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Kommentar: Der Fall „Sakineh Ashtiani“ und einige Dinge, die man wissen sollte


Mina Ahadi zeigt inszeniertes Bild

Mina Ahadi auf einer Konferenz des islamfeindlichen Vereins „Bürgerbewegung Pax Europa“ in Aktion: Sie zeigt das Photo einer gesteinigten Frau. In Wirklichkeit ist das Photo aber nur eine Inszenierung auf einer Demo.

Der Iran hat es abermals mit einer Fernsehsendung geschafft, die Stimmung gegen sich aufzubringen. Es war Montagabend um 20:30 Uhr als das iranische Fernsehen einen Sendebeitrag über die zwei festgenommenen deutsche Journalisten, Sakineh Ashtiani, ihren Sohn Sajjad und ihren Rechtsanwalt Houtan Kian zeigte. Davor gab es noch die Hoffnung, dass Ashtiani im Zuge der traditionellen Begnadigungen von Häftlingen am Tag des muslimischen Opferfestes freikommt. Davon ist man wohl jetzt weit entfernt.

Anders als die übliche iranische Wahrnehmung, dass Zionisten hinter den meisten anti-iranischen Kampagne stehen, machte der Sendebeitrag korrekterweise die Menschenrechtlerin Mina Ahadi als Drahtzieherin aus. Der Grund liegt wohl darin, dass der Sendebeitrag nicht von den üblichen Angestellten des iranischen Staatsfernsehens gedreht wurde, sondern (wie es in der Anmoderation ausdrücklich hieß) von einer Gruppe von jungen Journalisten. Sie selbst räumte inzwischen gegenüber dem „Focus“ ein, dass sie die Kampagne weltweit führe und dass die Journalisten auch alle mit ihr sprechen. Bereits im August berichtete „Irananders“, dass die Quelle der Medien in diesem Rechtsfall hauptsächlich Mina Ahadi ist und dass dies nicht zweckdienlich ist. Weshalb?

Frau Mina Ahadi wird im Iran wohl kaum als Menschenrechtlerin wahrgenommen, sondern eher als eine Exil-Politikerin, die sich mit einem unparteiischen Gewand der Moral umgibt. Tatsächlich ist Mina Ahadi - wie ihre Kollegin Maryam Namazi, die die Kampagne in London führt - nicht nur Menschenrechtlerin, sondern Mitglied einer stalinistischen Arbeiterpartei (API). In den 80er Jahren kämpfte Ahadi sogar gewaltsam auf Seiten der Separatistengruppe „Komalah“. Heutzutage aber ist sie, durch ihre Gründung des „Zentralrats der Ex-Muslime“ als Menschenrechtlerin salonfähig geworden. Der Sohn von Sakineh Ashtiani konnte keinen schlechteren Anwalt für die Rettung seiner Mutter finden. Denn im Westen scheint man kaum wahrzunehmen, dass es um die Reputation Mina Ahadis auch unter den iranischen Reformern schlecht bestellt ist.

Vor zehn Jahren nahmen säkulare Intellektuelle aus dem Iran gemeinsam mit prominenten Vertretern des Reformlagers an einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung über die Demokratisierung des Irans teil. Eine gut organisierte Gruppe radikaler Exiliraner sprengte die Konferenz. Mina Ahadi, damals noch relativ unbekannt, war an vorderster Front dabei. Als die Organisatoren sie als Sprecherin der Protestierenden ans Mikrofon baten, um ihre Gruppe zu beruhigen, peitschte sie diese ausgerechnet mit einer Brandrede weiter auf. Die Bilder eines Mobs, der "Tod der Islamischen Republik!" skandierte, während die Führer der Reformer auf einem Podium betreten dreinschauten, wurden am Tag darauf im iranischen Fernsehen gezeigt. Und sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Regime ließ alle Teilnehmer der Konferenz nach der Rückkehr verhaften und vor Gericht zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilen. Bis heute weist Mina Ahadi jede Verantwortung dafür von sich. Der Publizist und Exil-Iraner Bahman Nirumand, der damals zu den Organisatoren der Konferenz gehörte, kritisierte dies gegenüber der „Taz“ wie folgt: "Jeder politisch denkende Mensch hätte voraussehen können, dass so etwas passiert." Er fügte hinzu: "Sie hat dazu beigetragen, die Leute ans Messer zu liefern." Auch deswegen gibt es in der iranischen Gemeinschaft in Deutschland nur wenige, die ein freundliches Wort über Ahadi finden. Laut „Taz“ ist für Ali Mahdjoubi und Kambiz Behbahani (vom „Iranischen Dialogkreis“ in Berlin) Ahadi eine "stalinistische Hardlinerin", die "auf der Welle der aktuellen Islamophobie" surft, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Aufmerksamkeit erhält Ahadi auch durch den Fall Ashtiani immer wieder, wie vor zwei Wochen mit ihrer zweiten, unbegründeten Ankündigung, dass Ashtiani wieder kurz vor Hinrichtung stehen würde. Zwar erreicht sie es durch diese Methode, den Fall immer wieder in die Öffentlichkeit zu bringen und Unterschriften für Petitionen zu Ashtianis Rettung zu mobilisieren. Doch diese künstliche Herstellung einer "anti-iranischen Stimmung“ bringt die iranische Justiz, die das Leben Ashtianis schließlich in den Händen hält, eher dazu, einen solchen Aktionismus als bloße Propaganda und politisch motiviert zu sehen und damit auch die anderen konstruktiven Kampagnen. In dieser Haltung wird der Iran bestärkt, zumal es bei vergleichbaren Fällen, wie den verblüffend ähnlichen Fall der US-Amerikanerin Teresa Lewis, insgesamt keine vergleichbaren Kampagnen zur Rettung die von der Hinrichtung bedrohte Frau gab. So wurde die besagte Amerikanerin ohne nennenswerte internationale Proteste vor zwei Monaten  vom US-Bundesstaat Virginia hingerichtet. Dazu kommt, dass Mina Ahadi - aufgrund ihrer Ideologie, ihrer Position als Vorsitzende des "Zentralrats der Ex-Muslime" und ihre pauschale Bekämpfung einer Weltreligion - als Expertin und seriöse Quelle praktisch genauso glaubwürdig ist wie die veröffentlichte Meinung eines Vorsitzenden des Antisemitenverbandes zum Thema Israel (wie würde Israel da berechtigterweise reagieren?). Zudem ist sie dafür bekannt, wiederholt falsche Informationen zum Thema Iran und insbesondere zum Fall Ashtianis verbreitet zu haben.

Die kontraproduktive Rolle Ahadis für die Kampagne zur Rettung Ashtianis zeigt sich auch an ihrer offenkundige Zustimmung und Organisation der Reise von zwei deutschen Journalisten in den Iran. Ähnlich wie bei der Affäre um die Iran-Konferenz der Heinrich-Böll Stiftung scheut sie anscheinend keine Opfer, um ihre politische Ziele zu erreichen. Die Verfehlung der deutschen Journalisten, die ohne entsprechende Visen eingereist sind, ist derart offensichtlich, dass selbst die hiesige Iran-kritische Bundesregierung unvermutet diplomatisch und besonnen vorgeht (anders als einige deutsche Medien verkündeten, hat die Bundeskanzlerin nie die Freilassung der Journalisten gefordert).

Gemäß Mina Ahadi handelt es sich um Journalisten der „Bild am Sonntag“, die sich unerwartet äußerst bedeckt hält, was naturgemäß Fragen aufwirft. Einigen Medien begründen das Schweigen der sonst sensationslüsternen „Bild-Zeitung“ damit, dass ihr Einsatz für die Freilassung ihrer Journalisten ungeschickt wäre, da sie als einzige deutsche Zeitung den iranischen Präsidenten Dr. Mahmud Ahmadinejad permanent als den „Irren von Teheran“ betitelt. Gegen so viel Weisheit spricht zum einen die (offensichtlich unkluge) Zustimmung der Zeitung dazu, dass ihre Mitarbeiter bzw. Journalisten den Auftrag erhalten, als Touristen getarnt in den Iran einzureisen. Zum anderen verstärkt das mangelnde Engagement des Arbeitgebers bzw. Auftraggebers aus iranischer Perspektive den Verdacht, dass es sich nicht um eine journalistische Mission der Festgenommen handelt, wodurch der Iran sich veranlasst fühlt, die Journalisten als Spione und politische Kollaborateure Ahadis einzustufen. Letzteres hat unlängst die „Süddeutsche Zeitung“ am 12. Oktober - also mehr als einen Monat vor den momentanen Spionagevorwürfen - prognostiziert.

Die Frage stellt sich, mit welchem konkreten Ziel und in wessen Auftrag die Journalisten nach Iran eingereist sind. Dass es keine Spione oder Kollaborateure im Auftrag einer Staatsmacht sind, liegt aufgrund ihrer amateurhaften Vorgehensweise auf der Hand. Andererseits ist es äußerst fraglich, dass die Journalisten lediglich mit dem Sohn und Rechtsanwalt von Mohammadi Ashtiani ein Interview führen wollten. Denn das taten bereits viele renommierte Medien im Westen (meistens durch Übersetzungen Ahadis, Namazis oder Mostafaeis oder sie fungierten jeweils gar als Quellen). Angeblich schaffte es außerdem die britische Zeitung „Guardian“, ein Interview mit Frau Ashtiani zu führen.

Der Grund der Reise ist aus iranischer Sicht daher durchaus suspekt. Demzufolge ist die Analyse der „SZ“ zutreffend, die eine kompliziertere Entwicklung des Falls voraussah, wenn die Journalisten „beschuldigt werden, Menschenrechts- Aktivisten zu sein und darüber hinaus mit einer Dissidentin wie Ahadi zusammengearbeitet zu haben, dürfte sich der Fall weitaus komplizierter entwickeln. Es könne dann in Richtung einer Gefährdung der nationalen Sicherheit gehen. Dann sei eine Anklage wegen Spionage vor dem berüchtigten Revolutionsgericht nicht ausgeschlossen.“ Davor heißt es in der SZ: „Nach Einschätzung von Rechtsexperten in Teheran können die beiden Ausländer auf eine baldige Ausweisung hoffen, falls die iranischen Behörden sie als Journalisten einstufen, die ohne Erlaubnis im Land arbeiteten.“ Faktisch wird es zum Letzteren nicht mehr kommen, denn übereinstimmend mit den zuvor genannten Punkten lautet der aktuelle Vorwurf des Irans, dass die Journalisten im Sinn gehabt hätten „eine Hetzkampagne gegen die Islamische Republik zu starten“.

Im Folgenden einige Ratschläge, wie eine Petition und Kampagne für die Rettung des Lebens Ashtianis aussehen kann, ohne dass es mit großer Wahrscheinlichkeit zu der augenblicklichen unerwünschten Resultaten führen kann.

- Die Petition kann nur an den obersten Richter, Ayatollah Larijani, und seinen Bruder, Dr. Javad Larijani (Vorsitzender des iranischen Menschenrechtsrats), sowie an das Staatsoberhaupt, Ayatollah Khamenei, der Begnadigungen aussprechen kann, adressiert werden. Petitionen und Aufrufe an den iranischen Präsidenten Dr. Mahmud Ahmadinejad sind nicht nur unnütz, sondern werden im Iran als Beleidigung empfunden. Denn anders als viele Staaten in der Region gibt es im Iran eine wirkliche Trennung von Exekutive und Justiz, die man wieder eindrucksvoll bei der missglückten Ankündigung Ahmadinejads über die angebliche Freilassung der „US-Spione“ sehen konnte. Und wer die Iraner kennt, sollte wissen, dass sie leicht bockig oder in anderen Worten standhaft werden können, wenn man sie nicht ernst nimmt.

- Jede Petition, die unreflektiert darauf abzielt, dass Mohammadi Ashtiani freikommt, ist eine Totgeburt. Denn Beihilfe zum Mord sollte in allen Rechtsstaaten der Welt geahndet werden.

- Wenn man das Leben von Frau Ashtiani retten möchte (und das ist ein moralischer Imperativ), dann sollte man bei der Wahrheit bleiben und nicht gleich über den Iran herfallen und es zugleich zur Proklamation zu erheben, "dem Regime standhalten" zu wollen. Das ist destruktiv, so lange es in anderen Staaten ebenso Menschenrechtsverletzungen gibt, die aber kaum von den westlichen Regierungen angeprangert werden. Mit jedem Versuch, aus dem Fall Ashtiani eine Propaganda zu machen (und diese Versuche gibt es zuhauf), verliert der Westen mehr an Glaubwürdigkeit - erst Recht, wenn diese Doppelmoral von einigen Intellektuellen als „Test unserer Entschlossenheit" zu verkaufen versucht wird (beide letzt genannten Zitate sind von dem französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy, der zum Überdruss den US-Einmarsch im Irak unterstützte). Solche plumpe Eloquenz sollte man sich sparen. Denn den „Test unserer Entschlossenheit“ beginnt man bei Freunden und Verbündeten und nicht bei seinen Gegnern. Die Iraner leben nicht hinter dem Mond und werden folgererichtig alle diese Aktionen als das Bestreben, politisches Kapital aus der Affäre zu ziehen, betrachten.

- Jeder Versuch, die westlichen Vorstellungen von Moral und Ethik als überlegener darzustellen, löst im Iran eher Trotzreaktionen als Verständnis aus. Gleichzeitig sollten Forderungen unterlassen werden, die den Iran suggerieren, dass er sein gesamtes Rechtssystem aus dem Westen importieren soll. Viel mehr sollte ein ergebnisoffener Dialog mit allen politischen Facetten des Irans vorgeschlagen werden. Einen ähnlichen Dialog gab es während der Präsidentschaft von Mohammad Khatami und es besteht kein rationaler Grund, weshalb solch ein Dialog nicht mit den jetzigen Konservativen im Iran weiter fortgesetzt werden soll. Wenn man sich für Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit im Iran einsetzen möchte, ist es nicht möglich, politische Akteure, die (zumindest) Millionen von Stammwähler kontinuierlich haben, auszuschließen und zu isolieren.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Atomverhandlungen mit dem Westen und die daraus resultierenden Sanktionen und Isolationsversuche die größte Aufmerksamkeit des Irans beansprucht. In diesem Sinne wird der Iran sich hüten, Kompromisse und Schwächen aufgrund von internationalen Druck zu zeigen. Denn dies würde bedeuten, dass das Regime auch in der Atomfrage durch Ausüben von Druck zu den gewünschten Eingeständnissen zu bringen ist. Das Regime befindet sich zur Zeit im kollektiven Widerstandshaltung, das heißt der Widerstandsgeist gegen "internationale Agitationen" wird hoch gehalten und praktiziert. Ähnlich wie die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, kann der Dialog mit dem Iran in den Fragen der Menschenrechte deshalb nur durch Bereitschaft zum Verständnis, Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und auf gleicher Augenhöhe erfolgsversprechend sein. Andernfalls ist er zum Scheitern verurteilt.


Le Mec19-11-10

Wow, messerscharfer Beitrag! Weiter so!

Mario19-11-10

Ein sehr guter wissenschaftlicher Artikel. So kann ich mir "eine objektive" betrachtung des Falles machen. Weiter so!

Meryem20-11-10

Danke, das war mal fällig!

Perser20-11-10

Wieso ist keiner eurer Autoren ein Perser? Wenn Sie als ernsthafter Blog wahrgenommen werden wollt, sollten Sie sich auch mal um einen Perser bemühmen, wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass Sie einen Iraner finden werden, der Ihre Meinung teilt.

Zum Thema: Eine arme Frau steinigen macht man nicht. Unschuldige Journalisten vor der Kamera des "Staatsfernsehens" vorführen macht man auch nicht. Deswegen ist ja auch 98% der Bevölkerung gegen diese Diktatur, bis auf die 2%.

Markus20-11-10

Egal was die Frau Ahadi vorher gemacht hat, Ihr Einsatz für die Menschenrechte wirft wieder ein positives Licht auf sie. Der schäbige Versuch sie zu diskreditieren, weil Irananders keine Argumente für die Menschenrechtsverletzungen im Iran findet, ist beschämend. Welche Reputation haben Sie (Ralf Abbasi, Leo schmitt und Shayan Arkian) bei Irananders den vorzuweisen? Das iranische Regime findet doch alles Verdächtig was mit Menschenrechten zu tun hat, dass zeigt doch wie paranoid dieses System geworden ist.

Iran201020-11-10

Ohne Mina Ahadi wäre Frau Ashtiani vielleicht sogar schon begnadigt worden. Jetzt aber wäre eine Begnadigung sowas wie eine Niederlage des Regimes gegenüber dieser Frau, und das kann sie sich nicht leisten.

Mina Ahadi ist nichts weiter als eine Selbstdarstellerin.

Iraner (mit Gheirat!)20-11-10

@ Markus

Sie sollten mit den Vorurteilen aufhören. Es geht hier offenkundig darum, dass Ahadi mit ihren durchschaubaren Propaganda politische Ziele verfolgt. Sogar "Die Zeit" berichtet so, oder schreibt von Irananders ab. Wie auch immer, es geht nicht nicht um die Vergangenheit Ahadis geht, sondern dass was sie jetzt macht und lügt.

SA20-11-10

@ Markus

Es geht darum, wie die Rolle und das Wirken Ahadis im Iran aufgenommen werden. Im Iran werden auch - ganz ohne erheblichen konkreten Druck - sogar politische Gefangenen begnadigt, weshalb ist es bis jetzt nicht bei Ashtiani der Fall gewesen?

Steffen20-11-10

@ Perser

"Von: Ralf Abbasi... und Shayan Arkian"

Iran201020-11-10

Perser -> "Deswegen ist ja auch 98% der Bevölkerung gegen diese Diktatur, bis auf die 2%."

Ich habe gehört es sollen sogar 99% gegen das iranische Regime sein und nur 1% dagegen! Die Umfrage führte übrigens Frau Mina Ahadi.

Markus @Iraner @S.A.20-11-10

Danke, für Ihre Antworten.@Iraner: von welchen Vorurteilen sprechen Sie? Sie meinen, dass Ahadi mit ihre Propaganda nur politische Ziele verfolgt. Dazu kann ich nur sagen: Na und? Das tut Irananders mit seiner Propaganda auch. @S.A.: Nennen sie mir bitte die freien Medien im Iran von denen Sie erfahren haben wollen, wie die Iraner Ahadis Wirken aufgenommen haben? oder sprechen sie von der Regierung? Niemand kann sagen was die Iraner gerade wirklich denken, denn niemand im Iran kann frei seine Meinung äußern (außer Ayatolah Khamenei). Ihre Kommentare zeigen doch nach welcher Wilkür die iranische Justiz funktioniert. Damit das Regime keine Niederlage erleidet tötet es auch eine unschuldige Frau. Na welchen Kriterien wurden die politischen Gefangenen den bisher begnadigt? Sicher wieder Wilkür, oder wissen Sie mehr? Des Weiteren handelt es sich bei der Frau nicht um eine politische Gefangene. Ihr Fall ist nur zu einem Politikum geworden. Vielleicht hab ich doch ein Vorurteil: Ich glaube, dass die iranische Justiz gar nicht in der Lage ist, Recht in solchen Fällen zu sprechen, weil ihr einfach die Technologie und die forensischen Kenntnisse fehlen, um Stichhaltig etwas ohne Geständnis beweisen zu können. Deswegen werden soviele Geständnisse erzwungen, da spart man sich die Arbeit. Oder täusch ich mich?

Le Mec @Markus20-11-10

Ich denke Du täuschst Dich hier tatsächlich. Du wirfst hier ganz schön mit Vorwürfen um Dich und lenkst ein bisschen vom Hauptthema ab: Die mangelnde Seriösität Frau Ahadis.

Aber um mal auf ein paar Deiner Vorwürfe einzugehen: die letzten Zeilen, die Du da geschrieben hattest sprechen für sich. Die Iraner hätten angeblich keine Technologien und forensischen Kenntnisse um Recht zu sprechen? Was für eine arrogante alt-imperialistische Sichtweise auf andere Länder doch noch immer in Deutschland schlummert! "Die anderen, d.h. die Bösen, können nichts, die sollten von uns lernen"

Du deutest fehlende freie Medien in Iran an. Nun sag mir, wann hast Du das letzte mal in einer deutschen Zeitung, sei sie bürgerlich, links, liberal oder konservativ, wann hast Du das letzte mal dort eine Zeitung gesehen, die ihre Informationen über iranische Innenpolitik NICHT über 1.iranische Exilanten oder 2.iranische Oppositionelle oder 3. allgemeine Vorurteile und Denkmuster über Iran bezogen hat?

Kritisier erst einmal die Medien im eigenen Land. Die Medien in Iran sind freier als in jedem anderen Nahostland.

Markus @Le Mec20-11-10

Danke, auch wenn Sie keine einzige Frage beantwortet haben. Wenn es nicht so ist, dass der iranischen Justiz die Mittel fehlen, um rechtsstaatlich zu Handeln, wie erklären sie sich all diese erzwungenen Geständnisse? Es geht nicht, um gut oder böse oder wer etwas von wem lernen kann. Sondern um Kritik an der iranischen Justiz. Statt Beweise, werden nur Menschen vorgeführt, die keine Chance haben sich zu verteidigen. Und auf Ihre zweite Äußerung kann ich nur sagen, dass die iranische Regierung selbst daran schuld ist, weil sie gar nicht zulässt das im Iran ohne Zensur gearbeitet werden kann. Woher sollen die Journalisten sonst unzensierte Meinungen herbekommen? Auch wenn Sie nicht im stande sind mir antworten zu geben, vielleicht können es die anderen Freunde von Ihnen. Ich würde mich freuen. Viele Grüße, Markus

Le Mec @ Markus21-11-10

Wir können uns auch siezen, warum nicht...

Die Beantwortung der Fragen erübrigt sich, weil die Fragen falsch(!) gestellt werden. Würden Sie Fragen beantworten die klingen wie "Wie erklären Sie sich diese ganzen Aliens in deutschen Großstädten?"?

Sie würden Sich erst einmal fragen, wieso der Gegenüber so felsenfest davon ausgeht, dass es Aliens in deutschen Großstädten gibt. Offenbar beruft er sich doch da auf verzerrte Fakten oder ziemlich unglaubwürdige. Genauso sieht es mit dem angeblich erzwungenem angeblichem Geständnis aus. Hier wurde bereits ziemlich klar dargelegt, dass das was die komplette Medienlandschaft uns als Geständnis verkauft hat, in Wirklichkeit keins gewesen ist, jeder der ein bisschen Farsi kann, kann das überprüfen: http://irananders.de/nc/home/news/article/mohammadi-ashtiani-komplettes-interview-auf-deutsch.html

Ebenso verhält es sich mit so gut wie allen anderen Iran-Themen. Die Grundlageninformationen, die bezogen werden basieren ausschließlich auf Angaben von o.g. Gruppierungen. Nur ein weiteres Beispiel ist die Wirtschaft und Wissenschaft. Glaubt man den üblichen Medien (die ihre Infos widerum aus den berüchtigten Kreisen beziehen) geht hier alles den Bach runter in Iran. Schaut man sich aber die Daten international renommierter Einrichtungen, wie z.B. dem IWF an, sprechen die handfesten Fakten eine andere Sprache.

Kurz: Sie haben eine (zumindest in meinen Augen) komplett falsche Informationsgrundlage um qualifiziert über das Thema Iran diskutieren zu können. Wenn bereits diese Grundlage verzerrt ist und sich nicht die Mühe gemacht wurde Informationen aus Iran aus anderen Perspektiven zu beziehen als aus welchen wie die oben genannten, erübrigt sich auch eine Debatte über Detailfragen!

Iraner mit Sharaf21-11-10

@ Markus

Nach Ihrer Ansicht betreiben alle Propaganda, und das ist auch nur legitim oder? Glauben Sie aber dass Ashtiani wirklich durch Propaganda befreit wird?

Ich habe Sie anfangs als seriös eingeschätzt, aber inzwischen merke ich, dass Ihnen bestimmte Wahrheiten nicht gefallen und Sie es einfach als "Propaganda" bezeichnen. Ahadi hat mehrmals gelogen, Irananders nie. Merken Sie sich das!

Redaktion22-11-10

Wir bitten alle Diskutanten zur Sachlichkeit zurück zu kehren, und die persönliche Ebene zu verlassen. Ab sofort werden Kommentare zur Person anstatt zur Sache nicht mehr freigegeben, ausnahmsweise diesmal auch wenn es Irananders und seine Autoren betrifft, weil dadurch Gegenreaktionen hervorgerufen werden.

Vielen Dank.

Beobachter22-11-10

Mina Ahadi wird vom Verfassungsschutz beobachtet. http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_auslaenderextremismus/zahlen_und_fakten_zum_auslaenderextremismus/zafais_5_iranische_oppositionsgruppen.html

http://www.im.nrw.de/sch/555.htm

Laut Verfassungsschutzbericht 2008 hat die Partei in Deutschland etwa 250 Anhänger; ihre Zahl ging nach der Spaltung deutlich zurück. Die Aktivitäten beschränkten sich 2008 auf wenige Demonstrationen mit geringer Teilnehmerzahl, in denen auf Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam gemacht wird. Bekanntes Führungsmitglied in Deutschland ist Mina Ahadi.

Zu den Vorfeldorganisationen der Partei zählen laut Verfassungsschutzbericht 2008:

* das Internationale Komitee gegen Steinigungen
* die Internationale Föderation der iranischen Flüchtlings- und Immigrantenräte (IFIR)
* die Internationale Kampagne zur Verteidigung von Frauenrechten im Iran

http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterkommunistische_Partei_Irans

Theodor22-11-10

@ Perser
das sind Phantasien
warst du schon mal im Iran ?

Iraner22-11-10

Wie kommt es, dass die Bild Zeitung erst jetzt sechs Tage nach dem TV Auftritt der Journalisten reagiert? :-D

- http://www.bild.de/BILD/politik/2010/11/21/iran-sorge-um-deutsche-reporter/kommentar-in-eigener-sache-inhaftiert-weil-sie-die-wahrheit-suchten.html

- http://www.bild.de/BILD/politik/2010/11/21/iran-darum-reisten-deutsche-reporter/in-den-iran-10-wichtige-fragen-zum-fall.html

Die wichtigste Frage wird gar nicht gestellt. Weshalb wurden sie nach Iran geschickt, wenn man wusste, dass sie wegen Spionage festgenommen werden konnte, und welche Rolle hatte Ahadi dabei gehabt?

SA22-11-10

Lieber Markus,

einige Leser haben Ihnen ja bereits geantwortet. Deshalb von meiner Wenigkeit nur einiges kurz und prägnant:

- Weshalb sollte Irananders Argumente für Menschenrechtsverletzungen im Iran finden? Wie kommen Sie zu dieser Annahme?

- Die Reputation von Irananders und seine Autoren haben kaum Einfluss auf den Iran und die dortigen Entscheidungen, jedoch aber die Reputation von Mina Ahadi und ihr Wirken. Argumente dafür sind bereits hinreichend im Artikel dargelegt worden.

- Ashtiani ist keine politische Gefangene. Bitte lesen Sie was ich schrieb.

- Im Iran werden immer wieder Häftlinge begnadigt, zum Beispiel --> http://irananders.de/kommentare/news/article/Shirin-Ebadi-klagt-Vertreter-Khameneis-an.html

- Außer Ayatollah Khamenei, der allein als Staatsführer und Gradmesser der iranischen Politik sich sogar eher bedeckt und diplomatisch ausdrücken muss als ungezwungen, können im Iran wohl viele ihre Meinungen äußern und Kritik ausüben, wenn gleich auch im Rahmen der Verfassung nur. Ein aktuelles kleines Beispiel, wie über den Vize-Kulturminister öffentlich gespottet wird --> http://www.irannegah.com/Video.aspx?id=2127

- Mit einfachen Denkmustern und pauschalen Urteilen kommen wir nicht weiter. Es bringt weder dem iranischen Volk etwas, noch ist sie der deutschen und europäischen Politik erträglich. Irananders Einfluss reicht sicherlich nicht bis nach Teheran, um etwas dort zu ändern (allein deshalb, weil sie deutschsprachig ist). Da gibt es andere Akteure mit viel größeren Spielräumen. Das was Irananders aber machen kann ist für Differenzierung und Dialog in Deutschland zu sorgen.

Beobachter22-11-10
saman irany22-11-10

Frau Mina Ahadi ist wohl weder Frauenrechtlerin noch Menschenrechtsaktivistin,sondern eine doch fanatisch-stalinistische kommunistien.Diese Tatsache liegt darin,dass Frau Ahadi ein führendes Politbüro-Mitglied der antidemokratischen,antiwestlischen und antichristlichen Arbeiter kommunistischen Partei des iran ist.Die Arbeiter Koummistische Partei irans und Frau Ahadi als politbüromitglied venwenden schamlos einen moralisch verweflischen Trick im umgang mit westlischen Medien und politiker,nämlich puplären Titel wie Ex-muslime, frauenrechtlerin und jedoch keine stalinistische kommunistin.Die erwähnte Tatsache ist aber schon den westlichen Medien und politkern bekannt,aber da die isamfeindlichkeit und iransfeindlichkeit gemeinesame sache von westlern und Mina Ahadi sei,dehalb würden wetlische Medien die Kommunistin Ahadi ihren Publikum als menschenrechtsaktivistin vorkaukeln.

Markus22-11-10

Ich möchte mich zunächst bei allen bedanken die einen Dialog anstreben und auch bei der Redaktion für ihren Aufruf zur Sachlichkeit. Jedoch fühle ich mich nicht angegriffen und ich selbst habe auch nicht vor jemanden anzugreifen. Vielleicht sollte ich meine Skepsis besser verdeutlichen. Fakt ist, dass im Iran fast im Wochentakt Geständnisse präsentiert werden. Da wirft es doch die Frage auf, warum? In einem Rechtssystem, dass wirklich zunächst von der Unschuld einer Person ausgeht, beteuern die Menschen, selbst die Schuldigen, meist bis zuletzt ihre Unschuld. Da Ihre Schuld erst in einem Prozess bewiesen werden muss. Im iranischen System aber, möchten scheinbar alle gleich freiwillig im Fernsehen gestehen. Warum? Und zu meiner zweiten Frage - Fakt ist auch, dass die iranische Regierung die Rechte von ausländischen Journalisten nochmals zusammengestrichen hat. Außerdem werden frei Meinungsäußerungen, die nicht der Sicht des Regimes entsprechen, verfolgt. Was würden sie als echter Journalist tun? Würden sie in den Iran reisen und Jemanden befragen, der gerade dort lebt und dem möglicher Weise Haft droht, wenn er seine Meinung sagt oder würden sie jemanden interviewen der unabhängig von Druck seine Meinung sagen kann, weil er jetzt im Ausland lebt? Ich hoffe Le Mec, dass Ihnen auch diese Fakten bekannt sind und meine Fragen für Sie jetzt einen Sinn ergeben, denn ich möchte auch nicht über Aliens sprechen. Zu S.A. danke, dass sie sich Zeit genommen haben um sich meine Fragen anzuschauen.

-Zu Ihrer ersten Aussage: ich meine das, weil sich die Autoren gar nicht für den Inhalt von Ahadis Aussagen zu interessieren scheinen, sondern sich auf die Person allein beschränken.

2-Aber die Reputationen von Irananders Autoren haben genauso einen Einfluss auf die in Deutschland lebenden Menschen, wie Ahadis Reputation angeblich auf die Iraner hat.

3-Gut, da sind wir uns ja mal einig

4-Dass im Iran Menschen begnadigt werden, habe ich nicht bestritten. Ich wollte nur wissen, ob es nach Willkür geschieht oder ein rechtsstaatliches Prinzip dahintersteckt?

5-Ja richtig, nicht alle, sondern viele können im Iran ihre Meinungen sagen und Kritik äußern, aber auch sehr viele nicht. Denn es kommt zusätzlich darauf an, welche Meinung sie haben oder welche Kritik sie aussprechen wollen und welche Position sie im Regime haben. Das sie vielleicht nichts von den Menschen wissen die anders denken, liegt wahrscheinlich auch daran, dass diesen Menschen nicht erlaubt wird zu den Medien zu sprechen. Ayatollah Khamenei kann im Gegensatz zu der Bevölkerung frei seine Meinung äußern ohne verhaftet zu werden und das unabhängig davon was er sagt. Ob es für ihn politisch klug wäre seine Meinung frei zu äußern, ist eine ander Frage die aber Ihm selbst überlassen wird.

6-Sie sagen, dass wir mit einfachen Denkmustern und Pauschalurteilen nicht weiter kommen. Der Meinung bin ich auch. Doch dieser Bericht strotzt gerade zu vor einfachen Denkmustern und Pauschalurteilen. Hier wird suggeriert, dass Frau Ahadi eine schlechte Person ist, deswegen ist dass was sie sagt auch automatisch schlecht. Ohne einmal zu Hinterfragen was sie da kritisiert. Außerdem wird behauptet, dass die gesamte iranische Gesellschaft der Meinung ist, dass Ahadi eine negative Person ist und sie sich deswegen nicht für Menschenrechte einsetzen sollte. Doch woher beziehen sie ihre Informationen über das was die iranische Gesellschaft denkt, von der zensierten Presse im Iran?

Ich glaube, Irananders könnte in dieser Form, auch auf Farsi, im Iran nicht veröffentlichen, weil hier auch andere Meinungen zu Wort kommen dürfen. Aber Ihr bestreben nach Dialog und Differenzierung kann ich nur befürworten. Viele Grüße, Markus

Homayoun H.22-11-10

Lieber Markus,

bitte befassen Sie sich detailliert mit dem Fall.

Sie schreiben: "Fakt ist, dass im Iran fast im Wochentakt Geständnisse präsentiert werden. Da wirft es doch die Frage auf, warum? In einem Rechtssystem, dass wirklich zunächst von der Unschuld einer Person ausgeht, beteuern die Menschen, selbst die Schuldigen, meist bis zuletzt ihre Unschuld."

Sie spielen in diesem Zusammenhang auf das "TV-Geständnis" von Frau Aschtiani an.

Aber hätten Sie sich die Zeit genommen und die Artikel diesbezüglich und die Übersetzungen gelesen, so wüssten Sie dass genau der Fall eingetreten ist, wovon Sie ausgehen, nämlich : [...] beteuern die Menschen, selbst die Schuldigen, meist bis zuletzt ihre Unschuld [...]

Frau Aschtiani hat KEIN Geständnis im TV abgelegt, sondern beteuert dass sie nicht am Mord vom Ehemann beteiligt war. Sie sagte wörtlich dass sie dachte der Freund mache einen Witz! Sie sagte sie hätte nie gedacht dass der Freund es ernst meinte mit dem Mordplan!

Also ich frage Sie jetzt: wo ist da ein GESTÄNDNIS ? und dann auch noch wie im Westen behauptet unter FOLTER erzwungenes Geständniss?

Homayoun H.22-11-10

Hier nochmal das Video:

http://www.youtube.com/watch?v=tDg_3lZ8-mE

Sie schiebt die ganze Zeit die Schuld auf den Freund. Sie meint die ganze Zeit der Freund war der Schuldige, der Mörder, der Verrückte, usw..

@Homayoun22-11-10

Lieber Freund,
was soll uns dieses Video beweisen?
Frau Ashtiani spricht kein persisch sondern nur azari. Man hört nur die Stimme der Übersetzerin, die vom Staatsfernsehen gestellt wurde und somit dem Regime dient.
Abgesehen davon, halte ich persönlich das Video nicht aus. Wenn man in einem freien Land aufgewachsen ist, dann legt man grossen Wert auf die Würde des Menschen(egal welcher Mensch, welcher Hintergrund, ob schuldig oder unschuldig) und dieses Schauspiel ist in jeder Hinsicht eines Menschen unwürdig.
Wäre ich an so einer Situation würde ich sagen was man von mir verlangt, egal was es ist. Wer schon mal im Iran war, oder das Land kennt und sich auch nur ein bisschen mit Gashte Ershad, Basij oder Hezbollah auskennt weiss wovon ich rede.

PS. Würde mich freuen lieber Irananders-Freunde, dass Sie meinen Beitrag veröffentlichen, da ich es gerne hätte, dass der liebe Homayoun meine Worte liest.

SA22-11-10

Lieber Markus,

das ist ja der springende Punkt. Gestehen Gefangene im Iran etwas, heißt es, dass sie gefoltert wurden. Gestehen sie nichts, heißt es, sie sind unschuldig und wurden zur Unrecht verhaftet.

Ich denke nicht, dass das Regime immer unbedingt jemanden foltern muss, um die gewünschten Aussagen zu bekommen. Es reicht auch Haftminderungen und dergleichen anzubieten, die auch so in allen Rechtsstaaten der Welt praktiziert werden. Gleichwohl muss man sagen, dass der iranische Justizapparat aufgrund einige echte Folterfälle selbst schuld ist in diesem Teufelskreis geraten zu sein, dass man ihnen nicht nur nichts glaubt, sondern auch in der Lage ist, Worte in den Mund ihrer Gefangenen zu legen (wie bei Ashtiani), ohne dass der Rest der Welt das zur Kenntnis nimmt.

Das "vermeintliche Geständnis" Ashtianis:

- http://irananders.de/analysen/news/article/mohammadi-ashtiani-konnte-nicht-gefoltert-werden-1.html

- http://irananders.de/nachrichten/news/article/mohammadi-ashtiani-komplettes-interview-auf-deutsch.html

- http://irananders.de/mediathek/news/article/vollstaendiges-interview-von-mohammadi-ashtiani.html

Das jetzige angebliche Geständnis, wo Sie sich als "Sünderin" bezeichnet ist beim genauen Hinhören ein rhetorischer Kunstgriff. Sinngemäß sagt sie, dass ihre Angelegenheit Frau Mina Ahadi nichts angehe, wenn sie doch diejenige sei, die eine Sünde begangen hat.

Was die Geständnisse der Journalisten angeht, haben sie nichts gestanden, was wir vorher nicht wussten, nämlich dass ihre Reise mit Mina Ahadi abgesprochen war (sie war gar die Übersetzerin des Interviews durch Telefonschaltung). Sie haben nicht gestanden, dass sie Spione wären. Des Weiteren vermute ich, dass die Aufnahmen im iranischen Fernsehen protokollarische Aufnahme der Justiz sind, die die Gruppe der jungen iranischen Journalisten verwendet haben (u. a. sind beide in getrennten Räumen zu sehen).

Bzgl. der Festnahme von Sajjad und dem Anwalt erschienen bereits Ungereimtheiten und Falschaussagen (http://irananders.de/nc/home/news/article/mohammadi-ashtiani-komplettes-interview-auf-deutsch.html). Der Iran wirkt gegenüber der geballten Medienmacht aus dem Ausland ohnmächtig zu agieren, wenn er beide festnimmt. Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, wie die Justiz sonst vorgehen soll, wenn der Anwalt offensichtlich Falschinformationen bekannt gibt und der Fall aufgrund dessen und den Kampagnen Ahadis und anderen zu einem Politikum geworden ist, wo bereits westliche Regierungen daran Anklang gefunden haben.

Zu ihren anderen Punkten:

- Auf die Inhalt von Ahadi sind die Autoren bereits mehrmals eingegangen, u. a. --> http://irananders.de/nc/home/news/article/ashtiani-und-die-politische-instrumentalisierung-eines-menschenschicksals.html und http://irananders.de/nc/home/news/article/mohammadi-ashtiani-konnte-nicht-gefoltert-werden-1.html

- Ahadi selbst räumte ein, die Kampagne weltweit zu führen, was nicht gelogen ist. Deshalb ist ihre Person und Seriosität zwingend wichtig für den Fall.

- Hinter den Begnadigungen steckt ein Prinzip und nicht das Los.

- Dass Ahadi einen schlechten Ruf im Iran genießt und zweifelsfrei einen schlechten Licht auf den Fall, hat längst schon „Die Zeit“ bemerkt. Im Artikel selbst finden sich auch genügend Argumente, siehe Nirumand, Heinrich Böll Stiftung etc.

- Irananders wurde im Iran noch nicht gefiltert.

- Last but not least, der Artikel versucht konstruktive Vorschläge zu geben, wie man den Fall lösen kann. Anscheinend beherzigt die Bild bzw. BamS diese Vorschläge (s. die zwei Links von dem Leser „Iraner“, wo die Bild sich relativ gemäßigt und diplomatisch ausdrückt).

Erlauben Sie mir bitte abschließend eine kleine Anmerkung. In der Regel gehen Sie nicht auf das Wesen der Artikel ein, sondern thematisieren eher Dinge, die in den Artikel selbst nie Gegenstand der Diskussionen sind. Verzeihen Sie mir daher, dass ich nun (auch aus Zeitgründen) mich aus der Diskussion ausklinge.

Herzliche Grüße

Steffen22-11-10

@ Markus

Mit Ahadi zusammen zu arbeiten ist wie in Deutschland mit ehemaligen RAF-Terroristen zusammen zu arbeiten.

Noch was: "Andererseits ist es äußerst fraglich, dass die Journalisten lediglich mit dem Sohn und Rechtsanwalt von Mohammadi Ashtiani ein Interview führen wollten. Denn das taten bereits viele renommierte Medien im Westen (meistens durch Übersetzungen Ahadis, Namazis oder Mostafaeis oder sie fungierten jeweils gar als Quellen). Angeblich schaffte es außerdem die britische Zeitung „Guardian“, ein Interview mit Frau Ashtiani zu führen. Der Grund der Reise ist aus iranischer Sicht daher durchaus suspekt."

Dazu kommt, dass die Journalisten nicht einmal Persisch konnten und sowieso kaum geeignet waren für Recherche Arbeiten, oder weshalb musste Ahadi wieder am Telefon übersetzen? Nicht einmal einen lokalen Übersetzer konnten sie riskieren. Alles sehr suspekt.

Homayoun H.22-11-10

@ "Lieber Freund",

Wahrscheinlich wollten Sie das nicht, aber Sie haben mich gerade (ungewollt) in dem was ich sagte bestätigt.

Wenn das Regime nämlich die Wörter von Ashtiani (auf Azari) verfälscht haben soll und auf persisch "überlagert" gesagt haben soll was dort eben gesagt wurde (nämlich: "Ich bin unschuldig, "ich dachte das war ein Witz", "der verrückte Freund wars!"), dann ist das doch ein Beweis dafür dass Frau Aschtiani weder unter Druck gesetzt wurde, noch ein Geständnis abgelegt hat, sondern ein Beweis dafür dass NICHTS in dem Video dem Regime diente und Frau Aschtiani genau das gesagt hat was sie sagen wollte.

Hätte das "Regimefernsehen" nämlich das Ziel dass Sie andeuten wollen gehabt, dann hätte Frau Aschtiani (oder die persische Übersetzung) etwa so lauten müssen:

"Ja, ich habe meinem Freund geholfen meinen Mann umzubringen".

dudel24-11-10

morgen tritt frau mina ahadi in Konstanz bei der Volkshochschule auf, im Südkurier wird die Ankündigung damit eingeleitet, dass Sie sich losgesagt habe ... ihre stalinistische Weltanschauung meint sie wohl nicht.






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