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11.04.2010 Shayan Arkian

Kommentar zu Antonia Rados Ahmadinejad-Interview


Ahmadinejad küsst aus Ehrbietung die Hand seiner ehemaligen Lehrerin. Da die Dame Handschuhe trägt gilt das Küssen ihrer Hand von Fremden als islamisch unbedenklich.

Kommentar anlässlich des Interviews zwischen Antonia Rados und Mahmud Ahmadinejad, veröffentlicht am 09.04.2010.


Normalerweise lässt der iranischen Präsident Mahmud Ahmadinejad sich nur live interviewen (und das sehr oft!). Dass die Star-Journalistin Antonia Rados es anders geschafft hat, spricht für ihren Engagement und ihren guten Ruf im Iran. Dennoch muss man auch Kritik zu der Reportage geäußert werden. Unten stehend werden auf einige Fehlern hingewiesen, die sich in der Reportage eingeschlichen haben.

Ahmadinejad hat Frau Rados insofern nicht die Hand gegeben, nicht weil sie bloß eine Frau ist , sondern da sie nicht seine Verwandte sind. Der schiitische Islam sieht vor, dass Körperkontakte nur innerhalb der Familie gestattet sind. Das heißt, wäre sie seine Tante oder Großmutter hätte er wahrscheinlich aus der Tradition heraus ihre Hand aus Dankbarkeit geküsst. Bzgl. den Glauben an dem Erlöser sei gesagt, dass das kein spezifisches Problem von Mahmud Ahmadinejad ist, sondern Grundpfeiler des schiitischen Glaubens und somit der kollektive Glaube von Millionen von Menschen. Übrigens glauben Christen und Juden ebenfalls an einen Erlöser.

Des Weiteren hieß es in der Reportage, Ahmadinejad würde eine Hintertür sich auflassen, da er den Austausch des Urans nicht ausschließt. Nach allen Statements aus Teheran und Washington ist zu entnehmen, dass fürwahr der Iran den Austausch eher bevorzugt. Iran ist noch nicht in der Lage genügend Uran für den Forschungsreaktor in Teheran zu produzieren. Das heißt, der Dissens dreht sich nicht um den Austausch an sich, sondern um die Modalitäten. Die Iraner verlangen praktische Garantien, ihr abgegebenes Uran auch wieder zurück erhalten zu können, die Amerikaner wollen dagegen keinen schrittweisen oder simultanen Austausch. Das schafft kein Vertrauen für die Iraner, das in den verhärteten Positionen dringend nötig wäre. Durch diese Politik unternimmt nun der Iran eine größere Anstrengung sein Uranbestand auf 20 % anzureichern, einen besseren Grund konnte man Iran nicht geben.

Herr Ahmadinejad wäre besser beraten gewesen, Rados Bitte, er möge doch auf Gott schwören keinen Atomwaffen haben zu wollen, mit der Fatwa seines geistlichen Oberhauptes Khamenei, der die letzte Instanz in der iranischen Außen- und Sicherheitspolitik ist, zu entgegnen. Sie besagt, dass der Einsatz und Herstellung von Massenvernichtungswaffen im Islam verboten ist. Das ist auch nicht weit hergeholt, denn als Irak in den 80ern chemische Waffen gegen Iran einsetzte, erwiderte Iran nicht mit Gleichem, obwohl Bestände aus der Shah Zeit vorhanden waren. Nach dem Krieg gegen Saddam, in der Rolle als Opfer von Massenvernichtungswaffen, ratifizierte das Parlament sogar die internationalen Regelwerke zur Verbannung von Massenvernichtungswaffen.

Ein anderer Aspekt, der in der Reportage zwar angesprochen wurde, aber visuell anders dargestellt wird, ist die Popularität Ahmadinejads. Ja, gewiss Polarisierer ernten auch große Feindschaften, wie man sie im Sommer 2009 zu sehen bekam. Einen umfassenderen visuellen Eindruck seiner Popularität ist auf ihrer gemeinsamen Reise hier einzusehen. Übrigens ist das dort die ethnische Heimat von Mousavi.


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