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26.03.2010 Shayan Arkian

Grüne Bewegung: Zeit zum Umdenken


Landesweite Proteste gegen die Opposition, zwei Tage nach den Unruhen am Aschura 2009. (Photo: Fars)

Kommentar anlässlich der Analyse von Frau Nazenin Ansari erschienen in Qantara, veröffentlicht am 23.03.2010.


Frau Nazenin Ansari ist bemüht, im Gegensatz zu den gängigen Iran-Analysten, eine gewisse Differenzierung zu vollziehen. Dennoch geht Sie von den üblichen Voraussetzungen aus. Hier eine Kritik:

Die Proteste nach den Wahlen richteten sich gegen die Wahlfälschungen, deren Beweis von der Opposition nicht erbracht wurde. Dadurch hat die Opposition enorm an Attraktivität verloren.

Es ist aber von der anderen Seite kein Nullsummenspiel, das wenn die Opposition an Einfluss verliert, die Menschen beginnen die Regierung zu unterstützen. Es ist viel mehr so, dass die starke Polarisierung während des Wahlkampfes sich entladen hat und die Menschen längst begonnen haben wieder ihren Alltagssorgen nachzugehen, diese sind aber nicht unbedingt das Recht auf freie Meinungsäußerung oder Versammlungsfreiheit.

So sieht auch die Autorin die Maßnahme der Regierung, fünf Tage Ferien ausgerufen zu haben als effektive Maßnahme, weshalb die Grünen ihre Anhängerschaft nicht mobilisieren konnten. (Im Iran ist es gängige Praxis Überbrückungstagen zu Feiertage zu erklären. Donnerstag und Freitag sind im Iran das Äquivalent von deutschem Samstag und Sonntag, der 11. Februar war Donnerstag und Samstag und Montag waren ohnehin Feiertage Aufgrund der Todestage von Propheten Muhammad und der 8. Imam der Schiiten Reza in Mashhad)

Wenn wir uns von unseren intellektuellen Präferenzen distanzieren, sind wir ein Stück weiter, die Menschen im Iran und andere in der Region besser verstehen zu können. Dazu gehört das Potential einzuräumen, dass die Grüne Bewegung nie die Mehrheitswahl der Iraner war. In diesem Zusammenhang verweise ich gerne auf die umfassenden Studien seitens amerikanischer Meinungsforschungsinstitute vor und nach den Wahlen, abrufbar unter www.worldpublicopinion.org .

Der Westen ist gut beraten, keine Politik ausschließlich fußend auf befangene Analysen und Erkenntnisse von Exil-Gemeinden zu formulieren. Vor nicht langer Zeit führte eine solche verursachte Politik, angewendet auf den Irak, zu einem großen Ansehensverlust des Westens in der nahöstlichen Region. Die Wirtschaftszahlen über den Iran, die regelmäßig von exilierten Iran-Experten angeführt werden, fußen auf keinerlei Wahrheitsgehalt. Viel mehr bescheinigen die internationalen Daten über Irans Wirtschaft, ob es die der Internationalen Währungsfonds (IWF) oder Weltbank ist, positive Bilanzen, sei es die Reduzierung der Armutsquote oder das stetige Wachstum - trotz weltweiter Rezession.

Ähnlich verhält es sich mit dem seit Jahrzehnten reflexartigen Mutmachungen seitens Exil-Iraner, wenn sie pro staatliche Demonstrationen immer als staatliche Zwangsmaßnahmen und Inszenierungen sehen, die sich auch nie erwiesen hat (dafür spricht, das ausländische Korrespondenten stets frei darüber berichten dürfen wie am 11. Februar 2010 geschehen).


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