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01.04.2011 Ali S. Rad

Staatsmedien mitverantwortlich für Proteste


Ali Motahhari

Ali Motahhari

Nach den Protesten in Iran am 14. Februar äußerte sich der konservative Ali Motahhari kritisch über den Umgang staatlicher Medien mit der Opposition um Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi.

Der iranische Parlamentarier sagte gegenüber Khabaronline, dass in der Zeit vom 30. Dezember 2010 bis 14. Februar 2011 viele staatsnahe Medien, allen voran die staatliche Rundfunkanstalt IRIB, die Regierungsgegner geradezu herausgefordert und provoziert hätten, damit sich diese auf die Straßen  begeben.

“Wenn IRIB permanent die Oppositionsführer anspricht und den Standpunkt verbreitet, diese wären von der politischen Landschaft getilgt worden, hätten keine Anhänger mehr und wären politisch schon längst tot, stiftet diese Einrichtung [IRIB, Anm. d. Red.] diese geradezu dazu an, sich öffentlich zu zeigen. Zwar wurde der Aufruhr von 2009 schon am 11. Februar 2010 beigelegt, doch wir selbst lassen ihn gelegentlich wieder aufleben. Wie es scheint hängt das politische Leben einiger Personen [gemeint sind die Oppositionsführer, Anm. d. Red] von der Fortführung von Protesten ab. Somit haben auch wir ein Teil des Problems verursacht“, so Motahhari.

Motahhari kritisierte nicht nur den Umgang der Medien  mit der "Grünen Bewegung", sondern auch das Verhalten der Anti-Staatsdemonstranten und bezeichnete deren Slogans als ungeschickte Parolen, welche letzten Endes weder etwas  mit der Unterstützung der Ägypter und Tunesier  noch mit den eigens postulierten Idealen der "Grünen Bewegung" zu tun hätten. Dies zeige laut Motahhari die Ziel- und Orientierungslosigkeit der Bewegung und zeuge von der Unfähigkeit, sich von “systemfeindlichen Elementen” zu distanzieren.

Im Hinblick auf die persönlichen Attacken Ahmadinejads gegen seine Kontrahenten in den erstmaligen Fernsehduellen beharrt Motahhari darauf, die Wurzeln des Problems nicht außer Acht zu lassen:

„Die ganze Geschichte begann nachdem die Fernsehdebatten abgehalten wurden und die Oppositionsführer behaupteten, dass die Wahlen gefälscht seien. Es wäre falsch, die Wurzeln des Problems zu ignorieren und zu behaupten, dass die andere Seite keinerlei Einfluss auf die Entstehung der Unruhen gehabt hätte.“

Ali Motahhari gehört zu den bekanntesten Kritikern der Regierung Ahmadinejad. So warf er dem iranischen Präsidenten kurz nach den Wahlen 2009 unter anderem Dickköpfigkeit vor und forderte von diesem aktive Bemühungen, um eine nationale Versöhnung herzustellen.

Im Zuge der Unruhen vom 14. Februar entgegnete er denjenigen Hardlinern, die eine Bestrafung Mousavis und Karroubis verlangten, dass dann auch der Gegenseite der Prozess gemacht werden müsse.

Ali Motahhari gilt nach dem westlichen Sprachgebrauch als „pragmatischer Konservativer“ innerhalb des politischen Spektrums des Irans. Als Sohn des 1979 ermordeten Ayatollah Morteza Motahhari genießt er in seinem Umfeld ein hohes Ansehen und Respekt.


Homayoun H.04-04-11

Zitat: "Motahhari kritisierte nicht nur den Umgang der Medien mit der "Grünen Bewegung", sondern auch das Verhalten der Anti-Staatsdemonstranten und bezeichnete deren Slogans als ungeschickte Parolen, welche letzten Endes weder etwas mit der Unterstützung der Ägypter und Tunesier noch mit den eigens postulierten Idealen der "Grünen Bewegung" zu tun hätten. Dies zeige laut Motahhari die Ziel- und Orientierungslosigkeit der Bewegung und zeuge von der Unfähigkeit, sich von “systemfeindlichen Elementen” zu distanzieren."

Herr Mottahari macht aber auch hier den gleichen Fehler, den er IRIB (zurecht) vorwirft. Wenn man sich nämlich die Entwicklung der Anzahl und Präsenz von Demonstranten zusammen mit den Slogans ab 2009 bis 2010 anschaut, dann sieht man dass die Zahl rapide von Millionen bis auf wenige Hunderte Menschen die sich in kleinen Gruppen konzentriert haben, zurückgegangen ist, und gleichzeitig die Parolen sich radikalisiert haben und diese kleinen Gruppen alle Gewaltbereit sind. Das zeigt mir persönlich, dass die meisten damaligen Wähler Moussavis und Karoubis sich sehr wohl von radikalen Elementen distanziert haben, in dem sie einfach nicht mehr erschienen sind. Was wir am 25.Bahman usw. sahen, waren meist Leute die radikale Ansichten hatten und das komplette System im Iran weghaben wollten. Diese waren zwar auch am Anfang (2009) da, hatten sich aber in die Menge der Menschen gemischt. Heute ist die Menge nicht mehr da, aber sie immer noch.

Deshalb kann man den meisten ursprünglich "Grünen" von 2009, nichts vorwerfen (Moussavi und Karoubi allerdings schon, wegen ihres ungeschickten Verhaltens). Den Millionen Menschen aber nicht. Das heisst "die Unfähigkeit sich von systemfeindlichen Elementen zu distanzieren" stimmt nicht. Das ist sehr wohl passiert. Ich meine was kann ein normaler Grüner von damals sonst tun außer nicht mehr mitzumachen? Das ist doch Distanzierung genug.

Besser wäre es gewesen, z.B. die Mehrheit der Grünen die nicht mehr aufgetaucht sind zu loben, und diese radikalen Elemente zu isolieren.

Herr Mottahari macht also einen ähnlichen Fehler in seinen Ausführungen. Stimmts?

Le Mec04-04-11

Es wäre An sich schon. Aber er ist immer noch ein Osulgara, der lobt nicht einfach mal Demonstranten von 2009, selbst wenn sie sich von den radikalen Elementen distanziert haben.

Sarbaze Asadi08-04-11

@Homayoun,
Sie sagen:Wenn man sich nämlich die Entwicklung der Anzahl und Präsenz von Demonstranten zusammen mit den Slogans ab 2009 bis 2010 anschaut, dann sieht man dass die Zahl rapide von Millionen bis auf wenige Hunderte Menschen die sich in kleinen Gruppen konzentriert haben, zurückgegangen ist, und gleichzeitig die Parolen sich radikalisiert haben und diese kleinen Gruppen alle Gewaltbereit sind.
Wie Sie richtig erkannt haben, ist die Anzahl der Demonstranten nach 2009 Rückläufig gewesen. Allerdings berichten Augenzeugen von erneut Millionen Demonstranten am 14. Feb. 2011.
Interessant wäre es gewesen, wenn Sie geschildert hätten warum die Demonstrantenzahlen abgenommen haben.
Meines erachtens, haben die Menschen einfach Angst gehabt, weil Sie gesehen haben, wie brutal die Basiji mit der Hilfe der libanesischen Hezbollah die friedlichen und legitimen Proteste unterdrückt und niederschlägt. Ich denke, nachdem den Menschen klar geworden ist, dass die Mullah nicht davor scheuen die eigene Bevölkerung zu töten zu vergewaltigen und einzusperren, haben Sie es vorgezogen andere Wege einzuschlagen.
Oder denken Sie ernsthaft die Menschen sind aus Zufriedenheit mit ihrer "Regierung" zuhause geblieben?
Augenzeugenberichten nach haben die Mullahs tausende und abertausende Basiij und bezahlte Millizen und Schläger mobilisiert, um eine Atmosphere des Schreckens zu erzeugen.
Ich denke, dass diese Einschüchterungsversuche nicht dauerhaft die Menschen zurück halten werden.
Mit der zunehmenden Vereinigung der Arbeiter und der Grünen Bewegung, und den anhaltenden Protesten gegen Diktaturen im nahen Osten werden die Menschen erneut ihr Schicksal in die Hand nehmen und das Ende der islamistischen Republik einläuten.




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