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Schwarzmalerei über die iranische Wirtschaftskraft


Börsencrash

Unähnlich wie in den arabischen Golfstaaten und im Westen basiert Irans Wirtschaft kaum auf die weltweite Finanzwirtschaft, sondern klassischerweise auf Erschaffen von Mehrwert.

Anlässlich der drohenden Sanktionen zirkulieren vermehrt Artikel in deutschen Medien über eine angebliche Wirtschaftskrise im Iran. Es verhärtet sich der Eindruck, dass Journalisten und Autoren gemäß ihrer voreingenommenen Meinung die iranische Wirtschaftskraft einseitig bewerten und dadurch Sanktionen eine praktische Legitimität erhalten. Paradoxerweise haben jedoch ausgerechnet Sanktionen den Iran von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise geschont. In dem sie nicht in der internationalen Finanzwirtschaft integriert waren konnte der Iran als einziger Staat am Persischen Golf einen Wirtschaftswachstum im letzten Jahr vorweisen.

Es genügt nur einen Blick in Statistiken der nationalen sowie internationalen Wirtschaftsinstitute zu werfen, um von der anhaltenden besseren Wirtschaftsleistung des Irans - trotz Sanktionen – sich zu überzeugen. Aber überzeugt von den eigenen Jahrzehnten langen Stereotypen schreiben gar Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen Kommentare und Analysen aus dieser Tradierung heraus. Den größten Patzer erlaubte sich der Ökonom Kenan Mortan in seinem kürzlichen Artikel in Qantara, in dem er dem Iran vorwarf aus Inkompetenzgründen das internationale Handelsabkommen ECOTA angeblich nicht unterschrieben zu haben.

Seit dreißig Jahren pflegt die westliche Welt nun das Bild eines Irans der stets in der Wirtschaftskrise steckt. Es stellt sich die Frage, was für ein Atem ein Volk haben muss, um stetig in einer Wirtschaftskrise zu sein?

Sicherlich litt die iranische Wirtschaft in den letzten dreißig Jahren an Revolution, Krieg und Sanktionen. Der Nahe- und Mittlere Osten (bis auf den Golfstaaten) war auch nicht in den letzten dreißig Jahren eine Insel der Stabilität für Investoren. Dennoch hat der Iran gerade in den letzten Jahren – auch unter Ahmadinejad – Beachtliches gemeistert. Auch wenn das Land immer noch an seinen Erdöl-Exporte abhängig ist und die Rekordergebnisse in BIP der teureren Öl-Preise zu verdanken ist, hat der Iran im Gegensatz zu den Staaten in der Region (bis auf die Türkei) die einzig autarke Wirtschaft.

Dass iranische Firmen im Ausland Automobilen herstellen wird ignoriert, dass im Ausland Iran Kraftwerke baut wird ignoriert, dass der Iran zu den wenigen Staaten gehört mit Wissen in der Nanotechnologie, Weltraumfahrt und Atomindustrie wird ignoriert oder als Bedrohung wahrgenommen, und das gleiche gilt für das hohe Maß an Selbstständigkeit in der Militärindustrie. Dass der Iran mehr Erdöl fördert wird ignoriert, dass das iranische Nicht-Öl-Export zweistellig wächst wird ignoriert, dass der Iran seinen Gesamtexport in neunzehn Jahren um 824 Prozent gesteigert hat wird ignoriert, dass der Iran die sechzehnt größte Wirtschaftsmacht der Welt ist wird ignoriert, dass der Iran laut EIU in fünf Jahren sein BIP verdoppelt wird ignoriert, dass all dieses und vieles mehr von renommierten Wirtschaftsinstitute bestätigt wird, wird nicht nur ignoriert sondern wie im schlimmsten Fall in dem Artikel von Brüggmann zu lesen als iranische Propaganda abgeschmettert.

Kürzlich sagte der Nahost Experte Udo Steinbach in einem Interview mit uns, dass die Arroganz in der westlichen Elite andere Sichtweisen und Wahrheiten bedeckt und dadurch am Ende sie Schaden wird. Was die Betrachtungen auf die iranische Wirtschaft angeht hat er vollkommen Recht.

Es ist verständlich, dass man keine Bereitschaft hat positive Bilanzen einer Regierung (Ahmadinejad) anzuerkennen mit der man (hauptsächlich künstlich und unbegründet) in mentaler Feindschaft ist. Die iranische Exilanten und Aktivisten um die Grüne Bewegung, die jede Woche als objektive und neutrale Quelle, Interpret und Beobachter des Irans und der inner-iranischen Verhältnisse eine der großen deutschen Printmedien zieren geben die nötige qualifizierte Bestätigung. Es fällt keine Parallele auf, wenn ein SPD-, Grünen- oder Links-Politiker im Ausland einen Bilanz der Merkel-Regierung zu ziehen hat.

Zurück zu Mathias Brüggmanns Artikel in Handelsblatt: Sehr geehrte Herr Brüggmann,

erlauben Sie mir Ihnen als erstes einen interkulturellen Ratschlag zu geben. Fragen Sie nie einen Basar-Händler, wie seine wirtschaftliche Situation ist, noch nehmen Sie ihn als Expertenquelle für Wirtschaftsfragen an. Was in Deutschland als Small Talk über das Wetter gilt, ist im Iran das ständige Gerede über die schlechte persönliche Situation. Sie deckt sich nicht immer mit der Wahrheit, da mitunter Millionäre im Iran diese Angewohnheit haben.

Die von Ihnen genannte Maßnahmen an Wirtschaftssanktionen wäre herzlich zu begrüßen um das iranische Atomprogramm ein für allemal aus der Welt zu schaffen, nur leider entsprechen sie nicht der reinen Wahrheit. Mehr noch, es gibt wie immer genügend Staaten, die diese Sanktionen nicht anwenden werden.
 
Der von Ihnen zitierte ungenannte Teheraner Analyst irrt sich. Vermutlich handelt es sich um Said Leylaz, der sich bisweilen in Widersprüchen verwickelt. Der aus Öl-Verkäufen stammende Stabilitätsfond war das Ergebnis der niedrigen Öl-Preise Ende der 90ern, um bei ähnlichen Vorfällen auf Geldreserven zurückgreifen zu können. Der Öl-Fond wurde in den letzten Jahren gut bestückt, da der Iran stets in seinen Haushaltsplanungen niedrige Öl-Preise kalkuliert hat. Die Regierung hat nicht ohne Weiteres Zugriff auf den Fond, auch wenn der Iran kein lupenreiner Rechtsstaat ist, so ist er dennoch keine Bananenrepublik. Sie selbst schreiben ja, dass das iranische Parlament unabhängig genug war, um Ahmadinejads Subventionskürzungen zu durchkreuzen. Und die Subventionskürzungen haben aber auch gar nichts mit den angeblichen leeren Öl-Fonds zu tun. Diese Pläne sind schon seit Jahrzehnt in der Schublade und sind nun aufgrund der niedrigeren Armutsquote verwirklichbar. In Hinblick auf fehlenden westlichen Investitionen auch opportun.

Mit freundlichen Grüßen

Gegen Ignoranz, für auf gleiche Augenhöhe


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