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21.07.2011 Flynt Leverett und Hillary Mann Leverett

USA verliert zunehmend an Soft-Power im Nahen Osten


US-Präsident Barak Hussein Obama mit Alt-Präsident Georg W. Bush

Die Enttäuschung ist erwartungsgemäß groß: Nach der jüngsten Umfrage ist US-Präsident Barak Hussein Obama in der arabischen Welt unbeliebter als einst Georg W. Bush.

Die neueste repräsentative und seriöse Meinungsumfrage über die öffentliche Meinung in der arabischen Welt, ,,Arab Attitudes, 2011“, durchgeführt von der IBOPE Zogby „International for the Arab American Institute Foundation“, sollte (wird es aber wahrscheinlich nicht) im Weißen Haus als ein Warnsignal angesehen werden - dafür, wie schlecht die amerikanische Nahost-Politik unter Präsident Obama bewertet wird. Die Umfrage, die in sechs Ländern durchgeführt wurde (Ägypten, Jordanien, Libanon, Marokko, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emirate), deckt mindestens drei wichtige Punkte in den gegenwärtigen Auffassungen der Araber auf:

- Erstens: Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Beliebtheitswerte der Amerikaner - nach einem kurzzeitigen Anstieg infolge der Präsidentschaftswahlen 2008 - „in der arabischen Welt wieder stark gefallen sind“. Ein beachtliches Beispiel hierfür ist Ägypten. Hier liegen die Werte derweil bei 5 %. Im Jahr 2009 lagen sie noch bei 30 % und im Jahr 2008, am Ende der Regierungszeit Bushs, bei 9%. Und tatsächlich, in den meisten befragten Ländern (Saudi-Arabien war hier eine Ausnahme) sind die Beliebtheitswerte niedriger als sie es sogar am Ende der Amtsperiode von George W. Bush waren. Und dies ist kein neuer Befund. Denn im Jahr 2010 führte ebenfalls die University of Maryland eine Meinungsumfrage unter den Arabern mit einem ähnlichen Ergebnis durch. Die Zogby Umfrage bestätigt damit den Trend.

- Zweitens: Ganz gleich, welche Hoffnungen die Araber mit der Wahl Obamas und damit einer besseren amerikanischen Nahost-Politik hegten, sie sind jetzt verblasst. Nach der gegenwärtigen Meinung der Araber geht die Einmischung der Amerikaner in der arabischen Welt einher mit der weiteren Besatzung von Palästina als größte Bedrohung für Frieden und Stabilität im Nahen Osten. In den meisten arabischen Ländern liegen die Beliebtheitswerte Obamas sogar noch niedriger als die von Bush jr. am Ende seiner der Amtszeit.

- Drittens: Die arabische Öffentlichkeit (im Gegensatz zu den Eliten) schenkt dem Argument, das von den Vereinigten Staaten und vielen eigenen Regierungen verbreitet wird, die Islamische Republik Iran sei eine ernsthafte Bedrohung der arabischen Interessen, keinen Glauben. Unter den vorgeschlagenen Punkten sahen die Befragten den Punkt „Einmischung Irans in arabische Angelegenheiten“ mit einem signifikanten Abstand als kleinstes Problem für den Frieden und Stabilität im Nahen Osten an. Nur in Saudi-Arabien hat eine hohe Anzahl an Befragten angegeben, dass sie Irans Einmischung als eine ernsthafte Gefährdung der Sicherheit ansehen. Dieser Befund stimmt ebenfalls überein mit der Maryland-Umfrage vom Jahr 2010.

Weiterhin stimmten - mit Ausnahme von Saudi-Arabien - mehr Befragte in der Zogby-Umfrage mit der Aussage überein, dass ,,Iran  zum Frieden und zur Stabilität in der arabischen Welt beiträgt“ als mit der Aussage, dass die ,,USA  zum Frieden und zur Stabilität in der arabischen Welt beitragen“. In vielen Staaten klaffte  die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen Iran und den USA weit auseinander (so z. B. im Libanon, wo 57% der Befragten Iran  einen positiven Einfluss bescheinigen  und im Vergleich dazu nur 16% den amerikanischen Einfluss positiv einschätzen, oder in Ägypten, wo 32% den iranischen, hingegen nur 10% den amerikanischen positiv bewerten). Der Press TV-Bericht über die Zogby-Umfrage erwähnt zudem, dass - nach einer im Juni durchgeführten Umfrage in Deutschland - 45% der Befragten glaubten, dass die Vereinigten Staaten eine größere Gefährdung des Weltfriedens darstellen als die Islamische Republik. Dagegen hielten nur 25% die Islamische Republik für eine größere Bedrohung.

Die erwartete Antwort aus dem Weißen Haus ist leicht vorhersehbar: „Aber Präsident Obama reichte der muslimischen Welt die Hand. Er hielt die Kairo-Rede. Er hielt ein Fastenbrechen im Weißen Haus. Er ist mit in den Libyen-Krieg gezogen, um zu zeigen, dass er beständig die Menge in Kairo am Tahrir-Platz unterstützt hatte. Was sollten wir denn noch tun?“

Aber die neue Zogby-Umfrage, andere Umfragen und Leute, die mit den Menschen im Nahen Osten kontinuierlich im Kontakt stehen, zeigen deutlich: Eine „öffentlich-wirksame Diplomatie“ - oder wie auch immer man die amerikanischen Anstrebungen nennen mag - die bemüht ist, die Öffentlichkeit des Nahen Ostens für Initiativen und Vorstellungen zu gewinnen, die gegen ihre Interessen und Werte sind, funktioniert einfach nicht. Der Schlüssel eines strategischen Erfolgs im Nahen Osten - sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für jedes andere Land - liegt in guter Politik („good policy“), die auf einer nüchternen Einschätzung regionaler Gegebenheiten basiert.

Nicht zuletzt zeigt die Zogby-Umfrage, dass das beliebteste Land derzeit die Türkei unter Ministerpräsident Erdogan und der AKP-Regierung ist. Die Türkei ist ein Land, das trotz  seiner  Mitgliedschaft in der NATO  zugleich Israel dazu aufruft, sich für die fortbestehende Besatzung Palästinas zu verantworten,  es aber ablehnt, sich an die Seite der Vereinigten Staaten zu stellen, wenn es denkt, dass die US-Politik in einigen Bereichen kontraproduktive Wege einschlägt. Das Land hat zudem eine wichtige strategische Beziehung zu der Islamischen Republik entwickelt. Können die Vereinigten Staaten nicht vielleicht daraus eine Lehre für sich ziehen?

® The Race for Iran von 15. Juli 2011; übersetzt von Muhsina Kurratulain


Le Mec21-07-11

Treffende Beschreibung der Lage, super Artikel, hatte ihn schon auf Englisch gelesen.

Schade nur, dass einige Araber noch immer töricht genug sind zu glauben, dass Iran eine Gefahr für sie darstellt. Dieses rassistische Denken, dass "die Perser" der Urfeind der Araber seien kommt noch aus vorislamischen Stammesdenken. Genauso ist aber leider auch manchmal bei einigen nationalistischen Persern ein Hass auf Araber zu beobachten. Gott sei Dank befinden diese sich meistens im französischen, amerikanischen und deutschen Exil

TE21-07-11

Die Iran-kritische Stimmung in Saudi-Arabien ist wohl aber eher dem Salafismus zu verdanken als dem arabischen Nationalismus.

Le Mec21-07-11

Ich habe von vielen arabischen Schiiten, vor allem aus dem Libanon, gehört, dass sie an sich ganz gute Erfahrungen mit der saudischen Bevölkerung gemacht haben, auch nachdem diese wussten, dass sie Schiiten sind. Scherzhaft meinten sogar viele "ach der gute Sayyed Nasrallah, wenn er doch bloß Sunnite wäre". Sympathie gab es jedenfalls. Na klar, der Salafismus trägt auch seinen Teil dazu bei, aber bei vielen ist es einfach plumper Rassismus. Lustig sind auch die Reaktionen, wenn man einem Salafiten, der sich nicht so gut auskennt, klar machen will, dass Bukhari oder Abu Hanifa Perser waren

TE21-07-11

Sie meinen der Nationalismus ist in Saudi-Arabien stärker ausgeprägt als in den anderen arabischen Ländern? Wieso ist dann - laut der Umfrage - die Türkei in Saudi-Arabien aber so sehr beliebt?

Le Mec21-07-11

Nein, ich meine das anti-Persertum. "Al Furs" (الفرس) als die Erzfeinde der Araber steckt noch sehr tief bei manchen Arabern in den Knochen. Das kommt noch aus der Zeit der Sassaniden und hat unter Saddam ein Revival erlebt.

Letzlich ist dieser Rassismus auch nur ein törichter Aspekt unter vielen. Der Salafismus trägt wahrscheinlich sogar den größten Teil zu diesem Unglück bei

Herr Stolte21-07-11

Amen!

David27-07-11

Über die Ergebnisse muss man sich nicht wundern, denn:
Man hat schon in der Verwüstung von Irak und Afghanistan gesehen, wer Freund der moslemisch-arabischen Welt ist und wer der Feind! Viele Hunderttausende Menschen, die grundlos und wegen US-Interessen ihre leben in diesen beiden Ländern verloren oder bis Ende ihres Lebens behindert wurden. Selbstverständlich darf man die Plutonium verseuchen Munitionen der USA als ein Extrageschenk der US-Regierung für diese Völker nicht außer Acht lassen. Es war auch in deutschen Zeitschriften zu lesen, dass die Zahl der Krebserkranken Menschen infolge des radioaktiven Materials, besonders in Irak auf das Zehn Fache gestiegen ist. Das sind alle Zeichen der Freundschaft der USA gegenüber Araber und Moslems! Das Palästinaproblem möchte ich hier nicht besonders betonen.
Und Iran? Wenn man die iranische Politik der vergangenen Dekaden betrachtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass Teheran immer Freundschaftsbotschaften in Richtung arabischer und moslemischer Welt sendet und Iran an die Einheit der Moslemischen Welt glaubt und auch dahin arbeitet.
Allein aus glaubensgründen ist Iran ein Freund und ein Verbündteter der arabisch moslemischen Massen!






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