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13.04.2010 Thomas Effe

Friedensforscher Harald Müller über die Feindschaft Israel-Iran und das atomare Wettrüsten


Prof. Dr. Harald Müller ist Mitglied in der Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung

Kommentar anlässlich des Interviews vom Friedensforscher Harald Müller am 13.04.2010 in ARD Morgenmagazin, abrufbar hier.


Es heißt, Nordkorea wäre von Atomwaffenstaaten umschlossen, deshalb ist die nordkoreanische Bedrohung eingedämmt. Der Iran ist jedoch weitaus mehr von Atomwaffenstaaten umschlossen, siehe Pakistan, Indien, China, Russland, Israel und die Atomwaffen der USA in der Türkei weshalb ist eine iranische Nuklearisierung nicht eingedämmt? Wenn man davon ausgeht, die Gefahr einer iranischen Atombombe bestehe darin, dass infolgedessen die arabischen Staaten nach ziehen würden, dann stellt sich die Frage, weshalb die arabischen Staaten seit der atomaren Bewaffnung Israels nicht nachgezogen haben. Iran ist keine größere Bedrohung für die Araber als Israel mit dem man schließlich kein Friedensvertrag hat und theoretisch im Kriegszustand steht (außer Ägypten und Jordanien).

Ein anderer Punkt ist die Unterstellung der Irrationalität und Fanatismus Ahmadinejads. Der nordkoreanische Staatsführer ist wohl bei weitem irrationaler als sein Kollege im Iran. Man kann davon ausgehen, dass Ahmadinejad ein berechenbarer, unfanatischer und Interessensorientierter Akteur ist, der kürzlich wieder im staatlichen Fernsehen Obama dazu aufrief die Beziehungen zu seinem Land zu normalisieren. In welcher Größe in den Auflagenorientierten Medien dieser Botschaft Ahmadinejads, die übrigens auch per Brief an Obama verfasst wurde, Raum gegeben wird, bleibt abzuwarten. Für die Versachlichung der Iran-Debatte ist eine ebenbürtige Distribution, wie sie bei Ahmadinejads Zitat "Wipe off the map" statt fand, zu wünschen. Denn tatsächlich hat Ahmadinejad nicht Israel mit der Auslöschung gedroht, sondern schlägt ein Referendum über das Schicksal des Konflikts vor. Man muss nicht der Persischen Sprache und Etymologie mächtig sein, um zu erkennen, dass die Übersetzung "Wipe off the map" nicht korrekt ist. Es reicht für jeden Laien den Kontext seiner Aussage zu berücksichtigen, um zu erkennen, dass er nur das Ende des Besatzungsregimes von Jerusalem meinen konnte. Mehrmalige Dementis zu dieser Aussagen hat der Iran und Ahmadinejad übrigens auch geleistet. Last but not least ist der iranische Regierungschef Ahmadinejad nicht der Primat in der iranischen Außen- und Sicherheitspolitik, sondern Ayatullah Khamenei, und das seit 21 Jahren.


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