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24.10.2010 Mohammad Khajouei

Irans Einfluss im Libanon


Michel Suleiman, Iranische Waffen

Potentieller Kunde: Der libanesische Präsident Michel Suleiman (l.) besichtigte iranische Waffen in seiner Iran-Reise vor zwei Jahren. (Archivphoto: ISNA)

“Der iranische Präsident verhöhnt Israel an seiner eigenen Grenze” (Le Figaro)

Der zweitägige Besuch Mahmoud Ahmadinejads im Libanon war sein erster dieser Art im Zedernstaat. Er endete offiziell am Dienstag, 14. Oktober 2010, aber im Libanon und in der ganzen Region hallt der Aufenthalt noch immer nach.

Die zwei Länder schlossen 17 Kooperationsvereinbarungen und Abkommen in Bereichen wie Landwirtschaft, Energie, Öl und Gas, Handel, Handwerk, Tourismus, Hochschulwesen, Umwelt, Informations- und Kommunikationstechnologie, Hightech und Medien. All dies ist ein Gradmesser für die vertiefte Beziehung zwischen Teheran und Beirut.

Der Nachhall des Besuchs des iranischen Präsidenten bleibt jedoch nicht auf diese Abkommen beschränkt.

Die Besorgnis über den möglichen Erfolg seiner Libanon-Reise hatte die Gegner des Präsidenten einige Wochen vor seinem Aufenthalt zu negativer Propaganda veranlasst. Dahinter stand die Absicht, entweder Ahmadinejad vom Besuch abzubringen oder zumindest zu verhindern, dass der Besuch zu einer positiven Entwicklung bei Irans außenpolitischen Interaktionen mit Freundstaaten führt.

Das wichtigste Ergebnis seines Besuchs war der verstärkte politische Einfluss anti-israelischer Bewegungen im Libanon und in der ganzen Region. Viele Analysten betonen, dass der Iran in der „Achse des Widerstands“, die die Front gegen die expansive Politik Israels und der Vereinigten Staaten bildet, die Führungsrolle innehat.

Ahmadinejads Reise in den Libanon und die wiederholte Betonung von Irans Unterstützung von Widerstandsgruppen bedeuteten eine Stärkung der Position der regionalen Widerstandsgruppen, insbesondere der Hisbollah.

In diesem Zusammenhang ist auf die enormen Bemühungen zu verweisen, die in den letzten Monaten in verschiedener Hinsicht unternommen worden sind, um die Hisbollah zu diskreditieren. Dazu gehören unter anderem die (noch nicht veröffentlichten, Anm. d. Ü.) Ergebnisse eines internationalen Tribunals, das den Mord am ehemaligen libanesischen Premierminister Rafik Hariri untersucht.

Der Besuch des iranischen Präsidenten offenbarte des Weiteren die wirkliche Position, die die Hisbollah im Libanon innehat. Die meisten internationalen Medien, insbesondere die westlichen Medien, behaupteten, dass die Hisbollah Ahmadinejads wirklicher Gastgeber gewesen sei - und nicht die libanesische Regierung. Aus diesem Blickwinkel betrachtet bedeutet das, dass die Hisbollah eine solche Macht, Stellung und einen solchen sozialen, kulturellen und politischen Einfluss hat, dass sie in der Lage ist, hunderttausende ihrer Unterstützer auf die Straßen in Beirut zu locken, um den iranischen Präsidenten Willkommen zu heißen. Was wir auf allen internationalen Nachrichtensendern gesehen haben, war ein klarer Beweis dafür. Ahmadinejad traf Libanesen aller Gesellschaftsschichten in Beiruts Straßen und erwiderte den freundlichen Empfang.  

Die Macht und der Einfluss der Hisbollah sind derart gestiegen, dass die meisten politischen Köpfe Libanons, die zuvor an der Seite des Premiers Saad Hariri angekündigt hatten, dass sie Ahmadinejad nicht treffen werden, ihre Meinung nach der Landung der Präsidentenmaschine am Beiruter Flughafen  änderten und sich eiligst um ein Treffen bemühten.

Hätte die Allianz des „14. März“ (eine lose pro-westliche politische Gruppierung im Libanon, Anm. d. Ü.) den Präsidenten einer Großmacht oder einen arabischen Herrscher in den Libanon eingeladen, sie hätten ihm keinen so glänzenden Empfang bereiten können.

Westliche Medien bemerkten, dass der Sicherheitsapparat der Hisbollah mit der Sicherheit des iranischen Präsidenten voll beschäftigt gewesen sei. Das bedeutet, dass die Hisbollah mächtig genug ist, die Sicherheit eines der wichtigsten Präsidenten des Nahen Ostens zu gewährleisten. Demnach ist die Hisbollah sehr erfolgreich damit gewesen, ihren Gegnern ihre Fähigkeiten in Sicherheitsfragen während des Besuchs des iranischen Präsidenten eindrucksvoll vor Augen zu führen.  

Ein Erstarken des iranischen Einflusses und der iranischen Macht in der Region war ein weiteres Ergebnis von Ahmadinejads Besuch im Libanon.

Während der letzten Monate stand der Iran unter starkem internationalen Druck sowie unter internationalen und unilateralen Sanktionen. Von einigen Seiten wurde sogar offen über die Möglichkeit eines militärischen Angriffs auf das Land gesprochen. Der Iran hat es in dieser Situation verstanden, einen großen Nutzen aus dem Besuch Ahmadinejads zu ziehen. Dem Druck wurde entgegenwirkt, indem man auf so mächtige Verbündete wie auf die Hisbollah im Libanon setzte, die Irans Einfluss unter Beweis stellen.

Ahmadinejads Libanon-Besuch war auch wichtig, um die Fähigkeiten und den Einfluss der „Achse des Widerstands“,  deren Hauptunterstützer der Iran ist, zur Schau zu stellen. Eine bildhafte Verkörperung dieser Macht und dieses Einflusses stellte Ahmadinejad an der libanesischen Grenze zu Israel unter Beweis. Am aktuellen Scheideweg der libanesischen Geschichte hat Ahmadinejad bewiesen, dass der Iran dazu in der Lage ist, seine Macht gegenüber regionalen und überregionalen Gegenspielern (wie Israel und den USA) - auch in schwierigen Situationen – deutlich zu demonstrieren.

Bei Ahmadinejads Rede an der Grenzstadt Bint Jbeil wurden Fotos des geistigen und politischen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Khamenei, Seite an Seite mit iranischen Fahnen, in direkter Nähe zur israelischen Grenze gezeigt. Der Rede folgte die Einweihung des vom Iran gesponserten Parks in Maroun al-Ras, einer Stadt, die sich ebenfalls in der Grenzregion befindet und deren Straßen nach iranischen Städten benannt wurden. Für die USA und Israel dürften das alarmierende Signale für den wachsenden Einfluss des Irans sein.

Der warmherzige Empfang, der dem iranischen Präsidenten durch verschiedene politische libanesische Gruppen gewährt wurde und Ahmadinejads Betonung der Notwendigkeit der libanesischen Einheit nahmen andererseits den Stimmen den Wind aus den Segeln, die eine Gegnerschaft Irans zu einem starken Libanon behaupten. Die Zusammenkünfte des Präsidenten mit Sayyed Hassan Nasrallah, Nabih Berri, Michel Suleiman, Michel Aoun und Saad Harir bezeugten, dass die Mehrheit der politischen Kräfte des Libanon mit der Entwicklung der Beziehungen zum Iran zufrieden sind.

Vielleicht sind die Bemerkungen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu das beste Zeugnis für den mit der Reise verbundenen Erfolg des Irans und der „Achse des Widerstands“ (in Libanon und in der Region) einerseits und für den Groll der israelischen Offiziellen andererseits. Der Premier hatte nämlich Mitleid für das libanesische Volk geäußert, welches „seine Unabhängigkeit und nationale Souveränität verloren hat, indem sein Land zu einem Teil der Islamischen Republik Iran“ geworden sei.


Von dem Nahost-Experten Mohammad Khajouei, übernommen von „Iran Review“. Übersetzt von Leo Schmitt.


Gast26-10-10

Der Iran kann leider keine Waffen offiziell nach Libanon exportieren, wegen den UN-Sanktionen, sonst hätte Suleiman sicherlich gerne bei den Iranern eingekauft. Wahrscheinlich wird es dann über Syrien abgewickelt?! Dank Israel verliert der Westen immer mehr an Einfluss in der Region. Die Israelis lassen nämlich nicht zu, dass der Westen die libanesische Armee mit Waffen ausstattet. Mit anderen Worten, die Hisbollah ist nur ein vorgeschobener Grund der Israelis, sie haben es auf ganz Libanon abgesehen?!






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