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Irans Flugverkehr zwischen Sanktionen und Modernisierungen


Iran, Air, 747 SP

Ein seltenes Exemplar eines Flugzeugs, das bei Flugzeug-Fans für Nostalgie sorgt: Der Boeing 747-SP

Ende August kündigte der iranische Verkehrsminister Hamid Behbahani den Erwerb von acht Flugzeugen des Herstellers McDonnell Douglas und von sechs Flugzeugen des Typs Airbus an. Zuvor wurde bereits der Kauf von fünf MD-Maschinen bekannt gegeben. Es handelt sich um gebrauchte MD-87 Modelle, die in China im Einsatz waren. Sie sollen im inner-iranischen Verkehr zum Einsatz kommen und ältere Tupolew-Maschinen ersetzen. Langfristig sollen nach einer Entscheidung des Verkehrsministers alle älteren Tupolews ausgemustert werden. Der Kauf und das Leasen von alten Tupolews wurde nach diesem Beschluss ebenso verboten. Unberührt davon bleiben die neuen TU-204, die ab 2011 ausgeliefert werden sollen.

Im Iran kommen in der Regel geleaste TU-154 Maschinen zum Einsatz. Sie sind im Iran wegen Sicherheitsbedenken und fehlendem Komfort äußerst unbeliebt. „Iran Air Tours“ (mit Sitz in Mashhad), die Tochtergesellschaft der staatlichen Gesellschaft „Iran Air“, hat die meisten TU-154 im Bestand.

Die iranischen Fluggesellschaften leiden seit Jahrzehnten unter den unilateralen US-Sanktionen. Anders als beim Kauf und der Herstellung von Schiffen wirken diese Sanktionen sich stark auf das iranische Verkehrswesen aus, weil technisches Gerät aus den USA in der Regel auch bei Airbus und anderen Maschinen verwendet wird. Das heißt, dass ein Kauf von neuen, nicht-amerikanischen Maschinen wie Airbus - im Gegensatz zu Schiffen - nicht möglich ist. Vor einigen Jahren musste deshalb der Kauf von Airbus 330 Flugzeugen platzen, obwohl die iranische Seite bereits eine Anzahlung geleistet hatte.

Nichtsdestotrotz konnte der Iran durch den Kauf von gebrauchten Flugzeugen – u. a. durch Drittfirmen oder unter der Hand – seine Flugzeugflotte ausbauen und fliegt derzeit mehr Destinationen im Westen an als noch vor zehn Jahren. Die im Iran seit 2003 unter Lizenz produzierten Antanov-140 haben dagegen weniger Einfluss und werden nur von privaten Gesellschaften eingesetzt.

Von Deutschland aus fliegt die „Iran Air“ von Hamburg, Köln/Bonn und Frankfurt am Main in den Iran. „Mahan Air“, eine private Gesellschaft, fliegt von Düsseldorf aus über Teheran nach Bangkok. Das Potential an Iran-Reisen ist aber weitaus größer („Bulgaria Air“ kündigte kürzlich an von Varna nach Täbris zu fliegen). Konkurrenten wie „Turkish Airlines“ konnten zuletzt Marktanteile gewinnen, da sie seit einigen Jahren quasi bundesweite Flüge nach Mashhad (über Istanbul) anbieten. Erst in diesem Jahr konnte „Iran Air“ mit einem Direktflug von Frankfurt am Main nach Mashhad Paroli bieten. Wichtig ist diese Route, da sozusagen alle Afghanen/innen über Mashhad in die Heimat fliegen.

Die Sanktionen konnten den iranischen Flugverkehr nicht zum Stillstand bringen. Auch die „Schwarze Liste“ der EU (Embargo-Liste gegen sicherheitsriskante Flugzeuge), die mit politisch begründeten Sanktionen in keinem Zusammenhang stehen sollte, sanktioniert in diesem Sinne nur wenige Modelle - auch wenn die ersten Embargos der „Schwarzen Liste“ gegen „Iran Air" paradoxerweise nur unbedeutende iranische Flugzeuge betrafen, die ohnehin in der EU nie eingesetzt worden waren und auch nie eine Genehmigung dafür hatten. Immerhin dürfen mehr als 20 Flugzeuge in der EU landen, wenn auch die Formulierung der Sanktion etwas anderes erahnen lässt. Die Sanktionen und Embargos bewirken zwar, dass „Iran Air“ und andere iranische Fluggesellschaften nicht das volle Marktpotential ausschöpfen können, aber eine existenzielle Bedrohung stellen sie nicht dar. Vielmehr fühlt sich der einfache Passagier drangsaliert, dass macht sich umso mehr bei den neuen unilateralen Treibstoff-Sanktionen bemerkbar, die nicht von UN-Resolutionen gedeckt sind. Die „Iran Air“-Maschinen von Frankfurt und Hamburg müssen seit kurzem zwecks Volltankung in Wien zwischenlanden. Katastrophaler wirken sich die Sanktionen auf den Inlandsverkehr aus, wo der Flugverkehr gemessen an Bevölkerungsanzahl unzureichend ist. Das drückt sich vor allem während der Neujahresferien am heftigsten aus, wo stets alle Flüge bereits seit Monaten ausgebucht sind.

Am Beispiel der Sanktionen gegen den iranischen Flugverkehr lässt sich die Fragwürdigkeit solcher politischen Instrumente sehr gut vor Augen halten. Freilich kommen nicht alle Iraner in den Genuss des Fliegens, aber da die Sanktionen keine Ausnahmen bei der Wartung von Maschinen und Ersatzteillieferungen vorsehen, betrifft es auch – trotz allen iranischen Ingenieurwissens, Innovationen und Vorsichtsmaßnahmen – die Sicherheit von unbescholtenen Menschen. Ein Totalboykott ist weder politisch noch praktisch zu verwirklichen (Inlandsflüge kann man ohnehin nicht verbieten) und der derzeitige Teilboykott nützt weder der westlichen Wirtschaft noch den Menschen im Iran. Er schadet auch dem iranischen Staat nicht maßgeblich. Ganz im Gegenteil entsteht bei jedem Zwischenfall, bei jedem Absturz und bei jeder Störung im Flugbetrieb eine ungewünschte Solidarisierung der Menschen mit der iranischen Regierung.


Kritik06-09-10

Einige Kritikpunkte:
Es gab zwar Bestellungen für den Airbus A330, jedoch nie für den A380. Des Weiteren zeichnet Ihre Behauptung bezüglich der Schwarzen Liste nur die halbe Wahrheit auf, gerade die Großraumflugzeuge des Musters, B747SP/-200 können nicht mehr in die EU eingesetzt werden. Ferner entfallen die Muster des Airbus A320 aufgrund nicht angemessener Wartung. Diese wurden auf Strecken nach Köln/Bonn und Wien eingesetzt. Sie bewerten das Handeln als politisch Akt, grundsätzlich sollten Sie dabei bitte auf die Richtigkeit achten. Unabhängig davon, ob der Rafsanjani-Clan oder die Isl. Republik Sanktionen zu spüren bekommt.

Armin06-09-10

Ja und abgesehen davon haben die usa den Passagier Flugzeug 1980 erste Golf Krieg abgeschossen 280 Menschen...diese anti iranischen Sanktionen haben leider auch unter Obama keine Wirkung auf die iranische Wirtschaft...nur positives Iran liefert auch bald Autos in die eu..tja pp für die ungrechten persönliches Pech sag ich nur und weiter so....super mfg

SJ + SA08-09-10

@Kritik

- Das stimmt, es ging um den A330. Danke für die Korrektur der Verwechslung.

- Die "Schwarze Liste" der EU wurde nicht als politische Maßnahme dargestellt, sondern es wurde "lediglich" moniert, dass die Formulierung und Ankündigung der Liste sehr missverständlich ist bzw. war. Es ist ziemlich rufschädigend, wenn behauptet wird, dass zweidrittel der Iran Air Maschinen nicht mehr in der EU landen dürfen. Aber tatsächlich nur wenige Modelle betroffen sind, da die meisten betroffenen Modelle ohnehin nie in der EU landeten und dazu auch offensichtlich nie eine Absicht bestand. Die Ankündigung hat jedenfalls zu sehr viel Verwirrung bei der Kundschaft der Iran Air geführt (Stornos, Kunden beruhigen etc.). Wenn auch die Aufnahmen von Iran Air in der Embargo-Liste der EU an sich zweifellos keine politische Maßnahme ist, ist sie doch eine Auswirkung von politischen Sanktionen.

- Das Embargo auf A320 und B747SP/-200 ist im Artikel behandelt: Die Sanktionen und Embargos bewirken zwar, dass „Iran Air“ und andere iranische Fluggesellschaften nicht das volle Marktpotential ausschöpfen können, aber eine existenzielle Bedrohung stellen sie nicht dar.

Hajji27-10-10

Inzwischen fliegt Iran Air von Hamburg aus wieder direkt nach Teheran. Man hat dort nun einen anderen Lieferanten gefunden. :-)

Walter Merkl02-04-11

Die Wartung der Flugzeuge iranischer Gesellschaften kann man trotz der Begleitumstände (Sanktionen in Bezug auf Ersatzteile etc.) zweifelsohne als gut bezeichnen. SAHA Air setzt sogar noch die mittlerweile betagten Boeing B 707 auf Inlandsstrecken zuverlässig ein, bin damit vor einigen Jahren selbst geflogen und kann wirklich nichts nachteiliges sagen.

Nasser02-04-11

Was aber leider immer gerne vergessen wird ist das man mit solchen embargos nur das einfache volk trifft und nicht die regierung. das volk muss mit veralterten maschinen fliegen, zwischenlandungen über sich ergehen lassen, weil wiederum diese westliche länder ihre eigene luftverkehrsgesetzte nicht beachten und iranischen passagiermaschinen in europa nicht betanken und.........
aber unsere regierungsherrschaften können weiterhin neue flugzeuge kaufen und was noch schlimmer ist, sogar mit maschinen, die nicht über eu fliegen dürfen, mit über 250 regierungsangehörige über eu nach usa fliegen.
also, eine große bitte an die gesetzgeber in eu: bitte erzählt kein mist, es wäre für den schutz der eu, oder keine neue maschinen für die iraner, weil sonst die regierung diese anderweitig und auch vielleicht militärisch benutzen könnte, alles schwachsinn.
noch eins: ich lebe schon über 30 jahren in D und fliege ab und zu nach hause, NUR MIT IRAN AIR, ob die maschine alt ist oder kein sprit bekommt, kein problem, einfach nur persönlich gegen diese unmenschlichkeit der westliche welt zu protestieren.




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