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Wer ist Ahmadinejad wirklich?


Ahmadinejad wird von den Konservativen wegen seiner Rhetorik in der Außenpolitik unterstützt, in der Kulturpolitik kritisiert man ihn dagegen. (Archivphoto)

Der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinejad äußerte sich in seinem letzten turnusmäßigen Fernsehinterview mit dem iranischen Rundfunk, die im Iran als Rede zur Lage der Nation gilt, unter anderem über die von dem UN-Sicherheitsrat kürzlich verhängten Sanktionen und die Kleidervorschriften im Iran.

Es ist offen bekannt, dass die USA die Sanktion auf Biegen und Brechen nach monatelangem Druck erzielt haben. Neu ist jedoch, dass der US-Präsident Barack Obama persönlich alle Staatschef des UN-Sicherheitsrates mehrmals persönlich anrief um eine Zustimmung zu erhalten. Mit Erdogan habe Obama vergebens anderthalb Stunden telefonisch gesprochen und bat den türkischen Ministerpräsidenten sogar darum, auf den Libanon Druck auszuüben, damit dieser sich zumindest enthält. Angeblich habe Barack Obama zudem Erdogan eingestanden, dass er vom Kongress unter enormen Druck stehe und Ergebnisse vorweisen müsse und dass er selber wisse, dass die Sanktionen keine Ergebnisse beim Iran erzielen würden. Tayyip Erdogan und andere Staatschefs des UN-Sicherheitsrates haben nach Angaben Ahmadinejads die Lobbyings Obamas dem Iran so mitgeteilt.

In einem anderen Teil des Interviews äußerte sich der iranische Präsident Ahmadinejad zu der Frage, wie er zu den immer in Sommer stattfindenden verstärkten Kontrollen über die ordnungsgemäße Kleiderordnung stehen würde. Er kritisierte es abermals und unterstrich, dass die Regierung die verstärkten Kontrollen nicht teilt und auch nicht den Auftrag dazu gab. Er sagte ferner, dass primär die Männer die Ursachen für Unmoralität in der Gesellschaft sind und nicht die Frauen. Er fuhr aus, dass die Männer sich zu verbessern haben, wenn sie sich nicht kontrollieren können. Ferner sagte er, dass man mit Zwangsmaßnahme moralische Werte in der Gesellschaft nicht verbreiten kann. Zwar siehe der Islam das Gute gebieten vor, aber das Gute muss zuvor in der Gesellschaft anerkannt werden, damit man dazu aufrufen kann. Auf die Frage, was er davon hält, dass man zur Abschreckung Photos von Schlechtbekleideten schießt und sie auf Postern zeigt, verurteilte Ahmadinejad dieses Vorgehen mit dem Argument, dass nur ein Richter verurteilen kann. So lange kein Urteil existiere, darf niemand den anderen als verurteilt betrachten oder ihn so in der Öffentlichkeit darstellen, so Irans Präsident.

Aufgrund von 30 Persischsprachige Sendern die vom Ausland per Satellit im Iran rein gesendet werden ist das Bild Ahmadinejads im Iran gar widersprüchlich. Die Konsumenten der iranischen Medien haben ein durchaus anderes Bild von ihren Präsidenten als die Konsumenten der westlichen Sender. Unter den Reformern gibt es tatsächlich Politiker, die davon ausgehen, dass Ahmadinejad zur Vernichtung Israels aufgerufen hat („Wipe off the map“). Ein hinlänglich falsche Übersetzung, die auch vom deutschen Presserat gerügt worden ist. Über Ayatollah Montezari wird von seinem Sohn berichtet, dass er gerne BBC Persia und Voice of America sah. Viele der politischen Schlagabtausche innerhalb des Iran rühren daher, dass Politiker Fehlinformationen von der  jeweiligen gegnerischen Seite haben, da man nicht die Primärquellen zur Rate zieht, sondern Sekundärquellen wie im Falle des Falschzitates „Wipe off the map“.

Das Bild welches der Westen von Ahmadinejad hat ist vornehmlich verzerrt aufgrund des Falsch-Zitates „Wipe off the map“. Deshalb ist es völlig untergegangen, dass Ahmadinejad derjenige – als erster iranischer Präsident - war, der einen US-Präsidenten zu seinem Wahlsieg gratulierte und ihn mehrere Briefe schrieb. Er war auch derjenige, die den Frauen den Zutritt zum Fußballstadium gewähren wollte (von Klerus jedoch zurück gepfiffen). Und er war der erste Präsident, der Frauen zu Ministerinnen ernannte. Es ist daher nicht paradox, dass nach Angaben von dem US-amerikanischen Institut World Public Opinion die iranischen Frauen nicht mehrheitlich Mousavi gewählt haben, da er in den 80ern als Ministerpräsident eine insgesamt andere Politik betrieb (er bekam deshalb beim Wahlkampf den Vorwurf seine Frau für seine politischen Ambitionen zu benutzen), sondern Mahmud Ahmadinejad, der auch Frauen in der Teppichgewerbe sozial versicherte.


Seyed07-07-10

Wahnsinns Artikel!!
Respekt!
Und sowas von wahr! Warum wollen die Leute das bloß nicht verstehen?
Macht weiter so!!!

Torsten S.22-07-10

danke für den artikel, obwohl ich auch ohne diesen artikel schon der meinung war , dass das bild von herrn ahmadinejad hier in deutschland nicht richtig wiedergegeben wird






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