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09.04.2010 Shayan Arkian

Schlug Khamenei die ausgestreckte Hand Obamas aus?


Rafi Pitts ist der Regisseur und Hauptdarsteller des Kinofilmes "Zeit des Zornes".

Kommentar anlässlich der Filmkritik von Thomas Assheuer "Grün ist die Farbe der Revolution" erschienen in "Die Zeit" am 08.04.2010.


Über die Stilistik des Autors mag man streiten, für die einen trägt er zu dick auf und für die anderen mag der Artikel sogar eine Verharmlosung der aktuellen Situation in Iran sein.

Halten wir uns deshalb an einige Fakten. Der Autor unterstellt dem politisch-reigiösen Staatsoberhaupt Irans, Ayatollah Ali Khamenei, er habe auf das Angebot des US-Präsidenten Barack Obamas höhnisch reagiert und den Westen sogar bedroht. Tatsache ist aber, dass der Ayatollah einen entscheidenden Satz sagte, der allgemein in den hiesigen Medien nicht wahrgenommen wurde, nämlich: "Wenn die USA sich ändern, dann werden wir uns auch ändern."

Wissend über die damalige isolierte Position von Obama in seiner eigenen Regierung (siehe z. B. Clintons anti-iranische Rhetorik) gab er damit Obama den nötigen Handlungsraum, Iran entgegen kommen zu können ("... dann werden wir uns auch ändern).

Gemäß iranischer Erwartungen füllte er ihn jedoch nicht, da beispielsweise die bestehenden Sanktionen fast zeitgleich zur Obamas Nowruzbotschaft verlängert wurden oder aufgrund des Nicht-Einfrierens des 400 Millionen Dollar schweren Destabilisierungsprogrammes gegen Iran, einst von Bush gestartet und nun von Obama geerbt.

Allgemein wird jeglicher Vorwurf gegenüber der Reaktion des Regimes auf die Proteste relativiert, in dem man annimmt, dass die Wahlen nicht getürkt waren. Inzwischen geht ein großer Teil der Reformbewegung von der Authentizität der Wahlen aus. Allen voran der ehemalige Vize-Innenminister Dr. Abbas Akhoundi, der während der Wahl persönlicher Vertreter Mir Hossein Mousavis im Innenministerium war. Das, was sich in Sommer 2009 abgespielt hat, war vielmehr das Explodieren einer starken Polarisierung, die von beiden Seiten, Mousavi und des amtierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, während des Wahlkampfes ausgeübt wurde. Alle wissenschaftliche Studien und Umfragen - vor den Wahlen und nach den Wahlen - die mitunter von amerikanischen Instituten wie World Public Opinion und Tomorrow Free Terror durch geführt wurden, ermitteln stets die gleichen Zahlen: die, die das iranische Verfassungsgericht auch bestätigt hatte.

In diesem Sinne, nicht alles was Grün ist, ist basisdemokratisch.


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