag der Preis dafür sein, den die Saudis für die Gewährung von politischem und militärischem Schutz durch die USA entrichten müssen. Wenn die westlichen Staaten sicher wären, dass Waffenverkäufe an Saudi-Arabien stattliche Gewinne für sie bedeuten, wären sie bereit, die herrschenden Eliten dort unter ihren Schutz zu stellen, die als Instrument bei der Umsetzung von US-Strategien zur Kontrolle über Iran dienen. Dies sind indirekte, aber ernsthafte Bedrohungen für die nationale Sicherheit und Interessen Irans.

In Bezug auf die politische Einflussnahme der Saudis denke ich indessen, dass ihre Außenpolitik sehr gut ausgeklügelt ist - bis hin zu einem Maße, in dem sie zu einer ernsthaften Bedrohung Irans werden könnte. Die letzten Jahre hindurch hat Saudi-Arabien drei Methoden angewandt, um seine außenpolitischen Ziele zu erreichen: das Geld aus dem Erdölhandel und die Bereitstellung finanzieller Mittel, die wahabitische Ideologie und die Lobbyarbeit für beides auf regionaler wie auf internationaler Ebene. Obwohl die Ideologie der Wahabiten und die Menschenrechtslage in diesem Land für die öffentliche Meinung in der Region wie auch  im internationalen Rahmen nicht akzeptabel ist, haben es die Saudis geschafft, eine erfolgreiche Außenpolitik zu führen. Die Einwirkung auf die irakische Politik ist dafür ein gutes Beispiel. Während der Parlamentswahlen vom März 2010 im Irak hatten die Saudis die Zügel in der Hand, indem sie eine Menge Geld ausgaben, die Medien mobilisierten und Lobbyarbeit bei den Staaten der Region sowie im Westen leisteten, um Ayad Allawi, einen schiitischen Führer, an die Spitze der Al Iraqiya - einer sunnitischen  Partei - zu installieren. Al Iraqiya wurde schließlich die Partei mit dem höchsten Stimmenanteil und gewann die Parlamentswahl. Diese Entwicklung weitete die vorhandenen Differenzen zwischen den politischen Kräften der Schia aus und verzögerte die Etablierung der irakischen Regierung um acht Monate. Sie brachte gleichzeitig eine schwache schiitische Koalition an die Spitze der irakischen Regierung - ein großer Durchbruch für die saudische Außenpolitik in einem Land, das von einer schiitischen Mehrheit dominiert wird. Saudi-Arabien hat es durch seine Lobby-Arbeit ebenfalls geschafft, für seine Intervention in Bahrain von den USA grünes Licht zu bekommen. Ein derartiges Saudi-Arabien wird wohl keine militärische Bedrohung für Iran darstellen, aber seine politischen und militärischen Maßnahmen können zu realen Bedrohungen für Irans nationale Sicherheit werden - sowohl im Persischen Golf als auch im gesamten Mittleren Osten. Deshalb sollten die Beziehungen mit Saudi-Arabien sorgfältig konstruiert werden, denn das saudische Königreich kann bei politischen und sicherheitsrelevanten Fragen der Region nicht ignoriert werden. Folglich sollte sich Iran, um mögliche Konflikte zu vermeiden, um ein wohl kalkuliertes Zusammenwirken mit diesem Land bemühen.

Mosallas: Man geht grundsätzlich davon aus, dass der Zusammenbruch eines arabischen Staates am Persischen Golf bei den anderen zu einer  Art Dominoeffekt führen würde. Deswegen hat Saudi-Arabien Truppen nach Bahrain entsandt, um zu zeigen, dass es fest entschlossen ist, jeden Preis zu bezahlen, um seine Interessen zu wahren; und – noch wichtiger – eine weitere Stärkung der Rolle, die Iran in der Region spielt, zu verhindern. Welchen Nutzen können die Beziehungen mit Saudi-Arabien für die nationale Sicherheit Irans und das vorhandene Kräftegleichgewicht in der Region bringen?

Dr. Kayhan Barzegar: Saudi-Arabien hat zur Kenntnis genommen, dass die Bildung einer schiitischen Regierung in Bahrain auf die schiitische Bevölkerung des Landes Einfluss ausüben würde. Daher hatte Saudi-Arabien nur eine strategische Wahl in Bahrain: die Krise einzudämmen und zu verhindern, dass sie nach Saudi-Arabien überschwappt und dabei die in den östlichen Landesteilen lebenden Schiiten in ihren Bann zieht. Deshalb ergriffen die Saudis die Initiative durch die Entsendung ihrer Truppen. Dies bedeutet nicht zwangsweise, dass Saudi-Arabien seinen militärischen Einfluss ausdehnt; es strebt vielmehr danach, seine Rolle zu stärken, um seine relative Sicherheit in defensiver Form zu bewahren. Saudi-Arabien ist wahrscheinlich zu dem Schluss gekommen, dass die saudischen Truppen Bahrain verlassen sollten, wenn die Krise unter Kontrolle ist. Eine längere militärische Anwesenheit in Bahrain  würde an den wahren Absichten der Saudis Zweifel aufkommen lassen und dabei zu einer Konfrontation zwischen Schiiten und Sunniten führen, welche die ganze Region destabilisieren könnte. Bei der Kontrollnahme über die Krise in Bahrain war Saudi-Arabien clever genug, verfügbare Mittel einzusezten (Geld, Lobby-Arbeit, die Medien) um eine innenpolitische Frage, die ihre Wurzeln in ökonomischen, politischen und sicherheitsrelevanten Problemen in Bahrain hatte,  in eine  Bedrohung aus Iran umzuwandeln. Mit anderen Worten: der Aufruhr in Bahrain wurde dem wachsenden Einfluss Irans in der Region zugeschrieben. Riad benutzte seine Medien auch dazu, um andere Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) wie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate davon zu überzeugen, sein Anliegen im Rahmen der „Peninsula Shield Force“ zu unterstützen. Diese Kräfte waren ursprünglich dazu vorgesehen, in dem Fall einzugreifen, wenn ein Mitgliedsstaat von einer fremden Macht bedroht würde. Aber wir wissen, dass die andauernde Krise in Bahrain für alle Anrainerstaaten des Persischen Golfs - einschließlich Saudi-Arabiens - eine Herausforderung darstellen kann, trotz seiner Dominanz über die fortlaufenden Entwicklungen des Rates.

Einige Experten in den Vereinigten Staaten neigen zu dem Glauben, dass in den künftigen Beziehungen zwischen Washington und Riad Schwierigkeiten auftreten werden. Sie argumentieren damit, dass man von Iran erwartete, die Initiative im „Arabischen Frühling“ zu ergreifen und jene Entwicklungen zu seinen eigenen Gunsten zu steuern. Es sieht jedoch danach aus, dass Saudi-Arabien gegenwärtig den Lauf der Dinge bestimmt und versucht, das Ausmaß dieser Aufstände so weit wie möglich einzugrenzen. Sie gehen auch davon aus, dass sich Saudi-Arabien als großes Hindernis erweisen wird, falls die USA wirklich versuchen, ihre Strategie gegenüber früheren Alliierten der Region zu ändern und sich auf den neuen demokratischen Wandel konzentrieren. Das mag stimmen, aber man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass aufgrund der starken gegenseitigen Abhängigkeit - wie auch der besonderen, tief verwurzelten Beziehungen - Washington und Riad neue Wege finden werden, um künftige Beziehungen auszubauen; und es ist unwahrscheinlich, dass ihre Interessen aufeinander prallen. Vielleicht versuchen die USA auf Veränderungen in Saudi-Arabien hinzuwirken, aber sie werden niemals einen grundlegenden Wandel anstreben. Washington legt großen Wert auf Stabilität im Persischen Golf und Saudi-Arabien kann immer noch ein verlässlicher arabischer Alliierter sein - auf einer Linie mit der traditionellen Strategie der Vereinigten Staaten, ein Kräftegleichgewicht in der Region herzustellen. Saudi-Arabien ist auch eine wichtige Komponente der US-Politik, um Iran in Schach zu halten. Iran hat unterschiedliche Ansichten zu Politik und Sicherheit mit den USA. Saudi-Arabien kann beispielsweise den Entspannungsprozess zwischen Teheran und Kairo aufhalten, was auch ein bevorzugtes Ziel der USA ist. Daher fällt es schwer zu glauben, dass Saudi-Arabien jemals versuchen wird, die amerikanischen Interessen in der Region herauszufordern.

Mosallas: Wenn die jüngsten Entwicklungen auf Saudi-Arabien übergreifen und es zu einem Machtwechsel in dem Land kommt, was wären dann die möglichen Konsequenzen für Iran und wie könnte Iran mit einer möglichen Krise, die von den Auseinandersetzungen in Saudi-Arabiens Machtstruktur herrühren, zurechtkommen?

Dr. Kayhan Barzegar: Eine Umschichtung der Machtstruktur in Saudi-Arabien würde nicht automatisch bedeuten, dass die künftige Regierung Iran gegenüber wohl gesonnen wäre. Wenn sich diese Regierung aus der Mittelklasse und den unabhängigen nationalen Eliten zusammensetzen würde, könnte sie immer noch  mit Iran  über die Stabilität der Region und die Rolle und den Einfluss, den die beiden Länder in den politischen Angelegenheiten der Region innehaben könnten, in Streit geraten. Natürlich ist wohl jede saudische Regierung Iran gegenüber positiver eingestellt als die gegenwärtige. Zumindest werden sie keine anti-iranische Politik verfolgen, wie die Vereinigten Staaten es jetzt von der saudischen Regierung erwarten. Dies wiederum bedeutet nicht, dass Saudi-Arabien zu 100 % Iran freundlich zugeneigt ist. Tatsächlich wird Saudi-Arabien eine Rolle in der Region spielen, die zu Rivalitäten führen kann, wobei der Konkurrenzkampf mit einer ausgeglicheneren Regierung jedoch mehr konstruktiver als feindlicher Natur sein kann. Wie auch immer, Iran und Saudi-Arabien sind durchwegs Rivalen gewesen, und das nicht nur wegen  ihres Wertesystems, sondern als ein Resultat von Fragen der Machtpolitik, des Kräftegleichgewichts, der Führung von regionalen Strömungen usw.. Die politischen Strukturen und die Machtpolitik in beiden Ländern und in der Region sind derartiger Natur, dass sie noch für viele zukünftige Jahre Rivalen bleiben werden. 

Mosallas: Laut dem Wall Street Journal haben die saudischen Vertreter mit Reisen nach Asien und Europa begonnen, um die Staaten und Nationen (einschließlich Pakistan, Indien, China, Malaysia, Indonesien und sogar Zentralasien) gegen Iran zu mobilisieren. Was macht Iran in der Zwischenzeit? Hat Iran irgendwelche individuellen oder kollektiven Schritte unternommen, um den saudischen Einfluss oder die saudischen Drohungen abzuschwächen? Wird die saudische Aktion in Bahrain dazu beitragen, die Krise in andere Länder der Region hineinzutragen, da jene Länder sich hinsichtlich ihrer politischen Machtstruktur nicht wesentlich von Bahrain oder vom Jemen unterscheiden?

Dr. Kayhan Barzegar: Ein Bestandteil der regionalen Politik und des Sicherheitssystems dieser Gegend besteht darin, dass sowohl Iran als auch Saudi-Arabien versuchen, Stabilität herzustellen, aber mit unterschiedlichen, ihnen eigenen Mitteln. Die Saudis behaupten zwar, dass Iran in Bahrain mitmischt, aber in Wirklichkeit hat Iran nicht die Absicht, die Lage in Bahrain radikal zu verändern. Letzten Monat besuchte der iranische Außenminister Dr. Ali-Akbar Salehi einige der Golfstaaten - wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait - um die Spannungen abzubauen. Er hatte auch einen Besuch in Saudi-Arabien geplant; es wurde ihm aber vom iranischen Parlament abgeraten, diesen Besuch zu machen - wegen der militärischen Intervention der Saudis in Bahrain. Iran strebt nicht danach, die geo-politischen Machtverhältnisse und politischen Strukturen in der Region zu verändern, weil das zu unvorhersehbaren Folgen für die Stabilität der Region führen könnte. Iran hat jedoch spezielle Interessen in der Gegend (sowohl hinsichtlich der Wertevorstellungen und der Interessen), und sollte es rivalisierenden Staaten nicht erlauben, diese einfach herauszufordern. Saudi-Arabiens militärischer Einfall in Bahrain ist eine ernsthafte Herausforderung für Irans nationale Interessen und der Iran braucht eine Strategie, um damit umzugehen. Auf der anderen Seite hat Saudi-Arabien seine eigenen Ansichten zur Stabilität. Die Saudis glauben, dass in Bahrain keine schiitische Regierung eingesetzt werden sollte, weil es Saudi-Arabiens Schiiten auf direktem Wege beeinflussen und für das staatliche Fundament des Landes eine Herausforderung darstellen würde. Beide Seiten – Iran und Saudi-Arabien - wissen, dass die dauerhafte Instabilität zu einer Eskalation des konfessionellen Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten in der gesamten Region führen kann. Es ist bekannt, dass dies die schwerste Krise wäre, von der diese Gegend jemals heimgesucht wurde. Aus diesem Grund sind beide Länder bereit, ihre Differenzen beizulegen und auf eine stabile Lage hinzuarbeiten, aber wiederum auf ihre eigene Art. Dies ist die Stelle, an der Iran eine aktive diplomatische Geste unternehmen sollte, um die Krise beizulegen. Iran sollte eine aktive und energische Position bei den regionalen Entwicklungen einnehmen, um sicherzustellen, dass seine Interessen und Werte geschützt sind.

Mosallas: Einige Stimmen sagen, dass Iran sich in einer Art Sackgasse befindet - aufgrund den fehlenden Beziehungen zu den USA, den auferlegten internationalen Sanktionen und den Spannungen mit den Nachbarländern. Meinen Sie, dass diese Situation das Land daran hindert, stärker zu erscheinen? Glauben Sie an eine solche Denkweise?

Dr. Kayhan Barzegar: Nicht unbedingt. Wenn Sie mit Sanktionen und Sackgasse auf die Präsenz von US-Streitkräften in der Region anspielen, so glaube ich, dass dies genau der richtige Zeitpunkt dafür ist, eine aktive Diplomatie zu verfolgen, wenn Iran als ein konstruktiver Spieler auftritt, der es gut versteht, seine Quellen der nationalen Stärke und des regionalen Einflusses einzusetzen, um Lösungen für die Krisen in dieser Gegend zu finden. Die neuen Entwicklungen mögen Iran sogar Möglichkeiten einräumen, mit dem Westen und den Staaten der Region zu einer Einigung über sein Nuklearprogramm zu kommen. Wenngleich Saudi-Arabien guten Gebrauch von seinem Geld und seiner Lobby mit Irans Nachbarländern machen konnte, so sind sich diese doch über die Einflussmöglichkeiten und den Status Irans in der Region bewusst. Saudi-Arabien mag für kurze Zeit Erfolg haben, aber auf lange Sicht gesehen ist sein strategisches Gewicht nicht stark genug, um großen Einfluss auf die Politik der oben erwähnten Staaten auszuüben. Iran sollte Saudi-Arabiens Maßnahmen gegensteuern und zeigen, dass es keinen geopolitischen Wandel oder Regimewechsel in der Region unterstützt. Zur selben Zeit sollte er aber den berechtigten Forderungen von Nationen Beistand leisten. Ein aktiver Spieler sollte eine starke politische Position einnehmen, damit andere Akteure die Rolle, die er im Verlauf der Krise spielt, auch ernst nehmen. Iran kann sich nicht von regionalen Streitfragen fernhalten, insbesondere am Persischen Golf, der von größter strategischer Bedeutung für Irans nationale Interessen und Sicherheit ist. Das Gebiet des Persischen Golfs ist ein Schwerpunkt der internationalen Politik gewesen und spielt eine entscheidende Rolle in der internationalen Energiesicherheit, wobei Iran in dieser Region in kultureller, politischer und ökonomischer Hinsicht seit Tausenden von Jahren vertreten war. Saudi-Arabien, die USA und andere rivalisierende Staaten sollten Verständnis für die Sensibilität Irans haben und konstruktive Schritte unternehmen, um Lösungen für die regionale Krise zu finden, die auch für Iran akzeptabel wären. Auf der anderen Seite sollte der Iran die Tatsache akzeptieren, dass Saudi-Arabien und die USA ebenfalls ihre eigenen Interessen und Bedenken in der Region haben. Iran sollte beweisen, dass er als Regionalmacht die bestehenden Verhältnisse akzeptiert, während er gleichzeitig versucht, seine Rolle in der Politik und Sicherheit zu wahren. Wenn die anderen Parteien die Belange Irans berücksichtigen und seine regionale Rolle akzeptieren, dann wäre es für beide Seiten möglich, einen Ausgleich für ihre Interessen zu schaffen.


Quelle: Zentrum für wissenschaftliche Forschung und strategische Studien zum Mittleren Osten (MERC).

Übersetzt ins Englische von Iran Review am 11. Juli 2011.


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