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Vergleich: Westliche Berichterstattung über Thailands Roten und Irans Grünen


Ohne eine Ähnlichkeit zwischen den Rot-Hemden in Thailand und der Grünen Bewegung im Iran suggerieren zu wollen, ist es dennoch bemerkenswert wie die Unruhen in Thailand mit Gelassenheit und journalistischen Professionalität konstatiert werden. ZDF-heute stellt Paradoxen in Thailand fest und der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ruft beide Seiten zur Mäßigung auf (beide hier abrufbar).

Solche Feststellungen und Aufrufe hat man im Falle des Irans kläglich vermisst, wo in einem Bruderkonflikt mehrere Menschen Todesopfer wurden.

Das Recht auf freie Demonstrationen ist sicherlich ein hohes Gut, und wurde in Hinblick auf den Wahlunruhen im Iran von Repräsentanten der Demokratie und Menschenrechte eingefordert. Die Grüne Demonstrationen richteten sich aber gegen die demokratische Mehrheitsentscheidung des Volkes, dieser hat Vorrang über allen anderen Rechten.

Wenn der Westen verantwortungsbewusst handeln wollte, so hätte er - neben der Aufforderung zur lückenlosen Untersuchungen aller Todesopfern - auch Mousavi und Karoubi zur Mäßigung und hinsichtlich der Fälschungsvorwürfen sie zum verfassungsmäßigen Gang aufgerufen haben müssen.

Dieselbe Verfassung hat nämlich beide Kandidaten für die Wahlen zugelassen. Wenn das höchste Gericht in Teheran eine Manipulation betreiben wollte, so hätte es ohne Zögern beide Kandidaten von den Wahlen ausschließen können. Der letztere von beiden akzeptierte nicht die Wahlen von 2005, obwohl die Durchführung der Wahlen paradoxerweise unter der Ägide der Reformer stattfand. Gründe hätte man also genug finden und erfinden können. Die Grüne Bewegung gab es damals noch nicht und das Wahlvolk schlummerte. Und eine höhere Wahlbeteiligung manipuliert anzugeben ist sicherlich einfacher und risikoarmer als einen feurig-heißen Wahlkampf mit offenen Fernsehdebatten zu beginnen und anschließend 11 Millionen Stimmen zu fälschen und dadurch den erwarteten Zorn des Volkes auf sich zu ziehen.

Die gemäßigte Grüne Bewegung forderte ursprünglich die Annullierung der Wahlen, konnte jedoch keine Fälschungen nachweisen und verlor ihre Basis. Eine kleine radikale Gruppe, vorwiegend affiliiertmit der iranischen Exil-Opposition, dominierte allmählich das Geschehen, was schließlich in der Aschura-Unruhe mündete. Dieser Ereignis wurde im Westen völlig fehl gedeutet - auch dank des Wirkens der Exil-Opposition und der Exil-Iraner.

Hier einige Parallele zu der aktuellen Lage und insbesondere zum Bericht von ZDF heute. Die folgenden Videos und Photos wurden damals jedoch nicht von den deutschen Fernsehanstalten gezeigt. Im Gegenteil, das Einprügeln auf Polizisten wurde manchmal gar als das Einprügeln auf Demonstranten suggeriert. Und in anderen Tagen, wo die Unruhe sich schon längst gelegt hat, bediente man sich gelegentlich mit Archivmaterial ohne sie als solches zu kennzeichnen. Alles andere als Thailand-Berichte.

 

 

 

 

 

 

 

 Ähnlich wie in Thailand: Unstimmigkeit darüber, ob man zuschlagen soll oder nicht.

 

 

Nach den ersten Demos und der ausgesetzten Kritik verstand die iranische Polizei erst Tränengas vor Knüppeln vorzuziehen.

 

Fälschlicherweise haben etliche Medien stets die Basij und die Pasdaran für die Niederschlagung der Unruhen verantwortlich gemacht. In Aschura zum Beispiel war aber fast ausschließlich die Polizei Niru-e Entezami im Einsatz.

 

 

In Aschura war die Strategie deeskalierende Natur. Ziel war es keine Märtyrer zu erschaffen. Vermutlich deshalb kamen die stark ideologisierten Basijis nicht zum Einsatz. Einen Märtyrer hat es dennoch gegeben: Ali Mousavi, der Neffe von Mir Hossein Mousavi.

 

Obwohl Polizeiübungen über das Handling einer (Groß-)Demonstration vorausgingen.

 

In Aschura machte sich eine Radikalisierung der Grünen Bewegung offenkundig bemerkbar.

 

Bürgerkriegsähnliche Situationen in einigen Stadtteilen Teherans.

 

Ungleich wie einige Oppositionellen, erfand das Regime keine Gruselgeschichten, wie über verbrannte Polizisten in eingesperrten Polizeiwägen...

 

 

 ... dazu hatte das Regime aber viele Gelegenheiten gehabt... 

 

... Toten, Verkrüppelten und Brutalität auf beiden Seiten.

 

 Das führte zu der prompten landesweiten 10-Millionen Gegen-Demonstration zwei Tage danach. Der Begriff "pro-Ahmadinejad" ist jedoch unzutreffend...

 

... Wähler Mousavis nahmen entsetzt und angewidert von den monatelangen brutalen Bruderzwist ebenfalls teil. Auf dem Bild ein Mousavi Wähler mit einem Plakat: "Mousavi, wir bereuen dir unsere Stimme gegeben zu haben." (Im Original vulgär, Photo: Fars)

 


Susanne19-05-10

Im Iran wurde nicht einmal das Militär eingesetzt. Es gab zwar Bilder und Videos von prügelnden Polizisten und Regierungsanhänger, aber keine Schützen auf Demonstranten!!!

not moftkhor23-07-10

von wegen am ashura tag waren keine basijis...wieso macht ihr nicht die anderen videos rein???

ZENDEBAD JONBESHE SABZE MELLI

YA HOSSEIN SHIR HOSSEIN !!!!!

V V V

SA28-07-10

- Wenn es Videos von Basij-Mitgliedern an jenem Tag gibt, kannst du sie gerne hier rein stellen. Dass vereinzelte Personen im Zivil gerne "aushelfen" wollten, kann nicht kategorisch verneint werden. Aber ein Einsatzbefehl gab es nicht, deshalb gibt es auch keine Videos.

- Die anderen Videos sind bekannt. In dem Beitrag geht es nicht darum aufzuzeigen, dass es nur eine Wahrheit gibt, sondern, dass es mehrere Perspektiven gibt, die im Fall von Thailand von den Medien dargestellt worden sind aber im Fall von Iran keineswegs.

Ramin14-12-11

"Die grüne Demonstrationen richteten sich aber gegen die demokratische Mehrheitsentscheidung des Volkes, dieser hat Vorrang über allen anderen Rechten."

Ich schlage vor, Sie drücken nochmal die Schulbank und lernen endlich mal, was Demokratie bedeutet... Selbst wenn die Mehrheit gegen Mousavi & Karroubi gestimmt haben soll - was Sie ja behaupten - so ist eines der wichtigsten Güter der Demokratie der SCHUTZ VON MINDERHEITEN. Diese Mehrheitsdiktatur, die Sie hier propagieren, wurde schon Rousseau hart kritisiert. Lesen Sie mal nach, bevor Sie hier lautstark über Demokratie schwadronieren.

RA14-12-11

An der Richtigkeit dieses Satzes ist nichts auszusetzen und sie steht in keinerlei Zusammenhang mit Minderheitsrechten. Denn Minderheitsrechte bedeuten nie, die Stimme der Minorität der Majorität bei Präsidentschaftswahlen aufzuzwingen.

Hier noch mal zur Erinnerung: "Die grüne Demonstrationen richteten sich aber gegen die demokratische Mehrheitsentscheidung des Volkes, dieser hat Vorrang über allen anderen Rechten."




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